Full text : Dudweiler Zeitung

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Selbst weunn die jeßz:ge Monarchenvegegnuung nicht
direkte, sich gegen Oesterreich-Ungarn richtende Verabred—
inzgen zeitigt, so wird sie doch augenscheinlich eine weitere
Entfremdung, wenigstens zwischen Italien und Oester—
eiy-Ungarn zur Folge haben. Italien rüstet sich bereits,
as beweist die beabsichtigte Verstärkung seiner Flotte unv
tord talienischen Grenzbewachung, zu einem Fehdegang
nit OesterreichUngarn und wird das Dreibundlager noch
cherer und schneller verlassen, wenn ihm Rußland die
zrfüllung seiner Wünsche hinsichtlich des adriatischen Mee—
es und Albaniens verheißt. Das ist das Ziel, dem es
ustrebt, und wobei es sich auf den energischen Wider—
tand Oesterreich Ungarns und Deutschlands gefaßt machen
nuß, zu dessen Erreichung ihm aber neben Rußland auch
ẽ5ngland und Frankreich die Hand bieten werden. So
sibt die ru'sisch italienische Monarchenentrevue zu man—
iiafachen Befürchtungen Anlaß. Die Nahrung, die die
tienische dreibundfeindliche Volksstimmung aus ihr zie—
jen kann, ist in einem parlamentarisch regierten Lande
vre Italien, nicht zu unterschätzen und kann in ihrer
zeindseligkeit nur zu leicht auch auf die offiziellen Be—
iehungen der Dreibundstaaten untereinander hinübergrei—
en. Und dies fürchtet man auch in Bertin und Wien.
doch kann Deutschland den Vermittler zwischen JItalien,
tußland und Oesterreich-Ungarn spielen. Und die Reise
es Prinzen Heinrich nach Vetersburg, sowie die An—
rittsvisite des deutschen Reichskanzlers in Rom, dürften
or allem den Zweck verfolgen, dort das Oel der Be—
änftigung auf die gespannten Beziehungen zu gießen und
ie Zarenreise nach Italien in ihren Folgen, wenn das
berhaupt möglich ist. einigermaßen abzufschwächen.

Kedaktion. Druck und Veclag von J. Unterkeller, Dudweiler.

4 * *
Des Zaren Italienfahrt.
Die Begegnung des Zaren mit dem König von Ita—
ten, die, wenn sich die Erregung der italienischen Arbei—
erschaft über die Hinrichtung Ferrers beruh sat hat, jetzt
endlich zustande kommen soll, hat eine laiee Vorge—
chichte, die der interessanten Momente micht entbehrt.
Plante doch Zar Nikolaus schon im Ottober 1903 einen
Besuch in Rom, um die Vifite König Viltor Emanuels 3.
im russischen Hofe vom Vorjahre zu erwidern. Dieser Be—
uch ist damais unterblieben, well der derzeitige russische
Botschafter in Rom, Nelidomw, die Keckheit hatte, von
»em Ministerprasidenten Zanardelli Garantieen für die
Zicherheit des Zaren vor Bedrohungen und Beschimpfun—
zen durch itasienische Sozialisten zu verlangen, eine An—
naßung, für die er soäterhin den Boischafterposten in
stom mit dem allerdings sehr angenehmen in Paris ver—
auschen mußte. In den nächsten Jahren schien eine Be—
egnung zwischen den beiden Monarchen deshalb ausge—
chlossen, weil sich Rußland immer mehr an das in Ita—
en wegen seiner Balkanpolitik beargwöhnte Oestereich
 Ungarn anschloß, eine Schwenkung, die schließ—
ich in dem Abkommen von Mürzsteg ihren Abschluß
and, sich aber augenblicklich in das Gegenteil verkehrte,
Is Oesterreich Ungarn im Herbst vorigen Jahres mit dem
zrosekt der Orientbahnen herausrückte und bald darauf
eine Hand auf Bosnien und die Herzegowina legte. Das
echt geschickt düpierte Rußland und das in seinen Bal—
aninteressen geschüdigte Italien reichten sich damals über
Desterreich Ungarn hinweg und unter der Aegide Frank—
eichs und Englands die Hand zur Versöhnung und schu—
en damit eine neue Basis für die Begegnung ihrer Mo—
iarchen
Der Termin für die Reise des Zaren und der Ort,
wo die Monarchendegegnung stattfinden soll, sind bisher
ncht ostiziell bekannt gegeben, weil man davon eine Be—
»rohung des Zaren durch sozialistische oder anarchistische
domploete befürchtet. Ebenso unsicher ist auch der Ort
»er Zusammentunfst. Es werden hier Racconigi und Rate
jenannt. doch ist es auch nicht ausgeschlossen, daß die
Entrevue in Rom oder an noch einem anderen Ort stattindet.
 Fest steht nur, daß der Zar allein, d. h. ohne
eine Gemahlin, reist, und daß sich in seinem Gesfolge
uch der russische Minister des Answärtigen, ISwoisti,
ycfenden wird. Fest sielut ferner — und das 153 ueine
rnstliche Verstimmung zwischen Wien und Peters—
»urg schließen — daß der Zar auf seiner Reise nach
Ftalien das österreichisch-ungarische Staatsgebiet vermei—
»en wird, obwoht man sich in Wien atle Mühe gegeben
a eine Begegaung zwischen ihm und Kaiser Franz Jo—
feber dieser Gelegenheit herbeizufühten. Er wird von
dadia bis Odessa über See fahren und dann entweder
ber Warschan, Frankfurt, Genf oder über Brestau-Mün—
zen de Reise nach Jiatien sortsetzen.
Bie äußeren Umstande zeigen zur Genüge, daß die—
er Italienfahrt des Zaren, wenn es sich dabei zunächst
uch nur um enen Gegenbdesuch handelt, eine ganz her—
orazende pelstiche Bedeutung zukommt, die in einer
vereren BVerichariuang des Gegensazes zwilschen Itallen
inz tußtand einerseits, sowie Oesterreich-AUngarn ande—
enecits gipfelt oder doch den bisher vorhandenen Gegen—
a zum mirndesten recht deutlich unterstreicht. Es läßt
ch nicht verkennen, daß Jtalien, wenn man die
lenene Summung oerücksichtigt, immer mehr und
icar in ein Faburwasser gerät, das &inem Verbleiben im
reirund recht ungünsng ist. Beschästigt sich doch die ita—
benhe Presse gelegentlich des Zarendesuches allen Ern—
in mit der Frage, ob en Verbeeiben Italiens im Drei—
unze in Anbet acht seines Gegensaßes zu Oesisterreich—
lugarn und semner Freundschat mit den Gegnern der vei—
en übrigen Dretbundmächte, England, Frantreich und
su land, überhaupt noch Zweck habe, und zeizte doch
nach de Feer des 30 ährigen Besiellens der drutsch-öster—
teicschen Waffenbrüder'schaft. wo von dem Dritten im
nde. Italien, nur seht nebenbe die Rede war, daß
nan lch in Wien und Berlin auf die Dreibundszuver—
äs gkeit Jicliens nicht mehr mit pupilarischen Secherheit
erenen au können onhe
g

Burchsuchungen in den Geschasts-, Redaktions- und Wohn
Aumen in der Lindenstraße Nr. 77 nahm Landgerichts—
at Schmidt selbst teil; mit ihm kamen cinige Kriminal—
ommissare Uund wohl ein Duvend Beamte der Kriminal—
volizei.
*Die Errichtang erner tschechischen Schule in Dres
den durch den ischechischen Verein „Vlastimil“ betrisst
nach Meldunzen tschechischer Blätter nicht die Gründung
ner Volkẽesschule, sodern die tschechischnationale Erziehung
»czweckende private Nebenschule, die mit den sschechischen
rindergärten und Sprachschulen verglichen wird. Die ein—
eschriebenen 103 Kinder wurden in zwei Abtcilungen ein—
zeteilt, deren erster die Schüler von drei bis acht Jah—
en, deren zweiter jene von acht bis vierzehn Jahren
rnashören

ODesterreich-Ungarn.
“In Wien fanden 22 christlichsoziale Wählerver—⸗
ammlungen statt, in denen der Handelsminister Weiß—
irchner, Präsident Paltai, Bürgermeister Lueger, Land—
narschall Prinz Liechtenstein, Exminister Geßmann und
0 andere Christlichsoziale des Reichsrats, Landtagsabge—
irdnete, Bezirksvorsieher und Gemeinderäte über den be—
horstehenden Zusammentritt des Reichsrates sprachen, In
illen Versammlungen wurden Resolutionen für die Ar—
beitsfähigkeit des Reichsrates hinfichtlich der Notwendig—
eit nalionaler Schutzgesetze für die Deutschen in Oester—
reich und des Verhältnisses Ungarns zu Oesierreich, so—
wie der bosnischen Frage beschlossen. — Die tsschesch i—
schen Parteien haben beschlossen, im Reichs“
dat mit einer schleichenden Obstruktion ein—
zusetzen, doch so, daß die Möglichkeit zu Verhandlungen
ffenbleibt. Den Radikclen, die Sturmßenen vorbereiten,
vurde bedeutet, es nicht zum Aeußersten zu treiben, da⸗
nit die Regierung nicht einen Anlaß habe. das Warla
nent zu schließen

M
Politische Rundschau.
Deutsches Reich.
xZu der Frage, wun die Reichsregierung beabsichtige,
en Entwurs der Reichsversicherungs-Ordnung dem
seichstag vorzulegen, schreibt eine oft offiziöse Korre—
pondenz: Sobald die Bundesratsausschüsse ihre Arbeit
baeschlossen haben, wird der Entwurf in der Gestalt
e der Bundesrat am gibr, ohyne Werzug und auf jeden
zail noch in diesem Winter dem Reichstag zugehen.
*In den Tagesbvlättern wird die Nachricht verbreitet,
3 hätte insolgse der neuen Steuergesetzgebung dei
?hmuggel an der volländischen Grenze
ejonders in Tabak und Kaffee derart überhand genom⸗
zen, daß sich die Not vendigkeit ergeben habe, die Zah
er Zollbeanten erheblich zu verstärken. Diese Verflärt
ngen hättien ader so wenig wie besondere Instruktionen
me gZunahme des Schmuggels verhindern konnen, so daß
ch ie preaßische Regierung veranlaßt sähe, 150 neue
zollamter an der hollandischen Grenze zu errichten. Diese
dachricht ist, wie die „Norod. Ailg. Zig.“ miiteilt, in
eder Vezichung umzutreffend. »Eine erheoliche Zu
ahme des Schmuggels aun der holtländischen Grenze is
icht bemerkt worzen, es hat sich daher auch weder eine
zerstarrung des Gronzschutzpersonals als notwendig er—
diesen, noch iit beabsicht gt. die Zahl der Zollämtoͤr u
rmehren.
* Zum Fall Schack meldet das Bertiner Tageblatt,
uhr die von Schack belcidizte Dame ihren Strajantrag
aArücdzenommen bhat Ob damit auch das Verfahren der
taa sanwaitschaft erledigt ist, steht noch dahin, da es
caglich ist, o0 gegen Schack nicht strafgesetzliche Bescimm
insen in Botracht lommen, die nicht von dem Vrivät—
trafantrag abhängig fsind
*In der Angeblegenheit des Reichstagsabgeordneten
Zrutzu und seiner „VBahrheit“ geht allem Anscheine nach
ie Urntersuchungsbehörde mit großem Nachdrucke vor
inter persenlicher Führung des Untersuchungsrichters
andgerichtsrat Schmdt nahmen am Montag viene Kri—
ninalbeamte zu gieicher Zeit an sechs Stellen in Berlun
nd den westlichen Vororten Rachforschungen und Haus
ichungen vor. Wie verlautet, handelt es sich darum, das
anze Geschäftsgeßbaren der „Wahrbeit“ und ihres Ver—
gers Bruhn durch Belege, Quittangen, Rechnungen,
riaf echser über Inserate und dergleichen während des
*aAlbrigen Restehens der Zeitung tlatzutegen“ vc3535

Serbien.
*Der Serbenprinz Georg macht dem Volke der Kö
igsmörder fortwährend bittere Sorgen. Das Belgrader
ingradikale Blatt „Dnevni list“ nimmt im Leitarukel sehr
charfe Stellung gegen die Agitation zu Gunsten der Re—
sabilitierung des ehemaligen Kronprinzen Georg. Das
latt wendet sich vor allem dagegen, daß man einem
otorischen Schuldenmacher und Nichtssuer, wie den
brinzen Georg, eine Apanage bewillige. Prinz Georg
abe sich mit verschuldeten Osfizieren und verkommenenß
zxistsenzen umgeben, mit deren Hilfse er wieder Kronprinz
verden will, was ihm aber nicht gelingen wird. Die
Ddynastie Karageorgewitsch habe keinen gefährlicheren Geg—
ner als den früheren Kronprinzen. Seine Tätigkeit gegen
zie Regierung falle nicht nur auf ihn, sondern auch auj
eine ganze FJamilie zurück. Und wenn man gerade die
kinberufung der großen Skupschtina fordere, so könne
s leicht geschehen, daß diese sich mit viel ernsieren Fra⸗
zen beschäftige, als es die angeblich konstitutionellen Rechte
ꝛes Prinzen Georg sind. Man wird sich an Griechenlaus
in Beispiel nehmen.

Rußland.
*In einem „Bayrische Mpachen“ betitelten Leuar—
ikel, der überaus scharf gehalten und augenscheinlich in—
ptriert ist, wendet sich die ‚„Mowote Wrema“ gegen den
»ekannten Beschluß des bayrischen Landtags, den Vertrag
vegen Auslieferung von Verbrechern gegen das Zaren⸗
)aus aufzuseben. Diese ineressante Geschichte sei über—
‚aupt nicht ausgeheckt worden, um einen Vertrag aus
»er Welt zu schassen, der niemand interessiere, sondern
s sei klar, daß es sich hier um eine ähnliche Manifefta—
inn handele, wie sie vor einiger Zeit in JItalien von
insichtslosen, jett bereits eines Besseren belehrten Poli—
ilern in Parlament und Volksschichten veranstaltet wurde,
im die Zarenreise zu hintertreiben. Jetzt, wo die ita—
ienische Reise des Zaren über München gehen sollte, habe
er bahrische Landtag dieses Mittel gewählt, um die
Neise des slawischen Monarchen zum lateinischen zu ver—
sindern. Der Artitel schließft mit den Worten: „Wir
vpünschten nicht, daß sich die politischen Maßnahmen
DeutscAlands in Rußland einbürgerten

bas Diadem des Verderbens.
s Schüthe Dich vor Dir selber, Alcxandrine,“ fuhr
r dringender sort als das junge Mädchen, in Erin—
erung die an Worke der Madame Dupont, nachdenkich
 das Haupf senkte.
„Werde die Meine,“ rief er aus, kämpfe Deine
eorenisie nieder, bedenke nur das Eine, daß es unser
Feider Glück oder Ungläück bekrifft!“
„O, still, still,“ schluchzte Alexandrine, „zerreise mir
icht das Herz!“
Hilflos zu ihm aufblickend, lehnle sie das Haupt
egen seine Schulter.
NPlötzlich suhr sie auf und befreite sich haslig aus
inen Armen. Schritkte wurden in einiger Enkfernung
on dem jungen Paar auf dem Kieswege des Garkens,
om Kause her, vernehmbar.
„„Um des Himmels willen, man kommt,“ flüstere sie
richreckt. „Lieber Alles, als in diesem Augenblick noch
seue Stürme. Ich könnke es nicht erkragen, ich müßte
nterliegen! Fort Ctarles — laß mich, ich beschwöre
Rich — habe Mitleid mit mir!“
„Ich gehorche!“ Verhaltener Unmut klang aus dem
Lon seiner Stimme.
„Du weilest mich von Dir in einer Stunde, wo Deine
eele mehr als je des Beistandes bedürfte! Doch Dein
Bille ist mir heilig. Darf ich Dich morgen wiedersehen ?“
„Morgen!“ wiederholte das junge Mädschen lonlos.
Ja, komme! Doch jetzt lebe woͤhlfe
Sie reichte Charles ihre Hand und er dräückke einen
lühenden Kuß auf ihre eiskalten Finger; dann klekkerke
r gewandt am Spélier empor, und sich vom Rande
jer schmalen Mauer auf den nächsten Baum schwingçend,
e er an dem Stamm desselben an der Außenseilte zu
0den

Unkerdessen suchke Alexandrine nach Sammlung. Sie
hückte sich und hob das zu Boden gefallene, das Spottgedicht
 auf die Pompadour tragende Blatt auf. Mit
amsäglich fraurigem Ausdruck ruhte ihr Blick auf dem
BZilde der sckönen Favorikin des Königas. Mächtig stürmke
und kobte es in ihrem Innerr. Wie glühende Laoa
choß ihr das Bluk durch die Adern und drängte zum
Herzen, daß es ihr die Brust zusammenschnürte; daß
s ihr unmöglich war, einen klaren Eedanken zu fassen.
Und doch durchkreuzkte ein Chaos der verschiedensten Em—
findungen ihrer Seele. Sie wollte die Stätte verlassen,
em Näöherkommenden entgehen, dessen Tritk immer ver—
nebinbarer wurde, aber sie fand nicht die Kraft dazu.
sjeder Bewegung unfähig jank sie auf eine Bank nie—
»er, welche unker einem breikästigen Baume stand. Ihr
Zlick ruhtlte unverwandt auf dem Blakte, mit dem Por—
rät der Pompadour daß sie zwischen den wachsbleichen
Fingern hielt.
So sand sie der Heranahende, Louis von Puisdome,
senn er war es, dessen Kommen Chorles verscheucht
akke.
„Fräulein Alexandrine,“ rief er, das junge Mäöd—
bhen erblickend, aus, „welches Glück, daß ich Sie hier
inde. Madame Dupont erlaubt es mir, Sie aufzuju—
dhen, um Sie zu begrüßen. „Aber mein Gottk,“ unterdrach
rx sich, „ich finde Sie bleich, erregt, was ist geschehen,
vas ist geschehen?“
„Nichts,“ stvmmelle Alexandrine bestürzt. „Mich be—
fiel nur ein plötzliches Unwohlsein, das so rasch vorübergjehen
 wird, als es mich soeben erfaßte. Die größte
uhe allem ist in soschem Falle die beste Hilfe für mich.“
„Sie weisen mich von sich,“ erwiderte Puisdome
nit leisem Unmut, „und doch — kann, darf ich Sie
derlassen? Gewähren Sie mir in ehrfurchtsvoller Enlsetnung
 an Ihrer Seite zu bleiben, oder Sie zu der
vürdigen Madame Duponi geleiten zu dürfen —“

„Zu Madame Duponk! Nein, nichkt zu ihr ich hasse
sie, hasse Alles, was ih bisher in liebender Weise ver—
ehrte, denn es ist alles nar Berechnung, Inkrigue, Falssteif,
 was ich für heiliges Empfinden hielt. Gehen Sie.
Herr von Puisdome, ich will allein sein.“
„Allein in dieser Gefellschaft., Mademos'elle?“ wie—
derholke der junge Mann halblauf, auf das Bild der
arquise weisend, auf das soeben lein Blick fies.
‚Nebmen SsSie sich in Acht, das ist ein gefäbrliches
Mitkel, erregle Gesühle zur Ruhe zu wingen. Ich winnere
 mich, dieses Bild in ihren Fänden 2u erblicken.
Sie interessieren sich für die Matquise von Pompadour.
wie es mir scheink?“
In fieberhaster Erregung erhob Alexandrine ich von
ihrem Sitze. So bleich sie vordin gewesen, in so unngürlicher
 Röte flammlen jetzt ihre Wangen.
Sie ergriff beide Hände des jungen Edelmannes
ind sie fest zwischen den ihren drückend, sagte sie mit
salblautem aber festen Ton:
„Sie sind von gukem, alten Adel, ist es nicht so
herr von Puisdome ?“
„Ja, ich bin es,“ versetzte der junge Mann, „die
Annalen der Kreuzzüge nennen den Ramen meines Ge—
chlechts mit Ruhm*“
Alexandrine blickte ihn wie durchdringend an, als si⸗
ortfuhr:
„Wollen Sie mir bei dem Andenken an Ihre Ahnen
»ei Ihrer Ehre als Kavalier schwören, in dieser Stunde
aufrichtig gegen mich zu sein — aufrichtig, als ständer
zie vor einem Priester Gottes, stalt vor einem schutzloser
tädchen, antwörten Sie mir!“
Herr von Puisdome war verlegen.
„Gern leiste ich den Schwur,“ erwiderke er, „und
dach gibt es gewissen Fragen, Mademoi ele, die eit
Tdelmann nicht beantwotten kann, weun Unschuld und
neinheit die eiben stellen.“
            
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