Cokales und Vermischtes
Dudweiler, 3. Februar.
F Die SRlehungsliste der Straßburger Sängerhaus-Loi⸗
erie liegt für Interessenten im Geschafts-Lokale der Dud⸗
veiler Zeitung offen.
g8 Eine ulkige Geschichte hat sich in Hassel zugetragen.
zn einer Wirtschaft wettee ein Gaft mit einem andern,
jaß er „drei und ein halb Dutzend Knockwürstchen“ essen
verde. Die Wette galt einen Taler. Der Betreffende aß
ann drei Stück und ein halb Dutzend ⸗ neun Stuück, wäh⸗
end der andere gemeint hatte, er würde 42 Slück essen.
8 Die staatlichen Saargruben haben im Dezember 1908
jefördert 903 360 Tonnen. Es wurden abgesetzt: per
hisenbahn 613 442 Tonnen, auf dem Wasserwege 13 199
kdonnen, durch Fuhren 36 191 Tonunen und vermttiels Seil⸗
zahn 111808 Tonnen. Der Gesamtverkauf betrug 773 640
donnen. Davon wurden den Kobkertien des Bizirks zugeführt
00 201 Tonuen. Die Gesamiförderung pro 1808 beläuft
ich auf 11078 881 Tonnen, pro 18907 auf 10693313
odaß sie im letzten Jahte um 385 563 Tonnen odrt 3,61,
Prozent größer war als im Jahre 1907. Immerhin bleibt
ie gegen die Förderung von 1906 mit 11131381 Tonnen
toch um 52 500 Tonnen zurück.
ð Auf den in Berlin tagenden Kongreß der Bergarbeiter
purde betreffs der Gruben-Kontrolleure folgende Resolution
zefaßt: „Der Kongraß stellte sich auf den Standpunkt, daß
ie Kontrolle nur daun eine witklame sein kann, wenn sie
ine einheitliche zeichsgesetzliche Regelung erfährt, worin die
‚olle Unabhängigkeit und Selbständigkeit der Arbeiterkon—
rolleure gesichert it. Die Arbeiterkontrolleure sollen ferner
ie Grube unter fortgesetzter Aufsicht halten. Um die Un—
ibhängigkeit, die Selbständigkeit und die fortgesetzte Aufsicht
u ermöglichen, ist es nötig, gaß die Arbeiterkontrolleure
nicht im Arbeitsverhältnis zu den Zechen stehen und daß sie
on den Arbeitern in direkter und geheimer Wahl — mög⸗
ichst Couvertwahl — gewählt werden; ferner, daß sie allein
ind jederzei eine Befahrung der Giube vornehmen können.
luf je 2000 Mann der Velegschaft muß ein Arbeiterkon
rolleur entfallen, der vom Staate besoldet wird. Wahlbe—
ꝛechtigt soll jeder großjährige Arbeiter, wählbar jeder sein,
»er 5 Jahre Häuer und ein Jahr auf dem Werke tälig war,
»der wo kleine Ginben in Frage kommen, im Bereich des
Inspektionsbezieks auf Gruben beschäftigt war. Beschwerden
ind Muteilungen der Arbeiterkontrolleure, soweit es sich um
Nißstände auf Zechen handelt, müssen von der Bergbehörde
ederzeit berücksichiigt werden. Wenn sich die Reform unserer
Berggesetzgebung bezüglich der Bergaussicht in dieser Richtung
»ewegt, dann ist ein Schritt getan, der zur Sicherheit der
irbeiter in den Gruben viel beitraaen wird, Der Kongreß
d darum der Meinung, Vorschläge, wie sie z. B. de.
zreußische Bergwerksmiuister anläßlich der Rasboddebatten
m preußischen Landtage gemacht hat, abzul⸗hneu. Der
dongreß fordert die gefetzgebenden Körperschaften auf, Vor—
agen, wie sie der preuß sche Bergwerksminister angedeutet
at, gleichsuls abzulehnen und nur solche Gesetzesvorlagen
u uuteistützen, die den oben angeführten und langjährigen
Lünschen der Bergarbeiter entsprechen.“
18 Auf Grube Von der Heydt wurde durch Kurzschluß
in Brand im Transformatorenhaus verursacht. Das Fruer
rgriff die im Gebäude lagernde Putzwolle und mehrere
Faͤsser Schmierös, durch deren Flammen dann 3 Transfor—
natoren zeistört und das Gebäude teilweise eingeäschett wurde
Dder Schaden beträgt an 20000 Mark.
8 Reden, 31. Jau. Am Freitag ist auf der hiesigen
Brube durch niedergehendes Gestein der verheiratete Berg⸗
nann Jakob Gruß von Vildstock schwer verletzt worden.
*Köln, 1. Febr. In der Nähe des Bismarckturmes
zei Barmen im seg. „Hordbusch“ wurde eine große Tropf—
teinhöhle endeckt, die 418 zahlreichen größeren und kieineren
Räumen mit wunderbaren Teopfsteinb ldungen besteht. Die
kntdeckung erfolgte, cls man us eirer Edspalte Dämpfe
zufsteigen fah. Nachgrabungen legten einen Eingang frei.
Welche Bedeutung der Tropssteingrotte beizumessen ist, muß
die weitere Untersuchung ergeben. Narläufir ist det Zugang
ur Höhle gesperrt worden.
8sNeustadt.l. Febr. Billige Villen gibt es zur
zeit hier. Vor Wochen wurde die große Villa Jüngling
in der Pfalzgrafenstraße nebst großem Gartengelände an
inen auswärtigen Apotheker verkauft. Ihr Wert veläuft sich
iuf 75 000 Mt, gelöst wurden 40 000 Mark. Heute wurde
die Villa Stöher in der Schillerstraße an Herrn Landgerichtsdirektor
Ullrich in Ftankenihal um 34 000 Mk. verkauft,
vährend ihr Wert etwa 70 000 Mork beträgt. Und die
nor einigen Tagen von Herrn W Kullmann an Komme zien—
tat Hoch für 100000 Mark verkaufte schönne Villa Nu—
ladts mit Paik an der Maximilianstraße ist früher mit
50 000 Mk. bezahlt worden.
*Allgemeines Aufsehen erregt in Oraͤmenbuürg ein
Lorfall: Mehrere Bürger, darunter der Steinmetzmeister
Jarschner hatten eine Schlittenpartie unternommen, von
»er sie gegen 11 Uhr Nachts zurückkehrten. Sie kehrten
och in einer Restauralion in der Bernauerstraße ein und
ießen. den Schlitten vor der Tür halten. Nach einiger
eit wurden sie im Lokal benachrichtigt, daß einige frempe
erren in deim Schlitten Platz genommen hatten. Diese
rklärten, den Schlitten mieten zu wollen, worauf Marsch
ler indes nicht einging. Seiner Aufforderung, den Schli:
en zu verlassen, leisteten die Herren bis auf einen, den
deserendar Harry von Igel Folge. Dieser stieg erst aus
ils ihn Marschner mit der Peitsche bedrohte. Marschner
ega“ sich darauf in das Lokal zurück. Als er einige
zeit wieder nach dem Schlitten sah, krachte ein Schuß,
wurch den er in den Unterleib getroffen wurde. Den
TAchuf hatte der Reserendar von JIgel abgefeuert, den
Karschner noch festzuhalten suchte. Er stürzte indes zu
ßzoden und mußte zum Arzt gefahren werden, wo er
soffnungslos darniederliegt. Die Kugel hatte den Ma—
sen durchbohrt. Der Referendar wurde noch in der
vecht aus dem Bett verhaftet.
*Doppel⸗Zelbstmord. Auf dem Kirchhofe in Isar,
mdem zweiten Jerichowkreise, fand man den 25 Jahre
ilien Sohn Karl des Stellmachers Kissel und die 1856-ige
Martha Räck erschossen vor. Beide waren am Grabe
er Mutter des jungen Mödchens freiwillig in den Tod
egangen.
* Schneestürme. Durch mehriägige Schneestürme sind
ie hochgelegenen Thüringer Walddörfer vom Verkehre
öllig abgeschnitten. Die Sonneberg-Lauschaer Züge blie—
en im Schnee stecken. Heimarbeiter mußten ihre Häuser
ms Schneemauern ausschaufeln.
»Zu wüsten Ausschreitungen kam es in der Sonn—
agsnacht im südlichen Stadtteil Kölns, wo eine größere
Anzahl Burschen tätlich gegen die einschreitenden Polizei—
eamten vorgingen. Uls ein großes Polizeiaufgebot 9
bersonen verhafiete, wurde ein Bombardement mit Müll⸗
imern auf die Beamten erbffnet, wodurch mehrere der
etzteren schwer verletzt wurden. Auf der Wachtstube riß
tner der Raufbolde einen Degen von der Wand und
rang auf die Beamten ein; ein anderer warf einem
zolizisten eine Flasche an den Kopf. Schließlich gelang
z, die Raufbolde zu fesseln und ins Gefängnis abzu—
ühren
* Eissport⸗Unfälle. Der letzte Sonntag brachte in—
olge ungünstiger Witterung in Innsbruck eine Anzahl
infälle beim Wintersport. Fünf Personen erlitten schwere
dnochenbrüche, eine Perion eine schwere Gehirnerschütte—
ung
**Entführt. In Versailles bildet die Entführung ei—
ier 18jährigen Dame in einem Automobil von elegant
lekseideten Herren das Tagesgespräch. Das entführte junge
Nöodchen war wegen ihrer Schönheit sehr bekannt.
* Zu dem Untergang des Dampfers „Clan Ra—
lald wird noch gemeldet: Nach Meldungen aus Mel—
urne wurde der gescheiterte Dampfer um 2 Uhr Nach
nittags von einer schweren Woge getroffen. Infolgedes—
en neigte sich das Schiff stark auf Steuerbord. Schließ—
ch schlug der Dampfer voliständig um und alle an Bord
efindlichen Personen wurden ins Meer geschleudert. 40
'eute von der Mannschaft, der Kapitän und 53 Reisende
ind ertrunken. 24 Personen wurden gerettet. Der Damp—
er hatte eine Fracht im Werte von einer Million Mark
an Bord.
*Diamantenfälscher. Das Zuchtpolizeigerscht in Pa—
S8 verurteilte den fluchtigen Diamantensulscher Lemoine
zu 16 Jahren Gefängnis, 3000 Franks Geldstrafe und
9007) Franks Entschädigung an den Direktor Werner
on der Dee Gesellschaft.
*Erploston auf dem e. Rus London wird
erichtet: Beim Sprengen des Wracks eines am Sonn—
ibend von dem Tampfer „Dundee“ in der RNähe von Yar—
neuth in den Grund gevohrten Schetes entstand beim Le
jen der Sprengladung eine Explosion, wobei 6 Mann
»er Sprengmannschaft getötet, eine Anzayk verwundet wor—
ꝛen ist Ueber die Ursache der Explosion ist man noch
ucht im Klaren. Viele glauben, daß das untergegangene
Zchisft Explosivstofs an Vord hatte.
* SEchweres Bootsunglück. Nach den neuesten Mel—
ungen sind bei dem Bootsunglück auf dem Lecco-Arm
»xs8 Comer-Sees 20 Personen umgekommen, nämlich zwei
unge Leute und die Frau des Besitzers der Se'denspin—
zeret, wo die 17 umgekommenen iungen Mädchen beschäf—
igt waren.
Gegen die Elementargewalt... Der Postdamp—
2te„Gallilei“ wurde auf der Fahrt von Palermo nach
Leapel bei Cap Gallo von einem Seebeben erfaßt, das
ine Viertelstunde anhielt. Das Schiff drehte sich um sich
elbsi wie in einem Strudel, und die Passagiere wurden
nrcheinander geschleudert. Einige erlitten leichte Ver—
ebungen. Die Aufregung unter den Passagieren war
roß. Nach 15 Minuten beruhigte sich das Meer und
der Tampfer konme jeine Fahrt fortsetzen.
*Rocseßelt ine Rirkus? Ein Zirkusdircktor namm—
stlaz hat an Präsident Roosevelt geschrieben und hen.
in Engagement von 30 Wochen zu 40 000 Mark ange
oten Roosevelt soll die Führung einer Truppe rauher
skeiter ißthernei
Was das Voltk lesen will. Ueber seine Erfahe
ingen bei der Leitung einer ländlichen Volksbüchere
libt ein Lehrer in der „Straßburger Post“ einige bemer
enswerte Ausschlüsse, die allgemeine Bedeutung bean
pruchen dürfen. Das Lesebedeefnis, heißt es dort, komm
ei der Mehrzahl nur im stillen Winter zur Geltung
Fun Sommer verlangt da, wo üderhaupt gelesen wird
ver ermüdete Geist nach würzigener Kost — Kolpartageli—
ergatur und Schundroman, die man gerade so nett fin
zet wie die des Pfarrers oder Lehrers. Von der Ge—
neindebibliothek werden hauptsächlich verlangt die alten
Jahrgänge der Spinnstube von W. O. v. Horn. ieraer
geremias Gotthelf, Nieriß, Münchhausen und Gebrüder
Krimm. Außerdem jsindet An besonderen Gesallen an
ven faden füßlichen Erzählungen einer vergangenen Lite—
aturperiode. Marx yths prachtige Skizzen Hinter Pflug
ind Schraubstock wurden von einem Landmann, der gro—
zes technisches Interesse 3a5, mit dem Bemerken abge—
ehnt; „Das ist ja ganz naturckl; so was will man doch
ticht lesen!“ Die unverwüitlichen „Hosen des Herrn von
Zredow'e fanden Beifatl. Da fiand von mittern und von
Fürsten drin, folg h gesiel es. Bei den Torfgeschichten
er Ebner-Eschenbach jand gelegentlich einer, es sei „nicht
ziel drau“. Hermann Kurz' Sonnenwirt wurde zugun—
ten eines Schundromans abgetehnt. Einer fragte mich,
v nichts „vom Krieg“ da sei. Natürlich ist was dal
rilieneron. Bei der Rückgabe: Entrüsuung, vollendete
ÿntrüstung. Weil „von dene König un Fürschte un
zeneräl“ gar, gar nichts drin steht Ein Lebensbild Kai—
er Wilhelms 1., das meinem Empeinden nach trieft von
Zyzantinismus, hat den braven demokratischen Elsässer —
vir Elsässer haben ja betkannilich alle eine demokratische
Dder — dann getrösiet und in den siebenten Himmel ent—
ückt. Die deutsche Dichter-Gedächtnisstiftung hat einige
bande Deutsche Humoristen zusammengestellt. Als der
uite, der Sachen von Fr. Th. Vischer, Rofegger, Neuter,
V. Raabe und Alb. Roderich enthält, mir zurückgegeben
vurde, lautete das Urteil: Nicht viel dran. Und zu mei—
er Bestürzung kam dies Urteil in allen Variationen so
ft wieder, daß ich zu der Ueberzeugung kam, für diesen
»zumos fehle unferm Volke das Verständnis. Auch Frens—
en hatte keine Gnade gefunden. Nur einmal wurden
di drei Getreuen als „pläsierlich“ bezeichnet. Daran war
ffenbar Heinr. Heiderieter schuld, aber auf den Roman
ls Ganzes bezogen, ist dies Urteil doch nicht weniger
etrübend, als wenn ihn andere schlankwea langweiliag
lannten. Am einmütigsten wurde noch Melchior Meyr
elobt für seine Erzählungen aus dem Ried. Dies Er—
ebnis und das andere, daß Kellers Fähnlein der sieben
lusrechten Anklang fand, sind wenigitens zwei Lichthlicke
n weiter, trostloser Oede. Lesen heißt bei dem Bauer
susspannen, Zeitvertreib. Wenn man nicht Geiitesnahr—
eng gewinnen, sondern den Geist ruhen lassen will, da
vächs. das Interesse an der Lektüre umsomehr, je ars
zet der Abstand ist zwischen deni eigenen Leben und der
Velt des Buches, Darum wollte jener eine Kriegs
eschichte mit „dene König un Fürschte un Generäl“ und
arum hatte iener andere solch ausbündiges Wobhlgefallen
in den Räuberphantasien einer wild gewordenen Hin—
ertreppen-Phantasie. Ein solcher Geist ist natürlich un
auglich zum Miterleben der eigenen Gegenwart.
Der spanische Schwindel. „Ich wäre JIhuen sehr
»ankbar“, schreibt der englische Botschafter in Madrid
Zir Maurice de Bunsen, an die Morning Post, „wenn
Zie mir gestatten wollten, in Ihren Spalten den soge—
tonnten spanischen Schwindel zur Sprache zu bringen
Die? schon sehr alte Betrug wird immerfort noch mit
jarmlosen Leuten in England und anderen Ländern von
iner Bande schlauer Schwindler in Madrid und anderen
iroßen spanischen Städten wieder versucht. Ohne Zwei—
el mit Hilfe von Helsershelfern in England suchen sie sich
orgfältig ihre Opfer aus und entlocken ihnen jahraus,
ahre.. Tausende von Pfunden mit einer romantischen
Zchwindelgeschichte, die sich gewöhnlich in folgenden Bah—
ten bewegt: Ein spanischer Gesangener, der krank im
Rilitärgesfänanis schmachtet und mit schnellen Schritten
em Tode entgegengeht, wünsht für seine einzige Toch
er zu sorgen. Er besitzt ein großes, in England hinter—
egtes Vermögen, und erbietet sich, es dem Harmlosen, an
»en geschrieben wird, abzutreten, wenn der letztere sich
»cipflichten will. für sein Töchterchen zu sorgen und es
uefzuziehen. Für vorläufige Auslagen die sich auf etwa
100 Pid. St. belaufen, müssen dann Banknoten an ein—s
angegebene Adresse gesandt werden, wo der Gefängnis—
aplau sie in Empfang nehmen und dann das Kind nach
England bringen wird. Die Geschichte wird gewöhnlich
nit gefälschten Schriftstücken und Zeitungsausschnitten er—
järtet. Ich fürchte, der Unfug ist im Zunehmen, obschon
»e spanische Regierung ihrerfeits das Mögliche tut, um
»en. Treiben zu steuern. Ich hoffe, daß dieser Brief die
Leute, die als Opfer ins Auge gefaßt werden, zur Vor—
icht mahnen wird, und daß englische und Kolonialhblät—
ser ihn abdrucken und verbreiten werden, so daß er in
nöglichst weiten Kreifen bekannt wird. Leute, die aus
Spanien Briefe des obigen Jnhalts empfangen, werden
vohltun, sich unverzüglich mit der britischen Botschaft in
Padrid in Verbindung zu setzen“ — dieser spanische
Zchwindel findet aber nicht nur in England, sondern auch
in Deutschland vielfach Anwendung, und so wird es wom
ucht. schaden, wenn diese Mitteilungen Sir Maurice de
Znnsen auch durch die deutschen Zeltungen Berbreitunß—
findor
Die hungernden Vögel im Winter.
Feld, Wald und Wies' sind tief verschneit
Wie wir auch suchen weit und breit,
Und wie wir spähn in alle Ecken,
Wir können Nahrung nicht enidecken.
Drum zeigt, ihr Freunde, mit uns Armen
Mitleid und liebevoll Erbarmen;
Ihr rettet manchtes Vögleins Leben,
Wenn ihr ihm wollet Futter geben.
Doch wäaͤhlt mit Vorꝛsicht eure Gaben
An denen wir uns sollen laben;
Gebt jedem Sänger, was ihm fromme,
Damit das Futter ihm bikomme.
Brotkrumen können nur vertragten,
Der Tauben und der Spatzen Magen;
Denn, wenn sie naß und sauer werden
Zo machen sie uns Leibbeschwerden.
Sonnenblumen-, Kürbis⸗, Gurkenkerne
Auch Speck pickt Meis' und Amsel gerne
Sogmie die Finken und der Spech—t,
Ihr Appetit ist gar nicht schlecht!
Mohnsamen, Hanf, auch Naps und Rube
Die Ammern, Lerchen, Hänfling lieben,
Um Hagebutitea, Apfelschnitten
Wir Drosseln und wir Stare bitten.
Gesalz'ne Sachen wögt ihr meiden
Senft müffen Durftesqual wir leiden,
Gefroten ist der Bach — nicht winken
Die Wasserquellen uns zum Trinken.
Und wenn der Frühling neu erwach
Mit Sonnenglanz und Waldeepracht,
Dann tönen euch zum Danke wieder
Der Sänger allerschönste Lieder!
neuenre Nachyrüchren ung Celegramme
Depeschen Bureau Herold.
* Berlin, 2. Febr. Der allgemeine deutsche Bergarbeiter—
Kongreß setzte heute zunä*st die Debatte über die Sicher—
heitszustände auf den Gruben fort. Die einzelnen Redner
zrachten viele Details aus ihreu persönlichen Erfahrungen
vor, um die Unzulänglichkeit der jetzigen Bergaufsicht und
die Notwendiakeit unabhängiger Arkeiter-Kontrolleure darzu
tun.
* Mein'ngen, 3. Febr. Die Direktion des hiesigen
Realgymnasiums veröffenlicht eine Eiklärung, daß sie ge—
zwungen gewesea sei, eine Anzahl Schüler wegen schweren
ittlichen Verfehlungen aus threr Anstalt zu entlassepn.
* Keel, 3. Febr. In den Unterschlagungs angelegenheiten
iuf der dieler Werft gegen den Kaufmann Frenkenthal und
Magazindirektor Heinrichs wurde dec Schlußtermin bereits
ibgehalten. In die Affäre snd 20 Peisonen verwickelt,
welche sich Mitte Juni vor dem Schwurgericht zu verantwor⸗
ten haben.
* Berlin, 3. Febr. In vielen Blättern wird von Bäm—
hzurg aus der bevorstehende Rücktritt des Generaldirektors
Wiegand vom Norddeutschen Lloyd angekündigt. Demge—
zenüber erfährt die „Frkf. Ztg.“, daß Dr. Wiegand, der
erkrand. war und im Süden weilt, sich auf dem Wege
der Besserung befinden, daß sein Gesundheitszustand be—
jriedigend ist, und daß ein Wechsel in der Vorstandschafe
des Norddeutschen Lloyd nicht bevorsteht.
* London, 3. Febr. Die hier tagende internationale
Zeekriegsrechtstonserenz hat über alle ihr unterbreiteten
Begenstände verhandelt. Ueber einige der wichtigsten und
wvesentlichsten Punkte ist ein Einvernehmen erzielt wor—
den. Gewisse Einzelfragen sind noch nicht endgültig ge—
egelt, aber man erwartet, daß sie in einer für alle De—
egierten annehmbaren Weise gelöst werden, und daß die
doenserenz in Kürze in der Lage sein wird, die Resultate
hrer Arbeiten in einem von den Delegierten zu unter
eichneten Dokumente niederzulegen.
* London, 83. Febr. Eine Anzahl Vertreter von Mo
orfahrradbesitzern haben sich dem Kriegsminister als
Meldeneiter für den Fall eines Krieges angeboten. Sie
klärten, daß sie insgesamt 13 000 Motorfahrräder be—
itzen und daher im Krieasfalle von großem Nutzen sein
önnten.
* London, 3. Febr. „Daily Telegraph“ meldet aus
New-York: Nach Mitteilungen des Oberingenieurs Goe—
als werden die ersten Schifse bereits im Jaore 1915
den Panama-ctanal befahren können. Taft äußerte sich sehr
beiriedigt über das Ergebnis seiner Instruktionsreise.
* Dschulfa, 3. Febr. Nach einer Meldung aus Sal
mas vom 27. Januar fand zwischen den Aufständischen
und den Kriegern Vaku Chans bei Choi ein Kampi statt
in dem die Aufständischen siegten.
* Havana, 3. Febr. Die Botschaft des Wräsidenten
sgomez anläßlich der Eröfsnung des Kongresses tritt für
»eine Revision des Zolktarifes ein.
Paris, 2. Febr. In Bersailles bildet die Entführung
einer 18jährigen jungen Dame in einem Automobil von
dlegant gekleideten Hreen das Tagesgespräch‘ Das entführte
junge Mädchen wat wegen ihrer Schönheit sehr bekannt.
Brieskasten.
H. u. P. 78. Ein Schwein kann auch in einem anderen
Schlachthose geschlachtet werden. Es besteht keine Strafe
darauf, wenn ein Tiec nichts im Schlachthofe des Ortes, in
velchem der Besitzer ansässig geschlachtet wird. Vorschrift ist
nur, daß zum Genuß für Menschen abzuschlachtende Tiere in
inem Schlachthause geschlachtet werden müssen Red.