Ru ftschiffahrt.
*eEine französische Stimme über die
Kölner Luftschiffmansver. Haben die Köl—
mer Luftschiffmanöver weitesten Kreisen der Bevölkerung
ein unvergleichliches Schaufpiel geboien und das vVer
ständnis für die Luftschiffahrt im allgemeinen und das
Luft'chiff als Kriegswaffe im besonderen aufs glücklichfie
gefördert, so läßt sich leicht einsehen, daß das Ausland
diese bis jetzt noch in keinem anderen Siaat erreichte
glänzende Leistung mit großer Aufmerksamkeit verfolg
hat. Wie sehr die deutschen Luitschiffe von kundigen The—
banern oder Fanatikern in England ausgenutzt worden
sind, um John Bull wieder einmal das Gruseln beizu—
bringen, ist bekannt genug. Aber auch jenseits der Vo—
gesen hat man mit scharsem Auge nach Deutschland ge—
späht und ganz besonders nach Köln, wo zum ersien
Male das Schauspiel von Flottenmanövern und einer
regelrechten Parade sich oben in der Luft gezeigt hat
das hier auf diesem Gebiete schon zur Massenleistung aus—
gebildet worden ist, während andere Staaten nur einen
oder überhaupt noch gar keinen ernst zu nehmenden Lent
ballon ins Treffen zu führen vermögen. Daß das beson—
ders in Frankreich, das eine ältere Luftschiffahrt, aber
trotzdem hente noch keine Luffiflotte besitzt, den Anlaß zu
ernstesten Erwägungen geben muß, liegt auf der Hand.
So bringt die „France Militaire“ einen großen Artikel
der die einzelnen Luftschiffe, die Frankreich besessen hat,
aufzählt, bei jedem vermerkt, wo es hingeraten ist, fesi—
stellt, daß Frankreich heute Luftschiffe für alle möglichen
Staaten liefert, selbst aber keines besitzt. Demgegenüber,
sagt das militärische Fachblatt, zeigien die Luftschiffma—
növer in Köln, daß Frankreich nicht nur nicht schnell ge
nug, sondern daß es überhaupt nicht vorwärts geschrit
ten sei. Die Leistungen der Kölner Luftflotte seien über—
dies eine niederschmetternde Widerlegung derjenigen, die
stets behauptet haben, die deutschen Lufstschiffe seisen in
jeder Beziehung rückständig gegenüber den französischen.
Zum Beweise werden aus der Zahl der deutschen Luft
schiffe nur die herausgegriffen, die in Köln vereinigt wa⸗
ren: ein Groß, zwei Parseval und ein Zeppelin. Dann
werden die Leistungen dieser Schiffe bei Tag, bei Nacht.
ja zu jeder Stunde besprochen, und wird fefigesiellt, daf
jedes einzelne die französischen Höchstleistungen übertrof
fen hat. Ihre einzelnen Leistungen wie ihr Zusammen
arbeiten, heißt es weiter, beweifen, daß sie vollwertige
Kriegsinstrumente seien. Man könne die Frage aufwei
sen, was bewundernswürdiger sei, die Erbauer der Fahr
zeuge oder deren hingebende Bemannung. An diese recht
eindringlichen Betrachtungen schließt sich der Wunsch nach
einer Wiedergeburt des französischen Luftflotlenwesens,
nach einer Erneuerung von Grund aus. Man wird das
verstehen können. Einstweilen aber hat Deutschland einen
traͤftigen Vorsprung.
—CßAsAsTRTRTtEDEææ
Vermischtes.
Zum Jubiläum der ältesten deutschen Briefmar—
ken. Dieser Tage waren es 60 Jahre her, daß die er—
sten Briefmarken in Deutschland das Licht der Welt
erblickten und zwar hat Bayern den Vorrang unter den
deutschen Staaten die Briefmarke in den Verkehr gebracht
zu haben. Die ersten bayerischen Briefmarken wurden im
November 1849 in den Kurs gesetzt. Unsere Abbildung
zeigt diese drei Sorten der älteften Marken. Die Farben
waren für die Einkreuzermarke schwarz, für die Dreikreu
zermarke hellblau und für die Sechskreuzermarke roͤtlich⸗
graubraun. Die Marken sind ungezähnt, wie alle Marken
lener Zeit, und wurden vom Postbeamten mit der Schere
vom Bogen geschnitten. Nach Bayern folgten in Deulsch—
land mit der Briefmarken-Ausgabe Preußen, Sachsen,
—
8* ——
— — 23. Se Au. INan
Hannover und Schleswig-Holstein und zwar im Jahr—
1880. Württemberg und Baden folgte im Jahre 18514
1859 Thurn und Taris, Oldenburg und Braunschweig
Bremen 1855, Hamburg und Lübeck 1859. Mecklenburç
Schwerin erschien 1856 und Strelitz erst 1864 mit eineun
Postwertzeichen. Die Briefmarke in threr gebraͤuchlicher
Form ist in England erfunden worden, der Entwurf unt
Vorschlag stammt von dem Verleger des „Dundee Chro
nicle“ James Calmers aus dem Vahre 1824. Die
Mie Christhlume.
Erzählung von E. Burger, Moi
53 Nachdruck verboten.
Ich will Ihnen die Geschichte erzählen, denn wenn
Sie sich hier niederlassen, werden Sie mii Valeskta zusam⸗
mentreffen, und es ist besser, Sie hören ihre Geschichte von
mir, als von Fremden. Sie ist sonderbar genug und kommt
häufiger in Romanen, als in der Würklichkeit vor.“
Die Geschichte der beiden Schwestern war wirklich
urz; traurig, aber romantisch und erwedte das größte In—
teresse der beiden Freunde, sowie den Wunsch, die beiden
Damen näher kennen zu lernen.
„„Bald nachdem Herr Lester seine anstrengende Tätig⸗
keit, das Land fruchtbar zu machen, begonnen hatte, kam
er am Weihnachtsabend mit seinem Freunde und Nachbar,
Herrn Richter von einer Geschäftsreise von Vancouver zu⸗
rüd. Es war eine rabenschwarze Nacht, doch die sicheren
Pferde fanden auch trotz des fast undurchdringlichen Dit⸗
lichts in den Urwäldern ihren Weg. Plötzlich hielten beide
Pferde an und wollten ungeachtet der Peitsche und gütigen
Zuredens keinen Schritt weiter gehen. Lester sprang vom
Pferde, zündete eine für den Notsfall mitgebrachte Laterne
an, und sah zu seinem Entsetzen die anscheinend leblose
Gestalt eines Menschen dicht vor den Hufen der Pferde lie—
MNeinl Richter ist schon ein alter Wann, und ich muß
offen gestehen. — zu sehr Egoist, um sich ven seinem Lieb⸗
ling zu trennen. Frau Richter üebte ihre Christolume auch
zu sehr, um den Gedanken ertragen zu können, daß der
unnatürliche Vater sein Anrecht auf die Kinder geltend
machen könnte. Ich hingegen,“ fuhr der Erzähler fort,
hatte so viel mit der Bewirtschaftung meiner Ländereien
zu tun, daß ich gar keine Nachforschungen anstellte. — Die
Kinder machen uns viele Freude; wur möchten sie nicht ent⸗
behren. — Richter ist alt geworden, aber ich bin über⸗
zeugt, daß er die Zutunft seines pflegetindes sicher gestell
hat, und ich werde hoffentlich so lange leben, bis Lauro
unter dem Schutze eines guten Gatten steht. Beide 6i
wwvoouee Briesmarte wurde aver erst 18339 ꝛm England
eingeführt und verbreitete sich in dieser Form nach und
nach über die ganze Welt.
Neue Verwendungsarten des Papiers. Das Pe—
dier ist ein einfaches, dünnes, beinahe wertloses Blaͤtt
hen, sagt man oft. Aber niemand wird wohl ahnen
wie vielseitig das Papier zu verwenden ist. Der König
von Korea beispielsweise hat kürzlich sein durch Feuer
zerstörtes Schloß neu erbauen lassen, und zwar diesmal
nit Papier machee! Er requirierte mehrere Tausend sei—
ier Untertanen, die das Papier, bevor es zu Pa—
ier machee gepreßt wurde, zuerst mit ihren — Zãhnen
erkauen mußten! Auch in Sawinoroska (Rußland) vbe
teyt ein Haus aus Pappe. Das Papier ist mit einer
Mafse imprägniert, die es feuersicher macht und der Ar
hitekt versichert, daß dieses Papierhaus ein Haus aus
Stein überdauern werde. In verschiedenen russischen Stad—
en macht man Versuche, das Papier in Form von Pappe
As. SGStraßenpflaster zu verwenden. Das mit⸗
tels einer Maschine steinhart gepreßt und sol imstande
ein, die schwersten Lasten zu tragen. Ein Wiener
genteur trägt fich mi dem bizarren Gedanken, sich aus
auter Zeitungspapier eine Jacht zu bauen. Kurz vor
seinem Tode ließ Herr Krupp sogar Feldkanonen aus Pa⸗
pier konstruieren, die für die Infanterie bestimmt gewe
jen sein sollten. Sie hatten ein kleines Kaliber und wa
ten so leicht, daß ein Mann ohne Mühe eine solche Ka
ione auf dem Rücken mit sich führen konnte. Ihre Durch
chlagskrast soll größer gewesen sein, ass diejenige aus
Stahlkanonen gleichen Kalibers. Man hat aber seitden
richts mehr von diesen Vapierkanonen gehört. In Deutsch
and werden aber auch künstliche Zähne aus Papier her
gestellt; sie sind eine Imitat'on der Porzellanzähne. Diese
alschen Zähne verlieren niemals ihre Farbe und sollen
nich weniger zerbrechlich sein als die anderen künstlichen
Zähne. Griechische Winzer verwenden zur Aufnahme ihres
Veines Tonnen aus Pappe. Fruher hatte man auch ver⸗
ucht, dio Räder von Lokomotiven und Wagen aus Pa—
Aer herzustellen, doch ist man hiervon wieder abge
ommen.
Zuviel Statistik? Ueber das Mißverhältnis zwi—
schen Angebot und Nachfrage auf dem statistischen Litera⸗
turmarkt macht der bekannte Mannheimer Kommunalstati⸗
tikter Pros. Dr. S. Schott im Deurschen Statistischen Zen
ralblatt folgeude zutreffenden Ausführungen: Die Biblo—
heken unserer staustischen Aemter sind ungeheure Zahlen
riedhöfe, ihre Verwalter nimmermüde Totengräber. Tag
ür Tag erblicken neue Zahlenwerke das Licht der Oef⸗
entlichkeit — wie der euphemistische Ausdrug ja wohl
autet —; das Publikum nimmt zwar keine Notiz von
hnen, aber ein reger Austauschverkehr sorgt dafür, daß
venigstens einige Hundert Exemplare zu den gesinnungs⸗
⸗erwandten Amtsstellen gelangen, um dort von Fleiß und
Beschick ihrer Verfasser Zeugnis abzulegen. Und ihr
Zchicksal? ... Obligatorische Leichenschau durch die be—
chenlte Behörde, Eintrag ins Sterberegister, d. h. in den
ata“og, danach Beisetzung in der Büchersammlung. Dort
ruht das Buch, das vom Verfasser mit Sehnjucht erwar—
tet, vielleicht mit Schmerzen geboren wurde, und harrt
der Auferstehungsstunde, die ihm nie schlägt; es wäre
denn, daß ein inhaltsverwandies Arbeitsgeüfte sich sei⸗
zer erinnerte, oder daß es einem ratlos umherirrenden
doktoranden von ungefaͤhr in die Hände fiele. Ist es übel
angebrachte Eitelkeit, weshalb der Statistiker einen sol
hen Stand der Dinge schmerzlich empfindet? So schmerz⸗
lich, daß er sich das trostreiche Märchen ersonnen hat
eine Veröffentlichungen möchten zwar vielleicht augenblick
ich keine Beachtung finden, aber für spätere Untersuchun—
zen stellten sie äußerst schätzbares Material dar? Waähn,
Wahn, überall Wahn! Nirgends reiten die Toten so
chnell wie in der amtlichen Statistik. Vorschläge und
Versuche, diesem Uebelstand abzuhelfen, sind schon wie—
»erholt gemacht worden. Ein Begehr nach siatistischen
Veröffentlichungen ist da — vielleicht manchmal ein halb—
bewußter, unentwickelter, immerhin ein Bedarf — er fin—
det aber keine Befriedigung, weil Angebot und Nachfrage
aneinander vorbeischießen. Der Markt der statistischen Ver
öffentlichungen gleicht so einem schlecht organisierten Ar—
beitsmarkt; er erfüllt seine Funktion nicht. weil es an
inem richtigen Ueberblick über Angebot und Nachfrage
mangelt und beide sich — um bei unserm Bild zu blei
ben — nur auf dem Weg unzeregelter Umschau begegnen.
Die Organisierung des Marktes erhofft der Verfasser von
der neuen Zeitschrift, in der er seine Ausführungen ge—
nacht hat, dem Deutschen Statistischen Zentralblatt (Leip⸗
zig, Teubner), das die Interessenten an der statistischen
Literatur, besonders die nichtfachmännischen, über alle
ieuen Erscheinungen und ihren wesentüchen Inhalt fort⸗
aufend unterrichten und damit manchen für die verschie—
densten Gebiete des praltischen Lebens werwollen Un—
ersuchungen die richtigen Leser und vielen Lesern die
hnen unbekannten Materialien zuführen, sie vor der
Beisetzung im Zahlenfriedhofe“ bewahren will.
Der falsche Erzherzog Karl Heinrich von Oester
reich, den man nebst seiner bis dahin morganatischen Ge
nahlin in Paris hinter Schloß und Riegel gesetzt hatte
sJat sich jetzt entschlossen, in Gegenwart seines Adbvoka—
ten Landowski vor dem Untersuchungsrichter Chenebeng
der haben Elternliebe nicht entbehrt, und ich sehe nicht
ein, warum wir einem Vater nachforschen sollen, der viel⸗
leicht nicht einmal so gut für seine Kinder sorgen würde.“
„Geht Laura mit Ihnen nach Kalifornien?“ fragte
Saarseld.
Natürlicht Wo sollte sie denn auch anders hin?
Meine Frau und die Kinder möchten sie nicht entbehren.
Vally kann uns besuchen, wenn Herr Richter sie missen
ann, aber er ist alt geworden und hängt noch mit grötzerer
Liebe an dem Kinde, feitdem seine Frau gestorben ist.“
„Gleicht Fräulein Valeska ihrer Schwester?“
Es ist zwischen beiden ein Unterschied wie Tag und
Nacht. Beide sind gut, aber Valeska ist eine duntle,
chwarzäugige Schönheit und ebense stolz, wie sie
ichön ist.“
2. Kapitel.
Die Abreise der Familie Lester nach Kalifornien war
auf den fölgenden Morgen festgesetzt. Die wenigen Tage
es gemeinschaftlichen Zufammenlebens mit dem Farmer
hjatten Saarfeld genügend überzeugt, daß, wenn er ebenso
rastlos arbeitete, wie sein Vorgänger, er bald zu einem
zewissen Wohlstande gelangen werde.
„Du siehst,“ sagte er zu seinem Freunde, der als Ver—
walter bereits außerordentliche Geschidlichteit an den Tag
gelegt hatte, und sich freudig jeglicher Mühe unterzog, „id
habe ganz bedeutende Vorteile gegen meinen Vorgänger,
der anfänglich mit den größten Hindernissen zu tämpfen
hatte. Er hatte die mächtigen Urwälder auszurotten, das
Land fruchtbar zu machen, ehe er daran denken konnte, sich
ein Haus zu bauen. Außerdem hatte er die Sorge um
eme trantliche Frau, um seine Kinven Wie gang anders
sind für mich die Aussichten! Ich habe nur zu ernten,
was mühevoll gesäet tst, und ich denke, wenn meine Eltern
und Geschwisler erst kommen, werden wir hier ein gan
ꝛehagliches Leben führen.“
„Dann bin ich wohl überflüssig, und je eher ich Sara
onta verlasse, je lieber wird es Dir sein,“ scherzte Kurt.
Wo dentit Du hins“ entgegnete Saurfald. ESo ju—
steinen wahren Zuwiisand und seinen abenteuerlichen ve
bensleuf betannt zu geben. Der Pseudo⸗Erzherzog ent
»uppte sich als der 22jährige Sohn eines kleinen Beam—
en in Linz, der siarb, als sein hoffnungsvoller Spröß—
ing, Othmar Gabua, 14 Jahre zähne. Othmar ging
sofort auf dteisen und wurde Kuchenjunge in einem Min
er Hotel. Bald kehrte er nach Linz zurück, von wo er
iber plötzlich wieder unter Mitnahme des seiner Mutter
zehörenden Familienschmucks verschwand. Ein Jahr spü⸗
ter besindet er sich auf einem Segler im Adriatischen
Meer, erst als Schifsjunge, dann als Kochgehülfe. Dann
erschlägt ihn sein Schigsal nach New-Yort, wo er eine
Anstellung als Koch findet; das Heimweh treibt ihn nach
Zesterreich zurück; wegen falscher Namensangabe siect man
hn hinter Schloß und Riegel. Sehr ärgeruüch über die
es Mißgeschick wendet er der Heimat wieder den Rüclen,
zelangt nach Kalifornien, wird dort bei Schwindeleien er—
appt und ins Gefängnis geworfen. Noch ärgerlicher über
zie Fremde, wendet er dieser den Rücken, gelangt nach
Wien und läßt sich abermals wegen Schwindeleien ver
tirteilen. Bei einer neuen Amerikasahrt machte er an Bord
der „Pennsylvania“ die Bekanntschat der Witwe Bech, die
er im Mai 1908 in New-Yort ehelichte. In Paris arre—
tierte man das Paar, als es bei Juwelieren großartige
Bestellungen machte. „Meine Frau“, sagte Gubata dem
Untersuchungsrichter, „kann man nicht der Mitschuld an
meinem Betrug bezichtigen. Sie laubte immer, ich wäre
wirllich der Erzherzog Karl Heireich; ich hatte ihr vor
geredet, aus ernften Familiengründen dürfe ich erst frei
über meinen wahren Titel verfügen, wenn ich 25 Jahre
alt wäre.“ Gubata wird hauptsächlich beschuldigt, vie
Bräsin Etchegoyen betrogen zu haben.
Neue regenbogenfarbene Hunderifranksscheine
werden den Franzosen zum Jaͤhreswechsel beschert
verden, — jegliche Nachahmung wird als ein Ding dver
Unmöglichkeit betrachtet. Der Kampf der Banque de
Fxrance mit den Fälschern hat damit seinen Höhepunkt er—
eicht. Als sie 1848 ihre ersten Baukbillette herausgab,
D0-, 500- und 1000-Franls⸗Scheine, ließ sie die Ziffern
hwarz auf grünes Vapier drucken; keine verschnörkelten
uiffern. keine kunstvollen Bildchen machten die Nachahm
ing schwer. Bald darauf schon glaubte man durch einer
dentischen Druck auf der Vorden und Rückseite den er—
ten Fälschern das Handwerk gelegt zu haben. Die Ent—
deckung der Photographie machte die Nachahmung zu ei—
nem Kinderspiel; deshalb war man zur dritten Aender—
uing gezwungen. 1862 wurden blaue Kassenscheine her⸗
zusgegeben, da die Photographie diese Farbe nicht wie⸗
derzugeben vermochte. 1882 wurde festgestellt, daß eine
»edeutende Fälschung von Kassenscheinen stattgefunden
zatte; die Photographie war so sehr vervollkommnet wor
den! Die Zeichner Florian und Romagnol haben nach
einem Gemälde von Luc-Olivier Merson eine polychro—
natische Platte hergestellt, die in den Haupttönen rosa
und hellblau ist, aber durch die ganze Skala des Regen—
»ogens hindurchgeht. Die Vignellten zeigen auf der
Lorderfeite neben dem freien Platz für die Wasserzeich
wung und die Unterschriften der Bankdirektoren zwei sehr
chöne Gruppen symbolischer Frauen- und Kindergestalten,
handel und Ackerbau darstellend; auf der Rückseite zeigt sich
Fortuna, ihr gegenüber sitzt als wirkungsvoller Kontrafi
ein muskelstarker Schmied: der Vertreter der Arbeit. Die
Wasserzeichnung stellt Ceres und Merkur dar. Für den
Druck werden besonders schwierige Verfahren gewählt;
das Papier bleibt das selbige, wie bei den jetzigen fran—
zösischen Bankbilletts, ein dünnes, pergamentiertes Pa—
pier, das leicht zerreißt, aber wenn es neu ist, mehr Ele⸗
ganz besitzt, wie das iuchähnliche der deutschen Bankno—
ten. In vier Jahren sollen sämtliche Hundertfranc⸗Bil⸗
»tts durch den neuen Typus ersetzt sein.
Eine heitere Episode berichtet das „Neue Wiener
Zageblatt“ anläßlich der Wiener Schilferfeier Am 10.
November, vormittags, während auf dem Sockel des
Schillerdenlmals die Kränze der studentischen und bürger⸗
ichen Korporationen niedergelegt wurden.lletlerte ein
Junge am gegenüber befindlichen Denkmal Goethes em—
por und steckte ihm in die rechte, halbgeschlossene Hand
eine weiße, große Chrysanthemumblume Dem Wach⸗
mann, der beim Heruntersteigen den Jungen zur Rede
tellte. antwortete er; „J hab's tan, daß der Goethe dem
-Zchiller net neidig ist
AM Das neue Fünfundzwanzigpfennigstück ist nun
in größeren Plätzen zur Ausgabe gelangt. Schön ist das
neue Geldstück, das auf seiner Vordersene die Aufschrif
„25 Pfennig“, umgeben von Kornähren, zeigt, gerad⸗
nicht, immerhin ist es aber handlicher als das al
Nickel-Zwanzgerl, das jeder gerne verschwinden sah. Die
Zeversseite trägt das Reichswappen und die Ausschrift
Deutsches Reich 19092. Wappen und Schrift unterschei⸗
den sich wesentlich von denen der anderen Münzen. Man
wird abzuwarten haben, wie sich das neue Geidstück im
Verkebr bewährt. —
können meine Eltern an die Abretse nech gur man den
ken. Erst in zwei Jahren ist unsere Pachtzeit abgetaufen.
und so lange dauert es auch, bis meine jürigsten Schwe⸗
stern ihre Schulbildung vollendet haben. Du siehst, alter
Freund, es würde entsetzlich einsam für mich sein, wenn
Du nicht Mitleid fühlst und bet mir bleibst.“ ꝰ
„Es ist doch sonderbar, daß Lester seine Vesitzung auf⸗
gibt,“ fuhe Kurt gedantenvoll fort. „Er hat zwoͤlf Jahre
hier gewirkt und geschafft, sedes Fledchen Land zeugt von
jeiner Hände Fleiß, und fsetzt, da die Gegend blühend
und fruchtbar ist, überläßt er freiwillig anderen den Segen
seiner Arbeit.“ —
„Er hat nur das Beste seiner Gattin und seiner Kin⸗
der im Auge. Frau Lester sieht wirklich sorgenboll und ab⸗
zehärmt aus; der Tod ihres Kindes war ihr ein schwerer
Verlust, und Saratonta it nicht der geeignete Platz für
die Ausbildung der vier kleineren Kinder. Fräulein Nobel
sst eine sein gebildete Dame, und sie ist hier aufgewachsen,“
wandte Kurt rasch ein.
„Sie genoß eine sorgfältige Erziehung in einem fernen
Pensionate, jedoch wird Herr Lester gefunden haben, daß
es ziemlich kostspielig ist, noch viermal dieselben hohen Aus⸗
gaben zu bestreiten, darum zieht er gewiß selbst lieber
fort.“
„Fräulein Nobel gefällt mir; sie ist so natürlich id
offen, so ganz verschieden von den vergnügungssüchigen
deutschen Modedamen ihres Alters ··
Saarfeld nidte zustimmend. —— 9
„Sie ist gerade, wie eine sunge Vame sein sollte, die
nicht durch Mode, Ettelkeit und Gefallsucht derdorben ist.
Es wundert mich nur, daß wir ihre Schwester noch nicht
gesehen haben,“ versetzte er
Fortsetzung folgt.