Fintrit: warmer Wit, erung und wird sodann auf Tehe—
ran marichieren
— — —
Zur Krise auf dem Balkan
In Belgrad zirkulieren die abenteuerlichsten Ge—
rüchte. England und Rußland hätten darnach bei der
Pforte diplomatische Schritte unternommen, um diese zu
zeranlassen, gegen Bezahlung eines entsprechenden Be—
rages den Sandschak Novibazar an Serbien und Mon—
—D——
Die russische Zirkularnote ist den Mächten überreicht
vorden. Infolge dieser NRote haben saämtiiche Mächte in
Sofia und Konstantinopel freundschaftliche Ratschläge zur
Erzielung eines Einvernehmens zwischen Bulgarien und
zer Türkei erteilt. Auch der Anschluß Oesterreich-Ungarns
an die russische Aktion gilt in Wien als zweifellos. Aus
urerläsfiger Quelle verlautet, daß sich deshalb die öster—
telchische wie die ungarische Regierung mit der vom ge—
neinfamen Minister des Aeußern, Baron Aehrenthal, ent⸗
vorsenen Fassung des österreichischzürkischen Vertraags—
entwurfes einverstanden erklärt haben.
Aus Belzrad wird gemeldet, das serbische Memoran—
dum werde in den nächsten Tagen den Berliner Signa—
rmächten mit Ausnahme Oesterreichs übersandt werden.
9 diesem Memorandum sollen die Gründe dargelea
verden, wesbalb Serbien sich mit einer Gebietsabtretung
nicht zufrieden geben kann, sondern auch weiterhin die
Nutonomie Bosniens und der Herzegowina verlangen
nuffe. Der serbische Kriegsmintsier sandte abermals eine
jeue Militär-Kommission nach Rußland. die dort für das
—3* Heer Pferde kanfen soll
I. ⸗
Deutscher Reichstag
197. Sisuna.) Vorm. 11 Uhr
Berlin, 30. Jan.
Zunächst wird in die Beratung der Denkschrift üher
die Ausführung der für die Schutzaebiete erlassenen An—
ieihegesetze eingetreten.
Auf der Tagesordnung slehen
Rechnungssachen
Abg. Erzberger (3): Das Ergebnis der An—
eihen ist sehr schlecht; 30 MRillionen wurden als Anleihe
J 4 Prozent ausgegeben, der Kurs beträgt 98 Prozent,
ie Zeichnung belief sich aber zu Anfang nur auf 10,7
Hillivnen. Das ist ein so trauriges Ergebnis, wie man
wohl noch nie erlebt hat. Die Otaviminen-Anteil—
cheine sind in wenigen Tagen um rund 30 Prozent ge—
tiegen. An der Börse herricht eine Spekulatton, die de—
reits den Mittelstand erfaßt hat und große Gefahren in
sich birgt. Diesen unsinnigen Spelulafionen muß man
auch von dieser Seite aus wehren. Ich erhebe nicht ge—
gen den Staaltssetkretär den Vorwurf, daß er an dieser
Spekulation schuld ist. Der Kurs entspricht nicht dem
gen inn der Otavi-Minen-Gesellschaft. Wenn der Rück—
chlag eintritt, so wird sich das auch in der ganzen Ko—
onialpolitik bemerkbar machen. Ich wünsche deshalb, daß
der Staatssekretär gegen dieses Treiben an der Börse
Front macht. Bezüglich der Kolonialanleihen möchte ich
ebenfalls größte Zurückhaltung anraten.
Staatssekretär Dernburg: Der Abg. Erzberger
zat gemeint, daß das Ergebnis der Kolonialanleihe we—
aig erfreulich gewesen sei. Das trifft nicht zu. Die Ko—
onialanleihe hat immerhin einen Kurs gebracht, wie die
»orher ausgegebene vierprozentige preußische Anleihe. Da—
zei ist zu berücksichtigen, daß der Verkauf von Anleihen
in gewisse Termine gebunden ist. Es ist noch nie Sitte
gewesen, mitzuteilen, welches die Teilrefultate der Zeich—
mung gewesen sind. Ich habe mich aber nicht gescheut,
dies zu tun. Da ziemlich viele die Ansicht teilen, daß ich
zurch meine Rede hier im Reichstage eine erhebliche Spe—
zulation in Otavipapieren herbeigesührt hätte, muß ich
seststellen, daß ich nichts getan habe, als den Geschäfts—
bericht der Otavigesellschaft durchzusehen und ihn mif
ritischen und einschränkenden Bemerkungen zu versehen.
Meine Rede war nicht schuld an dem Steigen der Kurse
der Otaviminen. Da liegen noch andere Gründe vor.
Ich weise deshalb die mir zugeschobene Unterstellung zu—
rück. Wenn ich aber das rasche Steigen der Kurse für
iterstürzt halte, so sehe ich doch immerbhin darin ein
Zeichen des erwachenden Kolonialinteresses und gebe der
hoffnung Ausdruck, daß dieses Interesse nicht zu Ent
auschungen führen möge. Geifall.)
Abg. Erzberger (3.): Trotz der Darlegungen
»es Staatssekretärs kann ich nicht von meinem Urleil
ibgehen. Die Kolonialanleihen führen auch keine klarte
Rechnungslegung herbei. Ich habe dem Staatssekretur
zuch nicht den Vorwurf gemacht, daß er schuld an der
Spekulation gewesen sei. Ich glaube aber auch,
daß diese infolge der heutigen Rede des Kolonialsekretärs
etwas niedergedrückt sein wird, und das habe ich mü
neiner Rede nur erreichen wollen.
Staatssekretär Dern burg: Die Höhe des Kup—
terpreises ist nicht für die Höhe des Kurses verantwort
—
* 2 Mij
Die beiden Müller.
Erzählung von Hedda Lengauep.
F Nachdruck verboten.
„Max Müller — ei der tausend, — Sie sind es! Und
gerade recht kanmen Sie auch. Ein mertwürdiger Zujsall
zas! Vor etwa einer Woche ist ein Brief aus Amerika an
Zie eingetroffen. Ich konnte ihn natürlich nicht beitellen,
iber Ihr Freund der Herr Franz Müller hat ihn mir ab—
genommen, weil er, wie er sagte, Ihre Adresse wüßte. Spä⸗
ser habe ich mir gedacht, es war vielleicht doch nicht ganz
techt, daß ich den Brief hergegeben habe. — — Sie haben
ihn doch wohl bekommen — nicht?“
Mar Müller schaute gedankenvoll darein. Tann sagte
r zweifelnd:
„Einen Brief aus Amerika — und an mich, — — ich
aun mir nicht denken, von wem er sein sollte. Auch habe
ch ihn wirklich nicht bekommen; einfach nicht bekommen kön—
ien, denn Franz Müller wußte meine Adresse nicht und ich
jdabe sie ihm absichtlich niemals mitgeteitt.“
Der Bricfträger geriet in zornige Erreguna.
„Na, hören Sie — das ist dann schon ein schönes Stück
Inverschämtheit von diesem Herrn Franz Mütler — einen
remden Brief zu unterschlagen. Da muß ich aleich deswegen
lachfragen.“
damit wollte er rasch an Max Müller vorüber.
der aber hielt ihn am MAermel jest.
„Haben Sie keine Sorge — — den Brief bekomme ich
toch — ich selbst jsordere ihn ab, dann bleiben Sie ganz
zus dem Spicle.“ —
Der Briefbote atmete sichtlich erleichtert auf.
„Kann mir nur erwünscht sein, Herr Mütler. Und in
zukunft gebe ich so keinen Briesf mehr aus der Hand.“
Freundlich grühßend ging er seinen Weg weiter.
Maxrs wurde nachdentlich. Einen Brief aus Amerika —
ind er kännte doch niemand in der neuen Welt. Auch, daß
Franz Müllter den Brief unterschlagen haben sollte, erschien
hm uünglaublich und rätselhaft, obgleich er dessen Charakter
genügend zu kennen glaubte, um ihn auch einer gelegentli—
Hen Unredlichleit fäbla zu hallten
ich. Ich will aber nicht in irgend welcher Form auf
den Kurs einwirken. Das würde ich für die Zukunit nicht
114
Abgg. Erzberger: Die letzte Spekulation ist al—
serdings zum Teil auf die Rede des Siaatssekretärs zu—
ruckzufiihren und deswegen muß einer falschen Auslegung
der Rede des Staaitssekretärs entgegengetreten werden.
Damit ist die Diskussion geendet worden.
Wegen Telephonstörung folat der Schsuß des Berich
Am Miinte
—r —
Hunst und Wissenschaft
(1) Lehrstuhl sür Luftschissahrt. Wie ein Nerliner
Mis'agsblatt hört, hat die tech nische Hochshale
in Charlottenburg Herrn Masjor v. Parseval für
den VLehrstuhl für Lustichiffahrt in Aussicht
hrnmen
— BVBV—,—,!o.,edeeec —]c[— —‘ ⏑— —
Gemeinnütziges.
O, Beitfedern zu reinigen. Zu diesem 8w
veicht man sie 324 Tage lang — deeen dwege
barmen Auflösung von kohlensaurem Natron ein. Dann
virft man sie auf ein, Sieb, läßt die Flüssigkeit abtrop⸗
en, wäscht sie mit reinem Wasser und trodnet sie auf
etzen. — Ein anderes Verfahren ist folgendes: 8 bis 10
dilo rein gewaschene, weiße Kieselsteinchen, welche in ei—
iem eisernen Kessel über Kohlenfeuer erhitzt wurden, ut
nan mit Federn in einen großen, reinen Sad und rühn
ꝛeide bis zum Erkalten anhaltend durcheinander, was wohl
um besten geschieht, wenn der Sack, an beiden Enden von
wei Personen gefaßt, hin und her geschwungen und zu⸗
beilen. umgewendet wird. Alles muß rasch geschehen, da—
nit die Steinchen nicht zu sehr abgekühlt suͤnd, ehe' sie
nit den Federn in Berührung kommen. Die Federn wer—
en nun mit den Händen auäfgelockert und rein abgenom—⸗
nen oder mittelst eines sogenanuten Federkorbes don den
dieselsteinen, womit nun aller Schmuͤtz verwücht üifi ge⸗
rennt. Hierauf werden sie eine Zeitlang aur legt wid
»ann wieder in den vorher gereinigten Be— —
illt. Tüchtiges Unstlopsen des geiüllten Bettes in der
eien Lust oder bei offenem Feusier ist sehr zu empfehlen.
— — —
Gerichtsge tung
s Gaitenmord. Das Schwurgericht in Leipzig ver—
zrteilte den Arbeiter Rauschenbach, der im November
eine Frau ins Wasser geworsen hatte, um sich ihre Er—
arnisse anzueignen wegen Totschlages zu 12 Jahren
zuchthaus und Ehrverlust.
8Tie Giftmischerin von Saint-Amand, Jeanne Gil—⸗
nert, ist nach dreitägigen sehr spannenden und aufgereg—
en Verhandlungen von den Geschworenen schuldig ge—
zrochen worden, indessen der Wohltat der mildernden
imstände nicht verlustig gezaungen. Daraufhin mußte
rotzdem ihre Verurteilung zu lebenslänglicher Zwangs—
rbeis erfolgen. Sie blieb bis zum Ende und auch nach
er Verurteilung bei ihrem Syssem absoluter Ableugnung
ind verlor keinen Augenblick ihre ruhige Haltung. Die
eradezu frostige Gleichgülügkeit, die diese Verbrecherin
illem, auch wilden Hassesbelundungen der Menge gegen—
iber zeigte, wird als eine Besstätigung der seelenärztlichen
diagnestik angesehen, daß sie abnormal veranlsagt und
nay besonderen Art von Hysterie unterworien se
Rechtspflege
SBemerkenswerte Entscheidung. Die gewiß nicht
imwichtige Frage, wie hoch Schadenersatz beansprucht
verder kann, wenn ein Lehrling seine Lehrstelle verläßt,
am in der Begründung eines Gewerbegerichts-Urteils zur
zeantwortung. Ein Lehrling hatte nach zweijähriger
rehrzeit, nachdem er schon öfters unbefugterweise von
einem Geschäft fortgeblieben war, sich krank gemeldet
da nach eingezogenen Erkundigungen bei der Ortskranken
asse die Krankheit fingiert war, eine Krankmeldung also
icht vorlag und der Lehrling trotz wiederholter Auf—
srderung nicht in sein Lehrverhältnis zurückkehrte, so
ah die Firma dieses als gelöst an und beanspruchte 200
NRark für unbefugtes Verlassen der Lehrstelle. Der Vater
xSs Lehrlinas gibt als Grund schroffe Behandlung an
nas aber nicht erwiesen werden konnte. Da der Lehr—
ing inzwischen eine andere Lehrstelle angetreten, die kla—
gende Firma eine ctwaige Wiedereinstellung auch abge—
ehnt hatte, so erfolgte die Verurteilung zur Zahlung
»er geforderten 200 Mark und in die Kosten. Diefer Be—
rag wurde nicht als zu hoch bezeichnet, da in solchem
Falle gemäß den gesetzlichen Bestimmungen die Firma
snjpruch auf eine Entschädigung in Höhe des ortsübli—
hen Lohnsatzes in dem betreffenden Gewerbe auf den
Zeitraum eines Vierteljahres habe.
Po ααα αÜ
Vermisechtes
glück im Unglück. Man schreiht aus Paris: Ro—
din, 8 bekannte Bildhauer, ist nicht nur ausübender
Künstler, sendern auch eifriger Sammler und ist im
hefitz einer prachtwollen Kellektion wertvoller Stulpturen.
orwenigen Tagen kaufte er bei einem Antiquar ein⸗
Aber bevor er sich nicht davon überzeugt hatte, wollte
Max wichts Schlimmes denken. Die Geschichte würde sich
eute auftlären. Schon in den nächsten Tagen wollte er
Frauz Müller, seinen ehemaligen Freund, aufsuchen. Ueber
gem stillgewordenen Städichen lag die Nacht.
Eine dunkle, sternenlose, gewitierschwüle Sommernacht.
Am Himmel türmten sich drohend dunkle Wolkenmassen
zuf, aber kein Lüftchen regte sich.
Und trübe und dunkel wie die Nacht war auch die Seele
Max Müllers. J
Er hatte dem Annerl einstmal versprechen müssen, nie—
nals zu versuchen, sie wiederzusehen, ihren Weg ferner nicht
nehr zu kreuzen.
Und es mußte auch so sein, damit seine und Annerls
Kuhe nicht aufs neue gestör‘ werde. Es hatte ihn in ihre
sdähe gezogen, aber sie aufzusuchen hätte er doch nimmer—
nehr gewagt.
Er wäre jaauch ganz zufrieden gewesen, ihr Häuschen
on ferne sehen zu dürsen, von anderen Leuten zu
sören, daß sie gesund und glücklich sei und nichts vermisse.
Mit ihrem Glücke wollte er sich dann auch begnügt ha—
hen und fröhlich wieder weiterwandern. ....
Und nun kam die Geschichte mit dem Brief. Er sollte
etzt Franz Müller aufsuchen.
Er versuchte es zuvor in einer Wirtschaft, Franz zu
reffen, aber er hatte Pech, wie der Wirt sagte.
Franz Müller war gerade heute nicht anwesend. Wahr
scheinlich war er des drohenden Wetters wegen zu Haus ge—
hlieben. —9—
Max trank sein Glas aus und ging. ÿαα
Nun ninußte er eine andere Gelegenheit suchen, den
Franz allein zu sprechen.
Er irrte durch die Gassen und dachte darüber nach, wie
» es ermöglichen konnte, ohne das Annerl dabei zu treffen
Mirtlerweile saß Franz in seiner Stube und las die
Zeitung.
Der Schein der Lampe siel ihm gerade ins Gesicht und
Annerl, die oben die Kinder zu Bett gebracht hatte und sich
ieben ihm auf die Bank niederlassen wollte, erschrak heftig
über den Ausdruck seiner Mienen
Marmorviiste, die den Kopf eines alten Mannes darstell⸗
e Da das Etud nicht mi guter Verfassung war, übergab
23 Roöden einem Restaurateur, der die einzelnen Schaden
usbesern sollte. Der Künstler führte die ihm anvertrau—
te Arbeit gut aus und begab sich mit der Büste in sei⸗
dem Wagen zu Rodin, um das Kunstwert persönlich ab⸗
zuliefern. Unterwegs hatte er ader das Unglück, mit
nem Autemobil zu karambolieren. Bei dem Zusammen
soß wurde die Buͤste aus dein Wagen geschleudert und
erichellte auf dem' Straßenpflaster. In größter Bestür
ung sammelte der Mann die, Trümmer des Kunstwerks
Während er dieselben traurig betrachtete, rollten aus den
Jopf, der eine unbemertt gebliebene Höhlung enthalten
datte, einige 20 alte Miinzen. Rodin legte dieselben ei—
Nin Nurnisnathiter zur Prüfung vor, und dieser erklär—
le, die Münzen setien sehr alt und repräsentierten einen
wesentlich hoͤßeren Wert wie das vernichtete Bildwerk.
unstieindliche Ratten. Vor wenigen Tagen fanden
ie Mebiforen des Weuseums zu Toulonse zu ihrenm größ
n Echteden mehrere Bilder beschädigt. Zuerst dachte
u an einen Wandalenstreich, wie solche in letzner Zeit
eider wiederholt vorgekommen sind. Eine genauere Un—
ersnchung der Beschädigungen stellte aber fest, daß es
Nasten maren, die einzelne Werke angenagt hatten. Es
viurde eine besondere Wache in den Bildersälen installiert,
der es auch gelang, eine Anzahl der Tiere „in flagran—
e zu fangen“ Es werden nun in dem, Museum geeig—
ete Maßnahmen getrossen, um die schädlichen Nager,
ie augenscheinlich aus dem Keller üher das Treppen—
sJaus in die Bildersäle eingedrungen sind, auszurotten
Am meisten beschädigt ist ein Bild von Jean Paul Lau—
ens, von dessen unterem Teil zwei bis drei Zoll Lein—
dand weggefressen sind. Es scheint, daß die Farden
daurens' eine ganz besondere Anziehungsktaft auf die
satten ausgeübt haben, denn bei den übrigen beschädigen
VBilderü haben sie sich mit ganz kleinen ausgceäöresie—
ten Stellen begnüg,
GEin wiedergefandenes Bild. Aus Venedig wird
emeldet: In der KRirche S. Francesco della Vigna e
quid sich sange Beit hindurch, eine prächtige „Verkündi—
ung“, ein Wert von Girolamo da Treviso. Vor über liß
dahren, wahrscheinlich während der französischen Revolu
soni, verschwand der Engel, der den schönsien Teil de—
Buwerkes bildete, aus der Kirche und galt bis heute fitr
edoren. Es wird erzählt, der Engel habe die Greuel
ruf Erden nicht mehr nut ansehen können und sei zum
Zimmel aufgestiegen. Zu Seginn des Sommers besuchtern
wei italientsche Kunstsreunde, Doktor Gustavo Frizzon
nd Graf Carlo Gamba die Galerie Douglas zu vren
ind entdekten hier zu ihrem grötßzten Erstaunen, den ver—
mißten Eugel aus Venedig. Die beiden Herren benach⸗
richtigten fofort den Generaldirektor der „Belle Arti“ vor
hrer Entdeckung, und dieser machte dem Ministertun
den Vorschlag, mit Douglas wegen Rügwerbung des Stüt
tes in Unterhandlung zu treten. Das Ministerium billigt
iesen Vorschlag und trat durch Vermittlung des Dr. Ettor
Modigliani mit Herrn Douglas in Verbindung. Nach lan
gem Verhandlungen willigte dieset ein, den Engel geger
Zahlung von 7500 Lire zurückzugeben damit das Wer
Venedig wieder vervollständigt werden könne. Der En
gel ist jetzt bereits nach Italien zurückgebracht worder
nd wird augenblicklich in Venedig im Museum gezeig!
eer seinen Plauz in der Kirche wieder einnehmen wird
(y) Deutsche Motorbootregatten 1909. Der deuitsch⸗
Motorjacht-Verband hat kürzlich die Termine für die Mo—
orbortregatten dieser Saison veröffentlicht. Die Termint
sind so gelegt, daß eine Motorjacht an allen Veranstalt
ungen nacheinander teilnehmen kann. Die Saison beginnt
mit der Berliner Frühjahrswoche, einer Regatta auf dew
Müggelsee am 6. Juni und Weitfahrten auf dem Schwie
owjsee am 12. und 13. Juni. Am 20. Juni folgt die
Wettfahrt auf der Elbe um den Hohenlohe-Preis, welch
de Boote seewärts führt. Die Kieler Woche weist vie:
Regatten auf, drei auf der Kieler Föhrde und das Ren
nen um den Preis der Ostsee von Kiel nach Travemün
de; sie finden vom 24. Juni bis 2. Juli statt. Nach de
stegatt vor Heringsdorf am 11. Juli geht es nach den
zinnenlande zur Starnberger Woche vom 22. bis 26
Juli. Daran schließt sich die Bodensee-Woche mit vie
stegatten vom 1. bis 5. August. Den Abschluß bilde
die Berliner Herbstwettfahrt auf dem Müggelsee am 12
Zeptember. Diese Regatten werden nach der neuen in
ernationalen Motorbootmeßformel ausgeschrieben, jedod
ind für die alten Motorkreuzer besondere Klassen vorge
ehen.
(y: Eine Luftbahn. Ueber die neue Luftbahn Frank
surt a M.—Homburg v. d. H. werden jetzt Einzelheitern.
bekannt. Durch einen, an starkem Kabel geführten Ballor
foll ein Personenwagen getragen werden, der zirka 60
Personen fassen kann. Der Ballon soll eine Länge vor
100 Meter und eine Breite von 10 Meter haben und“
Motore enthalten. Bei absoluter Verkehrssicherheit sol
eine Geschwindigkeit von 180 Kilometer in der Stund
erreicht werden. Die Kosten des Unternehmens iollen sic
auf 600 000 Mark belaufen.
*88* du Verdruß gehabt, Franz — — oder bist du
ranktẽ“ —
Franz fuhr in die Höbe. (α
„Wer — ich? Was kümmert es dich, — geh zu Bett.“
Annerl sah nach der Uhr.
„Es ist noch so früh und ich wollte die Strümpfe für
msere Kleinen sertig stricken.“
Da schlug Franz mit der Fauit zornig auf den Tisch.
„Es soll aber agenug sein für heute. Geh — ich will
Alein sein.“ — ——
Gehorsam zog sich Annerl zurück.
Franz aber löschte die Vampe aus und ging im Dun
leln mit unruhigen Schritten in der Stube umher.
Eine große Sorge war über ihn gekommen.
Man sprach im Städichen von Max Müller. Er mußte
dagewesen sein. Der und jener wollte ihn gesehen haben.
Weiter oben im Lande sei er bei den neuen Deichar—
veiten beschäfrigt und habe aus alter Anhänglichkeit einen
Abstecher ins Städtchen gemacht.
So erzählten die Leute; mehr aber wußte keiner. Fran⸗—
iber hatte keine Ruhe mehr.
Appetit und Schlas waren ihm vergangen, er sah blaj
und elend aus und fuhr beim kleinsten Geräusch erschrocke!
zusammen.
Wenn Mar im Städtichen war, warum kam er nicht in
das Haus?
Diese Frage quälte Franz unablässig bei Tag und be—
X
Immer glaubte er den Gefürchteten eintreten zu sehen,
RPechenschaft fordernd, chlen Betrug enthüllend, anklagend,
trafend, ihn und die Seinen erbarmungslos vernichtend.
Zeitweilig aber fuhr er stolz in die Höhe.
„Ach was — warum sich fürchten — wer kann mir et—
vas beweisen? — — Im schlimmsten Falle leugne ich
alles ab. Nur keine Furcht, keine Feigheit — keine Anaf
zeichen“. . ...
Er nahm nochmals die Zeitung zur Hand, machte Lich
und versuchte wieder zu lesen.
Aber plötzlich fuhr Franz Müller erschrecken zusammen
Vor dem Hause regte sich etwas; der Sund schlug an, vor
sichtige Tritte näherten sich. Fortsetzung solgt