Full text : Dudweiler Zeitung

katter bAnessen wrde. Die z3weifelloͤß solgle Annahe⸗
cung Italiens an Rußland entspringt der Besorgnis, daß
Desterreich weiterhin eine Expansionspolitik am Balkan be—
zreiben koͤnnte, und namentlich bei Iswolsti ist dies zu
einer Art von fixen Idee geworden. Wenn nun in
Raceonigi vereinbart wurde, daß Italien und Rußland
für den Status quo am Balkan eintreten wollen, so hat
dies den Zweck, solchen befürchteten Bestrebungen Cesier—
reichs entgegenzutreten. Die Vereinbarungen von Racco—
rigi haben daher rein defensiven Charakter und enthalten
ruichts Bedrohliches. In Wien braucht man sich darüber
um so weniger aufzuregen, als Oesterreich nach seinen
wiederholten und zweifellos aufrichtigen Versicherungen
einen neuen Vorstoß am Balkan plani, also keine Gele—
genheit zu schaffen beabsichtigt, welche den casus foederis
uür Italien und Rußland schaffen könnte. Unter diesen
Amftänden kann Italien ehrlich beim Dreibund bleiben,
und man kann in Berlin und Wien der Annäherung
Italiens an Rußland ruhig zusehen“
Fraukreich und die Zarenreise.
ODie Reise des Zaren nach Italien hat in der Pari—
ser Presse lange Spalten lyrischer Eindrücke, aber nur
venig greifbare Betrachtungen gezeitigt. Die großen Zeu⸗
ungen folgten ersichtlich einem guten Rat, der von oben
gekommen war; sie zeigten sich entzückt von der herzlichen
Begegnung des Selbstherrschers aller Russen mit dem Kö—
nig von Italien, aber sie vermieden jede Deutung, als
ob die russischitalenische „Entente“ eine feindliche Ten—
denz gegen andere habe. Nur der „Matin“ brachte das
unststück fertig, das, was er nicht selbst sagen wollie,
durch die Aeußerungen eines deutschen Nationatuisten zum
Ausdruck zu bringen, nämlich die Einladung an Italien,
aun auch schleunigst den Dreibund zu kündigen. Die Ab—
icht, niemanden zu verletzen, verbirgt sich in der übrigen
Presse hinter überschwänglichen Schiderungen der Zaren-Reise;
 der „Figaro“ war sogar in Ekfiase, weil der
dbimmel Schnec fallen ließ, gerade als der Zar sich
anschickte, die französischen Alpen zu durchqueren; der Him—
mel wollte also dem Jaren eine russische Landschaft vor⸗
jzaubern, damit er sich in Frankreich auf dieser naͤchtlichen
kisenbahnfahrt heimisch fühlel Diesem Gefühlsüberfluß
der Presse gegenüber ist es von Wert, den nüchternen
Findruck fesizuhalten, den die russisch⸗italienische Freundchaftslundgebung
 im französischen Parlament hervorge⸗
vbracht hat. Man spricht so wenig als möglich von ihr
und die Vollsvertrelter, die man um ihre Ueinung be—
ragt, begnügen sich mit einem allgemeinen Kopischütteln.
Die Ereignsie des leßten Jahres, die Niederlage Ruß—
lands in der Baliantrisis, sind eben noch nicht vergessen,
und im Hintergrund aller Orientfragen sieht man immer
noch die Gefahr eines Konflikts, in den Frankreich gegen
seinen Willen hineingezogen werden könnte. Der Gedaute,
daß Rußland aus seiner Annäherung an Italien neue
Energie gewinnen koönne, daß es ⸗ach zu einer unvorsich⸗
tigen Politit im Orient fortreißen lasse, hat nichts ange—
nehmes für das französische Publikum. Die Regierung
ließ deshalb auch schon der Presse eine Informat on zu—
gehen, in der die russisch⸗italienische „Entente“ in mog⸗
lͤchft beruhigendem Lichte dargestellt wird. Rußland und
Italien erkllären sich darnach für die Erhaltung des Sta—
tus quo im Balkan; sollten jedoch neue Aenderungen ein—
treten, so werden sie sich über ihr Verhalten verständi—
gen. Die Zukunft ist also nicht festgelegt und damit kann
alle Welt zufrieden sein.

ααιαιαιιäòOäÜM

Aus ailer Welt.
Zahlungsschwierigkeiten. Nach Berliner Zeitungs
Neldungen sind die Holzengrosfirnen Kurl vallemim.
stommandit⸗Gesellschaft und Julius Brühl jun., beide in
Tharlottenburg, in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Die
Verbendlichleiten beider Firmen werden auf annähernd 4
Millionen Mark geschätzt Fast sämtliche Berliner Groß—
banken und große Bantfirmen sollen beteiligt sein.
Zwei Abenteurer. Der Kellner Karl Titus aus
Frankfurt a. M., der wiederholt bei seiner Mutter in
Frankfurt eingebrochen hatte, erbeutete das letzte Mal 4000
Mark und reiste mit einem Heliershelser nach Berlin. Die
Beiden logierten sich in einem Hotel unter falschem Na—
men ein. Titus gab sein Geld mit vollen Händen aus,
sodaß dieses bald zur Neige ging. Zugleich erbrach ihm
sein Helfershelfer seinen Koffer, raubhte ihm 500 M. und
zing flüchtig. Titus, der nun Zechschulden machte, wurde
von der Kriminalpolizei festgenommen.
Der Wachtmeister in der Räuberhöhle. Es gibt
noch selbst im Industriestaat Sachsen so etwas wie Räu—
berromantik. Im Zeißigwald bei Chemnitz ent—
deckte die Polizei ein Uunterirdisches, wohmlich ein—
gerichtetes Räubernest und verhastete den darin schla—
senden, steckbrieflich verfolgte Artilleriewacht—
meister Graefe.
Mord. Auf der Landstraße bei Freiberg in Sachsen
wurde der 530 Jahre alte Kaufmann und Hausbesitzer K.
Scheinert aus Dresden ermordet aufgefunden. Scheinert
hatte in Groß-Schirma seine Brüder besucht und war auf
der Rückkehr nach Dresden begriffen. An einer einsamen
Stelle des Weges ist er niedergeschlagen worden. Die

Das Dadem des Verderbens.
Original-KRoman von 5. Hirschef ld.
32 Werden Sie, den des Südens heißere Sonne durch⸗
glüht, mich verstehen, wenn der durch die Hand einer
Tourtisane gestürtzte Minister Frankreichs rächen will,
nicht was sse an ihm sondern was sie an Frankreich
verbrach? Maß für Maß, Sturz für Sturz. Sie ver⸗
treken Spaniens Inkteressen, Gouverneur! Seien Sie gewiß,
 Spanien soll zufrieden sein, wenn Choiseuil, der
durch die Dubarry Gestürzte es ist, dessen Hand der
könig Ludwig die Nachfolgerin der durch eine Schönere
Anmuligere gestürzlen Gräfin zuführk.“
„Und Sie glauben, diese Nachfolgerin gefunden zu
haben ?* fragke Alberque ruhig.
Ich spreche offen zu Ihnen,“ ankworkete Choiseuil.
Eher glaubte ich an den Einsturz des Himmels, als
—
ten. Und am Ende, was habe ich bei dem Spiel zu
derlieren? Meinen Besitz, meine Freiheit dürfen sie nicht
ankasten und die aufregende Enkwickelung meines Pla—
nes beschäftigt meine unfreiwillige Muße. Auf Sie, Gou—
perneur, habe ich gehofft — eine Stütze, selber un⸗
mächtig, brauche ich zum Gelingen. Bieten Sie mir
die Hand nicht durch den Sturz der Dubarry dem Her—
og von Choiseuil sein Ministerporktefeuille wieder zu
herschaffen, sondern durch reineren, weiblichen Einfluß
zrankreich von den unsauberen Elemenklen zu befreien,
zie an seinem Mark zehren, wie am edlen Lorbeer die
ãftige Schmarotzerpflanze.“
„Und welche Aufgabe stellen Sie mir zu diesem Zweck?“
ragte der Gouverneur. „Haben Sie vielleicht Tony zu
er Nachfolgerin der Dubarry ersehen? Mag die Welt
ner Stellung in meinem Hause deuteln nach ihrer Weise
As tnmmorf micn die West? Mir isf Tonn moin—e

taäuber dursten in zwet verefts verhafteten Landstreichern
u bpen sein. Ein Geldoenrag von 3800 M., den Scheinert
n Brusfttasche hatte, haben die Rauber nicht aufge⸗
un
Verbrůht. In Weißenbach kam ein vierjähriges
Nädchen dadurch zu Tode, daß es in einen Muslessel
ineinfiel und verbrüht wurde.
Jugendlicher Mörder. In Nienburg erschoß der
3 Jahre alte Schüler Held einen 12jährigen Kameraden
nit einem Taschenrevolver. Die Kugel drang dem Jun⸗
jsen ins Gehirn und führte seinen augenblicklichen Tod
erbei.
Sturm. Aus Innsbruck wird berichtet: Seit Mitt⸗
voch hat ein orkanartiger Sturm großen Schaden an
zäumen, Fenstern und Dächern angerichtet. Bei Hall
urde von einem Waggon eines Lastzuges das Dach weg⸗
jefegt, fiel auf die Schienen und bildete ein Verkehrs⸗
indernis für den nachfahrenden Schnellzug.
Fenersbrunsft. In Millon-⸗Fosse (Frankreich) ist eine
rabrik elektrischer Apparate durch Feuer zerstört worden.
der Schaden belauft sich auf 175 000 Franken. 60 Ar—
eiter sind brotlos.
Gasexrplosion. Aus Borislaw wird berichtet: In
er Wohnung des Bergwerksdirektors Leon Reiter in
khuftanowice erfolgte nachts eine schwere Gasexplosion.
em schlafenden Direktor wurde eine Hand abgerissen; die
;rau und ein 3 Monate altes Kind sofort getötet; die
limme des Kindes wurde lebensgefährlich verletzt. Das
aus ist zertrümmert.
Opfer der Flammen. In Verjoe EGchweden)
st das Armenhaus niedergebrannt; sechs Armenhäusle⸗
innen sind dabei ums Leben gekommen.
Im Ballon über die Nordsee. Aus London wird
erichtet: Ein Ballon, der während des Sturmes über
iie Nordsee getrieben war, verwickelte sich in den Tele—
raphendrahten. In dem Korbe befanden sich ein Frau—
ein Marvin und ein Herr Garnier. Die Dame iprang
uus dem Ballon, der sich in demselben Augenblick aus
»en Drähten entwirrte und mit Garnier pfeilschnell in die
döhe schoß. Obwohl fich Fräulein Marvin ein Fußge—
ent verstaucht hatte, schleppte sie sich bis ins nächste
zauernhaus, wo ihr Pflege zuteil wurde. Sie erzaähite
ie Fahrt über die Nordsee sei furchtbar aufregend ge—
vesen. Garnier wurde in dem Ballon zwei Mieilen wei—
er ins Land geirieben und entstieg der Gondel unvper—
eyrt. Als die Lujftschiffer in Nancy ausstiegen, hatten sie
icht die Absicht, so weit zu fliegen.
Arbeiterbewegung.
— Der Bergarbeiterstreik im Mansfelder Revier.
zm ganzen Steeilgebiet herrscht eine geradezu bewunde—
ungswerte Ruhe. Das Verhaiten der Streikenden ifjf
aft durchweg mustergültig. NRatürlich gibt es
sier und da junge Burichen, die sich berufen fühlen,
lusschreitungen anzuzetteln. Das Vorgehen dieser Bur—
chen wird auch von der Streikleitung, die immer wie—
»er von neuem zur Ruhe mahnt, auf das schärsste ver—
irteilt. Sonst geht alles seinen gewöhnlichen VLauf. Das
Nilitär bewacht nach wie vor den Schichtwechsel und be
reitet die Arbeitswitligen von und zu den Wohnungen
Sbwohl auf alle mögliche Weise versucht wird, den Ver
ehr der Streilenden mit den Arbeitswilligen zu unter.
inden, um auf diese Weise zu verhindern, daß dieser
der jener sich überreden läßt, in den Streil zu treten,
st eine erhebiche Zunahme der Streikziffern
u verzeichnen. In dem Streitbureau in Helbra, dem
zentralpunktt der Streiforganisationen, sind wieder meh
ere hundert Bergarbeiter erschienen, um sich in die Streit
sten eintragen zu lassen. Wenn auch auf einigen Schäch—
en die Zahl der Einfahrenden etwas größer war als
n den vorigen Tagen, so überwiegt doch die Zahl der
ieugewonnenen Streilenden erheblich die Zahl derer, die
ch wieder zur Arbeit entschlossen haben. In Hettsted
ind Helbra finden täglich in den Streiklokalen Ver—
ammlungen statt, in denen einmürig beschlossen wird,
miszuharren bis zum Aeußersten. Nach den Auslassungen
der Bergwerls- und Hüttendirektion, die dahin gehen, daß
»in Teil und zwar nicht der geringste Teil der streiken
»en Bergleute überhaupt nicht mehr für eine Wiederein—
tellung in die Arbeit in Betracht kommt, hält man es
für die erste Pflicht, durch Standhaftigkeit und Ausharren
u beweisen, daß man sich denen gegenüber die ausge—
schlossen werden so!len, zur äußersten Unterstützung ver—
o ihtet fühlt, selbst auf die Möglichleit hin, felbsfi nicht
vieder eingestellt zu werden. — Wie übrigens von ver—
rauenswerdiger Seite vestimmt versichert wird, beab—
ichtigen auch die Hüttenarbeiter in den Streit
zu treten. Tie Streitzahl würde sich dadurch auf
irka 20000 Mann erhöhen.
Bermisctes.
„„Aus den Romanen des Lebens. Wir lefen im
Liener Fremdenblatt: Eine ergreisende Szene spielle sich
us dem Baumgarmer Friedhose ab. Grabvesucher hor—
en ploͤllich einen lauten Schrei und tanden an einem

Iflegebefohlene, keurer wie eine Tochter und ihre Ehre
st die meine.“
„An sie zu denken, schlösse eine Kränkung für ihren
dlen Beschũtjer ein,“ enigegneke der Herzog, sich leicht
erneigend. „Das Wesen, welches ich meine, steht
jhnen so fern, als ob sie eine Tochter des Mondes sei.
sch selber kenne sie nicht, aber ich erkannte den Zufall
ür bedeutungsvoll, der mit ihren Namen, ihre Existenz
gerriet.
Es gilk vorerst, die Aufmerksamkeit des Königs auf sie
zu lenken. Sie haben dazu die Gelegenheit!
Wollen Sie Sr. Majestät die Mitkeilung machen,
aß auf dem Schlosse de la Haye, in der Nähe von
zenlis, eine Enkelin des Herrn d'Etoiles und der eins⸗
igen Galttin desselben, der späteren Marquise von
Jompadour existiert.
Dieses etwa achtzehnjährige Mädchen, ein Wunder der
Unmut und Schönheit ist — Aber was ist Ihnen?“
FI er sich, erschreckt inmitten des Satzes inne⸗
alkend.
In der Tat hatte sich das Antlitz des Gouverneurs
lötzlich bis zur Unkennklichkeit verändert.
Wie in fieberhafter Glut leuchtelten seine Augen —
er war von seinem Sitze aufgesprungen, mit stürmischer
jast das Zimmer durchmessend.
„Ihr Kind — ihre Tochter — des Königs Favo—
ritin — der Großmutker Nachfolgerin, die Siegerin
iber eine Dubarry — sie muß es wissen, es fühlen im
Jenseils — und ich der nicht wußle, wie beginnen
nit der Erfüllung des Schwures —“
In abgerissenen Lauten hatte er diese Worte vor
ich hingemurmelt. Umsonst bemühle sich Choisenil, ei
ies derselben zu verstehen.
Rasch jedoch hatte sich der Herr des Hauses gesam—
neit.

.

»nCi⸗x Fs nfo or on Gorroarn geo—

srabe einen armuch geir ideen Renn und eine elegantt
same, die sich innig umschlungen hielten. Die beiden
»aren ein Geschwisterpaar, das sich nach 30jähriger
dennung am Grabe der Eltern wieder gesunden hatte.
s war im Jahre 1879, als Franz M., der damals 20.
hrige Sohn eines Fabrikanten, un damaligen Vorbore
4udenzdorf plötzlich aus dem elterlichen Hause ve
hwand. Er wandie sich mit einer wandernden Zir us⸗
uppe ins Ausland, dam nach Holland, Englande und
hließlich nach Amerila und blieb für seine eern vert
hollen. Nach einiger Zeit starb die Mutter aus Gram
iber den Verlust ihres einzigen Sohnes und bald nach
jer der Vater. Die Tochter des Fabrikanten blieb allein
urück, die Fabrik wurde verkauft, die Schwester zog sich
n den heutigen 13. Bezirk zurück, wo sie seit vielen Jah—
en lebt. Franz M. hatte wenig Glück in Amerika ge—
unden, kam ins Elend und besaß zuletzt nur noch gerade
o viel, um nach seiner Vaterstadt zurückkehren zu koön—
ien. So kam er nach Wien. Acht Tage lang forschte er
berall nach seinen Angehörigen, aber niemand wußte
hm Auskunft zu geben. Endlich erfuhr er, daß seine
zltern auf dem Baumgartner Friedhofe ruhten, und als
r vergangenen Sonntag das Grab besuchte, fand er
one Schwester. Beide verließen in tiefer Rührung den
IRt des Friedens, um nach 30jähriger Trennung nun
eisammen zu bleiben.
— ——
Kunst und Wissenschaft.
Ferdinand von Strantz 7. Der populäre frühere
direltor des Berliner Opernhaäͤuses ist 87 Jahre alt den
Folgen des Straßenbahnun'alles erlegen, bei dem er sich
m Juli d. J. einen Schentelbruch zugezogen hatte. Es
chien erft, als ob der alte Herr nochmals wieder auf die
beine kommen würde, aber die Strraße „Unter den Lin—
»en“? wird nun vergebens auf die Wiederaufnahme der
äglichen Spaziergänge des alten Herrn zu warten haben,
»er gleich seinem alten Ebenbild, dem ihm im Tode
orangegangenen Grafen Perponcher, den Vertreter des
incien regime schon durch das Aussehen, die Eleganz und
die Würde verriet. Dem jungen Offizier brachte ein
—

5

*

erdi narid von Sira ntæx
zusammentreffen mit dem berühmten Gesanglehrer Ma—
ucl Garcia dazu, die Epaulettes fahren zu lassen und
»en Beruf des Sängers zu erwählen, den er wegen ei—
zes Halsleidens allerdings bald mit dem des Schauspie—
ers vertauschen mußte. Eng befreundet mit Friedrich
aase fand er Gelegenheit, sich auf allen Gebieten des
»chauspels zu versuchen. Bald aber trat seine organija—
or sche Befähigung so in den Vordergrund, daß er mehr
und mehr mit der Regie beschäftigt wurde. Ueber Kö—
iasberg, Dresden und Leipzig kam er so nach Berlin,
zo der alte Kaiser Wilhelm ihm 1876 die Würde eines
direltors des Königlichen Opernhauses übertrug. Er hat
iesen Posten bis 1887 bekleidet. wo er in den Rube—
and ttat.

VDortmund, 28. OBEit. (Eitn netter Wetzger.)
Von dem hiesigen Kreischemiker wurde im Mai dss. Is
ein Posten Plockwurst beschlagnahmt, die der Metzger H
Wöhler in Brackwede an einen Kolonsalwarenhändler ver
auft hatte. Die Wurst war gänzlich verdorben und ge
undheitsschädlich. Das Schöffengericht in Unna verur—
eilte den Schlächter Wöhler, der zugab, die Beschafsen
jeit der Wurst gekannt zu haben, zu einer Geldstrafe von
50 Mark wegen Uebertretung des Gesetzes vom 14. Mai
879.
* Mainz, 28. Ott. (Angeschossener Posten.)
ver Polizeibericht meldet: Auf der Hochseimer Chausset
in der Gemarkung Kostheim wurden gestern Abend von
einem Fuhrwerk aus drei scharfe Schüsse nach einem Po—
ten von dem militärischen Pulvermagazin abgegeben,
worauf der Täter in der Richtung auf Mainz entfloh
Ermittlungen sind eingeleitet.

dergleichen Anwandlungen, aus der Tropenhitze nach
Jaris gefolgt, suchen mich zuweilen heim. „Ja,“ fuhr
er fort, ich will Ihre Zwecke fördern, aber unker einen
zedingung; der König muß ohne die Herkunft des Mäd
hens zu kennen, auf ihre Existenz aufmerksam gemach
ind der Wunsch in ihm erregt werden, sie zu sehen. Id
vill es übernehmen und bürge für Erfolg.“
„Sei es,“ entgegnete Choiseuil, „obwohl ich Ihrt
Plaͤne nicht kenne, will ich mich Ihnen fügen, hoffentlich
um Wohile Frankreichs, mit dem das Wohl des Reiches
»essen Herrscher Sie gesandt, so eng verbunden ist
Vie konnie ich ein Inkeresse erwarken,“ fuhr er fort
das meine kühnsten Hoffnungen auf Ihren Beisiani
ibersteigt?
Und wenn ich Sie verlasse, geschieht es, wer
ch jetzt weniger als je unker Ihrem Dache der Dubar
ry begegnen möchte, um jeden Verdacht eines Einver
kändmüsses zu vermeiden, in dem Kampfe, den wir vor
hereiten.“
Er verabschiedete sich und der Gouverneur hielt ihr
nicht zurück, die Pflicht des Hausherrn gebot ihm, die
Bräfin Dubarry zu begrüßen, sie nicht über Gebühl
ange in der Gesellschaft Tonys zu lassen, deren ge
ellschaftliche Stellung eine ziemlich zweideutige war
roh alles Bemühens ihres Beschützers, und die nu
ein Hof wie jener Kreis, den eine Dubarry beherrschte
als Mode des Augenblickes, mit Beweisen der Zu
aeigung überhäufen konnke.
Und als ob genau die Zeit berechnek, halle sich
'adum die Equipage des Herzogs von Coiseuil aus den
Ehrenhofe des Hotels entfernt, als die offene, vierspän
uge Karosse der Dubarry, mil dem gepuderken Kutschel
rmuf dem Bocke und von Gold strohenden Lakaien au
zchlage an den Perron rollie.
            
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