Full text : Dudweiler Zeitung

Demonstrationszüge in Wien.
2 Die Wiener Ringstraße bot Sonntag vormittag bat
Bild eines großen politischen Tages. Die Sozial—
vemokraten machten mit roten Nellen unter siarker
Beteiligung einen Massenspaziergang zur Demonstration
gegen die Teuerung und für die Tagung des Reichsrats,
die Deutschnationalen mit Kornblumen für den deutschen
Chararkter Wiens. Die sozialistischen Ordner hatten
rote, die Deutschen schwarz⸗rosgoldene Armbinden. Die
Deutschen zogen vom Burgtheater bis zum Goethedenk⸗
mal, wo sie entblößten Hauptes sangen, die Arbeiter,
von ihnen durch eine starke Schutzmannskette getrennt, auf
der anderen Seite. Das kolossale Polizeiaufgebot auf
»em Ring und in allen Nebengassen hatte wenig zu tun;
»s wäre aber eine Täuschung, einen gleich friedlichen Ver⸗
auf für den Dienstagsbummel der Wawi—
schen Studenten vorauszufetzen.
Vor dem Rathause in Wien fanden vor dem Demon⸗
strations-Umzug unter freiem Himmel improvisierte sozial⸗
»emokratische Volksversammlungen ftatt, in de—
ten sozialistische Abgeordnete scharfe Reden hielten. Schuh⸗
meier rief dem Parlament zu: Friß, Vogel, oder stirbl
Die Sozialisten fürchten nicht die Auflöfung des Hauses;
wenn die Obstruktion andauert, werden sie zu den schärf—
sten Mitteln auch auf der Straße greifen und vor keinem
Opfer zurückscheuen. Bei dem Umzug über den Ring kam
es, wie nachträglich bekannt wird, vielfach zu Zussam⸗—
menstö ßen mit den Deutschnationalen. Bei Bellaria
und dem Schottentor ereigneten sich blutige Schlägereien;
12 Personen wurden verletzt. 17 verhaftet.

Um den Nordpol.
Cool bricht seine Vorlesungstour ab, um Material
jür die Kopenhagener Universität vorzubereiten, welche
die Arbeit in zwei bis drei Monaten, vielleicht auch et—
vwas mehr, zu beenden hofft. Peary unterbreitet sein
MNaterial am Mittwoch der Geographischen Gesellschaft.
Ddie New-Yorker Kandanier sagen das beabsichtigte Cook—
Bankett ab.
Das grönländische Handelsschiff „Godthaab“, das
Foot von Upernivik nach Egederminde gebracht hat, ist
n Kopenhagen angekommen. Wie „Politiken“ erfährt, er—⸗
lärte der Kapitän des Schiffes, er habe bei Northstarbay
on Eskimos Berichte über Cdots Nordpolfahrt
rhalten. Danach habe Coo den Pol erreicht. Am
Tage vor Erreichung des Pols sei er, nachdem er Obser—
dationen und Berechnungen angestellt hatte, den Eskimos
am den Hals gefallen und habe gewrint und gelacht und
zesagt, morgen sind wir da. Berichte verschiedener
ẽSkimos sind darin gleichlautend.
Arbeiterbewegung.
— Bergarbeiterstreik. Der Bergarvbeiterstreil bei der
htansfelder Gewerkschast in Hale a. S, greift weiter
im sich. Der Zugang beträgt 719 Mann, die Gesamtzahl
der Streikenden 4714.
— ò
Gerichtszeituug.
S Eine teure Ohrfeige. Der Naturarzt Dr. Max
Boigt wurde vom Schoöffengericht in Frantfurta.
. wegen Körperverletzung zu einer Geldstrafe
»on 75 Mark verurteilt. D. Voigt hat im November v.
Is. seinem Dienstmädchen, das sich seinen Anordnungen
vidersetzte, mehrere Ohrfeigen verabreicht. In der Ver—
handlung gab Dr. Voigt zu, das Mädchen geschlagen zu
haben; er will in der Erregung gehandelt haben, weil
ich das Mädchen seinen Anordnungen widersetzte.

Sprachecke. —D—
Mit jemand beutsch reden.
Deutsch und deutlich gehören ihrer Ableitung, also
auch ihrem Begriffe nach, zusammen. Deutsch vedeuitet
irsprünglich die Sprache (denn von dieser erscheint das
Wort im 8. Jahrhundert zuerst gebraucht) dest ostfränki—
schen Volkes (diot Voltk, davon diotist, tiutsch, deutsch)
im Gegensatze zum Latein, der Sprache der Kirche, der
Geistlichen und Gelehrten, und damit auch im Gegensatz
zu der der Westfranken (der späteren Franzosen), die sich
aus der lateinischen entwickelt hatte und demzufolge auch
als die höherstehende, seinere galt: kurzum die Miedere/
Volks prache. Der deutschredende Ostfranke, den man nun
bald nach seiner Sprache den Deutschen nannte, verstand
den romantischen westlichen Nachbar nicht. Die Predigt
soll in Ost ranken nicht in lateinischer, sondern in deut
scher Sprache gehalten werden, befahil Karl der Große,
ind in den Straßburger Eiden vom Jahre 842 leistet der
westfränkische Herrscher Kart der Kahle seinen Eid ir
eutscher Sprache, damit das, was er schwört, dem öst⸗
ichen Volkte da drüben verständlich, dem Inhalt na—
eutlich sei. Leider zeigt sich nun schon in sehr frühe.
Zeit die unglückliche Neiaung (um nicht zu sagen Sucht)
Das Diadem des Verderbens.
Original⸗Roman von 5. Hirsch feld.
15 Wie mauche Sternennacht lag ich lernend auf dem
Moose des Waldes. Ich wußke, es müsse ein Tag kom⸗
men, an dem ich fühlen würde, daß mein, Streben,
mein Mühen nicht umsonst sei! An jenem Tage, da
ich zuerst Dich sah, da war er mir erschienen! Und
wenn es mich hinaus treibt mit unwiderstehlicher Macht,
so sage ich mir: „Alexandrine liebt mich,“ und der Fuß
ist gebannt, und wenn ich die bösen Geister beschwören
will, die so oft meine Brust mit Haß und Rachegedan⸗
ken erfüllt, so sage ich mir: „Sie liebt mich,“ und fühle
mich fromm und gut. Du bist ja das einzige Wesen,
an dem ich nicht zu zweifeln brauche. Muͤßle ich es
einst auch an Dir — ich würde wahnsinnig werden!“
Ach Charles“ sagle das junge Maͤdchen beklom⸗
men. „wie soll der Traum enden, in den wir uns
Beide einwiegen?
Zu jähem Erwachen werden wir um so erbarm⸗
ingsloser von der kalken Hand der Wirklichkeit emporge⸗
schredi werden. Zwingenden, mächtigeren Gesetzen der
pflicht sind wir unlertan, die sich um die Wünsche
anserer Herzen wenig kümmern. Charles, düstere Wolken
 ziehen sich über uns zusammen; käuscht mich meine
Ahnung nicht, so steht uns schweres Leid bevor
Mezieres ward bleich.
7Du willst mich vorbereiten,“ rief er, „nicht das
erste Mal ist es, daß Du in solchen geheimnisvollen
Andeutungen zu mir redest. Man will Dich vermählen.
Jene Beschützerin, von der Du mir erzählt hast, hak eine
partie fuͤr Dich in Aussicht, irgend einen albernen, ge—
zuderken Höfling, wie dieser Puisdome, wenn er es
nicht selbst is. Und dann fork nach Versailles, an den
glänzenden Hof des Königs, wo Du es bald genug ler⸗

— — 2—

es Veutschen, das Fremde, das weit her war, hoher zu
hätzen als das Eigene, was „nicht weit her“ war. Na
irlich geschah das auch mit der Sprache. Fremde, roma—
ische Worte drangen in die ursprünglich reine „Volks—
rache“. Höherstehende glaubten jeiner zu erscheinen in
rer Ausdrucksweise, wenn sie für gewisse, in der Heim⸗
zrache etwas derb klingende Bezeichnungen die des We—
ens einsetzten. Und ist es nicht unglücklicherweise noch
eute so? Wer ift es, der den Worisfremdlingen die TSore
inserer Sprache öffnet, der sie so freundlich einlädt, zu
ns zu kommen, ja sich nicht entblödet, sie mit Gewalt
u uns herein zu ziehen? Wer ist es anders, als ge—
ade die geistig Hochstehenden, sie, denen die Wahrung der
deinheit ihrer Muttersprache am meisten am Herzen lie⸗
jen sollte, die zu ihren Hütern berusen sind? Dem Volle
m allgemeinen waren die fremden Ausdrücke naturgemäß
unächfü unverständlich; wer ihm gegenüber deutlich wer—
en wollte, mußte (und muß noch heute) deutich reden.
Zzo erbielt denn der Ausdruck „mit jeman deutsch reden“
en Sinn von „deutuch reden“. Er hat ihn noch heute,
ind auch der Nebensinn fehlt nicht, der den deutschen
lusdruck unfeiner, derber erscheinen läßt als den frem—
en. Deutlich und derb sind die beiden Begriffe, die wir
seute für das „Deutschreden“ einsetzen können. Von den
ahlreichen Belegstellen nur wenige. In dem Fastnachtpieie
 von Contz Zwergen (15. Jahrh.) heißt es: „Du
veißt es wohl, wenn ich dirs ja Teutsch sagen soll“, und
n Brants Narrenschiff (1494): „Ich sag dir tütsch, wie
ch das mein.“ Ja, das Spiel des Hans Sachs vom
Zösen Weib kennt sogar eine Steigerung davon: „Wilt,
as ichs teutscher (deutl cher) sagen sol?“ meint die Magd
hrer Frau gegenüber. Wenn endlich Lessing im Jungen
velehrten (2) sagt: „er ist deutsch genug, mir gerade ins
zesicht zu sagen ..“, so ist hier der Uebergang von der
Zprache auf den Sprechenden vollzogen, wie wir ihn
soch heute in der Bezeichnung haben: ein alter (leider
ilter!) Deutscher, d. h. in seinen Ausdrücken deutschdeut⸗
icher, freisich auch unverkennbar etwas derber Mann.
dasselbe bedeutet ein alter deutscher Degenkopf, bei dem
s heute nicht mehr darauf ankommt, ob er jemals den
driegsmantel getragen habe oder nicht. Beachtenswert isi
er Unterichied in der Rechtfschreibung; es heißt: er spricht
zut Deutsch (Hauptwort); aber mit dem müßte einmal
eutsch (Umstandswort) gesprochen werden. — Nebenbei:
Vie der Germane sein „Deutsch reden“, so hatie der Rö—
ner (Cicero, Phil. 7, 17) sein „Latine loqui“, ebenalls
m Sinne von „deut' ich reden“ Söhns.
Vermischtes.
Die Rache der Chauffeure. Aus Paris wird der
Voss. Ztg.“ über eine höchst eigentümliche Kundgebung
erichtet: Der Polizeirichter Hameilir hat sich in der letz
en Woche durch strenge Urteile gegen Automobilisien, die
ch Uebertretungen zuschulden kommen ließen, bemerkbar
emacht. In Chauffeurkreisen erregte er damit heftigen
zrimm gegen sich. Nach geheimer Verabredung zogen
icht weniger als 2000 Automobudroschken vor seine
Vohnung und vollführten mit Hupen und Brüllen einen
urchtbaren Lärm, der das ganze Viertel in wilde Aus
egung versetzte. Polizei war nicht gleich zur Hand, und
ls sie erschien, richtete sie gegen die unabsehbare und
indurchdringliche Wagenburg nichts aus. Die Katzen—
ausik endete erst, als die Chauffeure von ihrer Rache be—
iedigt waren.
Der Hund als Schmuggler. Im Anschluß an eine
Neldung über die Verwendung des Hundes im Zolldienst
chreibt man der „Tägl. Rodsch.“: Wenn sich unferem vier⸗
üßigen Freund als Gehilse des Zollwächters ein neuer
zeruf eröffnet, so ist er dafür desto länger schon den
zchmugglern erfolgreich bei ihren oft waghalsigen Unter⸗
sehmungen beigestanden. Eine Berühmtheit auf letzterem
zebiete war der Pudel Barbou, der 1788 erschossen wor⸗
en ist, nachdem er die Zollbehörde um 100 000 Taler
eschädigt hatte. Er gehörte einem ganz armen Teufel,
»er ohne einen Heller nach Flandern gekommen war und
ich das Geld borgen mußte, um einen Schmugglerhandet
u beginnen. Damit sein Pudel nicht erkannt würde, schor
r ihm und hüllte ihn alsdann in ein anderes Hundefell
inter dem er kostbare Spitzen versteckte. Auf den Ruf:
en avant Barboul lief das klluge Tier, je nachdem ihm
»ie Richtung angegeben, aus Gent abwechselnd zum Ma—
heler Tor oder dem Tor von Valenciennes hinaus. An
»en Zollwächtern trabte er stets im gemütlichsten Hunde—
rab vorbei und traf mit seinem Herrn außerhalb der
Ztadt an einem früher bestimmten Ort zusammen. Er
vurde darauf entkleidet und mit einem Frühftück belohnt.
Zechs Jahre lang trieb er dieses gefährliche Spiel, als
hn der Mann, der seinem Gebieter das Geld zum Spit—
enschmuggel vorgestreckt hatte, der Zollbehörde anzeigte.
Barbou wurde aufgefangen, man zog ihm die falsche
daut ab und nahm ihm Spitzen weg. Außerdem empfing
rx eine gehörige Prügelstrasfe und wurde gleich anderen
53pitzbuben eingesperrt, da man hoffte, sein Herr würde
hn auslösen. Aber der schlaue Köter entsprang und kehrte
u seinem Besitzer zurück. der ihn mit einer reichen Gar—
erobe von Hundehäuten der verschiedensten Rassen aus—
tattete und sein Gewerbe noch schwunghafter betrieb. Bar—

nen wirst, den wilden Charles zu vergessen. O, sieh
mich nicht so vorwurfsvoll an. Ich befürchte das
5chlimmste für Dich und — für mich! Wer weiß, wie
zald die Sktunde der Entischeidung naht! Höre auf mich,
Zeliebte! Refte Dich, ehe es zu spät ist! Verkraue
mir Dein Geschick an und Du sollst es nie zu bereuen
haben. Vielleicht gehen wir zusammen unter, vielleicht
ehrt sich die Welt verachktungsvoll von uns ab, aber
nie wirst Du es nötkig haben, vor der Favoritin des
zönigs Dein Haupt zu beugen. Könnlest Du es vor die⸗
er Frau?“
Bei diesen Worken zog er ein Blatk aus seiner Tasche
ervor und reichte es dem jungen Mädchen. Es war
ines der zahlreichen Spottgedichte auf die Freundin
»es Monarchen von Frankreich, wie sie, von der Be—
jörde vergeblich unkerdrückt, zu kausenden in der Hauplfadt
 und in den Provinzen von Hand zu Hand gingen.
das Papier trug an seiner Spißze das mit unverkenn⸗
arer Ahnlichkeit aus geführtle Bild der Marquise von
Jompadour.
Einen einzigen Blick warf das junge Nädchen auf
as Blait in ihrer Hand; in demselben Augenblick
rang ein lauler Aufschrei über ihre Lippen, und, als
ätle sie einen Schlag von unsichtbarer Hand erhallen,
aumeile sie zurck.
Allmächtger Golt,“ rief Charles mit dem Ausruck
 des höchsten Schreckens, die Geliebte in seine
Arme schließend und in zärtlicher Besorgnis in ihr blei—
hes Anklitz blickend, „was ist mit Dir? Was bedeutet
ziese Erschükkerung, dieses Zittern bei dem Anblick des
Zildes? Sprich, Alexandrineß Verbirg' nichts vor mir,
deinem Gekreuen. Deinem einzigen Freunde!“
Er versuchte es, ihr ins Auge zu schauen, aber sie
vich seinem Blicke scheu aus. Die Stimme drohte ihr zu
Jersagen, als sie ssammelnd erwiderte:
Riüchts kann ich Dir sagen, als nur das Eine, daß

onu war noch mehr auf seiner Hm, er rannte genau vie
Augen der Zollwächter und machte sich jeden Umstand zu—
tutze, Gedraäͤnge, kreuzende Wagen usw. Fand er die
Tore geschlossen, so setzte er kühn über die Brustwehr, im⸗
ner aber kam er ans Ziel. Eine neue Anzeige gegen ihn
ies ein. Barbou sollte an einem bestimmten Tage wie⸗
er auf verbotenen Wegen wandeln. Die Zollbehorde ließ
die Stadt von einer Anzahl der erfahrendsten Beamte⸗
berwachen. Der arme Koöter begegnete überall verdäch
Aen Gesichtern, und ohne erst zu den Toren zu laufen,
prang er über die Brustwehr. Drei Flintenschüsse wur⸗
en ihm nachgesandt und streckten ihn niedet. Er trug
zpitzen im Werte von 5000 Talern bei sich. Sein Herr
etrauerte ihn aufrichtig und lange. Ojt soll er sich ge—
ußert haben, er gaãbe gern die Hälfte seines Verms—
ens, wenn er damit seinen guten Kameraden und Spieß⸗
esellen zum Leben erwecken könnte.
Warum sich das Herbstlaub rot färbt. Wenn
vit von dem herrlichen Laubschmuck der Bäume spre
hen, so denken wir an die Laubwälder, deren Blätter in
den mannigfaltigsten Variationen von dem fahlen Gelb—
»is zu dem tiefdunkeln Rot schillern. Die Frage, warum
das herbstliche Laub allmählich die rote Farbe annimmt,
st schon wiederholt zum Gegenstand eingehender Unter
uchungen gemacht worden, aber erst vor kurzem hat die—
es Problem eine Lösung gefunden. Der Engländer Over—
ton machte die Wahrnehmung, daß die neugebildeten
Zlätter einiger Exemplare von Froschbiß, der bekannten,
»ft in Zimmeraquarien gehaltenen Schwimmpflanze, die
esen Namen erhalten hat, weil die Wurzel unten abge—
Atzt, wie abgebrochen erscheint, eine lebhalte, rotbraune
Färbung annahmen, nachdem sie einige Tage in einer
chwachen Lösung von Rohrzucker gehalten worden wa—⸗
zen. Weitere Versuche zeigten, daß die Kultur aus unse—
ten Teichen und Sümpfen leicht zu beschaffender Pflan—
zen in Lösungen von Rohrzucker, Traubenzucker und Fruk⸗
ose regelmäßig diese Wirkung auf die Färbung derzeni—
sen Blätter übte, die sich während des Aufenthaltes der
Pflanze in der zuckerhaltigen Lösung erst entwickelien, dafß
iber sogar die Blätter, welche vor dem Eindringen in
ziese voll entwickelt waren, allmählich die gleiche rot—
»raune Färbung annahmen. Overton unterfuchte nun
nuch die hinfälligen Blätter des Herbstlaubes und fand,
»aß sie zur Zeit ihrer Rotfärbung mehr Zucker und we—
niger Stärle enthalten als im Hochsommer. Ausdauernde
zlätter, das heißt solche, die, während des letzten Som—
nerabschnitts gebildet, bis zum folgenden Frühling oder
zommer am Leben bleiben, verlieren ihre rötliche Tinten
nit Rückkehr des warmen Wetters und werden wieder
rrün. Hierher gehören u. a. Stechpalmen und Efeu. Bei
iesen wird im Frühling der Zucker des Blattes wieder
n Stärke zurückverwandelt. Es folgt aus allen diesen
zersuchen das Nachstehende: Ersftens, die rotfärbenden
zubstanzen der grünen Pflanzen sind in den meisten Fäl—
en Verbindungen tanninartiger Körper mit Zucker; zwei—⸗
ens, die hauptsächlichsten physikalischen Bedingungen bei
zer Bildung der roten Farbe sind Sonnenschein, der auf
zer einen Seite die Assimilation mit Zuckerbildung stei—⸗
gert und auf der andern den chemischen Prozeß beschleu—
ugt, der zur Farbstoffbildung führt, und eine niedrige
stachttemperatur, welche die Umbildung des Zuckers in
Stärke verhindert Die roten Herbsttinten sind mit an—
zeren Worten das direkte Erzeugnis der dann herrschen⸗
»en meteorologischen Faktoren: Sonnenschein und niedride
Temperatur.

Humoristische Ecke.
Holländischer Humor. In einem Artisten⸗
taffee einer Spezialitätengesellschaft spricht man über das
debüt eines Künstlers, der allerhand Tierstimmen nach—
ihmt. „Was der tut, ist gar nichts“, sagte ein Sänger,
eich hatte früher einen guten Freund, der so täuschend
den Gesang einer Nachtigall nachahmte, daß ein Dichter,
der ihr nahe wohnte, ans Versmachen ging.“ — O, das
ist eine Kleinigkeit“, sagte ein Komiker darauf, „ich habe
in Italien jemand gekannt, der so frappant das Krähen
eines Hahnes nachahmen konnte, daß die Sonne davon
mifging, auch wenn noch lange nicht Zeit dazu war!“
Ein Vergleich zwischen Ehe und Schiefertafel:
areine Mädchen rechnen darauf.
Eine schreckliche Drohung. Herr Snips
(der wegen der alten Rechnung gekommen ist): „Sie wol⸗
len also heute wieder nicht bezahlen? Nun, dann will
ich Itznen nur sagen, wenn Sie mich nicht in einer Woche
von heute bezahlen, werde ich Ihre sämtlichen Gläubiger
aufsuchen und ihnen erzählen, daß Sie mir alles bezahlt
zätten, und dann werden Sie sie alle auf dem Halse ha—
hen. Verstehen Sie, was ich meine?“
Zu viel verlangt. Vrofessor (auf dem Spa—
iergang zu seinem Sohn): Ich will Dich nicht vor
deinen Schulkameraden beschämen; aber zu Hause be—
ommst Du eine ordentliche Tracht Prügel; erinnere mich
aran.“

sch iot sein möchke, daß ich im liefsfen Grabe zu ruhe
vuũnschle.“
Sie hielt inne, ein konvulsivisches Schluchzen entran
ich ihrer Brust und erslickte ihr Stimme.
Inniger, fester schloß Charles das junge Mädcher
n seine Arme und wiederhollke seine Bitte, ihm Alle
zu sagen. Sanft, aber enkschieden wehrte sie ihn ab
rine unendliche Traurigkeit sprach aus ihren Zügen
ils sie schließlich sprach:
„Frage mich nicht mehr — ich kann Dir nichts sagen
vielleicht kommt sehr bald die Siunde, wo Du all—
erfahren wirst. Bis dahin laß mich schweigen!“
.O, Geliebte,“ rief der jsunge Mann, von seinen
eicht aufwallendem Bluke hingerissen aus, sage mir da
kine: bist Du bereit, wenn die so drohenden Fessell
der Verhältinisse zu mächtia werden sollten mir Deit
Beschick anzuverlauen und Dich, von meinem Armen be
chützt, hinaus zu wagen in die weite Welt.“
Aufs Neue fuhr Alexandrine bebend zusammen.
Mit Dir enffliehen sollte ich ?“ rief sie bestürzt au⸗
Meine Ehre, meine Reinheit, meinen Namen sollte ic
»em Gerede der Welt preisgeben? Nein, nein da
»erlange nicht von mu, das vermag ich nicht
lenne mich schwach, aber nie war ich stärker, als in
gegenwärtigen Augenblick, da ich auf diese Frage Di
mtworte; eher allem Glück entsagen eher — sterben
als meine Ehre opfern!“
„Welche Vorurkeile sind das, in welche man Did
ingewiegt hat,“ rief Charles aus. „Glaub, mir, der
elbe Mund, der sie Dich gelehrt hat preist Dir — Di
elber erzähltest es mir — in demselben Atem di
herrlichkeiten des Königschlosses zu Versailles und
vürde Dich glücklich nennen, wenn Du die vergiftest
duft atmekest. die jene Säle durchwehlt.
            
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