Full text : Dudweiler Zeitung (22.1909)

im Banr⸗ und Notenwesen, die sich eit wieder in der
Panik 1907 in ihrer vollen Gefährlichkeit enthüllt haben,
nußte dieses Problem sich naturgemäß mit voller Wucht
n den Forporren drängen. Eine Reform wird aber
nich in diesem Fasle nicht über Nacht zu Stande ge—
»racht. Die Aldrich'sche Kommission, welche das Material
dafür vorbereitet, wird wohl im Winter noch gar nicht
zur Berichterstattung kommen Es soll allerdings ein vor—
läufiger Bericht vorgelegt werden, indessen kann dieser
iur dazu dienen, die Diskussion weiter in Fluß zu brin—
gen. Dies ist durchaus notwendig, da selbst unter den
Zefürwortern von Reformen die Ansichten noch lange nicht
geklärt sind. So lange dies nicht der Fall ist, so lange
die Reformer nicht mit einem abgerunderen Programm.
für das sich in der Gesetßzgebung ein kompakter Stimmen,
Block findet, vor die Oeffentlichkeit und namentlich vor
den Nongreß treten, bleiden alle Finanz- und Währ—
ungs⸗Vorschläge in der Lufit schweben. Die Zentralbank
Idee wird heitig angefeindet, nicht nur von den beineren
 Banken des Westens. Es erheben sich auch im Osten
gewichtige Stimmen dagegen. Das in New— VYort erschei
nende „Journal of Commerce“ ist z. B. durchaus nicht
»avon überzeugt, daß ohne eine solche alle Bank- und
Notenreformen Stuͤdwert bleiben müßten Herr Taft
'oll die Absicht haben, in seiner nächsten Bouchaft dieses
khema nur beiläufig zu erwähnen, um dann im Spät—
ommer eine Exttra-Session des Kongresses, speziell zur
krledigung dieser Reform einzuberusen. Dagegen würde
zie Tatsache sprechen, daß dann eine Kongreß-Kampagne
vor der Tür steht und es erfahrungsgemäß in solchen
Zeiten schwer ist, die Gesetzgeber in Washington zu halten.
Nächft den Reformen im Finanzwesen betrachtet Herr
Taft Ergänzungen und Verschärfungen der gegenwärtigen
Trust- und EisenbahnGesetze als die wich—
tigsten Puntte seines Programms. Wie aus seiner Rede
in Des Moines hervorgeht, ist der Präsident für eine
veitgehende Beaufsichtigung der großkapitalistischen Un—
ernehmen und Aktionen. Man vermißte bei ihm aller—
zings die temperamenwollen Attacken seines Vorgängers,
jel dessen Reden man immer den Eindruck von einem
schneidigen Staatsanwalt gewann. Herr Taft spricht ge—
rassener, ruhiger, etwa wie ein Richtet. Das Wort von
hder Richterbank hat aber für den Uebeltäter mehr Schrek—
en als das Toben des Staatsanwalts. Er vertangt
Vorkehrungen gegen Ueberkapitalisationen und Fusionen.
wofern sie die freie Konkurrenz beeinträchtigen, und daun
nine erweilerte Staatsaufsicht für große Korporationen. Er
vird um so mehr Rachdruck auf diese Forderunzen legen,
als sein Zusammengehen in der Tariffrage mit der Al—
drich⸗ Cannonschen Kombinatton, oder vieimehr ein mun—
zes Zurückweichen vor dieser, augenscheinlich tiefe Miß—
stimmung im Volke erzeugt hat. Herr Taft weiß wohl,
vie der Wind weht, und er wird es sich angelegen sein
assen, wenigstens weitere Trust- und EisenMaßnah⸗—
nen durchzusetzen. Daß darin etwas gesch“ ⸗ wird, mag
als sicher angenommen werden. Schwerlich drinzt aber
derr Tast mit seinem ganzen Programm durch, denn die
derren Aldrich, Cannon und Genossen werden schon zu—
ehen, daß die „großen Interessen“ nicht besonderen Scha—
den leiden. Wie Roosevelts Kämpfe zeigen, muß diesen
der Boden Schritt für Schritt abgerungen werden.
Viel Gewicht hat der Präsident in seinen Reden auch
auf Dampfer-Subventionen gelegt. Trotz aller, der Bill
zünstigen Vorzeichen scheut man sich förmlich, ihre An—
sahme zu prophezeien, denn wie häufig hat es schon
geschienen, als ob sie ganz klares Fahrwasser habe — und
plötzlich fuhr sie auf ein verborgenes Riff.
Neben diesen großen Fragen hat Herr Taft noch eine
Reihe von Dingen geringerer Wichtigleit berührt. Zu—
nächst kommt da der Plan, die noch im Besitz des Bun—
des befindlichen großen Waldungen, Wasserkräfte und Mi—
neral⸗Ländereien vor einer Verschleuderung an Private,
resp. vor dem Raubbau zu bewahren. Herr Taft hat sich
auch für Post-Sparkassen und neue Gesetze gegen Nahr—
uingsmittel⸗Verfälschungen erklärt. Daraus wird wohl
nichts werden. Wenn der Kongreß nur den Etat, sowie
die Trust- und Eisenbahn-Bin etledigt, tut er mehr als
die meisten politischen Beobachter erwa

Volitische Rundschau.
Deutsches Reich.
s Die Frage der Schiffahrtsabgaben, so erfährt die
Köln. Zig.“ offiziös aus Berlin, beabsichtigt die preu—
zische Regierung nach wie vor so rasch wie möglich zu
betreiben, um endlich zu einem Abschluß in dieser schon
o lange schwebenden Angelegenheit zu gelangen. Zugleich
leilt das Blatt mit, daß im Frühiahr dieses Jahres ein
Antrag Sachsens eingegangen ist, der darauf, hin⸗
muslief, vor einer Beschlußfassung erst weitere Erhebur—
gen über die wirtschaftliche und sinanzielle Tragweite der
Abgaben vorzunehmen, ein Antrag, der bei der bekann—
sen Stellung der sächsischen Regierung wohl zweifellos
die Absicht verfolgte, eine Beschlußfassung hinauszuziehen.
Soweit das bei einem so schwer zu bearbeitenden Stonf
möalich ist. hat die vpreußische Regierung versucht, dem

Das Diadem des Verderbens.
Original-Roman von 5H. Sirschfeld.
42 „Haben wir auch nie Gelegenheil gehabt, ihr zu begeg⸗
nen, denn ihre Pflicht fesselt sie an das Schoß, das der
Greis nicht mehr verlassen kann, so ist mir die Auszeichunng,
 die ein Mann wie Monza ihr spendet, doch dafür
Bürge, daß ich mein Kind in dem Umgang seiner
reuen Pflegerin wohl geborgen halien kann.“
Se Ein hasiiger Schritte ward vom Vorsaal aus ver—
nehmbar, die Mitteltür des Zimmers ward aufgerissen
und, ein großes, mit mächtigen roken Siegeln geschlosenes
 Papier in der Hand hallend, erschien Norbert
auf der Schwelle des Gemaches.
Hastig krat er ein.
Broßmutter!“ rief er erregt aus. .Soeben 'brachke
ein Kourier dieses Schreiben aus dem Kabinett des
skönigs. Was euthält es? Was hat das zu bedeutken ?“
Mit zitkernden Händen griff die alle Dame nach dem
souvert und erbrach das Siegel. Mit dem Ausdrucke
der hoͤchsten Spannung hasieten die Blicke Aller auf
ihrem Antlitz, in dem es, je weilter sie las, desto hel
ler aufglänzie, während Erusts Züge immer sorgenvol⸗
ler wurden, indeß er sich zu Blanche niederbengte
und sie fester in seine Arme zog, als fürchlele er, daß
sie ihm entrissen werden sollte.
Mit fast ängstlichem Ausdruck beobachkete Blanche
den Vorgang.
Immer sirahlender ward das Anllitz der Lesenden.
In einer Erregung sagke sie mit lauter feierlisher Stimme:
„Es ist das Resultat meines Schreibens an Sr.
Majestät Ludwigs XV.
Des Königs Gnade bescheidet in Anerkennung der
Verdienste des Hauses die Familie de la Haye nach
Paris, um Chevalier Norbert eine Lieusenantsstelle in

achsischen Wunsche nachzukommen. In allernächster Zeit
ird dem Bundesrat eine Dentschrift zugehen, in der die—
enigen Wirkungen des geplanten Gesetzes über Schiff—
ahrlsabgaben, die sich schon jetzt im einzelnen überfehen
assen, dargeleat werden.
Desterreiche Ungarn.
»*Die tschechischen Blätter veröffentlichen fort
esetzt hestige Artikel gegen die Sanktionierung der Spra—
hengesetze zum Schütze der vier deutschen Kronländer
ind greifen die Regierung heftig an. Ein Prager sozial—
emokratisches Blatt kündigt für Sonntag aroße sozial—
emokratische Kundgebungen in Prag an. Aber auch die
Viener sozialdemokratische Arbeiterzeiuung läßt einen sehr
char'en Artikel gegen die Sprachengesetze los, was wie⸗
er beweisi. daß die tischechischen Arbeiter in Wien für ihre
at'onolen Interessen unausgesetzt eintreten, während ihre
eutschen Genossen sich aanz und aar indifserent ver—
salten.

England.
Der parlamentarische Mitarbeiter der „Da'‘ly News“
erfährt aus zuverlässiger Que'le, daß nicht weniger als
z00 Partamentarier dem Lord Lansdown bereits mitge—
eilt haben. daß sie gegen das Budget stimmen wür—
»en, wodurch natürlich das Schicksal dieser Vorlage be—
iegelt ijein würde.
Portugal.
* Nach einer Madrider Meldung des „Daily Telearaph“
rifft der König von Portugal am Sonntag uu Mad
ind ein. Der Besuch soll den Charakter großer Inti
nität tragen. Das Festprogramm enthält einen Jagdaus
rug und eine Truppenschau.

Griechenland.
x Die verhafteten vie Marineofsiziere, die sich
in der jüngiten Bewegung beteiligt haben, erllärten, daß
khypaldos von Athen nicht weit entfernt sei, daß er
cber lieber sein Leben aufs Spiel setzen würde, als sich
u ergeben. Die Menge beschimpite die Ofsiziere, als sie
n Haft geführt wurden. — Wie mijgeteilt“ wird, haben
ie Befehlshaber der griechischen Kriegsschiffe dem Ma—
ineminister ein Bittgesuch überreicht, unterzeichnet von
)fizzeren und Mannschaften der verschiedenen Kriegs—
hifse, worin eine strenge Bestrafung der Meuterer ver—
angt wird. — Das „Giornale d'Italia“ veröffenlicht ein
znierview mit einer Persönlichkeit aus dem Geiolge des
sriechischen Kronprinzen. Es wurde erklärt, der Kron—
Irin z werde demnächst nach Griechenland zurückehren
a sich dort die Lage erheblich gebessert habe. Die Of
iziersliga sei entschlossen, gegen die Urheber des jüng
ten Putsches unerbittlich vorzugehen. — Der Korrespon—
vent der „Stampa“ in Athen meldet, daß in Griechenland
ifrig die Kandidatur des Herzogs der Abbruzzen für
en griechischen Thron befürwortet werde. Die Oifiziers—
iga hätte angeblich dem Herzog eine offizielle Einlad—
ing zugesandt.

Abeisinien.
xUeber die Gestaltung der Beziehungen Deutschlands
u Abessinien für den Fall, daß der Kaiser Mene—
kestirbt, ist man an Berliner unterrichteten Stellen der
Insicht, daß das Verhältnis Deutschlands zu Abeisinien
ann nicht schlechter, sondern höchst wahrscheinlich besser
verden würde. Wahr ist es, daß die Kaiserin von Abes
inien sehr fremdenfeindlich ist, aber es ist zu erwarten
aß der sich einer sehr großen Selbständigkeit erfreuende
stas in Abessinien sich den Inspirationen einer Frau ge—
enüber nicht besonders entgegenkommend verhalten werde.
lußerdem ist der Thronfolger Lidi Jeafsu eine
Jeitlang von einem deutschen Lehrer erzogen worden.
Marokko.
* Nach einer Blättermeldung aus Tanger soll Muley
zafid befohlen haben, einen unter französischem
53chuntze stehenden und bei Fez lagernden algerischen
ztamm, welcher unter Berusung auf die französisch⸗—ma
okkanischen Verträge die Zahlung der Steuern ver—
veigert hatte, sofort aus Marokko zu vertrei—
»en. Der französische Konsul in Fez verlangte, daß dem
Ztamm ei Aufschub gewährt werde. Der Streitfall wird
As seher Irn st angesehen, da Muley Hafid er—
lärt haben so“ er sei entschlossen, sich nicht um die von
einem Vorgänge. —* euroväiichen Mächten abgeschlosse⸗
en Verträge zu kümmern.

Der griechische Offiziersbund.
Wie der Ministerpräsident Mawromichalis der grie«
hischen Kammer mitteilen konnte, ist die griechische
Narinerevolte endgütig mißglückt, dank der be—
vundernswerten Haltung des Heeres und der Miarine,
vie der Redner besonders hervorhob. Man braucht die—
es Lob nicht allzu hoch einzuschätzen, denn höher als der
Wunsch, die gefährdete Disziplin im griechischen Heere
rufrecht zu erhalten, mag die selbstische Absicht den Of—
iziersbund bei der Niederwerfung des Marineaufstandes
rfüllt haben, unter keinen Umständen etwas von seiner
Nacht zu verlieren. Das ist ihm allem Anschein nach
uuch voll und ganz gelungen, ja, er scheint nach außen
sin noch stärker und einheitsicher dazustehen, als bisber.

zer Garde Sr. Majestät und dem Ritter Ernst einen
eines Ranges würdigen Posten zu verleihen. Insbesondere
 wird auch die hoch und ehrenwerle Madame Leon—
ine Leonora de la Haye, verwittwele Mezieres, an Sr.
Majestät Hof geladen.“
„Und Blanche?“
„Von Blanche ist NRichts erwähnk. Daß sie uns be—
leitet, ist selbstverständlich,.“ entschied die Großmutkler.
„Ich sollte nach Paris 7
Wie im Erschrecken entfärble sich das Anklitz des
ungen Mädchens.
Ich sollke meine liebe, stille Heimat, die Stkätte meiner
Jugend, verlassen!“ rief sie aus.
„Und Du, Valer, wirst Du brechen mit Deinen Dir
lieb gewordenen Gewohnheiten. O, Valer, bleibe und
aß mich mit Dir hier bleiben!“
„Erust! Wirst Du einer senkimenkalen Laune halber
die Zukunft der Deinen aufgeben? Willst Du mich, Deine
Mutter, beschämen, eine Gunst erbeten zu haben, um
ie, bewilligt und reicher bewilligt, als wir es jemals
erhofft, vom Sohn mißachtend verworfen zu sehen?“
Norberk war es, der jetzt an seinen Vater herankrat.
„Was Sie ausschlagen, Vater,“ sagte er fast krotzig,
‚das krifft Ihren Sohn mit. Was haben Sie ihm als Er—
atz dafür zu bieten?“
Ernst seufzke.
„Du hörst es, Blanche,“ sagte er. „Gott ist mein
zeuge, ich selber hätte nie das getan, wozu sich Deine
Broßmutter veranlaßt gefühlt hat. Nun, da der Schritt
eschehen, gibt es kein Zurück. Ich muß nach Paris,
doch Du, mein Kind —“
Die alte Dame fuhr empor.
* denkst doch nicht daran, Blanche daheimzulassen ?*
rief sie.
„Blanche ist frei in ihrer Wahl, wo sie zu bleiben
wünscht!“ sprach der Valer sehr bestimmt.

qn 3uvqe zu70 13 g9va udlsvn udhaßne vbunzvm
mouivjavc; moq qunqsaoaieil a2q zvq o ⁊uaaoqnaj *
at u uadunjos ins oluags uq. aoq ushnloabneuiq u⸗no
ↄuia qunqsaↄteu aaq inal w uaquiqiaun nẽ piau
djavsg ui tiamois,ιια ι 2 uorↄra uↄa ê n? nu⏑
»en Maxrineaufsitand in der Volksoertretung nicht wünsche
Zugleich hat er das Parlamentsgebäude militärisch be
etzen lassen. Einer so nachdrücklich ausgesprochenen Auf
orderung hat die Volksvertretung sich nicht wideneter
önnen, und so hat Herr Mawromichalis d'e Königstreut
es Heeres rühmen dürsen, ohne daß ihm jemand wider—
prochen hätte. Und doch scheint, teotz der weiteren änu—
zeren Machtentfal ung des Offiziersbundes, in seinen ei—
jenen Kreisen manches vorzugehen, was auf seinen dro—
sjenden Zerfall hindeutet. Oberst Zorbas hat allerdings
ile solche Nachrichten aufs bestimmteste dementieren las—
en, doch ohne rechten Glauben sür seine Worte zu fin—
den. Verständlich wäre es, daß die Leute, die nur ein
zemeinsames ungesetzliches Vorgehen gegen die Regierung
und Volksvertretung zusammengeführt hat, jetzt wieder
ruseinandergehen müssen, nachdem die egoislischen Ziele
edes einzelnen, dieser Herren von der Liga, immer kla—
cer zutage treten. Denn an ihre vaterlandsrettende Mis—
ion glauben sie wohl selbst nur zum geringsten Teile
Zo kann man nur wünschen, daß die Auflösung des Of
iziersbundes ohne unnötiges Blutvergießen sich voll
zeht. denn schon jetzt liegt Griechenland schwer genud
arnieder.

Hof und Gesellschaft.
** Die Hochzett des Großherzogs von
ZSachsen-Weimar wird am 4. Januar im Meinin—
zer Residenzschloß statttinden. Zur Feier wird auch das
Erscheinen des Kaisers erwartet und man hofft in Meinin—
jen. daß hierbei eine Aussöhnung mit dem Herzog Georg
ustande kommen wird

Koloniales.
Ueber die vom Reichskolonialamt vorbereitete Re—
sormderkoloniaben Gerichtsbarkeit, die
an Stelle der jetzigen unzureichenden, im Wesentlichen auf
zer Konsfulargerichtsbarleit beruhenden Rechtszustände tre—
en soll, wird folgendes mitgeteilt: „Bagatellsachen unter⸗
iegen weiter der Rechtsprechung der Verwaltungsbehörde,
mdere Smeitsachen sind den Gerichten zu überweisen. Un—
er Bagatellsachen sind Objekte unter 100 Mark zu ver—
tehen, und das summarische Verfahren wird beibehalten.
die Rechtsprechung wird bei solchen Bagatellsachen, wenn
s sich um Streitigleiten zwischen Eingeborenen handelt,
unlichft den Häuptlingen oder Schiedsgerichten, aus an—
sesehenen Eingeborenen gebildet, überlassen. Bei Strei—
igkeiten zwischen Weißen und Eingeborenen und bei
Ztreitigkeiten zwischen Eingeborenen, die durch die schwar⸗
en Schiedsgerichte nicht geschlichtet worden sind, entschei
»et der Bezirksamtmann oder der Distriktschef im sum—
— Verfahren. Wenn mödlich, sind diese beiden
zeuͤmten durch Laienrichter (Friedensrichter) zu ersetzen.
Zztreitigkeiten aus dem Arbeitsverhältnis könnten beson—
eren wirtschaftlich geschulten Beamten (in Ostafrika hal
nan solche Vistriktskommissare als Gewerbe-Inspektoren
nereits) überwiesen werden. Streitsachen über 100 Marf
verden im richlerlichen Verfahren durch richterliche Be—
imte unter Beachtung der heimischen Zivilprozeß⸗Ord—
uung entschieden. Nach Möglichkeit soll auch bei der Recht—
prechung hier das Laienelement herangezogen werden.
üm die Eingeborenen sittlich zu heben, ist beabsichtigt,
ür sie die Vereidigung einzuführen, die bsher nicht zu—
ässig ist. Den kolonialen Verhälmissen muß die Eides—
ormel je nach dem Bekenntnis und der Bildungsstufe des
xingeborenen angepaßt werden. Als Berufunasinstanz ist
ine Behörde in Deutschland gedacht, die die Stellung
eines besonderen Kolonial-Gerichtshofes erhalten und mit
richterlich geschulten Schutzgebietsbeamten besetzt werden
oll.“ Das können natürlich nur erst allgemeine Richt—
inien sein. Im Zusammenhang damit ist vor allem auch
die Frage der Richteranstellung zu lösen.

Aus aller Welt.
Liebestragödie. Aus Preußisch-Stargard wird be—
ichtet: In der Nähe des Landgestütes im Walde wurde
ie 19jährige Arbeitertochter Flora Sprengler mit einer
Z„chußverleßzung in der Schläfengegend aufgesunden. Das
Nädchen, das noch lebte, gab an, den Schuß habe der
interoffizier Schubert vom 72. Feldartillerie-Regiment
ibgegeben. Schubert habe sich darauf durch einen Schuß
us Herz getötet. Diese Angaben erwiesen sich als wahr.
Schubert wurde nicht weit entfernt tot aufgefunden. Das
Mädchen wurde ins Krankenhaus gebracht.
Seineu Vater erschossen. Im Dorie Kratzig bet
xolberg er'chlug der 30jährige Bauernsohn Lenz seinen
70jährigen Vater im Verlauf eines Streites

Senne ich eine Wahl, wenn mein Valter von hier
fortgeht?“ rief das junge Mädchen stürmisch.
Wo mein Vater ist, weilt seine Blanche.
Auch in der Wüste Paris wird er der Oase bedürfen!“
Voll Innigkeit zog Ernst de la Haye seine Tochier
an sein Herz. Unierdessen hatte sich Norberk gebückt
und ein zweites Kouvert am Boden aufgehoben, das sicht⸗
'ich dem königlichen Schreiben entglitten war.
„Noch eine Botschaft?“ fragkte die alle Dame,
und den Inhalt auch dieses Schreibens lesend, fuhr sie
nit unverleugnetem Stolze fort: „Man scheint sich am
zofe Sr. Majestät bereils mit unserer Ankunft zu be—
chäftigen. Dieses Blatt enthält eine Einladung zu einem
Feste des eben in Paris verweilenden Gouverneurs von
douisiana, Sennor Alberque, für die Familie de la Haye.
Dort sollen wir Sr. Majeslät begegnen und dem
zönige vorgestellt werden!“
„Albergue — ich hörte von ihm!“ rief Norberk.
Man nennt ihn den Tätowirten. Er soll ein Gefan—
sener unter den Wilden und später ihr Hänptling ge—
vesen sein; — heute aber ist er ein Krösns und der
Hefeierteste in Paris. Großmutker. Sie sind eine Perle
Ihres Geschlechts!“
„Aber leider ohne goldene Fassung,“ sagke die alke
Dame seufzend. „Wir werden das lehtzke opfern müisen,
tandesgemäß in Paris aufzutreten, und was fehlt —
ch schreibe dem Präsidenten in die en Tagen; er hat
ich ohnehin nach Dir erkundigk. Du jsollst ihm meine
Zotschaft erbringen. Blanche mag ihm Deinen Besuch
hyeute ankündigen.“* —
Norbert wandtie sich ab, um sein frivoles Lachen
zu verbergen.
—„Ich bereite ihn vor diese Nacht,“ murmelke er vor
ch hin — „ich nehme mir vorweg meinen Ankeil!“
            
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