Full text : Dudweiler Zeitung (22.1909)

it · 24 23. Jahrg 29 8 — Donnerstag 21. Okt. os
7 8B6 —JV * —WBBB— —BR6GGi—— —J 53 JFä Anzeügen
Ar e J —8—8— —4— 60J 0 JI0—
—6 AE 831286 nosten 10 4 pro 6spaltig
—RD— — e epe
— und Feileriage. —x XT — A * X aus wãrtige 154 9—
Abonnementspreis Awilces Vihltuahonsorgan c
atlich 70 frei isfuur die Bürgermeisterei Dudweiler.
Haus gebracht,
»et der Post bestelt 2,25
vierteljaͤhrl.

Mit zwei Beilagen: Reklamen
sonntagsblatt und Humoristische Blätter. 25 —R
— ·Abonnement
höchfter Rabatt.

—

Fernsprech⸗Anschluß Saarbrücken Nr. 69, 259 269 u. 1261.
—— —

—

Nedaktion. Druck und Verlag von J. Unterkeller, Dudweiler.

Volksrichter..
Keine Klassenjustizz.. —
O Kein Vorwurf belastet die Rechtspflege so sehr, als
»er, daß sie zu einer Klassenjustiz werde, daß sie nicht
ile, welche als Delinquenten vor ihr Tribunal geladen
verden, mit gleichem Maße behandelt. Und es ist lei—
»er nicht zu leugnen, daß unsere Strafgerichte manchmal
Arteile fällen, bei denen man diese Forderung der Ge—
echtigteit schwer verletzt sieht. Miliärgerichte und Zivl⸗
jerichte sind beide in diesem Punkte schuldig. Wer koaͤnnte
estreiten, daß die Behandlung, welche militärische Vor—
lesetzte bei Ausschreitungen finden, vielfach nicht demsjel⸗
en Maße von Gerechagkeit entspricht, wie es gegenüber
Lusschreitungen von Untergebenen an—
jewandt wird. Und das Urteil in dem vor einigen Ta—
zen in Bonn gegen einge Mitglieder des Korps
Borussia verhandelten Prozesse ist gleichfalls ein fol—
ches, bei dem der gesunde Menschenverstand nicht die
iberragende Tugend der Richter anerkennen kann.
In der Zivilstrafrechtspflege ist auch durchaus nicht
illes vollkommen. Besonders in Roheiis- und Beleidigingssachen
 vermißt man recht oft die von der Gerechtig⸗
eit geforderte Gleichheit der Behandlung ohne Ansehen
der Perfon. Jst es richtig, einen Rowdh in feinen Klei—
yern glimp licher zu behandeln, als einen Rohling im
Arbeitstistel? Wir haben manche Urteile gelesen, welche
Aiese Ungerechtigkeit enthielten. Ebenso fehlt in Beleidig⸗
ingsprozessen geradezu jede Stetigkeit und gleichmäßige
Braris in der vernünftigen Anvassung der Strafe an den
zel ktischen Tatbestand.
dan braucht nicht anzunehmen, daß bei solcher ob—
einv ungerecht zu beurteilenden Rechtssprechung auch
ub, ettiv auf Seiten der erkennenden Richter Angerechtig—
eit vorlege, aber man wird angesichts der achl-Unsehi—
arkeit unserer gegenwärtigen Gerichte zu der Erwägung
erechtigt, ob nicht Wege maglich seien, um in der Stras—
rechtspflege die objeltive Gerechtigkeit noch mehr zur Gelt—
ing zu bringen. Welche Gerichtsarten in unserem Ge—
ichtsversassunassystem ziehen am wenigsten und welche
im mesten sich enen Vorwurf zu? Am wenigsten die
Schwurgerichte. Es ist kein Zweifel, daß sie das Vertrauen
des Volles in höherem Maße, als die übrigen Gerichte
jenießen. Dagegen werden viele Klagen laut über die
einen Berufsrichterkollegien, und die Schöffengerichte kön—
ien leider vielfach nur als ein etwas dekoriertes Berufs—
jericht angesehen werden.
damit ergibt sich der Weg, auf welchem Abhilfe ge—
chaffen werden kann. Dem Berufsrichter ist der Volls—
lichtr zur Seite zu stellen. Beide vereint, geben eine
ichere Gewaähr für eine gerechtere Rechtsprechung als jeder
don ihnen allein. Die kommende Strafsprozeßreform wird
n der organ schen Verbindung des Beruss- und ves Volks—
ichtertums ihre allerwichtigste und bedeutsamste Aufgabe
inden. Der bisher bekannt gewordene Entwurf löst diese
üufgabe atlerdings nur ungenügend. Wenn wir die Be—
eiligung des Vvaienelements an der Rechtspflege gefor—
ert habven, haben wir meist seitens des Berufsrichtertums
Viderspruch ge unden.
Um jso mehr freuen wir uns, heute das Wort eines
ingesehenen Rechtslehrers für uns anführen zu können.
zm „Tag“ erörtert Professor Dr. Hellwig-Berlin das
hema: Berufsrichter oder Laienrichter? Und gibt seine
Reinung dahin lund, daß die Mitwirkung von Laien
ne politische Notwendigkeit und, richtig organisiert, der
dechtssprechung nützlich sei. „Richtig organisiert“ — es
mkein Zweifel, daß die gegenwärtige Mitwirkung der
Alsrichter nicht seyr zweckmäßig organisiert ist. Proses-—
or Hellwig macht bezüglich der Organisation des Volks—
ichtertums eine Anzahl Vorschläge, die uns sehr beach—
enswert erscheinen. Sein Grundgedanke ist der, daß in
»er Justiz, ebenso wie in der Verwaltungspflege nur sol⸗
)2 Vaien mitwirken dürsen, die das Vertrauen des Vol—
es haben, weil sie von ihm gewählt sind: wirklich er—
ahrene, ehrenwerte Wänner, die so mitwirlen, daß sie
ie Erfahrungen, die ihnen anfangs notwendig fseslen,
urch längere Ausübung des Amtes zu erlangen verms—
en, die also für eine gewisse Zeit ständig sind. Wir ha—
en die Hoffnung, daß wir die Anregungen Pref. Hell—
Ras demnächst im Reichsstage wiederfinden werden

24 3 z4. x*s Aus Sofia wird gemeldet, daß König erd i⸗
Volitische Rundschan. dinand ertrankter'ser und man seinen ediee für
J Deutsches Reich. — beden!lich halte. Eine Bestätigung dieser Meldung liegl
* Der Katholikentag 1810 findet in AUgsburge bis letzt nicht vor.
tatt. Im Auftrag des vorbereitenden Komitees erläßt
*8 ernnen Auftuf an die Katholiken von Kolouiales.
lugsburg zur Konstituierung des volaltomitces. Die südwestafrikanischen Diamantfunde. uehn
* Aus Kreisen der konservativen Parteileitnug wird ie Diamantzjunde in Deutseh-Südwestafrika sprach si
»en „Dresdener Nachr aten“ prophezeit, daß bei den säch. 2bervurgermeister Dr. Kiül zzBückeburg, der sich 14
iphen Landtagswahl'en wahrscheinlich in 60 Jadre dort aufgehalten hat, in einem Vorirag aus, den
dbn den 91 Wahltreisen die Eutscheidunig erss in der 7,am Montag in der Kolner Abteilung der Deutschen
A
ZSozüaldemotkraten sicher 80 Niandate erobern n britisch-afrikanihen Diamanten die deutschen den Vor—
derden, wenn die Ordnungsparteien nicht zusammensienen us der groͤßeren He ligkeit und der guten Ottaederform
* Die mit Unterstützung des Reichs neu eingerichtete — Ir Inb noch gn Ahheren, Stuae gesunden
ßeschäftsstethe des Berbandes deutscher worden eerrat ehe ta en ¶ erent
Arbeitsnachweise ist nunmehr eröffnet worden. Sie be— ren d nn n e e een
indet sich in dem Dienstgebäude der Landesversicherungs d 7 V g —— in Pretorian v
nstalt Berlin am Kölsneschen Part 8, deren Vorsihenden l My de e d sr g
dr. Freund auch Vorsißender des Verbandes ist. Zum 8 en eriete Vnn ei n p 5— ritischen
Beschattssühtrer ist der bishertge Geschästsfuhrer des RMit— nn ere hut eadpeen — eng —
eldeutschen Arbeitsnachweisverbandes Dr. Becher bestell! * Farat bezahli ne dede vrit schen ur Maͤrt 35
vorden. RNät der Geschäitsstelie verbunden ist die Redak— ablt, Mrone J art —
tion des „Arbeitsmartt“, des Verbands Organs. Qurchschnittswert zaben. Das Bedentliche bei, den deut⸗
Sester reich⸗ Ungaen. — ist nur die Vherhein ob — sein
* Beim Eintritt der Minister zu Beginn der ersten Sitz Inr J aeie enm h —— cE eegeene
ing des Reichsrates am Mittwoch erheben die Tissch e⸗ d uno ay d s. öglich ij⸗
hisch-Radikalen sofort Lärm und schreien unun— er e wen, Im e se wannerwene
terbrochen: „Abzug Bienerth! Pfui! Standal!“ Die Ver— — Vn r eerett unr
esung des Einberusungspatentes durch Bienerth blieb in Landes ien neint Dr aͤnm,, ez. das Dio
»em Spettakel unverständlich, desgleichen die Ansprache des ortb ger Niche bret Mm ri ijjt
Alterspräsiden Funke sse J ent rigen. an ewont im
praͤsidenten Funke, dessen Hoch auf den Katser vor nächsten Jahr einen Zollertrag aus den Diamanten
zen übrigen Parteien mit demonstrativem Beifall aufge⸗ 86 deg drei bis vier Ruͤllichnen Maͤrk *
tiommen wurde. Unter noch größerem Lärm protestien
»er Deutschradikale Wolf gegen den tschechischen Terro— *
Aismus, worauf Funke die Se rmu 48 Stum
en unterbricht. Die Sirung dauerte 10 Min
Englaud.
*Die Intervention des Königs im Bud—
set-Streit wird von den Radikalen aller Schattierungen
nit scheelen Augen angesehen, da sie befürchten, der Kö—
ig werde seinen Einfluß im Sinne der Lords geltend
nachen. Ein Echo fand diese Befürchtunz neuerdings in
iner Rede, die der bekannte Arbeiterführer Keir Har—
Rie in Cambridge hielt.

Dreibund und Extratouren.
Von einer Serte, die mit dem Wiener Auswärtigen
Amt in engster Fühlung steht, wird folgendes gemeldet:
J, Wien, 20. Olt. Der Zarenbesuch in Jialien,
der bereits seit 1902 in Aussicht gestellt war, wird in
offiziellen Wiener Kreisen als ein Hötlichteitsatt aufge—
faßt, der leinen Anlaß zu Mißtrauen bietet. Zwischen
Italien und Rußland hat sich anläßlich der Kretafrage
ind bei anderen Gelegenheiten ein gutes Verhältnis her—
ausgebildet. Da aber Italien während der letzten Ver—
vickeluingen bewiesen hat, daß es im eigenem Interesse
am Dreidunde festhält, so findet sein gutes Einvernehmen
nit Ruhland, das in der Zusammentunst zu Racconigi
um Ausdruck kommt, in Wien dasselbe Verständnis, wie
n Berlin und Rom das gute Verhältnis Oesterreich-Un—
zarns zu Frankreich. Die Rückreise des Zaren wird nicht
iber Oesterreich erfolgen.
Die „anderen Gelegenheiten“, be denen sich das „gute
VBerhältnis“ herausgebeldet hat, ist natürlich die bosnische
Frage, die Stellung zu Montenegro und Serbien. Ueber
den „Beweis“ seines Festhaliens am Dreibund während
er letzten Verwickzungen, bei denen sich ja gerade das
jute Verhältnis zu Rußland herausgebildet hat, kann
nan verschiedener Meinung sein. Man sprach damals sehr
»estimmt von einem recht weitgehenden Militärbündnis
wischen Rußland und Italien. Auffallend und befrem—
»end ist abermals das Bestreben der österreichischen
SZtaatsmänner, das viel intimere Verhältnis, das sich
vährend der brumnisch-herzegowinischen Fragen, zwischen
deutschland und der Donaumonarchie herausgebildet hat,
vieder auf das mehr als fragwürdize Dreibundverhaält⸗
iis zu beschränken. Daß allerdings in Rom das „gute
zerhältnis Oesterreich Ungarns zu Fraulreich“ volles Ver—
—VVVD
——— —
Schuld uud S
Unter dieser Rubrik schreibt die leiter 2id.“
iber den Selbstmord des Hauptmanns Hildedren
el: Seit der Zeit, da Hildebrand seinen Kamereen
Blaskowitz am Tage vor dessen Hochzeit im Duel er—
chossen hatte, hatte er kaum noch eine ruhige Stunde,
das Andenken an den von ihm erschossenen ehemaligen
zreund verfolgte ihn mit einer Beharrlichkeit, die sehr
chwero Störungen im Gemütszustande des Offiziers im
Hefolge hatte. Namentlich in den stillen Stunden der

Kreta.
*Auf Kreta ist eine bewaffnete Bewegung aus—
ebrochen, um die provisorische Regierung zur Einberuf—
ing der Nationalversammlung zu zwingen, die über die
deugestaltung der kretischen Autönomi: und die Einjetz—
ing einer neuen Regierung beraten soll. An der Spitze
»er Vewegung stehen der frühere Minister Kunduros und
der Abgeordnete Dastalojannis. Die Ausständischen ha—
en sich in Kissamo versammelt.

Varofko.
*Anläßlich der Erössnsung des Generalrates in Al—
nerr hielt der Vorsißende desselben, Geronte, eme
Ansprache, die sich mit der marocranischen Frage be—
chãft gte. Der dicedner teilte bezüglich der spanischen
Dperationen die Befürchtungen des Generals
RAmade und führte u. a. aus: Wir alle kennen die Ur—
achen der Niederlagen, zu denen die spanische Kolonial—
»olttit in Südamerika, Kuba und auf den Philippinen
zeführt hat, sertescher Proselytismus und re igiöse Unter—
rückung, aus denen blutige Revolutionen hervorgegangen
ind. Die spanische Nation hat sehr gelitten. Sie erhebi
ech, sie hat Recht, aber die spanische Regierung verharrt
uuf ihrer Politikt. Spanien wiil heute versuchen, sich als
dachbar Algeriens in Marokko ansässig zu machen. Wir
ufsen in dringender Weise die Aufmerlsamleit der fran—
osischen Rtegierung an und ersuchen sie, unverzüglich zu
andeln. Es müssen Ereignisse verhindert werden. aus
enen Komplitationen erwachsen und die den Frieden
nsitlich acfihrden

— — — —
* * — * 15 . *
Hof uund Mesellschaft.
** Die Vermählung des Großherzogs Wilhelm
Sreunt von Zachsen-Weimäar-Eisenach ist auf den 4. Ja⸗
auar festgeseßt worden.

αα

Z234NM V 9 gehe
dae Diacem des Verderbens.
Original-KRoman von H. Hirschfeld.
8 Seine Liebe zu Ihnen ist ihr kein Geheimnis, so
venig, als jener in Partis, die rücksichlslos Frau bei Seite
diebk, gleichviel durch welche Mitkel, was sich ihrem
Dillen, ihren Plänen, zu widersetzen wagk. Haben Sie
nicht auch schon von jenen letires de chachet vernommen,
dje den, auf welchen sie aus gestelltsind, ohne Verhör,
dhne Urkeil in die Bastille verbannen oder auf das
zächste Fahrzeug, das einen Sträflingsktransport nach
kayenne überführt? Und mit jenen verderblichen Blät—
ern schlendert die königliche Favoriiin um sich, wie
in Kind mit Karken spielt.“
»O, nicht mehr dieser furchibaren Bilder,“ rief das
unge Mädchen. „Allmächtiger Gott, was kat ich, daß
all dieses Leid sich auf mein armes Haupt ergießen
muß — oder,“— fuhr sie schaudernd fork, „sollte jener
surchtbare Spruch der Schrift, daß Elkernsünde der
inder Fluck. — — Ich ertrage es nicht länger. Ich
nuß Gewißheit haben, von wem immer es sei,“ unkerbrach
sie sich plötzlich leidenschaftlich, die schlanke Gestalt mit
dem Ausdruck der Enkschlossenheit hoch aufrichtend.
„Wo kann ich Frau de la Haye sehen und wann,
ohne Madame Duponts Argwohn zu erregen? Wenn es
mir auch innerlich schwer fällt, sie, die leure Pflegerin
neiner Jugend, zu käuschen, so muß es dennoch sein.
Ich muß Alles wissen!“
nichts ist leichler für mich, als eine Zusammenkunft
ihen Ihnen und der würdigen Dame zu bewerkstelgen,“
 beeilte sich der Kavalier zu erwidern. „Sie untetlehmen
 gegen Sonnenuntergang einen Spaziergang mit
hrer Pflegerin nach der Kapelle im Walde, Frau de la
haye wird in dem kleinen einsamen Gotkeshause an—
veiend sein, um ihre Andacht zu verrichten. Es ist

heuke der Gedenktag des Todes eines ihrer Angehörigen.
Auch Sie, Mademoiselle, werden das Bedürfnis fühlen,
zor jener Friedensstätte Ihr Herz zu entlasten. Bleibi
Nadame Dupont an ihrer Seite, so suchen sie sich in
iauffälliger Weise der Frau de la Haye zu nähern
ind empfangen aus ihrer Hand die Bestimmung eines
inderen Ortes.
Gelingt es Ihnen aber, Ihre Begleiterin zurückzu—
alken, so ist keine Stätte passender, Ihnen die Wahr—
)eit auf Ihre Frage zu offenbaren, als jene geheiligke
in der eine Lüge eine doppelte Sünde wäre.“
„Ich komme allein,“ rief Alexandrine entschlossen,
zie feuchte Luft der Kapelle ist Madame Dupont schäd—
ich; sie betritt sie niemals. Ich sehe mit Bangen der
nischeidenden Stunde entgegen. Nir ist es, als müßke
ie die surchtbarste meines Lebens sein.“
Puisdome ergriff ehrfurchtsvoll die Spitzen der Fin—
jer des jungen Mädchens und dräckte seine Lippen
arauf.
„Durch Nacht zum Licht,“ sagte er, „durch Kampf
um Glück! Vertrauen Sie Ihren Freunden!“

aum nokdürftig vom Scheine der auf schlichten Leuch—
kern an dem Altar brennenden Lichter durchhelll.
Fine kalte, feuchte Luft weht dem Einkrekenden entge—
gen. sobald er die Schwelle des kleinen Gokteshauses über⸗
chritt, das, wie die Sage erzählte, zur Sühne einer blu—
igen Tak erbaut und dessen Erhalkung den Gutseigenkü—
nern der Umgegend zur Pflicht gemacht war. Ein Geistli—
her, dessen Ruf nicht der beste und dessen einziges Ver—
ienst darin bestand, die Weihen empfangen zu haben,
sielt von Zeit zu Zeit eine Messe in der Waldkapelle
ib, die sonst meist verödet stand.
Und doch, krotz seiner Düsterheit, seiner Unfreund—
ichkeit war Alexandrinen die heilige Stätke lieb und
jertraut geworden. — Der schwermütige Ernst ihrer
zeele fand an diesem Ork die wahre Befriedigung der
Andacht — und um so keurer war er geworden, seil
ie an jener Stätte eines Tages Charles von Mezieres
ingetroffen und, vor ihm selbst verborgen, die Zeugin
eines inbrünstigen Gebetes gewesen war, das ihr den
dlen Kern seines innersten Wesens enthüllt hatke und
ie nicht zurückschrecken ließ, wenn ihr der Gefürchlete in
der Einsamkeit des Waldes begegnete.
In dunkelroter Gluht strahlten die bunken Scheiben
des Kirchenfensters. Sie warfen einen seltsamen Wie—
derschein auf jene dunkelgekleidete Frauengestalt, die
dor dem schmucklosen, hölzernen Betpult, in der mit
einer Marienstatue geschmückten Nische unter ihr kniete
und sich wie in ihrem Gebet verkieft, völlig regungslos
zerhielt, selbst als vom Eingange her leise Stimmen er⸗
önten und leichte Schrikte hörbar wurden.
Nur flüchtig, in kaum merklicher Reigung, wandke
ie das unker einem Huk mit schwarzem, dichkem Schleier
sast ganz verborgene Anklitz. Ein AÄusdruck der Befrie—
zigung erhellte die sharfee bnitkenen Züge der Knieenen


—2
In goldigem Sonnenlichte schimmerte das Gehölz,
velchem man kaum den Ramen einer Waldung verlei—
»en konnte. Durch die Kronen der mächtigen Bäume
ernieder, durch die kleinste Lichtung drängten sich die
ztrahlen des Tagesgestirns, als wollten sie noch einmal
n letzler Gluht scheidender Liebe die Welk in ihrer gan⸗
en Pracht umfangen.
An den Mauern des kleinen, alkersgrauen moosbe—
vachsenen Gebäudes, das fich in einer Lichtung,
aum eine halbe Stunde von dem Besitzlum der Madame
Hupont gelegen, erhob, brach sich ihre Macht. Ruf
chüchtern und verstohlen versuchten die Sonnenstrahlen
ich durch das einzige, schmale Bogenfenster der Wald—
apelle zu stehlen, in er ewige Dämmerung herrschte,
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.