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zßanntagsblatt vud Humoristische Blätter.
Die Euntrechtung Finnlands.
Das Großfürstentum Finnland, das Schweden im
Frieden von Frederiksham (1809) an Rußland abtreten
mußte, ist dem Zarenreiche nur durch Personulunion ver—
punden und verfügt im übrigen über eine von Rußland
durchaus getrennte, selbständige Gesetzgebung und Ver—
waltung, deren Aufrechterhaltung bisher alle Zaren be—
ichworen haben, wenn ihnen auch als Großfürsten von
Finnland das Recht zusteht, durch die Ernennungen zum
finnischen Senat die Gesetzgebung in ihrem Sinne zu be—
einflussen und etwaige ihnen unliebsame Maßnahmen durch
ihr Veto zu verhindern.
Seit dem Regierungsantritt des jetzigen Zaren Niko—
laus 2. im Jahre 1893 geht nun die rußsische Politk
dahin, die Selbständigkeit Finnlands auf mehr oder min—
der gewaltsamen Wege zu durchbrechen. Als Grund dafür
führt man in letzter —* zweierlei an. Erstens be—
hauptet man, daß Finnland während der Revolutions—
jahre die Aufrührer aufzenommen, ja, sogar unterstü tzi
habe, ohne daß Rußland die Handhabe besessen hätte, da
gegen einzuschreiten, und zweitens stellt man es so hin
als ob Finnland, dessen Grenzen von der russischen Haupt
stadt St. Petersburg nur wenige Kilometer eutfernt sind,
im Falle von Verwickelungen mit auswärtigen Mächten
ein zu unsicherer Kantonist sei, als daß man ihm vol
und ganz trauen könnte. Gegen diese Behauptungen und
Verdächtigungen haben sich die Finnländer zur Wehr ge—
setzt, ohne freilich damit in Petersburg irgend etwas er—
reichen zu können. Vielmehr mußten sie es erleben, daß
ihnen ein Statthalter gesetzt wurde, der wie Robrikow
iich die Russifizierung der Verwaltung Finnlands in höch—
stem Maße angelegen sein ließ, sie mußten es erleben, daß
hr Landtag ein über das andere Mal vertagt oder ge—
chlossen, und daß ihr Heer aufgelöst wurde, ja, es kaͤm
ogar so weit, daß man in St. Petersburg fast fämtliche
Angelegenheiten Finnlands als „gemeinsame“ hinzusielsen
beliebte und die Befschlußfassung über sie deshalb
einer im russischen Sinne arbeitenden russisch⸗finnischen
sommission ünterstellte. Die Entrechtung Finnlauds hat
aber damit noch nicht ihr Ende erreicht. Wie schon sei—
einiger Zeit verlautet, beabsichtigt die russische Regierung,
das Gouvernement Wiborg, das, ehemals zu Finnland
zehörig, seit dem Jahre 1811 untrennbar mit diefem ver
bunden ist zu dem eigentlichen Rußland zu schlagen, sie
beabsichtigt wester. die finnische Armee überhaupt nich
mehr zu erneuern, sondern an ihre Stelle russische Trup⸗
pen treten zu lassen, und endlich das finnische Parlament
zu einer lediglich beratenden Körperschaf“ zu machen. Die
eigentliche legislative Entscheidung in allen f.nnischen
Fragen sol: an den Reichsrat und die Reichsduma über
gehen, in denen Finnland je acht Monate gesichert wer—
den sollen.
Ob die Verwirklichung dieser Projelte die Finnen nich
zu bewaffnetem Widerstand treiben wirde? Unferes Erach
tens ift die innere Lage Rußlands noch nicht derart, daß
vor den Toren Petersburgs Schlachten gegen die Aufstän
dischen geiefert werden kännen, ohne daß die nur zurück
zedrängten revolutionären Elemente Rußlands diese Ge
egenheit benutzten, um mit den Finnländern gegen Ruß—
land gemeinsame Sache zu machen. Jedenfal's hat die
russische Regierung durch die Absetzung des in Finnland
beliebten Generalgonverneurs Roekmann, der seine Er—
tgennung während der Revolutionsjahre nur der Angsi
Rußlands vor einem finnländischen Aufstande zu danken
hatte, und durch seine Er'etzung durch den Schüter Bobri
ows, General Seyn, der in Finnland der bestgehaßte
Mann ist, bewiesen, daß es ihm um die finnischen Re—
formen wirklich blutiger Ernft ist. Mag dos Schicksal
Wiborgs auch einstweilen noch ungewiß bleiben, wei
Rußland, wie es scheint, den Ein'pruch der auswärtiger
Mächte gegen seine Angliederung fürchtet: jedenfalls wird
General Seyn alles nin, um mit Hilse der jetzt in Finn—
land immer mehr verstärkten russischen Truppen das un
zlückliche Land völlig zuter die russische Knute zu beugen.
Es macht dem patriotischen Charakter des finnischen
Landidas alie Chre,“ daß de b ione ircen
Rußland jährlich von ihnr dafür forderte, daß es an
Stelle der ausgetössen finniscken Regimenter Finnland seine
Lruppen zur Verfügung stellte, rundweg ablebnte, selbfi
zuf die Gefahr seiner Nufläsuna nin die denn auch ann
—
puünktirch am 18. November ersolgte. Venn welch ein
Hohn liegt nicht darin, daß Finnland die unerbetenen ruß—
sischen Güste auf seine Kosten erhalten soll! Poliüsch klug
aber war die Stellunanahme des sinnischen Landtages in
dieser Frage nicht. Denn es stest außer Frage, daß jebt,
wo die par ementssose Zeit in Finnlans einseßt, Rufland
die beste Geegenheit hat. bei der keß Uiruhe den
Friegszussand über Finnland zu verh en aleschzei—
iag alle Gejetze, die im Zeichen der Revon ngit des
Laren, bestättat wurden, von Grund aus zu vereitigen
Wenn, wie man liest, der setzt völlig im russischen Fahr—
walfler schwimmende finnische Senat ichon eine Verord—
nung über die Verhängung des Kriegszustandes vorbe—
reitet, und der Zar befohlen hat, daß die Regelung des
innischen Vereinsrechtes als eine „allgemeine Reichsan—
gelegenheit“ betrachtet werden soll, so wird in Finnland
wohl nur zu bald die Ruhe des Kirchhofes herrschen,
wenn nicht eine sosche Vergewaltigung den Finnländern
das Schwert der Empörung in die Hand drückt
Arikel besagt: Serzenige, weilcher eine Rede hält und
ein Schriftituck veröffentiicht, welches eine Herausforder—
ung zum Widerstande gegen die Gesetze enthält, wird mit
einer Gelditrafe belegt. Die fünf Priester waren früher
zu ie 16 Frants Butze verurteilt worden. Dieses ist die
erste Repressivmaßregel, werche seitens der Regierung er—
grifsfen worden ist.
* Der „Matin“ veröfsentlicht Einzelheiten über das
nene Flotten-Programm und teilt mit, daß demnächst
in Brest und Lorient zwei Panzer von je 23 000 Ton—
nen gebaut werden. Zu diesem Zweck wird die Kammer
um die Bewilligung von 500 Mitllionen für 1910 ersucht
werden. Die Panzer bilden einen Teil des Programms,
welches im Januaren. Is. dem Parlament zur Begut
achtung unterbreitet werden wird. Die neuen Panzer wer—
den die stärkste Offensivgewalt haben, welche bisher er—
reicht wurde und gleichzeitig das Maximum der Unüber—
windlichkeit darstellen, wie es sich aus den Schießversu—
hen gegen das Panzerschiff „Jena“ ergeben hat. Das neue
Programm sieht für 1915 die Bewilligung von 19 Pan—
zerjchiffen vor, darunter 12 Dreadnoughts. Der Bau der
neuen Schiffe wird in der Weise erfolgen, daß je zwei
Panzer'ẽchiffe gleichzeitig auf Stapel gelegt werden und
zwar von 1910 an. Der Bau der einzelnen Schiffe darf
nicht länger als drei Jahre dauern.
Dänemark.
* Ministerpräsident Za hhe hielt im Folkesthing
eine Rede, in der er die Forderungen der neuen Regier—
ung vertrat. Diejenigen 12 Mitglieder der ersten Kam—
mer des Landsthing, die bisher vom König auf Lebens
zeit ernannt wurden, wären ebenfalls durch al'gemeine
Wahlen zu nominieren. Als der frühere Ministerpräsident
J. C. Christensen häufig Zwischenrufe machte, begannen
auch die Zuhörer durch Zurufe die Versammlung zu stören
und es entfiand ein allgemeiner Skandal, sodaß der
Präsident den Saal und die Galerie räumen ließ. Die
Sitzung wurde auf eine Viertelitunde unterbrochen
Volitische Rundschau. F
Deutsches Reich.
* Montag vormittag ist, wie der Bethmann ⸗-offiziöse
Reichsbote“ mitteilt, in einer Sitzung des preußischen
Staatsministeriums, an der die Reichsstaatssekretäre bez.
hre Vertreter teilnahmen, der Wortiaut der Thronrede
zur Eröfsnung des Reichstages festgestellt worden.
* Aus New-NYork kommt die Nachricht, daß nach den
von der Nachrichtenstele der Associated Preß verdreiteten
Viitteilungen ein Vetter des früheren Reichskanzlers,
Eduard W. von Bülow, in New Orleans, La., vor ei—
igen Tagen verhaftet wurde, weil er dem Geset
des Staates zuwider mit einer Mulattin in
Fhegemeinschaft lebte, der zwei Kinder entspros
en. Er wurde gegen Bürgschaft bis zur Verhandlung
entlassen und ist seither verschwunden. Man glaubt, daf
x Selbstmord begangen habe. Bülow kam vor etwa 20
Jahren nach den Vereinigten Staaten, trat in vas Bun
desheer ein und nahm im Westen an mehreren Indianer
ämpfen teit. Die Mulattin hat er im Jahre 1902 gehei—
ratet. Nach ihren Angaben stand er mit dem früherer
deichs'anzler in Briefwechsel. Jedenfalls finden sich Pho—
ographien des irüheren Reichskanzlers mit seiner eige
ien Unterschrift in der Wohnung des Verschollenen.
* Unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Kirschner
tagte im Berliner Rathaus eine gemischte Deputation zur
BReraung über eine städtische Arbeitsltosen-—
rficherung. Nach dreistündiger Debatte wurde,
man erfihrt, beichlosien. eine außerordentliche Sitzung
des Deutschen Stidtetages einzuberufen, um allgemein
»n dieser wichtigen Frace Siteltunga zu nehmen.
Deutschlands Handel mit Oftasien.
Die jeßttt abgeschlossene amtliche Statistik über unseren
Warenaustausch mit den beiden großen ostasiatischen Rei—
chen im letzten Jahre gibt, wie man schreibt, ein keines—
wegs erfreuliches Bilde Denn unsere Ausfuhr n ach
China, die nach allmählichem Steigen im Jahre 1905
mit 75,8 Millionen Mark ihren höchsten Stand erreicht
hatte, von da ab jedoch erheblich zurückging, hat eine
weitere Einbuße erlitten und ift mil 60 Millionen noch
unter den Stand des Jahres 1904 zurückgegangen. Die—
ser Ausfall ist zurückzuführen auf das Nachlassen des Be—
darfs auf den oöstasiatischen Maͤrkten nach dem Aufhören
des russischapanischen Krieges und auf den Preisruͤck
zang des letzten Jahres. Unsere Ausfuhr bestand haupt
ächlich in chemischen Erzeugnissen, wie Farben, in Me
allwaren, Spinnstoffen und Waren daraus, Maschinen
Fahrzeugen und Wafssen. da ein Handelsvertrag ni
Iteht, so werden chinesische Erzeugnisse bei uns nach de.
Agemeinen Tarif verzollt. Trotzdem zeigt unsere chine⸗
ische Einfuhr eine erhebliche Steigerung; sie hat im letz⸗
ten Jahr mit 70 Millionen ihren höchsten Stand erreicht.
Wir beziehen von dort vor allen Pelzwaren, Sesam, Fe—
dern, Tee, Häute und Borsten. — Mit Japan besieht
ein Meistbegünstigungsvertrag seit dem Jahre 1899. Ein
und Ausfuhr sind gegen das Vorjahr erheblich gefallen.
Denn wir bezogen aus Japan mur noch für 19 Millio—
nen Mart Waren gegen 29 im Jahre 1907; und unfsere
Ausfuhr fliel von 102 Millionen Am vorletzten Jahr auj
95 im Jahre 1908. Dabei i zu berücksichtigen, daß die
Finfuhr gegen den Beginn des Jahrzehntes nur um
2,585 Millionen zunahm, während die Aus uhr im gleichen
Zeitraum um 54 Miillionen stieg. Wir beziehen aus Ja⸗
an hauptsächlich Nahrungs- und Genußmittel, Seide, Ge—
slechte, Kupfer uͤnd chemische Stoffe; dagegen führten wir
zus Metallwaren, Farben, Maschinen, Papier, Glas um
lektrotechnische Erzeugniffe.
Desterretch-Ungarn.
* Die Anffassung der österreichischen Regierungskreise
icnber die Situation im Parlament hat sich durch Ein—
ratt in die Debatte und die opmistische Erklärung von
lombinsti nicht geendert. Die Abstimmungen in de
lawischen Union beweisen, daß die Mehrheit noch im
ner hinter Kramarsch steht, und Kramarsch will keine
VBerständigung ohne Triumph der slawischen Sache. Auf
deutscher Sette erlennt man die prinzipielle Natur des
dampfes und opfert sich nicht für eine Fiklion des par⸗
lamentarischen Regimes, das gleichbedeutend wäre mit
der slawischen Herrschaft. Ein Ausgleich ist also kaum
möglich. Der Rückhalt des Kabinetts an der Krone sei
zewüß, da auch an oberster Stelle der Entschluß feststehe,
durch keinerlei parlamentarische oder nauonale Demagogie
ich irgend eine Konzession mehr abringen zu lassen, d'ie
achlich nicht begründet
Fruutreich.
* Der Rolonialminisier ergriff gelegentlich des Banketts
der republitanischen Vereinigung das Wort. Der Mini
ster ließ durchbliclen, daß die Regiecung den Kampf ge
gen die Bischö fe aufnehinen werde.“ Der Minisier er—
lärie zeiner, die wel lichen Schulen werden von allen
Republitanern verte diat werden. Am Barlamen, werde
diese Verteidiaung durch neue strenge Gesere ersolgen
Das Blatt verößentlicht seinerseits die Namen von fuün
bersonen, deren Penssonen wegen Vergebens gegen Ar
itel 35 da tra gesetzbuchs faäsitert wörden ün vie
Die Christbhlume
Erzählung von C. Burger.
F Nachdrud verboten.
Wenn's weiter nichts ist,“ rief Saccfeid sichnia er—
Sie Ihrer Schwester, daß sie sefort einen Boten zu uns
sendet, wenn irgend etwas in Waldbrunnen nicht in Ord
nung ist. Wir werden dann sorgen, daß sie sicher nach Ka—
lifornien reisen tann.“
Larra schien nicht beruhigt, sie schluchzte bitterlich,
und ihre Glieder zuckten konvulswisch.
Lachen Sie nicht über mich,“ flehte sie, ‚aber ich
jürchte so sehr für meme Schwester.“
„Wenn Sie uns genau sagen wollten, was Sie fürch⸗
den. so würden wir Ihnen dielleicht besser helfen tönnen
ermutigte Saarseld das bekümmerte Mädchen
Ich fürchte, daß meiner Schwester Unheil droht. —
Sie haben sie noch nicht gesehen. wissen daher auch noch
micht, wie schoͤn, aber auch wie furchilos sie ist — Es is
ast zur Gewißheit in mir geworden, daß sie, um den
daß der Geschwister zu entgehen, einem schrealichen Schid⸗
jal anheimfallen wird. Waldbrunnen liegt saft noch mehr
oon jedem menschlichen Verkehr ausgeschlofsen, wie hier
ansere Einöde, und jelbst unser schneuͤstes Pferd, Hettor,
ann bis dorthin kaum den Wege in vier Stimben Furüa—
legen. Bis Sie im Notfoll dort aniangen, konne sie schen
ot oder — — fest eingeschlossen werden, um eines lang⸗
samen, qualvollen Todes dahin zu siechen!
Die Angst der jungen Dame wirkte anstecend auf ihre
Zuhörer. Saarfeld gab ihr den Rat, Herrn Lester hre Ba
sorgnis mitzuteilen. Kurt schlug vor, Valesta solle sofort
dr nach Kalifornien reisen, aber Laura schüttelte das
aupt.
„Vally verläßt ihren Vater nicht,“ sagte sie, ‚und sie
ist selbst so furchtlos, daß sie nur über meine Besorgnis
botiet“ Sierauf verabschedere sich die jun Dane
Als die beiden Freunde allein walen, sahen sie sich
betroifen an. dann sagte Kurt ann.
Das ist eine fatale Geschichte, das Gesicht des jungen
Richter hat mir gleich schlecht gesallen; er wan in meilnen
Augen gleich ein erbärmlicher Schurle!“
Saarfeld nidte.
„Der alte Hett soll sehr reich sein, so erzählte mir
Lester; jedenfalls hatten sich Neffe und Nichte schon lange
An dle Froschost destent and jun derhateer *
Pflegetochter. Wenn wir nun helfen könnten in gutem
Willen soll's gewiß nicht fehlenj⸗
Wir müssen scharf beobachten, was in Waldbrunnen
vorgeht,“ entgegnete Kurt ernst. Es darf nicht gesagt wer⸗
den, daß eine junge Dame freund⸗ und schutzlos gewesen
st, wenn deutsche Männer in der Nähe sind.“
„Mein lieber, alter Freund, ich bin gewiß ebenso gern
ꝛereit. die junge Dame unter meinen Schutz zu nehmen,
vie Du,“ wandte Saarjeld ein; „aber scharf beobachten, was
auf einer mehrere Meilen weit entfernlen Besitzung vor⸗
geht, das ist ganz unmöglich.“
„Scheint Dir denn die Angst des besorgten Mädchens
unbegründet?“
Durchaus nicht, Kurt; im Gegenteil, ich fühle inniges
Veitleid mit ihr, nur weiß ich nicht, inwiefern wir ihr hel⸗
en tönnen. Ich wünschte daß eine meiner Schwestern oder
neine Mutter mit uns herübergetommen wäre, so könnte
Laura unter ihrem Schutze bei ums bleiben und jelbst über
die Wohlfahrt ihret Schwester wachen“ — —
Die Trenmumgestunde hatte geschlagen. Zum letzten
Nale hatte sich die Familie Lesier im Frühstüds zimmet
nersammelt, als draußen Pferdegetrappel hoͤrbar wurde und
jleich darauf Valesta in Begaleitung des sungen Richter dae
Semach betrat.
Volesta war etwa ein Jahr jünger wie ihre Schwester
aber gänzlich von ihr verschieden. Sie war groß und statt
lich von Gesialt, ihr Antlitz war bleich und jihre duntkler
Augen leuchteten schelmisch unter den langen Wimpern her
gor. In ihrem langen, schleppenden Reittleide, dem zier
ichen Filzhute, den drei echte Straußenfedern zierten, sal
ie eher einer stolzen Fürstin ähnlich, die, von ihrem Hof.
taat umaeben, deren Huldiqungen migan n ».
—— —— — — — — — —
der Tochter eines Gutsherrn, die am' frühen Morgen einen
sehr weiten Ritt durch einsame, ungeebnete Wälder gemacht
hat.
Komm, setze Dich, Michael,“ sagte Herr Lester freund⸗
lich, als die erste Begrüßung borüber war; „es ist gut,
daß Du Vally noch einmal hierhergebracht hast; wie gehis
dort drüben?“
Der jimge Mann antwortete nur kurz und einsilbig.
Finster nahm er den dargebotenen Platz, noch finsterer, fasi
drohend schweifte sein Blid zu dem Schwesternpaare hin⸗
über, das eng umschlungen beit einander saß. — Vally
prach nur wenig, nur für Herrn Lester hatte sie freund⸗
iche Worte, während sie ihrer Schwester kaum ein Ab⸗
schledswort sagen konnte, so fest schien ihre Kehle zuge⸗
schnürt zu sein. Nur bei der letzten Umarmung flüflerte
ie letse Frau Lester das Versprechen zu, für das Grab ih⸗
res tleinen Robert treulich sorgen zu wollen und es stets
mit frischen Blumen zu bepflanzen.
Kaum waren die Reisenden eine tkurze Strede entfernt
als Michael Richter höhnisch ausrief:
„Lester war ein alter Narr! Die desten Fabre seines
Lebens hat er daran gesetzt, sich wie ein Arbeiter geplagt,
ind jetzt, da er den Lohn seines Fleißes fieht, da
eine Besitzung jedes Jahr an Wert gewinnt, da ver
auft er alles, nur weill es seiner Frau nicht länger Iter
gefällt!“
Doch Valesta sah ihn mit stolzen vernichtenden
Bliden an.
„Herr Lester hat edel und großmütig 2*auvelt,“ rief
ie schneidend, sich in ihrer ganzen Größe ausrichtend, „er
jah, daß seiner Gattin das Herz blutete, daß sie nicht an
einem Orte bleiben kennte, wo sie ihr liebstesKind begra⸗
ben hatte, darum gab er alles auf, Heimat und ein reich
zesegnetes Arbeitsfeld, nur um seine Gattin wieder glück⸗
ich zu machen. Doch Du versiehst detartige Gefühle nicht,
Michael, sonst würdest Du diesen ehrbaren Nann nicht ei⸗
ien Narren“ nennen!“
Fortsetzung kcala⸗