Serpachtung des gesamten Postbetriebs das Wort reden,
and man lann finden, daß es die Namen mit bestem
dlang in Handel und Industrie sind, die auf diesem Weg
zinweisen und dem Reiche hohe Pachterträgnisse verspre—
hen, ohne daß das Publikum stärker belastet würde. Be—
denken gegen einen solchen Radikalfschritt sind natürlich
ehr viele vorhanden, aber schon die Tatsache, daß füh—
tende Männer des Erwerbslebens die Verpachtung der
seichspost besprechen, beweist, daß sie der Beamtenbureau⸗
ratie eine großzügige Reform nicht zutrauen. Wenn die
Postverwaltung selbst sich jetzt einen Beirat aus Sachver⸗
tändigen aller Erwerbszweige beilegen will, kann man
dies als eine Konzession an jene Richtung ansehen. Der
Zrundfehler der gesamten Verwaltung ist, daß der Be—
imtencharakter zu sehr hervortritt und das Verkehrsinsti⸗
ut in zweiter Linie steht; denn die Post ist doch im Kerne
mir ein großes Speditionsunternehmen und hat mit der
Regterung und Verwaltung im engeren Sinne nichts zu
un. Vielleicht war es einer der größten Fehlert, daß
nan die Angestellten der Erwerbsbetriebe des Reiches
hne weiteres dem Reichsbeamtengesetz unterstellte. Die
Schablone des Beamtentums, die dieses haben muß, ver—⸗
dietet leicht die Initiauve und schließt die freie Selbst⸗
zetätigung, ohne welche große Wirtschaftsunternehmungen
nicht vorankommen, aus. Ob einmal der „Stephan“ kom⸗
men wird, der mit großem Wurfe der modernen Ent—
vicklung Rechnung trägt, ist schwer zu sagen.
Die zutage tretenden Ursachen der Defizitwirtschaft lie—
gen nicht in den zu geringen Postgebühren im allgemei—
nen; denn teilweise sind diese höher als in andern Län—
dern, die beträchtliche Ueberschüsse abwerfen. Freilich ar⸗
beiten einzelne Zweige mit recht kräftigen Unterbilanzen,
die allein durch das Briefporto herabgedrückt werden.
Telegramm- und Telephonverkehr zehren sehr stark an
den Portoeinnahmen, und zwar nicht so sehr wegen der
Höhe der Gebühren, sondern infolge der vielen Experi—
mente und Versuche, die auf diesem sich rasch entwickeln
den Gebiete gemacht werden. Wenn man einen neuen
Draht erproben will, bestellt man nicht sosort für meh—
rere Millionen Mark, um ihn dann als minderwertig auf
die Seite zu legen, wie es vor einiger Zeit geschehen ist.
Die Konkurrenz, welche die Postverwaltung der Privat—
mdustrie in der Errichtung von Fernsprechnebenanschlüssen
zereitet, grenzt an unlauteren Wettbewerb, dessen Kosten
zie Allgemeinheit der Steuerzahler zu bestreiten hat. Der
Berband der elektrotechnischen Installationsfirmen hat auf
einer letzten Mitgliederversammlung eine sehr geharnischte
Resolution hiergegen gefaßt. Wenn für die Postbehörde
»on Schanghai nach Kiautschou jährlich 328 000 M. be—
zahlt werden, wenn man durch Lieferungs- und Miietver—
räge die Postkasse über alle Maßen belastet — man teile
einmal die ungeheure Mietsumme für das Postgebäude in
Ziautschou mit —, dann muß der Fehlbetrag am Jah—
xessichluk vorhanden sein.
Das Rtesenheer der Beamten, das ZBuviel an mittle—
ꝛen und namentlich höheren Beamten ist das Bedenklichste
m der Postverwaltung. Die Personalverhältnisse sind
zollkommen zerfahren, da man in früheren Zeiten über
Alen Bedarf Anwärter angenommen hat; diese rufen nach
Stellen und leider sind solche weit über das sonstige Be—
dürfnis hinaus genehmigt worden. Eine ganze Masse
zon. Postdirektorenstellen könnte von mittleren Beamten
gut besorgt werden; aber selbst in Städten von 10 bis
15 000 Einwohnern setzt man einen höheren Postbeamten;
der Postdirektor aber bleibt nicht lange allein; er zieht
den Postinspektor nach; der Obersekretär kommt auch, und
wie lange dauert es, dann gar ein „Vizedirektor“. Mit
diesem System muß rücksichtslos gebrochen werden und
die Voraussetzung darüber ist, daß man keine Anwärter
auf die mittlere und höhere Laufbahn annimmt. Das
Reich erstickt sonst in diesem Riesenbeamtenkörper. Das
porhandene Personal sachgemäß und zweckentsprechend ver⸗
teilt, muß ausreichen, ohne den einzelnen zu sehr an—
ujpannen.
Der Reichsstag wird den neuen Postetat viel gründ—
licher zu prüfen haben als je seither; hier kann er mehr
für die Finanzen des Reiches herausholen als an einer
Reihe anderer Etats zusammengenommen. Im kommen,
den Winter ist auch genügend Zeit hierfür vorhanden, um
ourch großzügige Reform den Fehlbetrag zu beseitigen.
Die Vorschläge hierzu muß in erster Linie die Reichs⸗
postverwaltung liefern; sie hat ja auch eine „Sparsam⸗
keitskommission“ eingesetzt, auf deren Vorschläge man sehr
gerne hören wird. Das Ziel muß sein, ohne wesentliche
Lenderung der Gebühren die Reichspost mit einem reinen
deberschuß von 160-200 Millionen M. dastehen zu sehen.
Arbeiterbewegung.
— Der Mansfelder Bergarbeiterjtreik in Hallue
hat eine weitere Steigerung ersahren und umfaßt jerzt
3620 Mann. Truppenkommandos geleiten die Arbeits⸗
villigen zu den Arbeitsstätten. Die Ruhe ist nirgends
gestört. Regierungspräsident und Berghauptmann weilen
im Streikrevier. Bei der Zuckerraffinerie Tangermünde
ruͤht der Betrieb völlig, da 1500 Mann streiken
Das Diadem des Verderbens.
A
enffernt halle, beirat jetzt mit raschem Schritt aus's
Neue den inneren Raum der Kapelle.
Man ist uns auf der Spur,“ sagle er, zur Eile
drngend. „Was geschehen soll, geschehe ohne längere
Verzoͤgerung. Durch den Wald schimmert Fackellicht —
gleich wird die Marquise von Pompadour hier sein.“
Des jungen Mädchens eiskalte Hand erfaßte die
Kechte der Frau de la Haye.
Mit befehlendem Wink bedeulele diese ihrem Sohne,
m ihre andere Seite zu treken.
Mehr geführt, als schreitend, gelangle Alexandrine
um Altar.
Golit will es!““)
Wie ihres Falums Stimme hakke es aus dem Munde
her hageren Frau gelkönk, die in diesem Augenblicke im
Streiflicht der flackernden Altarkerzen nonnenhafter als
e erschien.
Wie eine Starrheit umfing es ihre Sinne. Sie achlete
vicht auf dem kurzen Workauskausch zwischen Frau de
ja Haye und dem gefügigen Priester, sie sah nicht die
pier jungen, herzukretenden und sich klief vor ihr vernei-⸗
genden Kavaliere, sie fühlle es nicht, daß nun ihre er⸗
starrten Finger Ernst de la Hayes bebende Rechte um⸗
schloß; sse hörke nicht, daß nach einer hastigen Gebelfor⸗
nel, eine Frage aus dem Munde des Geistlichen, an sie
gerichtet, ertönte, worauf der ihr zur Seite Stehende mit
auter Stimme ein Ja“ erwiderke.
Wie aus der Ferne schien ihr des Priesters weikere
Frage zu kommen;
Alcxandrine d'Etoiles, wählst Du zum Gaklen die—
sen Mann, Ernst de la Haye, und gelobst Du, sein
treues Weib zu jein in Ewigkeit?“
— *
Sprachecke.
Vom Rindvieh. Bezeichnungen wie Rindvieh, Heu—
ichse, Hornvieh, Hornochse, mit denen sich solche wie
Zchaf, Schafskopf, Roß, Kamel, Rhinozeros vergleichen
assen, setzen den Menschen in seiner Würde so tief her—
ib, daß sie der Gebildete meidet und nur ab und zu ein
nal im Zustande hoher Erregung gebraucht. Dieselbe
Tiergattung liefert unserer Sprache aber noch viele an—
ere Ausdrücke und Wendungen. Mancher erscheint in
ungen Jahren noch als ein rechtes Kalb Moses, oder
ioch recht kalbrig; es steckt noch viel Kalbfleisch in ihm.
ẽr will auch oft alles besser wissen als ältere erfahyrene
zeute, so daß man von thm sagt: Das Kalb will klüger
ein als die Kuh, wie sonst wohl noch häufiger: Das
x*ͤi will klüger sein als die Henne. Er muß sich eben
ioch wie ein junger Stier die Hörner abstoßen oder ab—
aufen. Jedem aber kann es im Leben einmal begegnen,
aß ihm, wie man bezeichnend sagt, der Verstand stili⸗
teht und er ein dementsprechendes, nicht eben besonderes
zeistvolles Gesicht aufsetzt; man sagt dann von ihm, er
tehe da wie die Kuh vor dem neuen Tor; sind ihrer
iber meyrere, so stehen sie wie die Ochsen am Berge
luch die reine Geistesarbeit ist keineswegs immer so, daß
ie erhellend wirtt und den Menschen frei und froh macht.
Nancher übereifrige Geistesarbeiter ochst oder büffelt mit
inter so viel zusammen, daß ihm zuletzt förmlich ein
Rühlrad im Kopfe herumgeht. Namentlich ist die Zeit
or einer Prüfung für viele dazu angetan, sich allerlei
inzuochsen, was sie hinterher als lästigen Ballast mög—
ichst bald wieder loszuwerden fuchen. Doch der Mensch
nuß eben sein Joch auf sich nehmen — ein von dem Zug—
schsen hergenommenes Bild, während man bei einem
Uenschen, der ein Brett vor den Kopf hat, eher an das
zcheubrett eines Stieres zu denken hat. Der Mensch seußz
vohl einmal unter seinem Joche, aber er lann es nicht
mmer abschütteln und muß es dann geduldig weiter tra—
jen. Man spricht auch von dem Ehejoch; doch ist dies
a im allgemeinen recht sanfter und angenehmer Natur,
o daß man sich ganz wohl dabei fühlt; es müßte denn
ie Frau ein Hausdrache oder eine sogenannte böse Sie—
en sein, die den Pantoffel schwingt und die Hosen an
at, so daß sie ihrem Mann die Hölle heiß macht.
Vermischtes.
Der Kaiser als Pate. Die halbamtliche „Berliner
dorrespondenz“ schreibt: In einem Runderlaß des Mini—
ters des Innern an die Regierungspräsidenten wird dar⸗
uf aufmertksam gemacht, daß die Zahlung eines Gnaden—
eschenks bei der Geburt von acht Knaben für Rechnung
es Allerhöchsten Dispositionsfonds bei der Generalstabs—
isse nicht erfolgen darf, da die Ermächtigung zur Zahl⸗
ug eines solchen sich mnur auf Faͤlle der Uebernahme ei—
er landesherrlichen Vatenstelie bei sieben Knaben eritreckt.
zetine Majestät pflegt aber vet achten eine personuiche Pa⸗
enstelle zu übernehmen, auch wenn bei dem vorherge⸗
angenen siebenten Knaben schon die Uebernahme einer
indesherrlichen Patenstelle durch den Regierungspräsiden⸗
en ausgesprochen worden ist. Die Schatullverwaltung
ttim Falie der Bedürftigkelt zur Zahlung eines Paten⸗
eschenks von 60 Mark ermächtigt.
Ein Gnadengesuch für Renard, jenen Hausmeiler,
der bekanntlich mit dem Kammerdtener Courtois zu⸗
ammen wegen der Ermordung des Bamliers Remy zu
ebenslänglicher Zwangsarbeit zuerst von dem Parifer
ind dann nach Kassierung dieses Spruches von dem Ver⸗
ailler Schwurgerichte verurteilt worden war, ist von 6
Mitgliedern der Jury in Versailles an den Präsidenten
er Republik gerichtet worden. Sie haben fich damit dem
zerteidiger Renards, Lagasse, angeschlossen, indem sie er—⸗
lären, daß die Verhandlungen die Zweifel an der Schuld
es Verurteilten nicht zerstreut hätten. Weil somit sein
Schicksal noch nicht als endgiltig besiegelt angesehen wer⸗
en kann, wird Renard bis auf weiteres in dem Ge—
ängnisse von Versailles behalten und nicht nach der In—
el Ree überführt.
Der erste weibliche Bäckermeister, Fräulein Al⸗
ertine Edle in Schuttenwald (Baden), hat die Meister—
rüfung mit Auszeichnung bestanden. Frl. Edle ist In—
sjaberin einer Bäckerei und Konditorei, der sie felbständig
orsteht, und in der sie nun auch Lehrlinge und Gesellen
ius bilden kann. Die vereinzelten Fälle, in denen Frauen
unmehr in den verschiedensten Handwerlen ihre volle
Lusbtsdung erlangen, sind nur ein Beweis dafür, wie
totwendig es ist, die handwerksmäßige Ausbildung der
Frauen im allgemeinen systematisch zu regeln, und ihnen
o ein weites Feld der praktischen Betätigung zu erschlie—
zen. In Berlin hat sich ein Verband für die handwerks—
näßige Ausbildung der Frauen zusammengeschlossen, um
Aiese wichtige Angelegenheit des weiblichen Geschlechts in
die Wege zu leiten.
Einliebenswürdiger Gatte. Sie: Ach,
s ist nur zu wahr; das Häßliche gesellt sich zu dem
zchönen!“ — Er: „Alte, schmeichle mir nicht auf Deine
ilten Tagel“
Draußen wurde es lauk. Ein wirres Geräusch vdn
stimmen klang durch einander, Fackelglanz' fiel aus dem
rächtlichen Dunkel in das Innere des zerfallenen klei⸗
ien Golttes hauses.
„Gelobst Du, sein kireues Weib zu sein in Ewigkeit 7*
viederholte der Priester.
Gefolgt von einem älleren, in einem dunklen Man⸗
el gehüllien Herrn, der mit ihr der Sänfte enlstiegen,
eren von hästigem Lauf erschöpfle Träger vor dem
ßotteshause rastelken — erschien eine Dame auf der
zchwelle des Kapelleneinganges.
Ein dunkelrokter Sammetmantel umwallle die mitkel⸗
roße Geslaltl. Das mit Hermelin besetzte Kapuchon
dar abgestreift und heß das bleiche, wunderbar fesselnde
Antlitz mit den dunkeln, flammenden Augen erkennen.
AIn Ewigkeit —“ hallle noch die Stimme des Priesters
nach.
JIn.“ flüsterle Frau de la Haye fast laut dem
einahe ihrer Sinne beraubken, jungen Mädchen ins
Ihr unnd „Jat entrang es sich wie ein Aufschrei der
renzenlosesten Verzweiflung den Lippen Alexandrinens.
dumpf hallte der gellende Ruf an der grauen zerbrö—
kellen Wölbung der geheiligten Skätle wieder.
„Halt ein! Im Namen des —“
Die stürmisch vor wärtseilende Dame hielt die feine,
rillantfunkel nde Hand ihres Begleiters zurück, der sich
aum die Mühe gab, das sarkastische Lächeln, das seine
Mmundwinkel umspielte, zu unlerdrücken.
„Zu spät, kteuerste Marquise,“ sagte er, „und dem
zu spät“ gegenüber bricht sich selbst eines Königs
NMacht — nach unserer Verabredung!“““
Ein zornsprühender Blick aus den Augen der Pom—
padour ankworkete ihm. Dann sich dem Altar nähernd,
rief sie mit lauter Stimme:
„Die Ehe dieses Mädchens mit Charles von' Me—⸗
eres, einem Ehrlosen, der alle Künste der Bekörung
Zur Jarenreise.
Kaiser Nikolaus von Rußland ist wirklich nicht zu
eneiden, denn es ist sicherlich nicht angenehm, bei edem
zchriit und Tritt von einem so ungeheuren Bewachungsienst
umgeben zu sein, wie dies bei jeder seiner Rei—
en geschieht. In Belfort, der an der elsässischen Grenze
jelegenen französischen Grenzstatiton, ist nicht nur allern
Leuten das Betreten des Bahnhoss streng untersagt wor—⸗
»en, sondern es bildeten längst der Eisenoahnlinie Solda—
en Spalier, während bekannte Anarchisten und Ausländer
yvon Pariser Kriminalbeamten streng bewacht wurden. Der
1djutant des Präsidenten Fallieres ist am Freitag früh
»on Paris nach Belfort abgereift, um den Zaren beim
ßassieren der französischen Grenze im Auftrage des Prä—
identen zu begrüßen. Halbamtlich wird aus Paris ge—
meldet, Herr Pichon werde den Zaren nicht auf der Hin
reise nach Racconigi, wohl aber auf der Rückreise be—
zrüßen, wenn er durch das südöstliche Frankreich fahre.
der Sinn dieser veränderten Veraäanstaltung liegt auf
der Hand. Nach seiner Begegnung mit dem König von
Italien wird der Zar von den Ergebnissen, Eindrücken
und Stimmungen erzählen können, während er vor der
Begegnung Monsieur Pichon außer einigen nichtssagenden
Liebenswürdigkeiten nichts mitzuteilen hätte Zu dem
Zarenbesuch schreibt der „Messaggero“: Die Zarenvisite von
dacconigi habe eine Bedeutung allerersten Ranges und
ibertrefse dadurch alle früheren Begegnungen, denn es
jänge lediglich von Italien ab, neue Abmachungen zu
refsfen, die seine Interessen ebenso wie die russischen an—
gehen. Wäre diese Monarchenbegegnung nicht so spät ge—
ommen, so hätte sie den Raub Bosniens und der Herze⸗
jowina, sowie die vertrauten Beziehungen Oesterreichs zu
ßulgarien hindern können. Aber es sei zu hoffen, daß
ziese Begegnung in Zukunft die Verwirllichung der öster—
ceichischen Pläne unmöglich mache. Jetzt komme der rus—
ische Monarch nach Italien, um die schon längst stlizzier
en Abmachunzen (22) zu besiegeln. Das Blatt hofft,
zaß keine Rücksicht auf die Verbündeten Italiens die Gel—
endmachung der eigenen Interessen hindern möge. Diest
Vorte klingen zwar für Oesterreich nicht sehr freundlich,
och muß man bedenken, daß nur einzelne Blätter diese
Zprache führen und der „Messaggero“* ein Blatt der Op⸗
osttion ist, dessen politische Bedeutung nicht allzu hoch
eranschlagt wird.
Racconigi, 23. Okt. Wunderbares frisches
zerbstwetter begünstigt den Besuch des Zaren. Man
rxwartet hier von den Ereignissen bedeutende Ergebnisse
nbezug auf die Annäherung Italiens an Rußland, fso
iamentlich eine Verständigung über die Balkanfragen und
zie Belebung wirtschaftlicher Beziehungen. Der italieni—
che Hof hat alles ausgeboten, um dem Besuch einen in—
imen Charakter zu geben; deshalb wurde Racconigi, das
Privatschloß des Königs, gewählt und die großen Mühen,
die Verantwortung und die Kosten für den Sicherheits—
ienst, welche beim Zusammentrefsen auf dem Meere weg⸗
jefallen wären, wurden nicht gescheut. Hervorzuseben ift
erner, daß der Besuch auf den Jahrestag der Hochzeit
»es Königspaares fällt, und daß die Königin persönlich
ille Vorbereitungen überwacht. Zur Verzweiflung der
polizei treibt sich der sozialistische Abgeordnete Morgari,
belcher seiner Zeit das Pfeifkonzert gegen den Zaren
orschlug, in Racconigi herum; wegen seiner parlamen⸗
arischen Vorrechte kann man ihn nicht ausweisen, doch
oird er schärfstens überwacht. Morgari erklärte, daß er
eine Kundgebung beabsichtige, sondern nur mit den Par—
eigenossen von Racconigi privatim an dem denlkwürdi⸗
en Tage zusammen sein wolle.
Zum Tode Geheimrats Mießners.
Der langjährige Schatullenverwalter des Kaisers, Ge—
heimer Ober-Regierungsßrat Albert Mießner ge—
jörte seit 1867 dem Geheimen Zivikabinett an und schied
erst beim Regierungsantrit. des jetzigen Katsers aus dem
8
eq hex bert Mlegane
Ztaatsdienst, um in der unmittelbaren Nachbarschaft des
daisers weiter zu arbeiten. Vor vier Jahren lonnte er
ein 50jähriges Dienstsubtläum begehen.
und Verführung aufbok, um dieses schuldlose Mäadchen
zu gewinnen, ist nichtigt Wehe denen, die ihre Hand zu
bies em frevelhaften Spiel boten!
Wie schoͤtzend, in hochaufgerichteler Halkung. stand
Fra u de la Haye vor der halbbewußtlosen Alexandrine.
Nun beugte sie langsam ihr Haupt und erwiderte, denit
bernichtenden Blicken der Favoritin Trotz bietend, mit
fester Stimme:
Isie irren, Frau Marquise! Nicht Betörung, nicht
Intfuhrung kreiben ein frebelhafles Spiel an dieser
Ziäite. Die reinste Liebe vermählt durch das un—
auflösliche Sakrament der Ehe dieses junge Maädchens
mit einem Jüngüng, dessen Ruf so makellos, wie sein
Nane — mit meinem zweiten Sohne dem Sohne meines
zerzens, Ernst, Cyevalier de la Haye. Die wahre
zjertunft Alex andrinens kannten wir erst seit kurzen
zeit. Zeugen dieser heiligen Handlung, die soeben hier
jollzogen wurde und die mich zur glücklichsten der Müteter
nacht, und, außer dem ehrenwerken Herrn von Puisome,
die Repräsenkanten der besten Namen des Adels
mserer Monarchie, gekannt von Ihnen, Frau Mar—
juise, und die erhabene Freundin unseres Königs
ennend und verehrend.“
Fast verwirrt blickte die Marquise um sich.
in ich wahnsinnig?“ rief sie, „oder habe ich mil
Irrsinnigen zu schaffen? Ernst de la Haye wäre der
Zatte meiner — dieses jungen Mädchens und Charles
oon Mezieres ?*
„vVerileumdung des Neides und des Hasses, Frau
Marquise,“ unkerbrach Frau de la Haye ihre Worte
and flüsternd fuhr sie fort? „Danken Sie es meiner
Alugheit und meiner Verehrung für Sie und den Mo—
aarchen, wenn ich es verstand, einen Eklak zu verhü—
sen, der fast unvermeidlich gewesen wäre, hätlke ich nicht
das Außerste verhindert.