Neue Enthüllungen zur bosnischen Krise.
Hy Der römische Mitarbeiter der „N. Fr. Pr.“ weiß
über die Verhandlungen zwischen Oesterreich⸗Un—
garn und Italien, die der Annenonserklärung Bos⸗
niens und der Herzegowina vorangingen, einige neu
Tatsachen, die die jüngsten Veröffentlichungen der Fort
nighty Review über die Verhandlungen Aehrenthals mit
Iswolski nach dieser Richtung ergänzen. Eine Stunde
nach der Unterredung Aehrenthals mit Tittoni in Salz—
burg empfing Tittoni in Anwesenheit seines Sekretärs
Marchese Carignani den Vertreter des Neapler „Mattino“,
den Wiener Korrespondenten des „Corriere della Serra“
und den römischen Korrespondenten eines Wiener Blat—
tes und sagte ihnen, die Unxrredung hätte die vollste
Uebereinstimmung der österreichisch ungarischen und der
italienischen Politik in jeder Hinsicht ergeben.
„Was immer nun geschehen möge“ — „wollen Sie
daran festhalten, Oesterreich Ungarn und Italien sind sich
einig. Es stehen möglicherweise wichtige Ereignisse be—
vor, ich werde wohl Gelegenheit haben, mich darüber in
der Kammer auszusprechen, und es dürfte Stürme geben,
Ihnen aber binde ich ans Herz, lassen Sie sich durch
nichts beirren, halten Sie, was immer auch geschehen
möge, daran fest, OesterreichUngarn und Italien sind in
jeder Hinsicht einig.“
Der Eindruck dieser Worte des Ministers war bei
den drei Journalisten ein und derselbe: Unter den wich—
tigen Ereignissen, die Italien stürmisch erregen könnten,
hatte Herr Tittoni nichts anderes gemeint, als die An—
gliederung Bosniens und der Herzegowina an Oesterreich-Ungarn.
Welche andere Deutung hätten diese Worte sonst
finden können? In Wien sprach man in jenen Tagen
von der Annexion als von etwas, das sich vielleicht in
den nächsten Tagen erfüllen würde, und Herr Tittoni hat
es genau gewußt, denn auf Schloß Krawska bei seinem
Freunde, dem Senator Frasso-Dentice, war die Sache
sehr eingehend besprochen worden. Der Druck der öffent
lichen Meinung und der Besuch des Herrn Zswolsti in
Desio gaben der italienischen Politik mindestens formell
eine andere Richtung. Tittoni hat aber auch im Augen—
blicke der aͤrgsien Verwirrung das Endziel seiner politi—
schen Bestrebungen, die Erhaltung des Friedens, nicht aus
den Augen verloren.
Heer und Flotte.
— * Die Ergebnisse des Heeresersatzes 1909
in Deutschland und Frankreich sind, in Zah—
len ausgedrückt, folgende: Frankreich hat 217614 Mann,
die für den Heeresdienst tauglich sind und in voller Zahl
ausgehoben wurden. Deutschland hat 304 984 Mann für
den Heeresdienst taugliche, von denen nur 297 314 Mann
eingestellt werden können. Der Ueberschuß muß zurückge—
stellt werden. Der Unterschied zwischen Frankreich und
anv beträgt alio 70 700 Mann zugunsten Deutschands.
Koloniales.
ADas Reformprogramm der belgi—
schen Kongokolonie enthält einige versteckte Punkte,
die wir der ernsten Beachtung empfehlen. Wahrscheinlich
würde sich hier ein Zusammengehen mit England ermög—
lichen lassen. Während nämlich die Ausbeutung der Na—
hurprodukte im allgemeinen freigegeben werden solle, wenn
auch nicht auf einmal, sondern in drei Etappen, sind von
dieser Freigabe überhaupt ausgeschlossen 6 Staatsdomä—
nen von 600 000 Hektare und die Konzessionsgebiete der
Gesellichaften: Societe Anversoise, Abir, Ameicon, Congo
Cy., Cie., Lomani, Busira und Compagnie des Grand
Lacs. Die letztere umfaßt das gesamte Gebiet, das be—
grenzt wird vom Kongo, einer Linie, nördlich des Tran—
ganjikasees, südlich des Aruwini und der Ostgrenze und
erschwert aber den Handel zwischen der Kolonie und
Deutsch-Ostafrika außerordentlich!
—2—— — — —
αν
Prozeß Steinheil.
Der Verlauf der weiteren Sitzung, welcher die Ver—
nehmung der Hauptzeugen brachte, hat die Aussichten der
Angeklagten nicht verschlimmert. Mariete Wolff machte
den Eindruck, manches zu verschweigen, verteidigte aber
ihre Herrin nach jeder Richtung hin. Dabei geriet sie in
bdirekten Gegensatz mit andern Zeugen, blieb aber selbst
bei der Konfroniation felsenfest bei der Leugnung aller
kompromittierenden Aeußerungen, welche Journalissen von
ihr gehört haben wollen. Den Geschworenen wurde so
das Schauspiel des flagranten Widerspruchs mehrerer
Zeugen geboten, ohne daß der Gerichtshof eine weitere
un versuchte. Sehr eindrucksvoll und würdig war
orderel. Mit seiner bestimmten Erklärung, daß niemals
an eine Heirat mit ihm zu denken war, unterstützte er die
Angeklagte, der man die Aussicht auf diese Heirat als
Motiv zur Beseitigung ihres Mannes zuschreibt. Die ein—
zige direkt belastende Aussage war die der Krankenpfle—
gerin Vogler, welche behauptete, Frau Steinheil habe nach
dem Verbrechen Krankheit simuliert. Die Zeugin hat im
—
*—
22
Das Diadem des Uerderbens.
Original-Roman von H. Hirschfeld.
84 , Wer sind Sie, was wollen Sie?“ brachte sie ängstlich
hervor. Ihre Hand ffreckle sich hastig nach dem
Glockenzuge aus — sie mochte die Eingedrungene für
geistesgessört halken —, wer ließ Sie herauf?“
„Fürchlen Sie nichts!“ versehte Mutiter Annelte.
„Ihre Herrin kennt mich, sie wird mein Kommen will⸗
kommen heifen, — lassen Sie mich zu ihr.“
Und die Zofe mit schneller Bewegung zur Seite
schiebend, eille sie der nächsten Tür hinter der sie Nor⸗
beris Stimme erlannk hallke, und öffneie entschlossen.
Auf einer Ollomane ruhie die elastische Gestalt der
Mestize in graziẽser Skellung, zu ihren Füßen saß Norbert
auf einem niedercn Taboureit. Läßig richtel fich
Tony beĩ dem plötzlichen Eintrilt der Warnerin halb
empor, kaum die Augen auf sie richkend; mit einer Ver⸗
wünschung sprang Norbert de la Haye auf.
„Zum Teufel wes gibt es?“ rief er. „Wie? Ihr.,—
Mutter Annetke?“ suhr er erslaunt fork. „Was soll
der plöhzliche Überfall 7“
„Norbert,“ sagte sie hastig, „verzeiht — und auch
Sie, Mademoiselle, bitte ich um Bergebung. Allein,
eine Angelegenheit von höchster Wich ligkeit enischuldigt
mein Kommen. Ich muß Sie sprechen, Norbert! Rur ein
Wort, aber augenblicklich!“
„Später, gulse Frau! Was gibt es Wichliges für
mich in die er Stunde? Euer Eifer führt Euch zu
veit,“ war Noberts Anlwort. „Morgen mögt Ihr mir
Alles sagen!“
„Morgen ist es zu ipät! Norbert, denken Sie an den
Besuch der ungebeieiien CGäse im 5Sdelosse zu Monza!“
Anneitens Simme bebie ver Scnerz und CEnsrüj—
aqg. „Ihr reidtet Nadenwoilsele Tonn ezin Diodem
Lausfe der Zeit Jjeooch so viel widerfsprechende Versionen
gegeben, daß ihr Zeugnis nicht ernst zu nehmen ist.
αOOOM
Ein Wunderdoktor.
Aus London wird gemeldet: Eine der englischen
zarieteegrößen ist „Or.“ Bodie, der als Hypnotiseur und
MNagnetiseur auftritt, und der in der letzten Zeit viel Auf—
ehen erregte. Er hatte nämlich einen jungen Schotten
Us Lehrling aufgenommen, dem diese Kunst imponiert
hatte und der es gar zu gern auch lernen wollte. Für
die Uebertragung seiner geistigen Kräfte verlangte aber
der Hypnotiseur die bescheidene Summe von 20 000 M.,
die der Zauberlehrling, ein junger Farmerssohn, auch
willig zahlte. Da trotz der 18 Monate, die er mit dem
„Dr.“ Bodie umherzog, der Erfolg ausblieb, strengte er
Jegen seinen „Lehrmeister“ Klage auf Rückzahlung der ge—
jahlten 1000 Pfund an. „Dr.“ Bodie tritt seit vielen
zahren, anscheinend von keiner Behörde behelligt, in den
zarieteetheatern auf und kuriert vor dem Publilum un—
er rauschender Musik Krüppel und Gelähmte, die in al—
ien Hospitälern als unheibar entlassen worden sind. Nach
zer Aussage des Klägers versteht Bodie nicht im Ge—
ingsten zu hypnosisieren. Er reist mit einem Stabe von
Angestellten herum, die in der Vorstellung als vollsrändie
zremde auf die Bühne kommen, sich zögernd zut Hypno—
isierung bereit finden lassen, in der „Hypnose“ dann die
rufgetragenen Dinge verrichten, politische Reden halten
und anderes dergleichen. Die unheilbaren Paralytiker, di—
Bodie auf die Bühne kommen ließ, waren arme Leute
zie gegen ein Trinkged oder ein Paar Schuhe sich zu
»em Schwindel hergaben. Der Patient wankte auf das
Podium, der Doktor zerbrach in feierlicher Haltung seine
drücken und hypnotisierte oder elektrisierte die Unglück
ichen. Damit das Publikum nicht das Geschrei der vom
lektrischen Strome Berührten höre, wurde die Kur mi—
auter Musikbegleitung vorgenommen. Nach der „Heil
ing“ wurden die Patienten fortzeschafft, und die Zu
chauer erfuhren naturlich nichts weiter. Noch tritt als
zeuge ein Schutzmann aus Liverpool auf, der der festen
deberzeugung ist. daß sein seit vielen Jahren gelähmter
Zohn von Bodie in zwei Vorstellungen vollständig kuriert
vorden ist. Der Angeklagte ist ein humoristischer Betrü—
ger. Er gibt bei der Vernehmung sofort zu, daß alle
die Angaben in seiner auf dem Theaterprogramm ge—
druckten Biozraphie reine Erfindung sind. Danach wollte
er die geheimen Wissenschaften in China und Japan bei
den Maägikern selbst studiert haben, er ist aber niemals
wßerhalb Englands gewesen. Er nennt sich „M. D.“
Doktor der Medizin) und erklärt dem Richter kaltblütig,
daß das heißen sol'e „merry devil“ (der Titel einer Ope—
rette). Im übrigen behauptet er doch, hunderte von Pa
ralytikern vollständig geheilt zu haben. Seine „Uebertreib
ungen“ hält er für verzeihlich, da man im Varieteethea—
ter Reklame machen muß. Natürlich wurde Bodie nach
biertägiger Verhandlung zur Rückzahlung der 1000 Pfund
an den Kläger verurteilt. Daß er sein Gewerbe, vielleicht
unter anderem Namen, nicht fortseßen dürse, wurde edoch
nicht ausgesprochen. Der Prozeß wurde, wie es hier oft
»er Fall ist, in scherzhafter Form gesührt, als ob das
revelhaste Spiel mit dem körperlichen Elend der Armen
nicht eine sehr ernste Seite dätte. Richter und Anwälte
orgten reichlich für das Amüsement des Publikums. Ein
Zeuüge wird gefraat, was er sich unter „Hypnotismus“
denke. Er anwortete, es sei das eine Kraft, durch die
nanche Leute andere einschläfern können. Der Vorsitzende
Richter Darling): „Manche Rechtsanwälte besitzen diese
Zraft gegenüber Nicktern.“ Es ist die Rede von einen
zlektrischen Strom von einer Million Volt. Der Vertei—
higer: „Möchten Eure Lordschaft ihn nicht vielleicht selbst
hersuchen?“ Der Richter: „Oh nein; es gibt ohnehin zu
wenig Richter. Wenn ich eine Verfügung zu treffen hätte,
väre es die, daß Sie elektrisch hingerichtet werden!“ Von
diesen Witzen wird der Angeklagte, dessen Ruf durch die
Entdeckungen“ sehr wankend geworden ist, schwerlich im
Innersten erschüttert worden sein. Besonders nachhaltend
ind die Schotten, die es ihm nicht verzeihen können, daß
ziner ihrer Landsleute durch ihn enttäuscht wurde. Das
am „Dr.“ Bodie am Montag zum ersten Male in Glas—
zow zum Bewnstiein. Das Theater war voll von Stu—
jenten und anderen jungen Leuten, die beim Auftreten
des Artisten einen wahren Aufruhr verursachten. Als Bodie«
die Bühne betrat, mit tadellosem schwarzen Rock und
weißer Wesie, erhob sich ein Heidenlärm und ein Schaues
jon faulen Eiern und Häcksel ergoß sich über den Künst
ier, sodaß secin Anzug in wenigen Augenblicken in allen
Farben schillerte. Die Mitglieder des Orchesters waren
leich am Anfang in panikartiger Flucht verschwunden,
iber Bodie hielt den Sturm ruhig aus, verbeugte sich,
als wenn nichts vorgefallen wäre und wollte mit seinen
Experimenten beginnen. Schließlich kam die Gehilfin
des d,Doltors“ ihm zu Hilfe. Sie kam auf die Bühne
und stellte sich vor ihn, um ihn zu schützen. Das Wersfen
zorte denn auch auf, aber der Speltalel war so groß
daß der Hypnotiseur feine Experimente ausgeben mußte,
nachdem er sich der Wut des Publikums acht Minuten
pteisgegeben hatte.
—40 ⸗⸗
als Gabe und Se. Mojestät verlangt zu erfahren,
wie in Eure Hände dieser Schmuck gelangk ist, der am
Abend des heutigen Balles die Stirn der Gräfin Du—⸗
barry zierk!“
„Hölle und Teufel!“
Wild suhr Nobert auf. Dann machke er eine Beweg⸗
ung, als wollte er sich hastig entfernen, aber Annelte hieif
ihn zurück.
„Laßt mich — ich muß fort!“ rief er. Dann aber
sich besinnend lachte er laui auf. Pah, Ammenmärchen,
rin Kind zu erschrecken! Was weiß ich von Monza, was
veiß ich von dem Ursprung eins Diadems, das mir durch
rine, sellsame Form, in dem Gewölbe eines Schacher—
uden, auffiel, so daß ich es um einen guten Preis erstand?
Verlaßt uns gute Frau, und bringt diese Mitteilung dem
zönige. Ich habe keine Zeit für ihn, ehe mich meine
Seurerainin entlassen hat.“
Mit bittender Geberde irat Mutker Annelke, von
Nobert wendend, zu der Messize, die, scheinbar völlig keil—
nahmslos, die Augen geschlossen, ihre alte Stellung
wieder eingenommen halte.
„Mademoijelle,“ sagte sie, „seien Sie güliger als
er! Zu seinem eigenen Heil, der Ihnen keuer ist, vergön—
nnen Sie mir einen Augenblick des Alleinseins mit ihm!“
Kaum merklich neigte Tony das Haupf. Dann erhob
sie sich mit einer leichten Bewegung und geräuschlos
wie eine Schlange über den Teppich leitend, war sie
derschwunden, ehe Jorbert ein Wort hervotzubringen
ermochte, um ihr Entfernen zu verhindern.
„Norbert —“' mit beiden Sänden umklammerte die
geängstigle Frau die sich ihr enktwindende Rechte des
Widen sarebenden.“ Du mußt mich anhören! Die Frau,
gegen die Norbert de la Haye seine Hand erhoben zum
dernid,tenden Schlage, um den Schrei der Beftürzung zu
hvindern, da sie ign an der sSpihe der Räuber, die
hres Beschukers friedliches Haus heimmuchten., ge en
Hof und Gesellschaft.
*Der Regent von Braunschweig, Herzog
Johann Albrecht von Meclenburg-Schwerin, der
bekanntlich im vergangenen Jahre seine Gemahlin, die
Prinzessin Elisabeth von Sachsen-Weimar durch den Tod
berloren hat, hat sich, wie bereits gemeldet, mit der
Prinzessin Elisabeth von Stolberg-Rosla verlobt. Die
5
I
1
—
—
—
tetzoqohann Albrecht zu Mecklenbumnn funzessin klisabetn tu ðlolberh · Rosela
Veriobung ist aus dem Grunde wichtig, weil in Mecklen
burg-Schwerin, wie in Strelitz die Herrscherhäuser aus—
zusterben drohen. Herzog Johann Albrecht ist 52 Jahre
alt, steht also im besien Mannesalter, die Braut zählt
22 Jahre.
atä
Ver mischtes.
„Ferdinand von Schiller.“ Ueber Friedrich Schil
ler sind in den letzten Tagen Tausende von Artislein ge—
schrieben, sein Rame ist noch 1905 in allen Schulen ge—
feiert, so daß man jüg ich denken solite, kein Name wäre
volistamlicher als der Friedrich von Schiliers. Die Düs—
seldorfs-Gerresheimer Zeitung veröfsentlicht nun einen Leis
arilel zu Ehren Schillers und unter dem Bilde des
Dichters, das eine Vierte seite einnimmt, prangt stolz
—D0—
he r.“
Der Großherzog als Postillon. Die als woy
mend empsundene Urt, in der Großherzog Erust Ludw.g
von Hessen sich im Volt zu bewegen versieht, ist ein Erb—
stück: Sein Vater Ludwig 4. überholte einmal, auf der
Fahrt zur Hofagd bei Kranichstein vegrifsen, dicht hiner
der Fasanerie bei Darmstadt einen Landbrieftrager, der
sich in dem etwa einen Meter hohen Schnee nur mühsam
sorthalf, mit dem Schlitten. „Wohin, Brieflräger?“ fragte
der Fürst. „Nach Messel, Königliche Hoheit“, war die Ant—
vort. Der Großherzog ließ den Mann in den Schlitten
teigen und die seurigen Rosse brachten ihn an die Grenze
seines Bestellbezirts. Mit einer viertelstündigen Verspät—
ung erschien der Großherzog am Jagdschlosse. „Bitte meine
Unpünktlichkteit zu entschuldigen, meine Herren; ich mußte
zunächst die Post besördern“, war die liebenswürdige Ve—
rüßuna.
Eine Mordtat. Bei den neuen Schießständen 1vä
Berlin wurde vor einigen Tagen die Leiche eines Er—
chossenen aufgefunden. Die Taschen waren sämtlich ge—
leert, nur sechs Patronen befanden sich in einer. Die Po—
iizei nimmt an, daß der Unbekannte von dem zahlrei—
chen, sich am Rande der Jungfernheide sich herumtreiben⸗
den Gesindel übersfallen, erschossen und auch ausgeraubt
wurde. Er gehörte unzweifelhaft den bessern Ständen an.
Im Feuer umgekommen. Auf dem vprovisorischen
Thüringer Bahnhof in Leipzig brannte eine Baubude nie—
der. Bei der Bekämpfung des Brandes fand die Feuer—
wehr die verkohlten Körper zweier unbekannter Männer,
die jedenfalls in dem Raum genächtigt hatten, durch
Rauch betäubt und dann verbrannt waren.
Raubmord. Der 70ährige Privatier Carras wurde
in seiner Wohnung in Dessau ermordet und beraubt. Der
Mörder ist noch nicht gefaßt.
Räuberischer Ueberfall. Der Kutscher eines Petro⸗
teumimportgeschästs wurde bei Chemnitz von zwei ver—⸗
numm'len Wegelagerern überfallen und am Halse ge—
würgt. Die Räuber durchschnitten die Riemen seiner
Geldtasche und entkamen mit einer Beute von 400 Mark.
Deserteure. Zwei Fahnenflüchtige des Posener In—
fanterie-Regiments Nr. 88 in Lissa, die Musletiere Georg
Grase und Mar Miätze, die beide aus Berlin stammen,
überfielen eine Dame, die nach dem Bamhofs Lissa gehen
wollte, und raubten ihr ein Handtäschchen mit Bargeld.
Die Desertenre wurden eingeholt und verhaftet. Sie ga—
hen an. daß sie sich Geld zur Fahrt nach Posen ver—
chassen wollten.
— jene Frau, deren Zunge stumm blieb, so lange ihm
keine Gefahr drohte, sie hat ein Recht ihn zu warnen,
wo es ihn zu reiten gilt!“
Lüge, elende Läge! ich habe nichts mit Bandiken zu
schaffen!“ brauste Rorbert auf. „Wer kann es mir be—
weisen ?*
„Ich enkgegnete Mutter Annektie fest. „Und beim
ewigen Goit, ich werde es, folgst Du nicht der Weisung
meines sorgenden Herzens, das sich ängstigt um Dich,
trohz Deiner Schuld. Hoͤre mich Norbert —“ J
Kein Wori!“ *
Hinter der selben Porliere, hinker deren schweren Falten
die Mestize verschwunden war, ohne den Raum zu
verlassen, irat Tong hervor. — —
„Tony, Gelieble —“ —
Das Wort verstummie auf Noberl's Zunge, wäh—
cend er den Blick auf das Mäden richtele. das ihn
mit verachtungsvollem Ausdruck, ein köhnisch-iriumphierendes
Laächeln, auf den Lippen, vom Scheilel bis
zur Sohle maß.
Verflogen war der Rausch der Leidenschaft. Wie
ein Gefühl des Grauens beschin es sein Herz.
„du, bist ein Dämon — Mein Unglück — fort —
ort — * 7TT
Die Mestize verkrat ihm den Weg. 60
„Nobert de la Haye — Dieb und Räuber — Du
bleibst! Nicht Deinen Dämon — des Sschicksals Volleie
nenne mich — und nicht Deines Schicksals
allein!* e
Had' Erbarmen für ihn. Was er getan, geschah,
ehe er Dich sah und Dich lieben lernse. Du solltest der
Engel seiner Läukerung werden. Ddu— — un
Ich, bin sein Engei?“— fragie Tony höhnisch. FIch
hasse Alles, was den Namen de la Haye rägt, hasse
die Mutter des Geschlechts, die deneigenen Sohn wie
ineon Verbrecher ans dom Vators-ide chiene,