Full text : Dudweiler Zeitung

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Lokales
Die „Rede“ eines Taubstummen. Eine eigenarlig⸗
Zermonie fand jüngst in Versailles statt. Die französische
faubstummen-Vereinigung hatte beschlossen, das Gedächtnis
jres berühmten Wohltäters, des Abbe de l'Epde, dessen
Denkmal sich auf dem Dompiatze erhebt, zu feiern. Eine
Ibordnung von Taubstummen begab sich also vor das Mo—
ument, und der Vorisitzende der Vereinigung, M. Fay, dielt
ine Rede an die Versammelten. In der üblichen Zeichen⸗
prache der Taubstummen feierte det Redner das Gedächinis
es ersten Lehrers der Taubstummen und kündigte an, daß
zie Vereinigung in drei Jahren die Zweihundertjahrfeier
einer Geburt begehen wütde. Die Rede erschien darauf in
iller Ausführlichkeit in der Taubstummen-Revue, dem Organ
zer Nereiniaunß

Aus Nah und Fern.
Camphausen, 10. Olt. Die Kohlenaufbereitung unserer
Zrube wird durch eine von der Firma Miguin u. Cie. zu
dillingen zu eibauende Kohlennachwäsche erweitert. Auf
zrube Brefeld werden durch eine ähnliche seit einem Jahre
etriebsfähige Vorrichtung aus zirka 20 Tonnen noch kohlen⸗
altigen Klanberberge 6 bis 7 Tonnen gute Kesselkohle ge—
vonnen, die bei einem Aschengehalt von 26 Plozent der
Brefelder Förderkohle (5 30 Prom. Aschengehalt) mindestens
leichwertig ist.
Saarbrücken, 11. Olt. Am Freitag schnitzte in der
seudorserftraße ein Schulknabe sich eine Gerte, ein zwölf—
aͤhriget Splelgefährte lief auf ihn zu und so unglücklich in
das Messer, daß er sich am Arm die Pulsader zerschnitt.
zlutüberstöömt sank der bedauernswerte Junge zusammen.
ẽin schnell herbeigeruferer Arzt lonnie keine Heilfe mehr
eisten, da das unglückliche Kind bereits an Verblutung ge⸗
dorben war.
Saarbrücken, 12. Okt. Schwurgericht. Sitzung vom 9.
OARtober. Der Taglöhner Johann Schaidt zu Neunkirchen
vurde von der Anklage auf Verbrechen gegen die Sittlich⸗
eit im Sinne des 8 176 3 Strafgesetzbuchs auf Grund des
Vahrspruches der Herren Geschworenen freigesprochen. Auf
Zrund der letzten Sitzung der 4. Periode vurden die Ge⸗
chworenen unter Worten des Dankes und der Anerkennung
om Vorsitzenden. Herrn Landgerichtsdirektor Köhler ent—
assen.
Obervölklingen, 10. Okt. In der vergangenen Woche
wurde der Bergmann Gerhard von hier auf dem Heimwege
von mehreren rohen Gesellen Uüberfallen und dermaßen mit
zefähtlichen Werkzeugen zugerichtet, daß er bewußtlos auf dem
Platze liegen blieb und eist später von Passanten gefunden
vurde. Gerhard war über und über mit blutenden Wun—⸗
den bedeckt. Es mußte sofoct ärztliche Hilfe in Anspruch ge⸗
tommen werden.
Saaralben, 12. Okt. Vorgestern abend gegen 5 Uhr
ahß in einem unbewachten Augenblick das Kind des Eisen—
gändlers Flory hier von einem Pulver, das mit Wasser ver⸗
mischt zut Desinfektion des Mundes diente. Das Pulver
war starkes Gift. Die Mundköhle bis in den Hals hinein
ist schwar verbrannt. Ob von dem Pulver in den Magen
jekommen ist, konnte vorläufig nicht festgestellt werden. Auf
Veranlassung der hiesigen Aerzte erfolgte die sofortige Ueber⸗
führung des Kindes zu dem Sanitätsrat Dr. Jüngst in Saar⸗
Rruücken. An dem Aufk mmen der Kleinen wird gezweifelt.
Wieder eine Warnung für unvorsichtige Eltern, die der—⸗
re Siachen auf Wasch⸗ und Nachttischen herumstehen
assen.
Straßburg, 12. Oklt. Heute vormittag zwischen 10
ind IIl Uhr ist an der Ecke der Schinterstaße hinter der
atholischen Garnisonskirche ein 5 Stockwerk hoher Neubau
inter donnerähnlichem Geiöse in sich zusammengestürzt. Die
in dem Neubau beschäftigten Arbeiter wurden unter den
Trümmern begraben. Bereits eine halbe Stunde nach dem
Finsturz waren 10 Verunglückte geborgen. unter denen vier
Tote. Da weitere Teile des Neubaues eizufstürzen drohten,
nußten die Hilfsarbeiten sehr vorsichtig ausgeführt werden.
ẽs geht das Gerücht, daß auch Kinder unter den Trümmern
egraben liegen. Nach einer Mitteilung des Bürger-Hospi—
als sind dort bis 12einhalb Uhr Mittags 17 Personen
ingeliefert worden, darunter 4 Tote. Unter den Trümmern
iegen bestimmt noch 5 Arbeiter. Auf dem Neubau waren
zur Zeit der Katastrophe 50 Arbeiter beschäftigt, von denen
twa 25 mit der einftützenden linken Giebelwand in die
Tiefe gerissen wurden. Der Einsturz wird auf nicht vor⸗
chriftsmätßige Beschaffenheit des Moͤrtels zurückgesührt. 2
jon den im Krapkenhause als schwer verletzt eingelieferten
ürbeitern sind bereits gestorben.
Rombach, 11. Okl. Kirmesfolgen. Dem Arbeiter Comtes
sus Stahlheim wurde eine Kugel in den Rücken geschossen,
odaß er bewußilos zusammenbrach. Als der Tat dringend
nerdächtig wucde der Arbeiter Bräuer verhaftet. Dem Ar—⸗
zeiter Reichert wurde mit dem Messer der Bauch aufgerissen,
daß ihm die Gedärme heraushingen, und einem andern
ungen Mann schlug man dus Auge heraus. Es sind alles
Lirmesfolgen; Diese drei Personen schweben in Lebensgefahr
m ganzen wurden fieben Personen ins Lazarett gebracht.
*Köln, 12. Oltbr. GSeUbstmord. — Jugend
on heutel) Der Zeichner Christoph Luhn von hier,
der uner dem Verdacht der Beraubung von Briefkästen
m Gefaängnis saß, hat sich erhängt. — In einem hiesi—
zjen Case nahm die Polizei einen Lehrling fest, der sei—
iem Prinzipal in Leipzig mit 1800 M. durchgegangen
war. Den größten Teil des Geldes hatte der ijunge Mann
schon verjubelt.
*Boun, 12. Olt. Auto unfall.) Zwischen Bonn
ind Köln verunglückte der Kraftwagen eines holländi—
chen Arztes. Die Insassen, der Arzt mit Ramen van der
ZSiep, dessen Gattin und dessen 21)jähriger Sohn wurden
chwer verletzt in das hiesige Johannishospitai gebracht.
* Koblenz, 12. Oltt. Aufgehobenes Todes,
urteil.) Das Reichsgericht hat das Todesurteil gegen
den Ackerer Knopp aus Boppard, der wegen Ermordung
eines Stiefsohnes zum Tode verurteilt war, aufgehoben
ind eine neue Verhandlung auf den 15. und 16. Olto—
er vor dem Schwurgericht in Koblenz anberaumt.
*Vom Rhein, 12. Olt. ODer Rheinsteigt.)
der Rhein ist im Laufe der Woche um nahe“1 Meter
jestiegen. Das rasche Anwachsen des Stromes ist auf die
n der letzten Zeit niedergezangenen schweren Regengusse
urückzuführen. Ein solch hoher Wasserftand im vsveroste
zehört zu den Ausnahmen und wird im Weinland scumm
jedeutet. Ein Sprichwort sagt: „Großer Rhein, kleiner
Wein!“ Das scheint richtig zu sein, denn die andaltend
egnerische Witterung vermindert die Quantität und för—
ert auch nicht die Qualität.
*Duisburg, 12. Okt. Tödlicher Unglücks—
1I.) Auf der hiesigen Gasanstalt ereignete sich ein eor
zweres Ungluck. Dort waren drei Arbeiter mit dem
lufätehen eines Eikenstückes beschäftiat. als der Siria

ritz und das Eisenstuck auf ein zweites Gerüst siel, auf
dem zwei Arbeiter beschäftigt waren. Beide stürzten ab.
der eine blieb unverletzt, der andere, der 22jährige Ar—
peiter Schneider, erlitt so schwere innere Verletzungen, daß
er nach der Einlieferung ins Krantenhaus starb.
* Essen, 12. Olt. GGuter Fang.) Die Polizei
iahm zwei Einbrecherbanden fest, die den Bezirk lange
unsicher machten. Auch wurden Falschmünzergeräte ent—
deckt.
* Gelsenkirchen, 12. Ott. GGefährlhiche Epi—
demien.) Dipdtherie und Scharlach nehmen unter den
sindern in erschteckender Weise zu. 25 vom Hundert al—
'er Fälle verlaufen tödlich. Vielfach werden die Kinder
»on beiden Krankheiten zu gleicher Zeit befallen.
* Darmstadt, 12. Okt. (Abgewiesen.) Im Mai
»ieses Jahres wurde der Zivilingenieur Alexander Schneil
ovon hier verhaftet, weil er seine eigene Frau aufgehängt
jaben sol lte. Vier Wochen später mußte er wieder frei—
zelassen werden. Sehr belastend für Schnell war die
Tatsache, daß er kurz vorher seine Frau bei zwei Ver—
cherunzsgesellschaften für insgesamt 120 000 Nark ver—
ichert hatse. Rach seiner Entlassung aus der Untersuch
ingshaft klagte er sofort gegen die Gesellschaften auf Her—
rusgabe der Versicherungssumme. Die Zivilkammer des
iesigen Landgerichts hat das Urteil dahin verkündet, daß
Zchnel kostenfällig abzuweisen sei. Er habe es bei dem
Abschluß der Versicherung an Aufrichtigkeit bezüglich des
»amaligen Gesundheitszustandes seiner Frau fehlen lassen.
* Offenbach, 12. Olt. (To de sst ur z.) Der bei dem
Schornstein-Reubau des ziesigen Elektrizitätswerkes be—
chäf igte 25 Jahre alte Maurer Horr aus Schaafdeim ist
urch den Flaschenzug in die Höhe befördert worden. Da—
ei schlug das Seil über und Horr stürzte aus beträcht
icher Höhe herab und war sofort tot. Ein Kollege von
hmukonnte sich durch einen Sprung auf ein Gerüst retten
LWie das Schwalbenlied entstand. Franz Abt
»er unvergebliche Tonsetzer der Weisen „Wenn die Schwal
z»en heimwärts zieyn“ und „Gute Nacht, du mein herzi—
zes Kind!“, war längere Zeit wohlbestallter Kapellmei—
ter beim Hoftheater in Braunschweig. Aber er war, wie
s anderen und noch größeren Genies auch gegangen ist
mmer in Geldnöten. Wie er sich einmal großartig aus
iner solchen Klemme herauszog, darüber schreibt ein al—
er Braunschweiger: „Der Meister saß eines Tages in
einem Zimmer beim Frühstück. Da wurde er uniebsam
gestört. Sein Schneider meldete sich bei ihm und konnte
»urch kein Mittel abgehalten werden, ihm direkt lästig zu
allen. Er kam zu ihm ins Zimmer und vat um die
Bbegleichung der schon auf etwa 300 Mark angeschwolle
ien Schuldigkeit. Abt zeigt sich angesichts seiner augen—
licklichen Insolvenz vollständig abgeneigt. Dann suchte
er den unangenehmen Menschen durch Vertröstungen auj
ie nahe Zukunft los zu werden. Aber seine große Lie—
»enswürdigkeit, seine schönen Worte prallten ab an dem
danzer des unerbittlichen Schneiders, der nach und nach
ehr erregt geworden war. Da erhob sich plötzlich der
Neister, gebot mit einer Herrschergebärde dem häßlichen
Besuch Ruhe und setzte sich an das Klavier. Dann ließ
rekurze Zeit einige Töne steigen, summte leise dazu und
ibersiedelte dann an den Schreibtisch. Ein Notenblat!
var zur Hand, Feder und Tinte standen bereit, und nach
iner Viertelstunde überreichte der Herr Kapellmeister sein
Danuskript. „So“, sagte er, „gehen Sie damit zu mei—
iem Musikverlag Littolf in der Schuhstraße. Ihr leines
ßuthaben bitte ziehen Sie ab — den großen anderen Be—
rag bringen Sie, seien Sie so gütig, mir zurück.“ Der
S„chneider war baff, schüttelte den Kopf, ging aber doch
iach Geheiß in die Schuhstraße. Littolf prüste das Ma—
misktript als gewiegter Kenner und zahlte an den geld—
edürstigen Handwerlsmann für diesen und den armen
apellmeister eine Summe von über tausend Mark aus
)as tat beiden gut, und die Tondichtung, die das be
erlte, war: „Wenn die Schwalben heimwärts ziehn“.
Auch eine Befschaftigung. „»Sie haben
sun alle Ihre drei Töchter an Professoren verheiratet —
un ist es wohl recht langweilig und einsam für Sie?“
— „Wo denken Sie hine Was glauben Sie, was ich den
anzen Tag zu laufen habe, um all' die Regenschirme
hieder zu holen, die meine Schwiegerföhne siehen lafsen!“
Gefährliches Thema. IJTch habe gestern im
seierschen Familienkreise einen kleinen Vortrag über die
zeselligkeit gehalten, muß mich aber nicht ganz klar
usgedrückt haben.“ — „Warum?“ — „Die Frau Weeier
ehauntet heutte, ich hätte um ihre Aelteste angohalten

Cesegramme.
Berlin, 18. Oll. Durch einen Bahnunfall wurden geleen
Ubend sünf Piersoren zetötet, eine schwer und zwei
eicht verletzt. Das Unglück geschah am Wittenauer Wege.
Uls der Schlächt ermeister Matwald mit seinem Wagen den
zortigen Bahnübergang passieren wollte, wurde das Gefährt
on der Liebenwalder Kleinbahn überfahren. Der Lokomotiv⸗
ührer brexiste zwar sofort und gab Gegendampf, konnte aber
»as Schreckliche nicht mehr verhindern. Dem Bahnpersonal
»on sich ein entsetzlicher Anolick. Ein Teil der Wagen⸗
nsassen war meterweit weggeschleudert worden, die anderr
agen unter dem vollig zertrümmerten Gefährt. Der 2jährigt
S„ohn Maiwalde, der 18 Jahre alte Dienstlnecht Münchow
das 22 Jahre alte Dienstmädchen Wenzel und der 183jährigt
krich Konrad waren sofort tot. Die 10 Jahee alte Friedo
Arndt starb kurz nach ihrer Einlieferung ins Krankenhaus
päbrend der 11jährige Max Konrad zwar schwer verletzt, aber
hoffnung auf Wiederherstellung hat. Maiwald selbst und
iae Tochter Grete si d nur leicht verleßzt worden und konnten
9ne Hülfe ihre Wohnung aufsuchen.
Duisburg, 11. Oln. En kühner Raub wurde gestern
bend im Eisenbatnzuge auf der Strecke Duieburqg⸗Munster
»erubt. Ciner älteren Lehrerin, die nach OstBayern ahren
vollte, um ihrem veistorbenen Bruder ein Grabdenkwal setzen
zu lassen, wurde im Kupee unwohl. Ein mitreisender Herrt
»dt ihr darauf ein Riechpulver an, worauf die Lehrerin oͤhn⸗
nächtig wurde. Bei ihrem Erwachtn war der Mann ver⸗
chwunden und mit ihm ein in ein Taschentuch eingewickelter
bettag von 1000 Mk. Die Dame konnte keine nähere Be—
hreibung des Täters geben.
Berlin, 13. Oklt. In der Voraussicht, daß der we⸗
zentwurs über die Pensions- und Hinterbliebenen-Ver—
ccherung der Privatangesteltten vald nach Wiedereroffnungç
es Reichstages eingebracht wird, mehren sich, wie mit
jeteilt wird, die Beitrittsanmeldungen größerer und klei—
ierer Banken und Bankfirmen zu dem Beamienversicher—
ingsverein des deutschen Bant- und Bankiergewerbes.
Kiel, 13. Olt. RNach den Kieler N. N. hat sich Er⸗
räsident Roosjseverlt bei einem Festmahl, das ihm
ei seinem Abschied aus Ostatrika von den englischen Be—
orden gegeben wurde, vegeisisert über Britisch und über
deutsch⸗Ostafrisa ausgesprochen. Er jagte, seiner Ueber—
eugung nach werde Ostafrita dieselben Reichtumer und
z ntwicklungsmoglichteiten fur die weiße Rasse haben, wie
»er Westen von Nordamerika. Er sei überzeugt. daß in
aum 25 Jahren Omnafrika dieselbe blühende industrielle
uind landwirtschaftliche Entwickung zeigen würde. wie
eute Nordamerika

Zeitz, 13. Olt. Geßtern abend wurde die 49 Jahre alt
Witwe Serichow in ihrem Laden ermordet aufgefunden. Der
Schädel der Leiche ist anscheinend durch Hammerschläge völl ig
jertrünmert worden. Die Ladenkasse ist verschwunden.
Elbing, 12 Oklie. Der Raubmörder des Elbinger Arztes
Dr. Kraufe, der frühere Lehrer Stolzze ist noch niht ergrif⸗
fen worden. Daß er aber der Taäter in, steht so gut wie
fest, da er versuchte, die dem Arzt geraubie Uhr zu verkaufen.
Wien, 12 Olt. Cin eiwa 25jähriger junger Mann,
welcher nach bei hm vorgefundenen Aufzeichnungen am 8
oder 9. d. M. von Berlin hier eintraf, hat sich im Schloß—
park von Schönbrtunn eischossen. Die Identität des Selbfi⸗
mörders konnte noch nicht festgestellt werden.
Rom, 13. Olt. In vielen italienischen Städten finden
große Kundgebungen gegen die Verurteilung Ferrers statt.
Paris, 12. Olt. Der Matin Imeldet aus Barcelona:
Während des Ganges von der Kaserne Modele nach Mont
uuich zeigte sich Ferrer gkeineswegs niedergeschlagen. Er
anterhielt sich vielmehr lebhaft mit seinen Transporteuren.
Wie der Peiit Parisien meldet, wird behaupiet, daß Ferrer
in den heutigen Morgenstunden in den Gräben von Montjurd
dandrechtlich erschossen werden sollte. Der Verteidiger Fercers
st verbaftet worden, weil er seine Befugnisse überschritten
jat, Die Polizisten von Barcelona sind mit Gewehren be—
vaffnet. Gendarmerie und Municipalgarde patrouilliren
)urch die Stadt. Ferrer hat sein Testament gemacht. Seine
Zebensversicherung in Höhe von 80000 Pef. hinterläßt er
seiner Freundin. Die Verlagsbuchhandlung Fercer im Werte
von 2 Millioaen Pesetas dürfte vollständig ruiniert sein, da
die Behörden circa 100 000 Bände beschlagnahmt respektive
overnichtet haben,
Paris, 12. Okt. Eines furchtbaren Verbrechens be⸗
zichtigt eine aus Oran eingelaufene Depesche einen Haupt⸗
mann. Wie der Malin meldet, lebt der verschwuadene
Hauptmann Voulet von der Mission Chanoine noch, welcher
den Oberst Klod getötet und den Oberst Millet den Einge—
borenen ausgeliefert haben soll.
Paris, 12. Olt. Die Polizei verhaftete einen bekannten
Arzt unter Anschuldigung, sich an Kindern vergangen zu
haben, waährend sie in der Narkose lagen.
Paris, 12. Ott. Der Adjuiant des Generals Louvat,
Hauptman Groglie, hatte einen Soldaten des 14. Jägzer—
Regiments aus einer geringsügigen Uesache mehrere Mal mit
einer Reitpeitsche geschlagen. Der Oberst des Regiments
»)erlangte, daß der Hauptmann sich bet dem Soldaten entchuldigen
 sollte. Tatfächlich bat gestern der Hauptmann den
von ihm mit der Reitpeitsche geschlagenen Soldaten vor der
Front um Enischuldigung. Der Obeist erstattete einen Be—
ticht an den Kriegsminifter.
Madrid, 13. Ott. Das Schicksal des Spaniers Ferrer,
der vom Kriegsgerichte in Barzelona wegen Aufreizung anar⸗
histischen Umtriebe zum Tode vnurteilt wotden ist, beschäf—
igt das ganze Land, denn man ist vou seiner Unschuld fefl
überzeugt. Der Ministerrat ließ sich die Akten des Gerichtes
zuschicken und bestärigte dae Urteil. Der Ministecrat hat
rine Begnadigung dem Könige nicht empfohlen.
Petersburg, 12. Okt. Der Ehren-Vorsitzende de—
Mostauer Verbandes der echt russischen Leute, Osnobischkin,
st der Unte-schlagung von 200 000 Rubel angeklagt. In
Moskau wurde ein Konsortium von Kontrolleuren und Ab⸗
wägern der Moskau⸗Kiewer Bahn wegen zahlloser Diebstähle
auf Eisenbahnzügen verhaftet.
Petersburg, 183. Okt. Rußland hat auf die Ausfuhr
iller Futterprodutie einen Zoll gelegt.
Newyork, 13. Olt. An der Küfte des mexikanischen
Bolfes hat gestern ein verheerender Cyklon geherrscht. Nach
4 bisher wegen der Zerstörung der Telegraphenlinien nur
unwollständig vorliegende Verlufiziffern an Menschenleben sind
allein an der Florida⸗-Küste gegen 600 Personen umgekommen
LVvien, 13. Olt. Hier hat sich nach einer Weldung
des „ANA. W. Tgbl.“ ein Komitee gebildet, das die Schaff⸗
ung eines Denkmals zur Erinnerung an die anläßlich
der Kriegsgefahr bewährte Rubelungen-Treue
Deutschlands zur Durchführung bringen soll. Die
Kosten in Höhe von 57000 Kronen sind schon zur Hãlste
edeckt. *
— Budapest, 13. Olt. In gut unterrichteten Kreisen
verlautet, daß Graf Julius Andrassy und Graf Stefan
Tisza im Laufe dieser Woche wegen der Lösung der
ungarischen Krise vom Katster in Audienz empfanger
werden.
Loudon, 13. Ott. Die ‚„Times“ veröffentlicht die
nuffällige Nachricht, daß die Regierung seit einiger Zei
nit dem Gedanken umgehe, falls die Budgetbill im Ober
sause abgelehnt werde, nicht das Parlament aufzulösen
ondern die Meinung des Landes bloß über das Bud
zet in einem Reserendum festzustellen; wenn letzteres für
die Regierung ausftalle, so würde die Finanzbill den
Vords wiederum vorgelegt und dann wohyl angenomme
verden.

— —
Um den Nordpol.
Die „Evening Post“ verlangt in einem scharfen Leit
artikel, Cosot solle, bevor er seine Vorlesungstour fort
setzt oder die ihm von den New-Yorker Stadwerordneten
gebotene Ehrung annimmt, Beweise für setine Be—
hauptungen betreffs der Erreichung des Nordpols ausar—
deiten, respettive vorlegen. Coot erklärte in den letzten
Tagen, es werde etwa drei Monate währen, bevor
F sein Material nach Kopenhagen senden könne. Das
Blatt verlangt speziell, Coot solle darlegen, wie er in
der Nähe des Nordpols so genaue Längenbestim—
mungen, mwie er sie veröffentlicht hat, machen konnte.

Cäcilien⸗-Verein Dudweiler.

Am Freitag, den 16. ds. Mts., abends 8.30 Uhr finde
in Vereinslokale Wwe,. Riedschy ein—

statt.

General⸗ersammlung

Tages-Ordnung:
1. Definitive Wahl eines Dirigenten
2. Mitteilungen.
Die Mitglieder werden gebeten recht zablreich erscheiner
zu wollen.
Besonders die Herren Sänger wollen fich vollzählig ein—
inden

Der Vorstand
            
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