Smerecyachen von 809 Franke Weri dat nachahmen las⸗
sen. — Mehrere Journalisten und Berichterstatter können
tieues nicht jsagen. — Alsdann wird Herr Chabrier,
»er Vetter des Malers Steinhei! vernommen. Er hal
immer die lebhafteste Zuneigung zu seinen Verwandten
gehabt und habe seiner Cousine seit dem Mord eifrig
heigestanden. Der Zenge schildert dann die bekannten
Vorgänge am Morgen des Verbrerhens, ferner den Zwi—
schenfall mit der Perle in der Brieftasche des Dieners
Fouillard. Bezüglich des Selbstmordversuchs der Köchin
Mariette Wolff besiätigt der Zeuge, daß sie in der Nacht
der Geftändnisse auf den Revolver hindeutete und aus—
rief: Hier ist meine Rettung!“ Die Frau des Zeugen,
die min erscheint, saat im wesentlichen dasselbe aus wie
ihr Mann. Damit schließt die Sitzung.
Deutsiche Auti-Duell-Liga.
Umer dem Vorsitze des Grafen Adalbert zu Erbach—
Fürstenau jand in Würzburg die Generalversammlung der
Ddeutschen Anti-Duell⸗Liga statt. Der Gründer
zer Liga, P. Raymundus, (früher Fürst Löwenstein),
vohnte ihr an. Die Zahl der Mitglieder der Liga he—
rägt 2245 wie im vorigen Jahre, mit den Korporatio—
nen 4000 Mitglieder. Der Vorsitzende bestritt, daß die
Liga vorwiegend katholische oder ultramontane Tenden—
zen verfolge, dieses Vorurteil müsse verschwinden. Die
Direktion erhielt Idemnität dafür, daß sie der internatio—
talen Union beigetreten ist. Die Frage der Wahl eines
Präsidenten konnte nichi erledigt werden; es ist ein sol—
her noch nicht gefunden. In das Direktorium wurden
Prof. Kissinger-Darmstadt und Seuatspräsident Lossen ge—
wählt. Das Dire torium führt die Geschäfte solange wei—
ter, bis ein Präsident gewählt werden kann. Der Ge—
neralversammlung ging eine Akademiker-Versammlung vor—
aus, der 27 Vertreter verschiedener Ligen anwohnten.
Sie beschäftigte sich mit der Frage der Ausbreitung der
Bewegqung gegen das Duell auf den deutschen Hochschu—
len. Es wurde eine Refolution angenommen, die es für
mußerordentlich wünschenswert erklärt, einen deutschen
hochschulverband zur Beseitigung des Duells ins Leben
zu rufen. Im März 1910 soll in Halle a. S. eine neue
Versammlung abgehalten werden, die auch über den Ver—
band beraten soll. Der Vertreter der Wiener, Prager
und Budapester Universstäten Dr. E. von Hofmannsthal
regte in der Generalversammlung an, die Liga solle für
den rationellen Ehrenschutz der akademischen Bürger mehr
eintreten. das würde den Zweck der Liga sehr fördern.
Ddas Direltorium will die Anregung in Erwägung zZie—
jen. Dr. Streitberger-München beantragte, daß die Liga
m Reichstag und die Einzel-Landtage herantrete, damit
die Abgeordneten unter Anwendung der äußersten par—
amentarischen Machtmittiel (Budgetverweigerung) auf Be⸗
eitigung des Offiziersduells drängen. Die Liga solle
in Wanderversammlungen gegen das Duell agilleren. Die
Versammlung lehnte den Antrag ab, weil damit das po—
itische Gebiet hetreten werde, was den Statuten der Liga
viderspreche. In einer an die Tagung angeschlossenen öf⸗
entlichen Versammlung sprach Fürst Erbach die Hoffnung
zus, daß das Duell bald falle und insbesondere auch das
Offizierskorpßs bald davon abkomme. P. Raymundus hat
ich dann in längerer Rede gegen die Aeußerungen der
duellfreunde gewandt, daß die Schriften und Reden der
Ziga nur Lufthiebe feien. Er rekapitulierte die Erfolge
er Liga in Oesterreich- Ungarn, Spanien und Italien. In
deutschland siehe die große Zahl der Gebildeten auf der
Seite der Liga. Es müßten öfters Versammlungen ab—
zehalten und die Zeitungen mehr benützt werden als
zisher. Dann müsse von hoher Stelle erklärt werden,
daß jeder. der ein Duell eingehe oder provoziere, unwür—
dig sei, der Armee anzugehören. Prof. Dr. Himmel—
sttern⸗Heidelberg hielt sodann einen Vortrag: „Ist das
Quell noch berechtigt oder zeitgemäß?“ Von der Entsteh—
ing der Duellsttte ausgehend, stellte er die Gründe für
and wider das Duell zusammen. Er hält alle Ehren—
Zweifämpfe für vollständig zwecklos und widersinnig, die
huellsitte sei verwerflich. Das Duell sei ein Rest über—
lebter Anschauungen und Einrichtungen, der verschwin—
den müsse. Der Ehrenschutz müsse verstärkt und mehr für
die Aufklärung getan werden. Die Aufklärung sei die
Erzieherin der Menschheit und Menschlichkeit.
òůü— — —
Aus aller Welt.
Eiun frecher Gaunerstreich beschäftigt die Berliner
Kriminalpolizei und Justizbehörden. Drei Einbrecher sind
bor einigen Tagen in das Landgericht 1 in der Gruner—
traße eingedrungen, haben dort mehrere Amtszimmer er—⸗
rochen und sich mit Richtertalaren bekleidet. Damit wel⸗—
teten die drei Gauner stundenland ihres Amtes als Diebe
und Fälscher. Sie entwendeten eine Menge von amti—
hen Kostenrechnungsformularen und füllten ste auf Grund
von Prozeßakten, die sie den Schränken entnahmen, aus.
Mit einem Amtsstempel des Landgerichts 1 stellten sie
sich amtliche Legitimationen als Hilfsgerichtsvollzieher
mus, und mit diesen Ausweisen zogen sie die Beträge,
muf die sie die Formulare ausgefült hatten, von den
hnungssosen Prozeknarteien ein. Das Schwindlerklee
Das Pjadem des Verderbens.
O ainal-Roman von H. Hirschfeld.
52 „Vom Herrn Herzog von Choiseuil, der se' einigen
Tagen erkrankt ist. Es bedürfe keiner Arimori.“ meldete
der Diener.
Der Gouverneur winktke ve rabschieden? und während
der Diener verschwand, erbrach er* ouvert.
Halblaui, kaum bewußt, daß der Maze scharfes Ohr
sede Silbe erhasche, murmelfe er e im Selbstgespräch,
den Inhalt des Briefes denens, vor sich hin:
„Er dankt mir ier einen ciser, die Rache reift der
Frucht enkgegen, die uiche Huldigung des Königs — der
Dubarry Neid — Frankreichs Wohl —“
Zu Boden schleuderke er das Blaft.
„Elende Phrasen,“ rief er in ausbrechender 5enchafftt,
„und ginge nicht Frankreich, ginge die Welt
ju Grunde, es darf nicht sein, es soll nicht — nicht
urch mich!“
Tony halte sich erhoben, langsam schritk sie an ihn
geran.
„Es soll sein, es muß sein, Charlos, und durch Dich!
prach sie feierlich. „Du hast es einem Sterbenden ge—
d woren, unlösbar ist Dein Eid, bis die Toten wieder—
ehren.*
„Tony!“ Wie ein Stöhnen kam es aus der Brust
des Tätowirten hervor. „Die alte Frau, so kalt, so
schroff, so egoistisch sie sein mag, sie ist meine Mutter,
die mir das Leben gab! Der weichmükige Mann, den
eine Schwäche, nicht sein Willen leitet, zum Gufen wie
um Bösen, er ist mein Pruder und meiner Mutker Sohn!
And endlich Blanche, it Alexandrinens Kind, Tony,
ihrer Züge Spiegel!“
.Charlos,“ empor hob die Mestize ihre Hand, „zum
zlaift uKneretts verherstet worden. Es sind ein 21jahyri
jer r und früherer Zahntechniker Lothar Lüdcke aus
Pankow, der 20 Jahre glte Willi Warnitzti aus Berlin
ind ein wohnungsloser Koch Franz Mayer. Sie sind
ins Untersuchungsgefängnis eingeliefert worden.
Verhafteter Erpresser. Der Hamburger Behörde
gelang es, einem Berliner Erpresser das Handwerk zu
segen. Der Barbier Möncher hatte einen in Hamburg
sebenden höheren Offizier kennen gelernt. Er erhielt von
Resem mehrfach Unterstützungen und richtete sich mit sol⸗
ven ein eigenes Geschäft ein. Das rentierte sich aber
icht, worauf Möncher an den Offizier Bettelbriefe ge—
chrieben hat. Vor einigen Tagen ging er selbst nach
Zzomburg, verlangte von dem Of izier 160 Mark und
rohte mit einem Vitriolattentat, falls er das Geld nicht
rhalten würde. Aui Anzeige hin wurde er festgenommen
Verbranut. Aus Bromberg wird berichtet: In Woi—⸗
in im Kreise Zuin brannte das Armenhaus nieder, wo—
ei der Rentenempfänger Müller, sowie dessen Tochter und
ẽnkelin ums Leben kamen.
Björnson erkrankt. Der norwegische Dichter Biörn⸗
yn kam schwer erkrankt in Paris an und mußte ein
rankenhaus aufsuchen.
Rufsisches. In der von dem verschiedenen Großfür—
ien Wladimir verwaltet gewesenen Pensionskasse der
»ffiziere wurde ein Defizit von 130 Millionen
nideckt. Dee Regierung ist bemüht, die Angelegenheit
u verheimli ssen und hat für momentane Zahlungsbe dürf—
tisse mehrere Millionen zur Verfügung gestellt.
Dynamit⸗Erplosion. Der „Seccolo“ berichtet aus
da Paz, daß eine furchtbare Erplosion die Stadt Oruno
eimgefucht hat. Das dortige Dynamitlager ist in die
uft geflogen und die ganze Orfschaft stark beschädigt wor—
1 Fast alle Häuser sind zerstört. Bis jetzt wurden 40
geborgen. Die ganze Ortschaft zählt 8000 Ein—
vohner.
Vermischtes.
Die Weine im Bremer Ratskeller. Die Leute,
sie da behaupten, daß die Statistik nichts weiter ist als
ine Wissenschaft der trockenen Zahlen, dürsten eines Bes⸗
rren belehrt werden, wenn sie von der Berechnung hö—
en, die kürzlich ein phantasievoller Statistiker über den
Vert der im Bremer Ratskeller lagernden edlen Wein—
Irten angestellt hat. Wenn man im Verkauf dieses Wei—
es die Summen erzielen würde, die besagter Statistiker
a herausrechnet, dann würde der Betrag hinreichen, um
ie gesamten Staatsschulden Deutschlands und Englands
u bezahlen. Man höre: Im Bremer Ransskeller lagern
eit zwei und einem halben Jahrhundert 12 Gebinde des
IAgenannten Heiligen Weines. Schon damals, bei der
xzinlagerung, wählte man natürlich die edelsten Sorten,
ie aufzutreiben waren. Der Statistiker rechnet nun die
amaligen Anichaffungskosten, rechnet das Kapital, das
ie Erbauung des Kellers erforderte, die Summen der
znstandhaltung, legt dies alles Zins auf Zins und kommt
u dem Resultat, daß jede Flasche Wein augenblicklich
inen Wert von sage und schreibe 8 Millionen Mark re—
räsent ert, was pro Glas ungefähr 1100 000 M. ausnacht.
Ein Tropfen dieses Weines könnte beim besten
Villen nicht unter 1000 M. abgegeben werden. — Was
ür eine kostbare Wissenschaft ist doch die Statistik!
Wie der Fernsprecher ersunden wurde. Eigent—
ich geschah das auf Grund einer mangelhaften Kenntnis
er Elektrizttät —, Graham Beil, der den ersten brauch—
aren Apparat konftruiert hat, erzählt es in einem Ge—
prach, das er mit einem Mitar“ ur der Zeitschrift „Great
houghts“ hatte. 1877 war e⸗» 3 der Fernsprecher zu—
rst aus dem Reich der Versuche zur praktischen Verwend⸗
arleit übertrat; schon 1874 hatte Graham Bell begon—
ien, sich mit der Uebertragung von Strimmenschwingun—
sen auf eine Wietallplatte zu beschäftigen. „Unmittelbar
sor der Erfindung ves Fernsprechers beschäftigte ich mich
nit zwei anderen, davon unabhängigen Forschungsproble—
nen; das eine bettaf die Uebertragung von Musiksignalen
u dem Zweck mehrfacher Telegraphie; die anderen Ver—
uche beschäftigten sich mit der manometrischen Kapsfel von
doenig und mit dem Phonoautographen von Leon Scott,
wei bekannten wissenschaftlichen Apparaten, die in sicht—
zarer Form die Schwingungen des Sprechens verdeutli—
hen. Mein Gedanke dabei war, die verschiedenen Vibra—
ionen der einzelnen Volale und Konsonanten zu studie—
en, denn ich hoffte, daß es möglich sein würde, taube
dinder an solchen Apparaten zum Ablesen der gesproche—
ten Worte zu erziehen. Ich benutzte dabei, dem Rat
es hervorragenden 358 Ohrenarztes Dr. Clarence
J. Blake folgend, als Phonoautograph auch ein mensch—
iches Ohr, das ich einem Toten entnahm, und erzielte
amit auf geschwärztem Glas sehr schöne Spuren der
zprachvibrationen. Die Untersuchungen mit diesem Om
Ads Phonoautograph brachten mich dann auf dem Gedan—
en des ersten Fernsprechers. Ich kam auf den Gedan—
en, daß wellenförmige Strömungen erzeugt werden könn—
en durch die Vibrationen eines Apparates, den man vor
inem Elektromagneten anbring«, wenn diese Vibrationen
zen Luftschwingungen bei Lauten entsprechend gemacht
oerden könnten.“ 1874, während eines Aufenthaltes am
zause seines Vaters bei Branford in Ontario fand Gra—
Feigling macht Dich Deine Schwachheit, sollsie Dich auch
um Lügner machen?“*
„Tony!“ Des Tätorwirten Auge schoß Flammen.
Was wagst Du zu sagen ?*
„Die Wahrheit! Warum, wenn Du in ihrer Tochler
der Mutter gedenkst, lässest Du mich auf Dein Ge—
bot den Sohn verderben?“ fuhr die Mestize fort.
.Meinst Du, es ist mir eine Freude, Gefühle der Liebe
u heucheln, wo ich nur Verachtung empfinde? Doch
dein Wille war es Herr, es galt Deine Rache und ich
at, was Du begehrtest. Nur ein Schritt, ein Wink
neiner Hand, eine Außerung Deines Willens durch meine
ippen und vor keinem Verbrechen schreckt er mehr
urũck.*
Der Gouverneur schwieg düster. Dann sagte er leise:
„Wäre ich drüben geblieben jenseits des Meeres,
uinter den Menschn, die sich Wilde nennen.“
„Chartlos,“ mit leidenschastlichem Ungestüm schlang
zie Mestize ihre Arme um den Hals des Tälowirken.
,.Laß uns dorkhin zurückkehren, allen Glanz, alle Pracht
inker uns lassend.“
Heftig, in unbewußlker, nakürlicher Aufwallung des
Biderwillens, stieß der Gouverneur das leidenschaftliche,
unge Mädchen von sich.
„Fliehen? Jetzt? Eher möge sie verderben und
ch mit ihr!
Wild kamen diese Worle über seine Lippen.
Mit lautem Aufschrei barg Tony ihr Antlitz in den
jänden. ...
„Mademoiselle Blanche de la Haye und eine älkere
zegleiterin befinden sich in Mademoiselle Tonys Ge—
nächern,“ meldete der Diener, zum zweiten Mal, dem
Bouverneur ein hochwillkommener Storer.
„Willkommen !“
Wie ein Dolchstich durchdrang der Ausdruck mit dem
die Mestize dieses Wort sprach, Alberques Seele.
ham Bell dann ein Miittel, Shwingungen eines eisernen
Apparates zervorzurufen indem er ihn an eine gespannte
Pembran brachte, und rahr spater war die theoreti⸗
che Folgerung in die ? Iteit überführt. 1876 wurde
zie Erfindung angenomnen und wiederum ein Jahr spä—
er bemächtiute sich bereits der Handelsverieht des neuen
Lommunikationsmitteis. Im Augufst 1876 wuren die
ersien praltischen Versuche auf große Entjernungen unier—
ronnnen. Zweschen Boston und Cambridge, Weandachisets,
»ann zuischen New-York und Boston konnten die ersten
Ferxnaesprache geführt werden; und jetzt könnte Bell be—
reits auf eine Entfernung von 1500 englischen Meilen
wischen Washinaton und Madison, teleponieren.
Ueber die Geschwindigkeit der Winde lesen wir
in der „N. A. 8.“: Nach der internalibnaien Beausort
schen Wind jtala juüur die See gilt den Schissern ein Wend
als „fruich‘, wenn er sich mit einer Geschwindigleit in der
Setunde von 15 Meiern vewegt. Bei starrem Wende von
25 PNetern in der Setunde fangt man an zu meseen; nei—
zert er sich zum Sturm und vom Sturm zum Ortan mit
uner Geschwindigkeit von 40 Metern in der Stunde,
dann wird vor Topp und Taltel gelaufen, dah. Segel
lbonnen unter solchen Umständen überhaupt nicht mehr
gefahri werden. Auf dem Vande genügmfur einen Sturm
eine Geschwindigkeit von 29 Metern, um Aeste und mä—
hige Stämme abzubrechen und kleine Bäume zu entwur—
zeln. Auch in unsern Breiten sollen Sturnigeschwindigkei—
len bis zu 144 Rilometern m der Stunde, alsjo 40 Wie—
ter in der Sekunde vorlkommen, wie wir dem Buche Olshausens
über Geschwindigkeiten in der organischen und
morganischen Welt enmehymen. Nach den Beobachtungen
der Deutschen Seewarte in Hamburg schwankte die Ge—
chwindigkeit der stärksten Stürme an der Nordee seit
876 zwischen 23 und 32 Wieter in der Sekunde. Bei den
ropischen Orkanen wächst sie zuweilen bis zu 60 und mehr
Netern an. Von der Gewalt emer so rasenden „Winds—
Saut“ kann man sich ver uns nur schwer einen Begrifi
achen, und noch weniger von der ungeheuren Zei
örungskraft tropischer Wirbesstirme, deren Geschwindig—
eit in spiralsörmiger Bahn bis zu 150 Vietern in der
zekunde berechnet worden 14.
—AW
Sprachecke.
Ginmaschinen. Em neues englisches Wort droh
ich jetzt im deutschen Maschinenbau einzuvürgern. Di.
Naschinen, die zum Entkernen der Baumwoile dienen
verden Gin-Maschinen genannt; man untericheidet dabe
Walzen⸗-Gin und Sägen-Gin. Weshalb sagt man dasin
ticht einsach Raufmaschine, Walzenrause oder Sägenraufel
Gin“ besagt doch für den Deutschen gar nichts. Wer et
vas Englisch versteht, wird bei diesem Worte zunächj
an ‚Wacholderschnaps“ denklen; denn gin, entttanden aus
geneva“, franz. genievre, lat. juniperus, bedeutet Wachol
der sind den damit versetzten Branntwein Es gibt da
neben aber noch ein zweites gin, gekürzt aus engine,
lat. ingenium (woher engtneer — Ingenenr), mit der
Bedeutung Fallstrick, Maschinerie, „Entsernungsmaschine“;
ind aus diesem stammt jene Gin-Maschine, die also re
gelrecht Dschin-Maschine auszusprechen wäre.
Ueber Fremdwörter hat Karl Knortz im Allgemei—
ien Deutschen Sprachveretn zu New-York einen Vortrag
zehalten, der durch den Druck bei der Hahnschen Buch
jandlung zu Hannover auch zur Kenntnis weiter Kreisfe
zebracht wird. Der Verfasser setzt darin in rrefflicher
Weise die bekannten maßvollen Ziele des genannten Ver—
»eins auseinander und gibt eine lehrreiche kurze Geschichte
der auf Sprachreinigung gerichteten Bestrebungen, wobei
auch bemerkenswerte Vergleiche mit den Verhältnissen an—
derer Länder nicht fehlen. Der Verfasser erinnerr dabei
auch an das Unternehmen des Dr. Drugger in Hei—
delberg, der im Jahre 1848 dort einen Berein für
deutsche Rein prache gründete und auch eine Zeitschrift
anter dem Titel „Die deutsche Eiche“ herausgab „Dieser
zute Mann, so bemerkt Knortz, der kein eigentlicher
Sprachgelehrter, sondern nur ein Prediger einer kleinen
deutsch-zatholischen Gemeinde in genannter Stadt war,
iüeß sich in seinem Eifer, viele längst zu VLehnwörtern ge—
wordene Fremdwörter zu beseitigen, zu solchen geschmack—
osen, das Sprachgefühl verletzenden Neuerungen hinxei—
zen, daß er statt des erwarteten Ersolges nur Spott und
dohn erntete. Statt „Doktor“ wollte er „Wißmeister“ ge—
tannt werden; in den Professoren der Umversität erblickte
ex „Wißlehrer der Hochwißanstalt“, und die jungen Poly—
echniker, unter denen er viele Freunde und Anhänger
zatie, nannte er „Vielfachschüler“. In seinem Fremdwör—
erbuch übersetzte er Post mit „Sende“, Fortepiano mit
„Drahttonwerk“, Galvanismus mit „rierblitzstoff“, Poli—
sjei mit „Gewaltei“, Person mit „Selbster“, Katholizismus
mit „Allgemeinglaubum“, Protestantismus mit „Verwahr—
zlaubtum“. Einen nennenswerten Erfolg erzielte Brugger
ncht. Die im Jahre 1859 gegründete Inggermanische
vesellschaft,, der Dichter wie Karl Siebel, Hugo Oelber—
nann, Friedrich Hermann, Elfried von Taura und einige
ndere Schwärmer für Fortschritt, bedienten sich in ihrer
zeitschrift Teut“ hin und wieder der Bruggerschen Ver—
eutschung, leider ging dieselbe jedoch bald infolge höchst
inseittger Schriftleituna zu Grunde.“
11.
Mukter Anneltens Blick durchstreiffe das Gemach,
in das man sie und Blanche geführt hatte.
Tony trat ein. In umstrickender Liebenswürdigkeit,
vie eine alte Freundin, empfing sie Mutker Annelte.
Wie vor der Berührung einer Schlange bebte diese vor
ihr zuräck im ersten Augenblick; der Instinkt des
Mutterherzens leitete sie.
„Bringt Ihr mir keine Botschast von Noibert? Ich
zofffte ihn noch heule zu sehen. Durch Eure gülige
Freundeshand wollte er mir eine Botschaft senden. Ver⸗
eiht,“ unterbrach sie sich, und wie ein leichtes Erröken
fkahl es sich über die mattgelben Wangen. „Anders
st unsere Sitte des Südens, heißer rollk das Blut durch
insere Adern, als in Eurem Frankreich. Zürnt mir
nicht, liebe Frau, und denkt nicht schlecht von mir.“
Tony war ans Fenster getreten. Eine Karosse war
oeben in den Hof gerollt, hastig wandte sie sich um:
DDer Kutscher trägt die Livree der Gräfin Du—
rarry!“ sagte sie. „Sie ist es, die soeben vorgefahren.“
Als die Dubarry eingekreken war, rief die Mestize;
.Du hast Grund, eifersüchtig zu sein, Gräfin Dubarry!
Das gefährlichste Werkzeug in Feindeshand ist die
ihnungslofe Unschuld, die man als Waffe wider uns
xraucht Blanche de la Haye ist die Waffe des Herzogs
Choiseuil, Deines Todfeindes, der in der Nachfolgerin,
die Dich stürzt, Diejenige sieht, die ihn zu neuer
zöhe erheben soll, und Charlos Alberque ist sein Gehülfe.“
„Tony!“ Flehend wie ein Kind klang die Stimme
der Dubarry. „Ich bedarf der Stütze, hilf mir!“
„Aberlasse mir!“ versetzte die Mestize bedeutungsvoll.
g sae die Saat, die Frucht soll für Dich reifen Lebe
vohl!“