Full text : Dudweiler Zeitung

Luftschiffahrt.
*Das österreichische Stahlluftschiff dürfte ein
brauchbarer Luftschifftpp werden. Die Hülle des neuen
Luftjichiffes, das den Oberleutnant von Wallach zum Er—
finder hat, ist aus eleltrisch geschweißram Stahlblech. Durch
dieses Verfahren, das der Erfinder in 12jähriger Arbeit
ausprobiert hat, wird der Gasverlust fast völlig aufge—
hoben. Das Luftschiff wird voraussichtlich im Frühjahre
1910 seinen ersten Aufstieg unternehmen. In Fachtreifen
hält man es für brauchbar, nachdem der —* Prof.
Bodau die Konstruktion geprüft und fürng befunden
hat. Die Heeresverwattung wird das Luftschiff in den
Dienst der Armee übernehmen, sobald es die notwendige
Probe bestanden hat. Zu diesem Zweck wrd dem Stahl—
lunftschiff eine Höhenfahrt von 1500 Meter vorgeschrieben
sein, auf der mindestens 300 Kilometer zurückgelegt wer—
den müssen. Zu diesem Zweck ist es notwendig. daß das
Stahlluftschiff eine Eigengeschwindigkeit von rund vierzig
Kilometer in der Stnude erhalte.
Gerichtszeitung.
J. Ein ‚Wahrteit“⸗Prozeß. Vor dem Schöffengericht
Berlin⸗Micte begann die Verhandlung einer Privbat
klage, die der Geh. Hofrat Intendant Ludwig Barr—
nany zu Hannover gegen den verantwortichen Redatteur
der „Wahrheit“, Leupold angestrengt hat. Unter
Anklage stand ein in der Wahrheit erschienener Artikel,
der die Ueberschrift trug: „Ludwig Barnay alias Braun
als Schwiegervater“. Der Artikel besaßt sich mit internen
Familienangelegenheiten der Familie Barnay. ‚Es wird
ausgeführt, daß Geheimrat Barnay vor dem Landgericht
Hannover eine traurige Rolle gesptelt habe. Es wird er—
zählt, daß Barnays Sohn sich von seiner Frau habe
scheiden lassen, aber dann sich von seiner Alimentations
pflicht „gedrückt“ habe. Die Sache habe sich zu einem öf—
sentlichen Skandal ausgewachsen. Frau Barnay sei dann
nach Amerila gegangen, dort in Not geraten, und dort
habe schließlich der aus Hannover stammende Arzt Sarre
son sich ihrer angenommen. Dieser habe nach feiner Rück
kehr nach Deutschland alles Erdenkliche getan, nur das
Los der Frau zu verbessern. Es sei aber alies fruchtlos
geblieben. Es wird dann weiter behauptet, daß Geheim—
rat Barnay im weiteren Verlauf der Dinge noch einen
groben Brief an den Arzt Sarreson geschrieben habe und
deshalb wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe verurteilt
worden sei. Im Anschluß hieran wurde das Verhalten
des Geheimrats Barnay als „schmachvoll“ bezeichnet und
ausgeführt, daß er sich des kaiserlichen Vertraäuens nicht
würdig gezeigt habe. Der Privattiläger behauptet, daß der
Artikel falsche, an Verleumdung grenzende Darsteltungen
enthalte und nur auf Ehrenkränkung und Skandal hin—
ziele. Der Privattläger besauptet, daß er regelmäßig mo—
natlich 50 Dollar, das heißt über 200 Mark an seine
geschiedene Schwiegertochter gesandt habe, daß diese in
dem Zeitraum von 1901 bis 908 zirka 27000 Mark
erhalten habe. Auch nach ihrer Rückkehr nach Deutschland
sei sie unterstützt worden. Nach Verlesung des Artitels
teilt Rechtsanwalt Dr. Löwenstein mit, daß nach Erheb—
ung der Privatklage Herr Bruhn an den Privattlläger
geschrieben und mitgeteilt habe, daß der Artikel ohne sein
Wissen in die „Wahrheit“ gelangt sei. In dem mit Ge—
heimrat Barnay entstandenen Briefwechsel habe dieser mit
geteilt, daß ihm nichts an der Verurteilung des Redak—
teurs der „Wahrheit“, sondern nur an einer gerichtlichen
völligen Klarheit liege. Er müsse darauf bestehen, daß
hier festgestellt wird, daß der Artikel direkte Unwahrhei—
ten enthalte. Das Gericht beschloß, die Vertagung zut
Erhebung der angebotenen Beweise. J
m e …‘᷑jT S.(! — —
Arbeiterbewegung.
— Tarifbewegung in der Holzindustrie. Der Ar—
beitgeber-Schutzuerband für das deutsche Holzgewerbe haf
den Arbeiterorganisat onen sämtliche bis 1. April nächsien
Jahres abgeschlossenen Tarifverträge gekündigt. In Frage
kommen etwa 30 Verträge für 40 000 Arbeiter. Ueber
die Erneuerung der Verträge werden bereits in der näch—
sten Woche an den einzelnen Orten Verhandlungen statt⸗
inden.
— Zum Manunsfsfelder Streik. In Hettstedt is
ein Flugblatt verbreitet worden, in dem die Arbeiter auf—
gefordert werden, vollzählig die Arbeit bei der
Mansfelder Gewerkschaft wiedder aufzunehmen.
Auch der sozialdemokratische Reichstagsabgeordneie Sachse
forderte in einer Versammlung zur Wiederaufnahme der
Arbeit, auf. Der Ausstand dürfte damit beendet sein.
— — —— w J —
* —S
Spiel und Cport.
Die Gaͤwinne eines Boxers. Aus Anlaß des be—
Dlehenden Matchs um die Bor-Weltmeisterschaft zwi⸗
jcher? dem ehemaligen Weltmeister Jeffries und dem jetzi—
gen; Inhaber des Titels, Johnson, rekapituliert der Mir—
ror of Life“ die Kämpfe, die Jeffries ausgefochten,k und
berechnet die Summen. die er daurit verdient hat. Jeiff

Pas Dadem des Verderbens.
Original-RKoman von H. Hirschfeld.
68 .O, wäre ich tot,“ sagte sie leise, „oder nie dem
Frieden meinerHeimat entrissen! Wohl nie häkte ich das
Enlksetzliche, den Fluch meiner Herkunft ersahren! Ich —
der Pompad our Enkelin, der Frau, der Frankreich sei—
nen Fluch noch bis ins Jenseiks nachschleudert!e
Frivol lachte die Dubarry auf.
„Und haßt man mich nicht,“ rief sie, „als der Pompadour
 Nachfolgerin? Blicke Dich um und urkeile, ob
die Pracht, die mich umgibt, nicht allen Haß aufwiegt?“
Zunersten Mal schweifke der Blick des unschuldigen
jsungen Mädchens über den kostbar ausgestatketei
Raum, in dem das Raffinement aller Sinne die Herr.
schaft führte. Er wandtie sie zu den zurückgeschlagener.
Vorhängen von veilchenblauer, von Spitzen überwällten
Seite, die einen Einblick in das Schlafgemach der Favo—
ritin gestalteten. Wie einst Alexandrine vor ihrer Mutter.
so schauerke die Enkelin der Pompadour vor der Annäh—
erung der Nachfslgerin der Marquise zurück.
Ein Ausdruck des bittersten Hasses verzog die sanfker
Züge der Dubarry bei des jungen Mädchens unwillkür
licher Bewegung, die ihr nicht entsing, aber sie erwider—
te kein Wort, denn in demselben Augenblick meldetke die
neräuschlos ins Boudoir irekende Zose, daß die blauer
Zimmer zur Aufnahme der jungen Dame bereit seien.
„Führe Mademoiselle,“ befahl die Gräfin, und zu
Blanche sich wen dend, suhr sie fort: Ich sehe noch bei
Dir vor, mein teures Kind. Jetzt aber ruhe und er—
hole Dich! Du wirst ungestört sein und morgen in
der Frühe geleite ich Dich zu den Deinen zurück! Mache
es Dir bequem, Du findest alles erforderliche in der
Garderobe und Susanne wird zu Deinen Diensien sein
Seh'. mein Kind auf Wiedersehen!“

ries, der immer siegte, gewann gegen Song 300 Bolulars,
»an Buskirk 1200, Henri Baker 2200, Gus Ruhlin WEs6,
Lhoynsti 2000 Goddard 1500, Jackson 4380, Everet
500, Scharkey 7000, Armstrong 2000, Fitzsimmons 9000,
Zcharfey 21 000, Finnegan 750, Corbett 13 300, Griffin
509, Kennedy 800, Ruhlin 14 300, Fitzsimmons 13 230,
Torbett 32 780 und gegen Munroe 8820 Dellars. Im
zanzen beträgt der Gewinn für diese 20 Matchs 137 560
Dollars oder 550 249 Mark. — Für das bevorstehende
match, in dem Jeffries versuchen will, die Boxweltme;
Acschaft für die weiße Rasse zurückzuerobern, sind in den
süngsten Verhandlungen zwischen den beiden Gegnern die
Umrisse festgelegt worden. ‚Danach soll der Kampf min—⸗
destens 45 Rounds umfassen; die Verteilung der Preis—
umme, deren Höhe noch nicht feststeht, ersolgt im Ver—
zältnis von 75 Prozent für den Sieger und 25 Prozent
ür den Unterliegenden. Jeder der Kämpfer hat 10 000
Dollars einzusetzen, wovon die Hälfte im Falle einer
Niederlage an den Sieger übergeht.
Kunst und Wissenschaft.
* Säuglingsernährung. Eine fegensreiche Erfind—
ing von weittragender Bedeutung auf dew Gebiete der
Zäuglingsernährung wurde von einem Leipziger Gelehr—
ten, dem Privatdozenten Dr. Seiffert gemacht. Nach jahre
angen Forschungen fand er ein Verfahren, die roh«
MNiilsch durch Beleuchtung mit ultra⸗violetten Strahlen
eimfrei zu machen, sodaß nunmehr bei diesem Ver—
ahren die ungekochte Milch jedem Säugling unbedenllich
zereicht werden darf. Dr. Seiffert reicht bereits Leit län—
gerer Zeit an die Säuglinge in der Universuätskftinik die
iuf diese Weise keimfrei gemachte roye Milch mit vor—
üglichem Erfolg.

— — —
a * — ⸗
Prozeß Steinheil.
Oer Staatsanwalt Trouard-Riolle erörtert in
der weiteren Sitzung in allen Einzelheiten die Vorgänge
im Morgen des 31. Mai. In enger Anlehnung an die
zereits mitgeteilte Anklage zitiert er sämtliche Zeugenaus
agen, welche geeignet sind, die Verdachtsmomente gegen
die Angeklagte zu stützen. Er verweilt besonders bei der
nerkwürdigen Art der Fesselung der beiden Leichen und
der Frau Steinhel, sowie bei dem allem Anschein nach
ünstlichen Charakter des verübten Einbruches. Die un—
ufgeklärten Widersprüche der Angeklagten bezüglich der
ingeblich gestohlenen Schmucksachen, welche sie nachträglich
toch im Besitz hatte, belaste sie in besonders drastischer
Weise, ebenso die falschen Beschuldigungen gegen Couil
lard und Alexander Wolf. Er warf der Aungeklagten
por, zu lügen, wie sie atme. Der Staatsanwalt greift
dann zum wiederholten Male die Frage des Schmuckes
ind des angeblichen Geldvorrats auf, um weitläufig dar—
zutun, daß in der Mordnacht weder das eine noch das
indere gestohlen werden konnte, einfach weil nichts vor
janden war. Die Sitzung schließt mit einem sehr dra
natischen Zwischenfall. Der Staatsanwalt kommt zu fol
sender Schlußfolgerung: Die Mutter ist in das Haus ge—
ockt worden, um als Zeuge für den simulierten Einbruch
zu dienen; sie wurde zu diesem Zwecke gefesstilt und starb,
vahrscheinlich, ohne daß ihr Tod beabsichtigt. Was die
Frmordung des Mannes betrifft, so hat die Frau, die
hier vor Ihnen sitzt, dem Mitschuldigen die Tür geöiff—
net. Ich glaube, daß dieser Mirschuldige eher eine Frau
als ein Mann ist! Da erhebt sich die Angeklagte und
tößt einen leisen Schrei aus. Ihr Verteidiger fällt ihr
edoch ins Wort und sitellt an den Staatsanwalt die fob
gende Frage: Wollen Sie mit Ihrer Anspielung sagen
daß die Mitschuldige Mariette Wolff ist? Da bricht de—
Zaal in lauten Beifall aus. Die Antwöort des Staats
anwalts geht im Lärm verloren und der Präsident schließ
rasch die Sitzung.
Paris, 13. Nov. Es ist schwer zu sagen, welchen
Findruck das Requisitorlum des Staatsanwaltes
bei den Geschworenen hinterließ. Seine Ausführungen
waren vielleicht etwas zu breit. Durch Eingehen anf zu
piele Einzelheiten verwischte er wieder die Wirkung, die
eine straffe Resumierung der Verdachtsmomente sitellen
weise erziett hatte. Wichtig bleibt, daß er die in der
Anklageschrift ausgesprochene Anklage wegen Mordes der
Mutier nicht aufrecht erhält und auch in Bezug auf den
Gattenmord eigentlich mir auf Mitschuld pläd'eert. Der
dramatische Zwischensa l, mit dem die Sitzung schloß
hat der Angellagten eher genützt.
Paris, 13. Nov. In mehreren Straßen in der Räye
der Villa Steinheil wurden Anschlagszettel ouge—
ilebt, in denen der Frau Steinheil die schlimmsten Miinß—
handlungen angedroht werdiun, falls sie nach ihrem
etwaigen Freispruche wagen würde, sich wieder in
dem Vintel zu zeigen. Auf Ersuchen mehrerer Hausbe⸗
itzer des Viertels, die ernste Ruhestärungen befürchten,
versprach die Polizeibehörde, Maßnahmen zur Verhinder—
ung von Straßenkundgebungen zu ergreifen.
2. —8 — nνν
Paris, 13. Nov. Die Eröfsnung der Sitzung am
Samstag, zu welcher sich zahlreiche Partser Persönlichkei—
ten zudrängten., erleidet eine Verzögeruna. da der Onh

Blanche erhob sich; mit rührendem Ausdruck fiel
ihr Auge auf die Favoriktin. Nie war sie der Du—
barry so hold, so mild umflossen von dem reinsten Zau—
zer der Jungfräulichkeit erschienen. War der Groll des
porigen Augenblicks in der kaleidostkopartigen Seele der
leichtsinnigen Fra u verflogen, kaucht in diesem Momenl
ichon die Furcht vor einer Nebenbuhlerschaft in ihr
empor, die ihr eigenes Haupt mit Gefahr bedrohte?
„Auf Wiedersehen!“ wiederholke das junge Mädchen.
.Aber, nicht wahr. Ihr kommt allein? Und morgen
zeleilet Ihr mich in der Frühe zu den Meinen, daß
ich auf ewig diese unselige Stadt fliehen und mein
Zaupt in tiefster Einsamkeit betien kann“
Sie folgie der Zofe.
Die Dubarry hatte kaum auf ihre Worte gehört und
der üch Entfernenden nur flüchkig zugenickt.
Noch waren Blanches und ihrer Begleiterin Trikte
nicht verhallt, als sie hastig das Diadem der Pompa—
ddur erqriff und mit dem Schmuck in ihr Schlafzimmer
eilke.
„Jetzt, Tony, gilt es, die Wirkung Deiner heimalichen
 Kräuter zu vbeweisen!“ rief sie in höchster Er—
egung in laukem Selbstbespräch aus. Ich muß die Ge—
ahr bekämpfen, die mir von diesem Mädchen droht.
Sie verschwand hinter der Portiere, deren Falken
zusammenrauschken.
Als sie das Boudoir aufs Neue bekrak, glänzke aber—
mals der seltsam geformte Goldreif in ihrer Hand;
aber versorglich hielt sie ihn mit einem Handschuh. Es
var, als fürchte sie, das Metall mit ihrer feinen weißen
Haut in Berührung zu bringen.
In diesem Augenblick erschien abermals die ver⸗
traute Zofe der Gebieterin.
„Es ist eine Frau unken,“ meldeke sie, „eine Bolb⸗
cchaft bringt sie von Mademoiselle Tony. Doch nur der
Frau Gräfin könne ije dieselbe bestessen wie sie sant“

mann der Gesch worenen vohne Entschurdtgung
jeblieben ist. Nach einer Stunde trifft eine Depesche vo
—* ein, in welcher er sich krank meldet. Darauf wie
* BGerichtsatzt Soquet vereidigt und zu thm geschich
er soll Repport über seinen Gesundheitszustand erstatten
Die Sitzung wird IM Es wurde vie
jemerkt, da Marietta Wolff sich zu Beginn der Sitzun
an die Zeugenbarre gedrängt hatte, wahrscheinlich um eir
Protestation gegen die Erklärungen des Staatsanwalte
zu erreichen. —
Handel und Gewerbe.
OEin Fernsprechverkehr zwischen Deutschlan
ind England ist ein lebhafter Wunsch der Handelswel
unsomehr, ⸗Als es dringende Telegramme zwischen beide
Ländern icht gibt. Einzelne Geschäftsleute haben den
auch dem Auskunftsmittel gegriffen, daß sie mit einer
aftsfreunde in Belgien sprechen, der seinerseits da
gefpräch nach England weitergibt. Es ist dies natürlig
in sehr dürftiger Notbehelf, da die Hauptsache bei der
Fernsprecher, Rede und Gegenrede, dann fehlt. Der Eir
richtung eines Fernfsprechverkehrs mit England steben na
ürlich nur technische Schwierigkeiten im Wege, da län
gere Seekabel die Verständigaung sehr erschweren. T
Reichs-Postverwaltung hat schon Sprechversuche zwische
Köln und anderen rheinischen Städten mit London
dilfe des bekafsch-englischen Kabels angestellt, die ao⸗—
eine ausreichende Verständigung ergeben haben. Das Ka
jel ist 88 Kilometer lang, hat aber noch nicht die bei de
eutschen Seekabeln eingeführten Induktanzspulen zw
berringerung der schädlichen Wirkung der Kapazität. Aud
wischen Enagland und Belgien kann man nur zwischen
zrüssel und London, oder nicht allzu weit hiervon ent
rnten Orten sprechen. Aussicht auf einen unmittelbare;
jprechverkehr mit Enaland bietet ein neues drittes fran
ösisches Seekabel, das demnächst ausgeleagt werden un
induftanzspulen erhalten sali. Auch die Niederlande sol
en die Verlegung eines Fernsprechkabels nach Enalam
lanen. Hier handelt es sich aber um 200 Kilometer
vährend zwischen Deutschland und England unmittelba
um mindesten 400 Kilometer unter See gehen würden
α
Vermisctes.
Was sind Roccoli? Es wird in Deutschland p
tenug über den in Italien ausgeübten Massenmord an
Lögeln geschrieben, aber wie er vor sich geht, darüber
veiß man weniger. Im Herbst standen die Roccoli wie
er in vielfacher Tätigkeit. das heißt, Gärtchen mit Eber
schen, Holunder und anderen Bäumen und Sträuchern
epflanzt, deren Beeren den Vögeln schon von weiten
ichtbar werden. Geblendete Lockvögel ziehen durch ihre
svesang die ermüdeten Wanderer ins Verderben. De
Koccolo ist seitlich von Netzen umspannt, und zwar vor
einem inneren und einem äußeren. Das innere hat en
gere Maschen als das andere. In der Mitte der Anlag—
auert der Fänger. Hat sich nun ein Schwarm Vsögel in
sarten niedergelassen, so tritt der Besitzer aus seinen
Zänuschen plötzlich heraus, schreit laut und schleudert zu
Useich den Diavolo, eine Art Schnarre unter die Tier
chen. Erschreckt fliegen die Vögel schräg auf, geraten i
das innere Netz mit den engen Maschen und treiben e—s
zurch ihren Anprall durch die weiten Maschen des äuße
ren. So sind sie gefangen und der Besitzer kann in Ge
nütsruhe jedem einzelnen der Tierchen den Hals umdre
hen. Da es tausende von Roccoli aibt und ein einzelne:
»t mehrere tausend Gefangene macht, so kann man sict
vorstellen, wie viele unserer heimischen Sänger in die ita
ienischen Kochtöpfe wandern. Es ist geradezu ein Jammer
Ein Gaunerstückchen hat sich dieser Tage in Wies
haden ereignet. Vor einigen Tagen fand vor dem Wies
vadener Landgerichte die Verhandlung einer Klagesache
statt, bei welcher der Kläger, Herr X., in die eidliche
Aussage eines Zeugen Zweifel setzte und das nicht nur
sagte, sondern auch Anklage auf Meineid gegen den Be—
ireffenden erjsob. Kurz darauf erschien nun ein elegan
und sicher auftretender Herr jüngerer Jahre bei ihm
stelte sich als höherer Gerichtsbeamter vor und erklärte
in der fragalichen Angelegenheit zu kommen. Als Bewei—
seiner amtlichen Vollwicht gkeit hatte er eine blaue, m
Aktenstücken gespichte Aktenmappe bei sich. Er zeigte *
vellig mit der Angelegendeit vertraut und vernahm aud
Herrn X. wie seine Frau zu Protokoll. Nachdem die—
Jeschehen war, ließ er sich als Vorauszahlung auf die ge
richtlichen Kosten 30 Mark auszahlen und empfahl sich
Bei einer zufälligen Nachfrage des Herrn X. am Gerich
zellte es sich dann heraus, daß die ganze Sache eir
Schwindel und der Pseudse-Gerichtsbeamte ein Gaune
war. Seine Wissenschast von der Ger'ichtsangelegenhen
wird er sedenfalls daher haben, daß er als Zuhörer, so
gerannter Kriminalsudent, der Verhandlung beiwohnie

Ich begreife — sie soll sogleich zu mirkammen!“
Das Kämmermädchen verschwand und wenige Au
gjenblicke später erschien, stakt ihrer Mutter Annette in
Boudoir der königlichen Favoritin.
„Treket näher, meine Liebe,“ sagke diese freundlich
„Madmoiselle Tony hat also meinen Brief empfangen.“
„Ich bringe die Ankwort, Frau Gäfin, Mademoisellt
meint, es sei das Beste Blanche zu veranlafsen, der
kKönig anzuflehen, Sie noch in dieser Nacht in ein Klo
ter zu senden. Lassen Sie mich zu ihr, ich habe da
Mittel, sie gefügig zu machen.“
„Sie sind dem Mädchen, um das es sich hande
bekannt?“ fragte die Dubarry etwas mißkrauisch.
„Ich bin es, und Blanche de la Haye hegt, keine
3weifel an mir,“ enkgegnete die Botin der Mestize
„sogar das Wohlwollen einer alken, pedankischen Per
son, die sie ihre Freundin nennt, gelang es mir zu ei
werben, in ihren Augen die beste Empfehlung. 51
iollen zufrieden sein.“
„Und das Mittel, das Sie anwenden?“
„Blanche liebb ihren Bruder Norbert,“ enkgeaner
Annette. „Ein noch höheres Ideal aber ist ihr die En
ihres Hauses. Nun aber kann ich ihr Kunde eines G⸗
ständnisses bringen, das Norbert de la Haye oebe
Mademoisfelle Tony seiner Geliebten, abgelegt vat,
Geständnis, für das sie des Königs zu Gnade erpditt—
die Pflicht der Schwester, die Pflicht der To hter
hauses de la Haye ist. Es handelt sich um ein ge
ses Diadem —“*
„Um dieses,“ rief die Dubarry, sie lebhaft unter
brechend und auf den weisend, den sie soe
hen auf einen Gueridon niäbergelegt hatte. „Ihr seit
eine vortreffliche Helferin, gute Frau. Ich selber wilb
kuch zu Blanche führen dies Diadem nehmt mi Euch
die ol damit geschmückt sein, wenn ich den König
ihr führe
            
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