Full text : Dudweiler Zeitung

Aber d sige dieunalt jat ver —rten neag
bleiben werde. Seiner Meinung nach werde in wächster
Woche die Kammer die bereits abzgetehnte Erklirnug er—
neuern, daß der Wille des Volkes maßgebend ist. Rach
den Wahlen wird der Vorschlag Sir Campbeil Banaer—
nanns geprüft werden, dahingehend, daß das pariameu—
arische Systenn der Vorherrschaft des Volkswillens über—
ill angewandt wird und daß ein Gesetzentwurf, der vorn
Unterhause angenommen wird trotz der Gegnorschait des
Iberhauses Gesetzeskeaft erlangt unter der Bedingung, daß
r wiederholt dem Unterhause unterbreitet wird und ein
zewisser Zeitraum inzwischen verstrichen ist, und daß ein
Inkrafttreten dieser Maßregel eine Intervention der Krone
notwendig macht. Sollte dieser Antrag nicht durchgeben,
so wird die liberale Regierung sich weigern, die Regier—
ungsgewalt zu überneßmen

Griechenland.
* Die Mtißstimmung zwischen Regierung und
Militärliga ist bereits über wunden. Immer—
hin ist insolge des Gesetzesvorschlages über die Alters—
zrenze der Offiziere der Landarmee und Marine noch ge—
fährlicher Zündstoff vorhanden. Ueber einige Gesandten—
posten sollen bereits neue Entschließungen gefaßt worden
ein. Rangabe foll in Berlin durch den Üniversitätspro—
sessor von Streit, Sohn des Gouverneurs der griechischen
Nationalbank und deutscher Abkunft, ersetzt werden. Ge—
naudis soll nach London gehen, wäͤhrend Romanos von
dort nach Paris übersiedelt. — Die Kammer hat ihre
Zitzungen wieder aufgenommen. Alle Gerüchte über eine
Ninisterlrise sind unbegründet.
Serbien.
*In politischen Kreisen wird der bevorstehende Be⸗
uscch des Bulgaren-Königs lebhaft besprochen. König
zerdinand dürste bei seiner Rückreise aus Paris, wo er
ich im Interesse einer neuen bulgarischen Staatsanleihe
ufhält, in Belgrad König Peter einen Besuch abstatten.
zein Aufenthalt in Belgrad soll zwei Tage dauern. —
tine sür Serbien bestimmte Schiffssendung von Kirieg s—
natexial ist neuerdings in Saloniti eingetroffen. Sie
hesteht aus 2000 Kisten Mausergewehren und 40 Tonner
Munition. Die serbische Regierung wartet auf die Be—
willigung der Durchfuhr, die sie von der Pforte verlangt
u0t.

Spanien.
* Die Nachricht, daß kein einziger Riff-Motable zum
Zzwecke des erwarteten Friedensangebots erschienen ist,
vird von der regierungsfreundlichen Madrider Presse äu—
zerst kleinlaut aufgenommen; somit sind die trügerischen
Vorspiegelungen von der bevorstehenden freiwilligen Unter—
werfung sämtlicher Riffstämme, welche vom Hauptteil der
spanischen Presse, die den Regierungswünschen folgte,
wochenlang ausposaunt worden waren, nunmehr Lügen
gestraft. Gleichzeitig werden alle an das voreilig prah—
erisch verkündete Friedensfaktum angeknüpften inländischen
vie ausländischen' optimistischen Kommentare hinfällig.
Es entsteht jetzt die Frage, was das spani'sche Heer nun—
mehr beginnen wird. Die fsofortige Wiederaufnahme der
Feindseligkeiten erscheint wegen des auf dem Kriegsschau—
Rlatz wiederum herrschenden Unwetters ausageschlofsen

Marokko.
* Der „Matin“ meldet aus Tanger: Die Antwort
Muley Hafids bezüglich der Anleihe ist aus Fez mit
inem Spezialkurier eingetroffen und uneröffnet nach Paris
veitergesandt worden. Der Kreuzer „Friant“, der nach
Agahdir abdampfen sollte, erhielt Befehl, weitere Instruk—
ionen in Mogador abzuwarten.

Der neue Unterstaäaatsfsekretär der Reichskanzlei.
9 Der Geheime Oberregierungsrat und Vortragende
stat in der Reichskanzlei, Wahnschaffe, wurde zum Unter—
taatssekletär der Reichskanzlei ernannt. Der bisherige
Interstaatssekretär der Reichskanzlei war der nach dem
Zturz Bülows zum Oberpräsidenten von Brandenburg er—
iannte Wirkliche Geheime Oberregierungsrat F. W. G.
»on Loebell. Er hat seit seiner Berusung an die Spite
»er Provinzialverwaltung von Brandenburg die Geschäfte
als Unterstaatssekretär der Reichskanzlei noch nebenher ge—
eitet Ueber seine Nachsolgerschaft sind in der Zwäscheu—
zeit alle möglichen Vermutungen laut geworden, keine
iber riet euf Erzetlenz Wahnschasse; er steht im 44. Lebens—
ahre. Seit lodg steht er im Staatsdienst, wirkle bis
18097 bei der Reglerung in Hannover, war in der Foige
Landrat von Landsberg a. W., Mitglied der Ansied—
ungsrommisston in Rosen, Vortragender Rat und om—
nissar des Landwirtichaftsäsministeriums und wurde 1997
n Stelle des zum Untennalssetfretär ernannten Dr. Gün—
ser als Bortranenßzer Rat in die Maibatanaleit berufent

— — 5935 *244
Die ungarische Krise.
M Wien, 24. Nov.
Der Hronrat hat keinerlei Ueberraschungen ge—
zracht. Es stteyen Arone und Roalittonsregierung unver—
ücktt auf ihrem Standpuntt: die Krone, daß neuertiche
noanitärrdrjsisie fur die rtzatftuna des Batfes uilripnt

57* — —
— 3[.
Erzühluna pan C. Burger.
Nachdruck verboten.
Die beiben Freande waren schon dreimal in Waldbrun—
.r hatte Herr RNichter seine Besitzung, die Oase in
er Wüste, benannt — gewesen; sie hatten den alten Herrn
owohl wie dessen Nefsen und Nichte kennen gelernt, aber
on Valeska Nobel kteine Spur gesehen. Ebenso waren die
eiden Geschwinerl diichter zu ihnen herübergeritten, aber die
stlenn hnm ester war nicht ber ihnen
Aenn der alte RNichten seine Verwandten nicht zu sich
nommen hätte, 'e würde Valesta die einzige Dame weit
n⸗ reit tm geanzed Umktreis sein.“
Du vergife. Mutter Dolores,“ scherze Saarseld, „ie
ttrict bei uns das schöne Geschlechr. Ich freue mich, daß
hiet bleite will, denn sie ist eine ireue Seele, und
erfteht dabe ihre Arbeit im Haujse prächtig“
Die alte Vieutler TDotores war eine Aegerui, die mit
aher Unyanglichteit an ihrem wernatelaude hing. Schon
ens tanger als zwolj Jahren hatte jie in Herrn vesiers
Alenlen gessariden, war Roqchin, Krantentlegerin oder gtinααletin,
 je ruchdem ihre Dienste ersorderlig, waren;
och sie konnte sich nicht entichließzen. die Nene nach Kali-—rnien
 muzungchen.
Nouro Rober War in den leßten Tagen sehr beschaftigt
— DDDD
liein oblag, auch die viejahen Vorbeteiltungen zur Ao⸗
eije fieter. ih1 Just ausschnehtich zu. Tie Leiden Freunde
ter. langj venecti, daß das Iijqje, Llge velichlchen von
Are öu lichtlich erbltelide; ole Augen lagen ieser in
ιlet und breite, ouiute Schaltert um bieselben fun—
—elen bor butiget Corgée undo jqiotosen uy,en. weivig
vpar die Telltiuliz An der gellebten Schweitet Ursache die-Er
 1n e,nσ

*8 mar han wat am Abend. Lesters lagen längst
mnearie den reunde dabennq

WfWVWsVsWIV
egen die Ftthdrn we oe sogenarrnte Errungerichas⸗
en aussichtẽlos sei. Aber die Tatsache allein, daß man
richt mir Urtimaten arbeitet, fsondern weiter verhandelt,
»eweist, daß eine mitt ere Linie gesucht wird, und daß
die Personenfrage eigemlich gelsst ist. Die Hauptschwi⸗—
igleit liegt noch auf dem militärischen Gebiet. Doe
rrone sagt, die Armee sei ein technisches Instrument und
die Armersprache keine Pol tisjserung. Es wird der unga—
ischen Regieritug nahe gelegt, statt der sogenannten na—
onaten Errungenschaften lieber soziale zu verlangen wie
e baldige Einführung der zweijährigen Dienstpflicht und
die Humanisierung der Militrgerichte, was auch für die
seuwahlen eine bessere Parole geben würde. Die unga—
ischen Staatsniänner glauben aber, daß die Waählerschaft
iach so langem Kampsfe darauf besteyen werde, in irgend
iner Form die Staatssprache in der Armee zur Geltung
u bringen. Die Difserenz ist eigentlich nicht mehr all zu
roß. Andrassy verlangt die Zusicherung gar nicht für
eute, ja möchte sie jetzt nicht einmal annehmen, da sie
m Wahltkampf von der Opposition noch ebenso bogatelli—
iert werden würde, wie seinerzeit die recht wertvollen
srrungenschaften des Neunerprogramms, die zur Unzeit
segeben wurden. Er will das Zugeständnis der Kom—
nicsprache nur für den Zeitpunkt nach Erledigung des
tieuen Wehrgesetzes. Es wird nach wie vor daran ge—
irbeitet, die ganze Frage bis zur Einbringung des Wehr⸗
gjesetzes in Schwebe zu lassen und mit der unvermeidli—
hen Neuwahl den Grafen Andrassy zu betrauen. Graf
Andrafsy wäre dazu auch bereit, möchte aber gerade für
»en Wahlkampf eine gut gefürlte politische Wahlkasse ha—
ven Maßgebende Kreise haben überigens den Eindruck
iner leichten Besserung der Situation.
Hef und Gesellschaft.
** Wie der „Morgenpost“ aus Schwerin berichtet
vird, erwartet man am dortigen großherzoglichen Hofe
iin freudiges Ereignis. Das Herzozspaar von
;Tumberland stellte setnen Besuch zur Beglückwünschung in
lussicht. Wenn sich die Erwartung am Schweriner Hofe
rfüllt, so würde das Großherzogspaar das erste Kind
ekommen, da der im Jahre 1904 geschlossenen Ehe des
zroßherzogs Friedrich Franz 4. mit der Prinzessin Ale—
udra, einer Tochter des Herzogs von Cumberland
Iindersegen bisher versagt war.

—X&X

ö

Kunst und Wissenschaft.
Von der Arterienverkalkuug. Welche Bedeutung
ieser Krankheit zukommt, geht wohl am besten aus dem
Imstand hervor. daß ihr 25 Prozent der Menschheit zum
Ipfer fallen. In der letzten Zeit ist es gelungen, künsi⸗
ich bei Tieren Veränderungen herbeizuführen, die der
lrterienverkallung beim Menschen entsprechen. Es ist
vahrscheinlich, daß diese Tierversuche sich für die Behand—
ung und Vorbeugung der so verbreiteten Krankheit als
lützlich erweisen werden. Heute ist es beinahe schon all—
semein anerkannt, daß solche Faktoren, die eine lang an—
dauernde oder sich häufig wiederholende Blutdrucksteiger—
ing auslösen, dadurch die Entwicklung der Krankheit be—
chleunigen. Uebermäßige Inanspruchnahme und häufige
leberanstrengung eines Organs kann zur Folge haben,
daß die Blutgefäße dieses Organs verkalken. Auch häu—
ige, überanstrengende geistige Arbeit, ferner Gifte, z. B
Tabat, tkohol, Blei und gewisse Krankheiten, wie Stoff—
vechselleiden und Nierenleiden, können bei der Entstehung
er Arterienverkalklung mitspielen. Auch die Vererbung
oll eine Rolle spielen; desgleichen eine träge, sitzende
Lebensweise, besonders, wenn sie mit einer zur Fettlei—
igkeit fübrenden Ueberernährung verbunden in. gefährdet
zie Gesundheit der Gefäße.
3 Die Echtheit der Flora-Büste. Einem Mitarbei—
ter des „Berl. Lok.Anz.“ gegenüber erklärte Gey. Rat
Piethe, der die Untersuchung der Flora-Bünste gelei—
let hat, es sei der Beweis erbracht, daß Lucas keines—
wegs der Schöpfer der Büste ist, daß er höchstens die
linke Gesichtshälste unbedeutend überarbeitet hat, die sich
mielllicht in einem schadhaften Zustande befand, und daß
er seinen ursprünglichen Auftrag nur zu einem ganz klei—
nen Teile wirklich ausgeführt hat.

— J
Sprarhqjecke.
lattfrmm. Alle Achtung vor der deutschen Bild—
untg, aber was versteht die große Mehrheit unserer deut—
chen geitungsleser von amerikanischen Parlamentsgebräu—
hen? Kann man es ihnen daher verdenken, wenn sie
opiczit elnd und ratlos vor der „Platssorm“ mit oder
ohne Gänfefstecnen sitren, von der ietzt so oft in großen
uund kleinen Bflartern zu lesen ist? Da heißt es beispiels—
wetse: „Es vaben sich in den letzten Monaten gar wich,
tige Beränderungen in den Verthältnissen ergeben, die
möglichetweisse bei Neawahlen, die auf der „Pattform“
der Fingtuuzresorm zussande fämen, ganz andere politische
erlätunese erreben würden.“ „Die zweite Möglichkeit
trüre feinng des Reich?taa3. Ban bat dggearn “*

Ich rer umerer Abreise noch mit Ihnen reden,
Herr Sautade eraun e ehne Umschweife, „und habe da⸗
nit bis zu ditnen ide gewartet, um meinen Vater nicht
zu beunruhzen: — er hat ornchin Sorgen genug.“
Sadtie le tee essel αιNy αε Ußινuihte und
besrentotte , eine lelgebildete Jjunge Bame allein
ant Adeno l Unnl eelie nterhallung mit einem
uigen Peιι . A ιιι h.
„α α . Iνανutig nicht jstoren,“ lachelte
αα α qur uιK.
Aber vus lnee αιN αle ihn jo slehend an, daß
2 pια να αιιι_νeα.
„Vletre S ιι dau,“ bat sie, „denn auch Sie
vonnen i ιye een.“
SALI jegle . ille peliiticje Pause entstand; Xaura
hiei ι ιν qu haodll, ihl Alulegen vorzubriugen.
AIII IA o-n herelt, uagle Sarseto eiler:
α ι ισQ lene Xientuige, die Sie meiner spe⸗
ellett Delttuuelt Dornen, &tauulein Aobers Jedes
»er inber hal unr die pfiege seines Sleotitigetiecchenes
jun velonενι ι αιο tlegi, lldr) will jur das Aiey,
uJ Aι, XM ειι , teulich und ge—
visenhajt ogen. Was launn ich sur Ste tunß“
„Das ms nicht,“ oetseßte Naura, und Tranuen ver—
chleierren iten Blict, „aber — — nehinen Sie sich meiner
Zchwester, unserer heben Chrisiblume, an!“
Saarfeld erschrat. Er hielt es kaum für möglich, daß
ine punge, bildschöne Dame der Chhut eines Herrn anver—
xaut wurde, der seinen Schützlina noch nicht einmal ge—
ehen hatte.
„Ich habe Ihre Schwesier noch nicht gesehen,“ erwiderte
er deshalb ausibeichend, „aber ich bin überzeugt, daß mit
der Zeit wir FXFreundschaft schließen werden“
Laura schüttelte traurig ihr Haupt.
Eio yoöritehon mich nicht dhor — — uo 6zes

38

oin, dan besiebe Sie nicht. — ich weiß nicht, was
* —EVFS—

Fewudse berß e Väahrepeagre () min ver Pie
sorm nener Steuern sehr mißlich sei,. . .wenn die
dande herrschende Erbitterung noch mehr gesteigert ode
zar der ‚„neuen Block-Gesetzgebung“ die Möglichkei
jeboten würde, ihre verheerenden Wirkungen eine Zeir
ang auszuüben. Dann würden die Sozialdemokraten ein
Plattsorm besitzen, wie sie sie sich besser nicht wünscher
dnnen.“ — Plattform? Plattform? Was in aller Wer—
soll das heißen? Man ist fast verincht, „Sprungbrett
dafür einzusetzen, obgleich man von der Plattiorm, w
Bir sie kennen. — naͤmlich an den Straßenbahnwagenacht
 abspringen darf. — Weshalb aber schreiben die deu
chen Zeitungen nicht deutsch für uns Deutiche? Weshal
chreiben sie nicht deutlich? Weshalb muten sie ihren v
ern zu, erst im Wörterbuch nachzuschlagen, was jolche
Wort hier bedeute? Brockhaus sagt dazu: „In Nori—.
merika bezeichnet man mit Plattform die Rednerbühne
politischen Versammlungen, dann aber auch das Pr
zramm, welches von der Rednerbühne aus erörtert ur
zon der Versammlung angenommen wird.“ Eine ser
ame Begriffsübertragung; aber weshalb sie bei uns eir
ühren, wo man nicht einmal „Plattsorm“ als Redner
hühne kennt? — Wollte man etwa versuchen, das „Pa
eiprogramm“ zu verdeutschen? Dann hätte man un
chön aus dem Regen unter die Traufe geiüdrt!

—*24* ——
Gerichtszeitung.
Soldatenmißhandlung Unter der Anklage oder
Mßhandlung. vorschristswidriger Behandlung unß Belei
digung Untergebener in 62 Faͤllen staͤnd der Unteroffizi
Heise von der 8. Kompanie des Garde⸗Füsilier-Rege
ments vor dem Kriegsgerischt der 1.Garde Di.
ion in Berlin. Der Angeklagte ist ein blutjunger Unter—
ossizier von 20 Jahren. Er war von der Unterossizier⸗
chule gekommen und konnte den an ihn gestellten dienst
ichen, Anforderungen nicht gerecht werden, er mißhandelte
nun seine Leute, Nicht weniger als 16 Füsiliere führ
die Anklage an, die von dem Untereifizier geschlagen wor—
den sind. Der Füsilier Michalek wurde dreizehnmal miß
jandelt; mehrere der Untergebenen mißhandelte Heise mit
inem Sporen, den er sich von einem Schuhmacher ver—
chafft hatte. Es war eine förmliche Manie des Ange⸗
lagten, den Rekruten mit dem Sporen auf Rücken und
rxmen herunterzustreichen. Er tat dies mit solcher Ge—
alt, daß am Körper die Linien zu sehen waren und
ruch Hautabschürsungen entstanden. Er pflegte die Miß—
andlungen mit dem Sporen durch die Worte: „Ich werde
Zie spornteren!“ einzuleiten. In anderen Fällen versetzte
er den Untergebenen Faustschläge, faßte sie am Kragen,
vürgte sie und gab ihnen Stöße mit dem Seiten—
zgewehr. Die Rekruten belegte er gern mit dem Schimpi—
vort „Idiot“. Der Füsilier Winter hatte eines Tages
Zahnschmerzen und war deswegen auf der Stube geblie
»en. Als der Angeklagte den Untergebenen im Zimmer
ah, riß er dessen sämtliche Sachen aus dem Spind, packte
hneam Hals und stieß ihn gegen das Bett und das
Z„pind. Den Füsilier Schillinger würgte der Unteroffi—
ier, daß ihm die Luft ausging. Einem Einiährigen gab
der Angeklagte früher einmal eine Ohrfeige, weil er an—
jeblich einen schwarzen Fleck im Gesicht gehabt hatte. Auf
die Frage des Verhandlungsleiters, aus welchen Gründen
er die Untergebenen geschlagen habe, vermochte Heise nicht
»as geringste anzugeben. Er wisse selbst nicht, was ihn
dazu veranlaßt habe. Ohne daß sich die Leute auch nur
das gerinaste Vergehen hätten zu Schulden kommen lafß
sen, schlug er auf sie ein. Die Mannschaften wunderten
ich immer über das seltsame Gebaren des Unteroffiziers
und öfter kam ihnen das Tun und Lassen des Vorgesetz—
en kindisch und albern vor. Einer der Füsiliere meinte,
»em Angeklagten habe das Quälen und Drangsalieren
Zpaß gemacht. — Da eine Reihe von Momenten dafü—
prachen, daß Heise geistig nicht normal sei, stellte der
Verteidiger den Antrag, den Angeklagten auf seinen Gei—
teszustand hin beobachten zu lassen. Vier Monate hin
zurch dauerte die Beobachtung, ehe die sachverständigen
Lerzte zu einem abschleßenden Endergebnis kamen. Die
Autachten, die in der Verhandlung von einem Genera
berarit, einem Oherarzt und zwei Stabsärzten abgege—
ein wurden, lauteten übereinstimmend dahin, daß sich
der Angetlante bei Begehung der strafvaren Handlkungen
actnent QZusand der Entwicklung einer Geisteskrankheit
ꝛcfunden babe und insolgedessen für seine Handungen
icht verantwortlich gemacht werden könne. Auf Gruünd
ieser Gutachtten velangte das Kriegsgericht zur Frei—
prechung. Während der ärtlichen Beobachtungszeit
atte sich Heise aAls Kommerzgienrat und Millionär aus
terneben. Er watlte auch ein Dutztreund des Fürsten Bü
o d ert der Nefonter des FZronwinzen fein

nralbe 32ujtem mung. „. . Mein Vater, lieb
Facili. Wwar ein abalier venn Schenel bis zur Sohle
Tα ieni! Den hab igut tennt — ogar de ch
——

——

—BRX.4

„Es wird mir schwer, es Ihnen zu sagen. Meinem
Vater kann ich mich nicht anvertrauen; er würde meine
Furcht delacheln. Ich weiß auch micht, ob dieselbe begrün—
det ist, aber ich arne, daß Vally einer schweren Zeit ent—
gegen geht; hier fühle ich's,“ und sie leate beteuernd di—
Hand auf's Herz.
„Die Trennung wirdIhnen schwer, das verstehe ich
wvohl,“ versicherte Saarseid.
„Nein, daß ist es nicht. Herr Richter ist ein alter
Mann; er wird voraussichtlich nicht mehr lange leben und
ann — —
„Sie wissen,“ fuhr Laura fort, als die beiden Herren
chwiegen, „Herr Richter hat meine Schwester als recht⸗
näßiges Kind adopttert und sie zu seiner Erbin eingesetzt.
Nun aber lebt seit vielen Jahren Weichael Richter, der Nefse
»es alten Herrn, als Verwalter in Waldbrunnen. Ware
Lally nicht dazwischen getreten, so würde dieser Neffe der
Frbe werden, und — — — er hat einen schlechten Cha⸗—
ralter.“
„Herr Richter mißfiel mir von Anfang an,“ gestan
Saarfeld, „aber ich glaubte, es sei Vorurteil.“
„Michael ist nicht allein hetmtückisch, sondern auch grau—
fam, und seine Schwester ist noch schlimmerl“
„Wie lange ist Fräulein Richter schun in Waldbrim—
nen?“ warf Kurt ein.
„Etwa seit einem Jahre. Frau Richter war vor ihrem
Ende lange krant; Vally war kaum sechzehn Jahre alt, do
zlaubte ihr Pflegevater, die Sorge und Pflege um die
trante würde meiner Schwester zu viel werden. und er
zab den Bitten Michaels nach, und ließ auch Martha Richer
 kommen. Aber so herzensgut Vally auch ist, hat sie
och ein reizbares, heftiges Temperament, und das hat sie
»en beiden, die ihr wenig sympathisch sind, oft genug ge—
zeigt. — So lange Herr Richter lebt, fürchta th nichts;
aber nach seinem Ablecen werden die Geschwinet das arm—
ind tyraunisieren. — Wellen Sie dasfur Arn, daß
ie später siczher nach RAlsfernien Selene 27 Mootut
ter tit so gut: »r wird Naltv rebnaen er
            
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