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Reichstages au die „Neue Frete renet un Wien und
den „Vorwärts“ weitergaben und sich dadurch eines gro⸗
en Vertrauengchruches schuidig machten.
Unruhen in Prag
Trotz der Absperrung des Grabens für den gesam—
en Verkehr ging es auch am letzten Sonntag nicht ohne
Bedrohungen und Beschimpfungen, sowie ttliche An⸗
zriffe auf deutsche Studenten aß Diesmal waren es
per Heuwags-Platz und die Hrinichsgasse, wo zahlreiche
entsche Studenten unter den Wlißhandkungen der Menge
uzu leiden hatten. Wiederhott mußte die Polizei zu
Fuß und zu Pierde einschreiten, um arg bedrohte Stu—
enter zu schützen. Besonders aggressiv benahmen sich
ꝛinige tschechische Frauen, die die Exzedenten aufforder—
en, den verhaßten Studenten doch endlich einmal die
döpfe einzuschlagen, damit es Ruhe gebe. In der
Brandlgasse wurde ein deutscher Bankbeamter von einer
vütenden Menge überfallen. Er erhielt von einem bes—
er gekleideten älteren Mann einen derartigen Stockhieb
iber den Kopf, daß er zusammenbrach. Auf dem Heu—
oagsplatz, wo tschechische Arbeiter und Studenten die hiu—
ere Front des deutschen Kasinos besetzt hielten, kam ein
Zug Sozialdemokraten, die eben eine Versammlung ver—
asseꝛ: hatten, heran. Es kam hierbei zu einem Ren.
ontre zwischen Sozialisten und tschechischen Nationalisten,
oobei die Sozialisten die tschechischen Arbeiter auf das
eftigste beschimpften und ihnen die Schuld an den trau—
igen VBerhältnissen in Oesterreich zuschoben. Die Poli—
ei schritt ein und zerstreute die Ansammlung.
Vereinfachung der Staatsverwaltung
in Baden.
Vor einigen Jahren hat das badische Staatsmini—
terium Vorschriften erlassen, nach denen alle unnötigen
Höflichkeitsformen im Verkehr der Behörden unter einan—
der zu vermeiden und die Vielschreibereien einzuschränken
seien. Trotz dieser Bestimmungen scheint bei manchen
Stellen im amtlichen Verkehr an den althergebrachten
Formen festgehalten zu werden. Nachdem auf dem letzten
dandtag sowohl in der ersten, als auch in der zweiten
ammer der Wunsch geäußert worden ist, eine Vereinfach—
ung der Organisation und Verwaltung der Staatsbe—
hörden eintreten zu lassen, werden z. Zt. von den ein⸗
zelnen Ministerien Erhebungen veranstaltet, in welcher
Weise und Form dem Uebelsiande der Vielschreiberei ge—
teuert werden könnte. Weiter soll dann die Frage einer
genaueren Prüfung unterzogen werden, ob und inwieweit
einzelne der bestehenden Mittelstellen vereinfacht oder gar
aufgehoben werden könnten.
Bezüglich einzelner dieser Mittelstellen sind die Er—
hebungen ihrem Abschluß nahe und wird die Aufhebung
derselben in Erwägung gezogen. Hierher gehören bei—
pielsweise die Forst- und Domänendirektion, Zoll- und
Steuerdirektion, die alle dem Finanzministerium ange—
zliedert werden sollen. Der Oberschulrat dürfte als be—
ondere Abteilung dem Ministerium der Justiz, des Kultus
und Unterrichts eingereiht werden. Zentralstellen, wie das
Landesgewerbemuseum, das Statistische Landesamt und
die Fabrikinspektion, sowie der Verwaltungshof sollen dem
Ministerium des Innern angegliedert werden. Durch diese
Verschmelzung von Behörden mit dem eutsprechenden Mi—
nisterium würde in der Tat viel unnötiges Schreibwerk
in Wegfall kommen, wodurch daun weiter eine Anzahl
von Beamten zu anderen Zwecken verfügbar würde. Da—
durch soll auch die in den letzten Jahren so rasch gestiegene
Zahl der Beamten etwas eingedämmt werden.
Eine andere Frage, die mit der Vereinfachung der
Staatsverwaltung und der Verminderung der Beamten—
zahl aufs engste zusammenhängt, ist die Einhaltung der
horgeschriebenen Bureaustunden. Hier sollen sowohl der
Finanzminister Honsell, als auch der Minister des In—
iern, Freiherr v. Bodman, die beide in dieser Beziehung
ind auch sonst als Muster eines Beamten anzusehen sind,
darauf dringen, daß nicht nur die unteren und mittleren,
ondern auch die akademisch gebisldeten Beamten, insheson—
Mo. .
ann (Soz
Die beiden Müller.
Erzähluna von Hedda Lengauer.
Nachdruck verboten.
„Heiliger Gott im Himmel, was wird jetzt geschehen,
bas wirst du machen? Ihn verklagen natürlich. Und ich?
er ist mein Mann, der Vater meiner Kinder — — und
vird doch ins Zuchthaus müssen.“
Da ward es dem Max sonderbar weich ums Herz.
Ninder hast du auch, Annerl?“ fragte er bewegt. An—⸗
jerl nickte freudig.
„Zwei so liebe, herzige Buberl .... wenn ich aber
zaran denk', daß sie so einen Vater haben, dann, dann
nöchte ich lieber agar keine Kinder haben. ..
Max Wuller schaute gedankenvoll über die Frau hinweg,
um Fenster hinaus.
Draußen flutet der goldene Sonnenschein. Auf den
Viesen tunmelt sich eine lustige Kinderschar Ihr Jauchzen
ind Singen önt herüber in die siille Suubees
Da wird es Mar Mütler ganz feierlich zu Mute.
Er faßt die Hände des weinenden Weibes und spricht
anft: „Beruhige dich, Annerl ... schau, einmal da haven
vir uns lieb gehabt. Doch der Herrgott im Himmel hat es
richt gewollt, daß ich dich glücklich machen durfte. Heute
pill er es, daß ich es kaun. Geh' heim im Frieden zu dei—
ten Kindern. Es lieat mir nichts am Gelde und dein Mann
oll's mit dem da oben selber ausmachen. Ich habe ihm
serziehen, deinetwillen und um der unschuldigen Kinder
villen.“
Da schlurhzt das Annerl heiß auf.
„Du Guter, du Edter, du Großer ... wie kann ich
iir's danken?“
Mar Müller aber beißt die Zähne aufeinander, um nicht
mizuschreien im bittersten Weh.
„Leb' wohl,“ sagte er dumpf, „geh jetzt, Annerl und
nach uns beiden den Abschied nicht schwer.“ —
Als Annerl nach Hause kam, traf sie den Arzt vor Fran⸗
ens Bett stehend.
Aus seinen ernsten, bekümmerten Mienen vermochte sie
— Bb
dere die jüngeren, ihre ganze Beit und Kraft dem Vienste
vidmen und auch die üblichen Dienststunden einhalten.
Wird die geplante Reform durchgeführt — und es be—
teht begründete Aussicht dazu — so werden dem Staat
mancherlei Ausgaben erspart werden, ohne daß ihm dabei
Nachteile erwachsen. Im Interesse der Steuerzabhler wäre
das dringend zu wünschen
oO—
Zur Krise auf dem Ballkan
In Wien fand ein Minisierrat statt, dem das revi—
dierte Protokoll vorlag, das die Verständigung zwischer
Sesterrcich-Ungarn und der Türkei enthält. Es verlautet
daf die türkische Regierung den Wunsch ausge'prochen hat.
e Bestimmung betreffend ein Schiedsgericht fallen zu las
sen Diesem Wunsche soll entsprochen werden.
In bulgarischen diplomatischen Kreisen wird der Zir—
ularnote der bulgarischen Regierung, in welcher der Tür
lkei di- Alternative gestellt wird, entweder die angebote
ien 82 Millionen anzunehnmen und bedingungslos der
lnabhängigkeitserklärung zuzustinmen oder die Folgen
ien? Verwickelungen zu tragen, nicht ungünstig veur—
eilt, da die entschiedene Sprache der bulgarischen Regie—
ung geeignet sei, als Pressionsmittel zu dienen und die
ürkische Regierung zu einer beichlennsaten Veritändigune
uveranlassen.
Infolge der energischen Vorstellungen seitens der rus—
ijchen Regierung hat der bulgarische Ministerpräsident
NNalinow dem russischen Gesandten in Sofia die be—
»cstimmte Versicherung gegeben, daß er, wenn sich die
urkische Regierung bereit erklärt, die Ansprüche im Sinne
der bulgarischen Propositionen zu reduzieren, Bulgarien
ede weitere Mobilisierung einstellen werde.
Ju diplomatischen Kreisen Italiens glanbt man, daß
nie russische Regierung demnächst Vorschläge finanzieller
satur den Mächten unterbreiten werde, um es der Tür—
lei zu ermöglichen, die bulgarischen Angebote zu akzep—
icren Die russische Regierung soll bereit sein, der Tür—
ei gewisse finanzielle Opfer zu bringen.
„Daily Telegraph“ meldet aus Belarad, es ser un—
icht.g, daß Serbien jema!s den Versuich gemacht hätte,
den Sandschak Novibazar zum Preise von 2,5 Millionen
u erwerben. Ebenso sei es unrichtig, daß der serbische
csandte in Konstantinopel eine Summe von 25 Millio—
ien zu dem Zweck erhalten habe, türkische Abgeordnete zu
zestechen, damit diese gegen das tüürkisch-österreichtsche Ue—
ercinkommen stimmen.
Nach einer Belgrader Meldung des „Daily Telegraph“
arheiten im Arsenal von Kragujewaßs 2000 Personen Tag
und Nacht an der Herstellung von Patronen. Außerdem
werden wöchentlich 20000 Granaten heraestellt.
Das Kriegsministerum in Nonslantinopel erließ er—
ient Befel an das zweite und dritte Korps ergehen, die
leberwachung der bulgarischen Grenze zu verschärfen, ie—
och Friktionen uUnd Provokationen zu vermeiden.
Der Großwehir erklärte einigen Abgeordneten
naf die Annahme des österreichisch-ungarischen-türkischen
Lersieend gungsprotokolls in Konstantinopel auf keine gro—
zen Schwierigleiten stoßen werde. Auch mit Bulgarien
nvürde man wie er hoffe, zu einer Regelung kommen
— —
Spiel und Sport
(y Luftwettfaährt. Der Aero-⸗-lub von Amerita setzte
einen Preis von 10 000 Tollar aus üür eine internatio—
tale Luftwettfahrt zwischen New-York und Albany über
eine Strecke von 140 englische Meilen.
(9) Organisation der Luftschifferei. Aus Berlin
wird gemeldet: „Der Deutsche Aero-Klub imd der Kaiser—
liche Automobil-Klub haben sich zu einem Kartel! mit
jemeinsamem Ausschluß zusammengeschlossen, um mit ver—
inten Kräften und Mitteln die Förderung der motori—
ben Luftschiffahrt in allen ihren Zweigen zu berreiben.
estrebungen, die seit langem im Gange sind und die den
veck verfolgen, die gesamten Verbände der deutschen
tschitsahrtvereine und Automobiltklubs zu gleichen Zwek—
en miteinander in Verbindung zu setzen, werden unter
Lergünstigung dieser Bestrebungen von hoher Seite fort—
cseßt und dürffen demnächst zum Abhschluß aelangen“
Hunst und Wissenschaft
Ein Fall von kraukhafter Vorahnung beschäftig
die ärztlichen Kreise Jtaliens und verursacht den Psfycho—
oJend arges Kopfzerbrechen. Er wird in dem folgenden
tercssanten Bericht behandelt, den Dr. Sarti, ein be—
onnte, Kliniker Roms, der Akademie der Wissenschaften
rstatlele: Eine Dame der römischen Geseilschaft, die seit
sehreren Monaten nervenleidend ist, hat danach bereits
mi 2. Dezember v. J. die Kalastrophe vorausgesagt, die
cssina in Trümmer legte und Kalabrien verwüstete. Die
ame, die einer der angeseheusten Adelsfamilien Ita
ens angehört, haue Dr. Sarti nach einer unter schreck
aften Erregungszuständen verbrachten Nacht eiligst holen
ssen. Der Arzt versuchte sein möglichstes, die Kranke zu
rruhigen, hatte aber erst Erfolg, als er ihr versprach,
ner Brief, den sie eben geschrieben, dem König zu über—
eben. In diesem Schreiben beschwor sie Viksoar Ema
—
sogleich zu entnehmen daß es schlimm um ihren unglücklichen
Nann stand.
Und in der Tat sagte der Doktor nach einer nochmaligen
urzen Untersuchung:
„Noch kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen, wie der
Zustand ist. Immerhin aber ist das Leben ihres Gatten
chwer bedroht, umsomehr, als er durch sein unmäßiges Trin—
en in letzter Zeit seine Gesundheit geschädigt und sein‘
kräfte erschöpft hat. Sorgen Sie für eine gute Pflege, ver—
äumen Sie nichts. Eisumschläge und eine beruhigende Me—
zizin müssen pünktlich gegeben werden.“
Damit empfahl sich der Arzt.
Annerl setzte sich an das Bett des Kranken. Er lag
noch immer ohne Bewußtiein doch schienen ihn wilde Träume
zu quälen.
Immer hatte es den Anschein, als kämpfe er gegen ei—
nen unsichtvaren Feind; seine Hände strecken sich abwehrent
aus, als fürchte er einen Ueberfall. Dabei war das Ge—
icht dunkel gerötet und der Atem ging röchelnd und schnell.
Aunerl traf nun Anstalten, daß die beiden Kinder bei
einer Bekannten untergebracht wurden, um sich ganz der
Pflege ihres Mannes widmen zu können.
Ausgeköscht war aus ihrem Gedächtnis alles Elend, das
Franz über sie gebracht hatte, alle Schmach, die er auf das
DHaupt der unschuldigen Kinder gewälzt durch sein Verbre—
Hen.
Sie sah nur den kranken, hülfsbedürftigen Menschen in
ihm und sorgte mät engelaleicher Geduld für alle seine Be—
dürfnisse.
Drei Wochen lag er in heftigem Fieber; dann schien
ine kleine Erleichterung in seinem Zustande eingetreten zu
ein. Die Hitze nahm ab, der Atem wurde leichter, die
stöte des Gesichtes machte einer fahlen Blüsse Plaßz.
Annetl geriet in eine freudige Aufregung.
„Nicht wahr, Herr Doktor, nun geht es meinem Manne
bald wieder gut?“ fragte sie den Arzt.
„Noch ist nicht alle Gefahr vorüber“, warnte er. „Man
darf nicht sicher auf Genesung hoffen, das Herz ist schwach
und die Entkräftung aroß“
mel, „der Stadt Messina, die von etnem furchtbaren Ele—
nentarereignis vedroht sei, zu Hilje zu kommen. Ich
ehe, wie sich Erde und Meer zu diesem Zwecke verbin—
en“, schrieb sie, um die schöne Stadt zu vernichten. Das
utsetzliche Unglück wird am 8. 18. oder 28. dieses Mo—
tiats geschehen. Der Arzt, der der festen Ueberzengung
rar, daß er es mit der Halluzination einer Hysterischen
u tun hatte, steckte das Schreiben in seine Brieftaiche
ind erklärte der Dame bei seinem Besuch am naächsten
Tage, daß er es ordnungsmäßig bestellt habe. Die Kranie
vurde darauf ruhiger und erklärte sich bereit, etwas zu
essen und die verordnete Medizin einzunehmen. In der
Nacht vom 7. zum 8. wurde sie indessen von einem irt
chen hysterischen Anfall heimgesucht. Sie wärzte sich in
Rränspfen, weinte, schrie und fragte unaufhörlich, ob de—
rönig Messina habe räumen sassen. Die Nächte vom 17
um 27. nahmen einen nicht minder aufregenden Ver
cuf, und am 277. erreichte die Nervenkrisis einen solch
esorgniserregenden Höhepunkt, daß die Umgebung die
kranke für verloren hielt. Erst anm Abend des 28. tra
uhe ein, und die LKranke fiel in tiefen Schlaf. Das Un
luck war geschehen. Das prophetische Schreiben ist in—
irischen dem König eingehändigt worden, der mit sehr
degreiflichem Interesse dem Resultat der wissenschaftlichen
erxperimente entgegensieht, die die medizinische Fakultat
unir Dr Sartis«s Ratientin vorzunehmen im Bearifi steht
Rechtsvflege.
Ist eine Scheibe als Urkunde zu be
rachten? Diese Frage wurde kürzlich vom Reichs
gericht in Leipzig verhandelt und liegt derselben folgend
Tatsache zu Grunde; Der Zimmermann Herm. Engesse
vurde am 28. Juni vom Vandgerichte Konstanz weger
Urkundenfälschung zu einer Woche Gefängnis verurtellt
Im August v. J. sand in Villingen das Gauschützenfef
tatt und E. hatte als Schützenmeister die Oberaufsich,
iber den Schießstand. Bei Scheibe C war ein Poka
im Werte von 70 Mark als Preis ausgesetzt. Der Mit
angeklagte Schaf, ein Knabe, der aber freigesprochen ist
var Zeiger bei dieser Scheibe. E. versah nun vorher
ine Scheibe mit einem Schußloch im Zentrum und gab
ie Sch. mit der Weisung, sie mit seiner Nummer zu
ersehen, wenn er schieße. E. schoß daͤnn an der Scheibe
vorbei und Sch.tat, wie ihm geheißen. Engesser steckte,
vie bei gutem Treffen üblich, das Blatt an seinen Hut
Als die andern Schützen seinen Schuß beanstaudeten, ver—
zichtete er selbst auf den Preis. Das Gericht hat ihn
geglaubt, daß es ihm nicht um den Pokal, sondern nur
um die Ehre zu tun war. Das Blatt ist nach Ansich
Res Gerichtes die Urkunde, die er gefällcht hat — Die
Rebilion des Angeklagten bestritt den Urkunden-Charakter
der Schießscheibe. — Der Reichsanwalt beantragte die
Anfhebung des Urteils, weil das Gericht die Frage det
Vermögensvorteils unrichtig beurteilt habe. Festgestell
ei, daß der Angeklagte wirklich einen Preis im Wemn
von 70 Mk. erhalte. Wenn auch das Motiv die Esr
war, so habe er doch einen Preis erringen wollen,
inen Vermögensvorkteil darstellt
— —— —
Vermischtes
Ein heiterer Druückfehler findet fich in dem von
adischen Ministierialrat Antoni herausgegebenen Buche
iber das Hochbauwesen. An einer Stelle ist in diefem
Lerke von dem Meistertitel' die Rede und mit Bezu—
terauf gesagt: „Der Meistertitel gibt keine Gewähr sü
üchtigkeit und Brauchbarkeit.“ Der Druckfehlerteufel ha
ereine böse Verheerung angerichtet, indem er aus den
Meistertitel“ einen „Ministertitel“ machte, so daß nuit
einem von einen Großherzsgl. badischen Ministerta
herausgegebenen, für weite Kreise bestimmten und seh
iten Kreisen zugänglichen Werke also zu lesen steht
Der Ministertivel Aiht keine Gewähr für Tüchttaleit un
roarhbrfeit
Hoaus. Hof und Garten.
— wute Luft im Stall. Um den wertvollen
Ztickstoff in den Ausscheidungen unserer Stalltiere nicht
u verlieren und um dieselben gesund und munter zu er—
jalten, muß deshalb auch im Winter der Stall täglich
inmal gelüftet und dabei der Mist zugleich aus dem
Ztall entfernt werden. Es gibt allerdings auch Stal—⸗
ungen, welche eine zweckmäßig eingerichtete Ventilation
aben und sich lüften lasien, ohne daß Türen und Tore
eöffnet werden, aber auch hier soll der Mist womöglich
äglich einmal aus dem Stall gebracht werden. Man
reue nach dem Ausmisten entweder Gips oder Torfmull
muf den frisch gereinigten Stallboden, damit die Dünste,
velche die Stalluft verunreinigen und in welchen wert—
— — für den
Dünger erhalten werden. Man streue so oft Gips etc.
EShsalt bennm als sich stechender Geruch bemerkflich macht
Still und geduldig nahm das Annerl ihren Platz am
Bette des Kranken wieder ein.
Und eines Nachts, sie hatte gerade ein wenig geschlum⸗
mert und war vor Müdigkeit in den Lehnstuhl zurückgesun—
len, da glaubte sie ihren Mann mit leiser Stimme rufen zu
hören.
Sie saßte seine Hand und sah ihm ins Gesicht. Seine
Augen waren weit geöffnet und klar. „Annerl“, sagte er
kaum hörbar, „wie lange habe ich krank gelegen?“
„So an die vier Wochen, Franz.“
„Und du allein hast mich gepflegt?“ —
„Ich tat's so gerne, Franz.“ — — —
Da legte der Kranke seine zitternde Hand vor die Au—
gen und dicke Tränentropfen quollen zwischen den Fingern
hindurch.
Annerl erschralk.
„Warum weinst du, Franz — — es geht dir doch besß—
ser, bald wirst du ganz gesund sein und dann ist alles wie⸗
der gut.“
„Nicht alles, Annerl.“ — — —
Annerl tröstete ihn liebreich, versuchte ihn aufzurichten
chüttelte die Kissen zurecht und gab ihm einen erfrischenden
Truntk. —
Franz aber weinte immer heftiger. J
„Annerl, mein gutes Annerl ... ach, wenn du wühß
test ... alles wüßtest, du würdest mich nicht mehr pflegen,
sondern mich verachten, von dir stoßen, vielleicht mir fluchen
Ich habe so Böses an dir getan ... an dir und am allen
meisten an noch einem, den du kennst und den du lieb ge
habt hast.“
Da begann auch Annerl an zu weinen.
„Sei still, Franz, ... gräme dich nicht, ich weiß alles
Schon vor deiner Krankheit wußte ich alles und habe dick
dennoch gepflegt und dir verziehen. Und auch der andere,
den du meinst, hat dir längst verziehen, um der Kinder wil—
len. Du kannst ruhig sein.“
Da ging es wie ein verklärtes Leuchten über das bleiche—
Gesicht des Kranken.
„SFJit's möglich, Annerle können Menschen so au
jein?“ Schluß folat.