Full text : Dudweiler Zeitung (22.1909)

tach Bleriot aufstieg, haue einen sehr guten Tag. Er flog
eine Stunde 17 Min., also 5 Min. länger als Bleric
und absolvierte den längsien Flug. Damit hat er den
Preis der Stadt Frantsurt mit V. 40 000 gewonnen.
Während de Caters noch oben war, flog Bleriot um den
Krupp-⸗Preis, einen Hohensteuerpreis. Bleriot glückten die
Wanover des Auf⸗- und tiedersteigens vorzüglich. Ble—
riot hat auch wieder den taͤglichen Schneliigkeitspreis mit
1: 13 gewonnen. de Carters erhält mit 13 18 den zwei—
ten Preis

Aus auer xvelt.
* Vom Fürsten Culenburg. Furst Eulenburg hat
die möblierte Wohnung, die er bisher im Erdgeschosse
des Haufses Königin Augusta-Straße 52 in Berlin inne
zatte, zum 1. Januar getündigt. Man entsinnt sich, daß
Fürst Eulenburg sich von dort aus täglich zu den Ver—
handlungen des zweiten gegen ihn gerichteten Strafprozes⸗
sjes begab, und daß während dieser Zeit die Kriminai—
holizei das Haus Königin Augusta-Straße 42 auf eine
etwas originelle Weise bewachte, indem ein Beamter vor
dem Eingange auf Wache stand, mehrere andere Beamte
zeimlich im geller untergebracht wurden (was selbstver—
ständiich sofort im ganzen Hause vekannt war) und daß
an der nächsten Straßenecke eine tagweise gemietete Auto—
mobildroschte bereitstand, um dem Angeklagten nachzuja—
gen, falls er einen Fluchtversuch unternommen hätte. In—
dem er sein Berliner Quartier aufgibt, bekundet der
Schloßherr von Liebenberg offenbar die Ueberzeugung,
daß er nie wieder in die einigermaßen peinliche Lage
lommen wird, die Reichshauptstadt aufsuchen und sich vor
den Geschworenen für die Taten verantworten zu müs—
sen, die ihm zur Last gelegt werden.
Schrecklicher Selbstmord. Auf entsetzliche Art hat
der 22)1ährige Handlungsgehilse Franz Dietl in der Gräve—
straße in Verlin seinem Levben ein Ende gemacht. Als
seine Mutter von einem Ausgange zurücklehrte und mit
einem Freunde des seit zwei Jahren an einem Lungen—
leiden laborierenden uungen Mannes das Zimmer betrat.
fand ste den Unglucktichen am ue t hatte Salzfäure
getrunken, sich mit dem Taschenmesser die Pulsader der
linken Hand geöffnet und sich dann am Fensterkreuz er—
hängt.
Ehedrama. In Guesten bei Dessau erschoß der von
seiner Gattin getrennt lebende Techniker Bruesche seinen
vierjährigen Sohn und sich selbst, nachdem seine Frau
alle Versöhnungsversuche zurückgewiesen hatte.
Erwischter Raubmörder? Ais des Raubmordes
mn dem Fleischerlehring Alfred Höch dringend verdächtig
ist in Dresden ein 19sjähriger Dienstknecht aus Limbach
in Sachsen festgenommen worden. Er war am ESams,
ag aus seiner Stellsung Ockerwitsch entlassen worden und
vor der Zeit des Verbrechens bei der Schonermühle, wo
der Lehrling Fleischwaren ablieferte und Geld in Em—
pfang nahm, gesehen worden. Von der Mordstelle führ⸗
ten zwei Fußspuren über die Felder. In eine diefer
Spuren paßte der Schuh des Verdächtigen genau. Bei
seiner Festnahme wurde ein Schlagring bei ihm gefun⸗
den, Geld jedoch nicht.
Bur Mordaffäre Steinheil. Aus Paris wird be—
ichtet: Das neue Memorandum der Frau Steinheil
enthält eine vollständig neue Ver sion über die Vor—
zänge in der Mordnacht. Danach wurde sie vom
Vörder ihres Gatten und der Mutter gezwungen, ein
Schriftstück aufzusetzen und zu unterzeichnen, in dem sie
ich als Urheberin beider Mordtaten bezeichnet. Bei Ab—
jassung des Schriftstückes, das sich noch im Besitz des ein—
zig Schuldigen befinden müsse, sei das Tintenfaß umge—
türzt. Damit seien die noch an ihrem Körper aufgefun—
denen Tintenflecke zu erklären. Frau Steinheil will wei—
tere Angaben machen, um die Verhaftung des Mörders
zu ermöglichen. Diese wenig glaubwürdige Geschichte be—
zweckt offenbar einen neueren Aufschub der Verhandlung.
Verlorener Torpedojäger. Erst jetzt wird bekanng,
daß am Vtittwoch ein englischer Torpedosäger auf Grund
gelaufen ist, der bisher, obwohl er ganz erleichtert wor
den ist. noch nicht abgebracht werden konnte. Das Schiff
st wahrscheinlich total verloren

Gerichtszeitung.
z Zum Prozeß Dahsel-Schuwardt. Im Prozeß
Dahsel hielt der Staatsanwalt die Anklage gegen beide
Angetlagten in vollem Umfang aufrecht und beantragte
zegen Dahsel 5 Jahre Gefängnis und 5 Jahre Ehr—
erlust, gegen Frau Schuwardt 1 Jahr 3 Monaäͤte
Befängnis. Bei beiden Angeklagten ersuchte der Staats—
walt, 6 Monate auf die Unsersuchunashaft in Anrechnung
zu bhrinden

Kurpfuscher Schäfer Ast
Oer Radbrucher Wunderdoktor Schäfer Ast ist nun
doch gesiorben. Ast war einer der „größten“ in seinem
Fache. Vom Schäfer hatte er es bis zum Rittergutsbe—
itzer und zum vielfachen Millionär gebracht. Seine Diag—
nosen waren einfach genug. Er untersuchte die Haare dee

Das Diadem des Verderhens.

3Er wandtie sich dem Ausgang des Saales zu. Nur
wenige Gäste gaben ihm das Geleif. Die Musik halle
von Neuem begonnen. Die Gruppen zerkeillken sich. Wie
rrleichtert almete die hochadelige Gesellschaft auf, als sei
mit dem ehrwürdigen Greise ein Schafken aus dem
zlänzenden Saale verschwunden. Und doch war das Schical
 des Heirn von Monza nur ein düsteres Spiegelbild
hrer eigenen Zukunft widerslreblen sse den Launen der
»9gewalligen Marquise von Pompadour.
Der Herzog von Richelieu halte seine brillantbesetzle
ahr hervorgezogen, sie wies die zehnte Stunde. Ohne
Aufsehen zu erregen, verschwand et aus dem Saale
urch eine kleine mik einer Portiere markierken Seilen
ür; mit der Ortlichkeit des Schlosses völlig verirauf,
kannke er genau den Weg nach jenem Gemach, wo ihn
die Herrin desselben erwarteie. Er befand sich auf
rinem schmalen Korridor, an dessen Ende eine Wendel—
reppe in die Räume des Stockwerks führte. Der Herzog
lieg sie eneper und pochte leise an die mit Sammie'
berzocene Dur, die am oberen Edem das weitere Bor
ingen hemmle.
Die Tür ward sofork geöffnek und der Herzog befand
uat im Vorzimmer der innersten Gemächer der schönen
ravoritin.
Die in diesem Gemach weilende Zofe schien des
*ahlbekannten Besuches geharrt zu haben.
„Die Frau Marquise erwarkei den Herrn Herzog.“
ugle sie, „ich bin beauftragt, den Eingang zu bewachen.“
Aber die weichen Teppiche schritt die kräftige Ge—
alt des Herzogs, der die Maske enkfernt hatte, durch
wei mit allem erdenklichen Luxus ausgefsatiete Salons
Die Salons waren nur möott'erlen htet, aber dermoch
aenügie dem vornehmen Herrn ein Bück in einen der

tranten und verschriev dann Arzneien. BVie Kenntmisse
Asts erstreckten sich auf vier Mittel, die alle harmlos
vparen. Und dennoch waren die Tage nicht selten, an de—

Deurschla nds berönmtest
kKurpfuscher Shafer Astrt.
nen tausend und mehr Patienten bei ihm Hilfe suchten.
In den letzten Jahren war seine Praxis zurückgegangen.
erst als vor kurzem auf seinem Gute ein Einbruch ver—
ibt wurde, erinnerte sich die Oeffentlichkeit seiner. Aber
nuch trotz der Verminderung seiner Gläubigen hatte Asi
mmer noch genug Zulauf, um davon ein mehr als be—
agliches Leben führen zu können.

5

Vermischtes.
Vögel als Gewitterkünder. Eine interessante Be—
»bachtung aus dem Tierleben enthält der im „Roten
ereuz“ mitgeteilte Bericht des Delegierten der freiwilligen
drankenpflege in Südwestafrika, Oberstleutnant Freiher
»on Buttlar. Auf einem von Okahandja aus unlernom—
nenen Ritte sah er gegen Abend an einer Stelle des We—
ies ungewöhnlich viele und große Vögel, Adler und Geier
retsen; auch einige Dornbäume waren dicht von diesen
ßögeln besetzt. Freiherr von B. ritt näher in der Meiln
ing, daß dort Leichen von Menschen oder Tierkadaver
ägen, doch es war nichts davon zu sehen. Am Him.
nel waren einige Wölkchen sichtbar, aber keineswegs be—⸗
onders drohende. Plötzlich begann aus diesen Wölkchen
ich unter Blitz und Donner ein richüger tropischer Ge⸗
vitterregen zu entwickeln, der in kleinen Bächen in all die
zertiefungen und Löcher des Bodens und deren Bewoh⸗
ier: Schlangen, Skorpione, Spinnen und Erdmännchen —
ine Art Mäuse — heraustrieb. Nun begannen die Ad—
er und Geier auf dieses aus seinen Schlupfwinkeln her—
usgetriebene Gezücht zu stoßen und es zu verzehren. Frei—
serr von Buttlar erfuhr später, daß die Ansammlung der
roßen Vögel, die die in den höheren Luftregionen vor—
sandene elektrische Spannung früher zu empfinden schei⸗
ien als der Miensch, stets das sicherste Anzeichen für Ge—
vitter ist.
Die wandernde Rubinenstadt. Im Tal von Mo—
zol in Birma (sHinterindien) steht eine Stadt, in deren
Umgebung alle Rubinen gefsunden wurden, die jetzt und
eit jeher auf den Markt gekommen sind. Die birmesilchen
dönige haben immer versucht, das Geheimnis ihrer Mi—
ien zu bewahren, damit nicht Fremde, durch den Reich
um der Natur hierher gelockt, sich ihres Landes bemäch
igen sollten. Man kann die Arbeit der Minengräber bis
»or das Jahr 1600 zurückverfolgen. In manchen Tälern
»on Birma werden die kostbaren Steine noch nach der
ilten Methode der Vorväter durch Umgraben und Wa—
chen des Sandes gewonnen, aber in den großen Be—
rieben wird bereits nach modernen wissenschaftlichen Sy
tenten vorgegangen. Die Stadt steht auf einem Grunde
der ganz von Rubinen durchsetzt ist. Die Minen, die in
der Umgebung der Stadt liegen, werden natürlich in alle
ihre Ausläufer verfolat und erreichen an machen Stellen

bohen Spiegel in silbernem Rahmen. um die Erregung
einer Züge zu erkennen.
Trotz der sünfzig Lebenssahre Rechelieus. des Vakers
eines völlig erwachsenen Sohnes halke er sich eine fass
aoch jngendliche Frische bewahrt.
„Was mag sie von mir wollen ?“ Prach er vor sich
hin. „Das Geschöpf fängt an ihrem Schöpfer gefährlich
zu werden. Ich fürchte, es war nicht der klügaste Streich
meines Lebens, als ich diese Frau vor die Augen des
Königs brachke. Aber gleichviel! Sie soll in mit keinen
Monza finden; ihr soll Widerstand werden, bis aufs
Außerste, wagt sie es, eines Richelieus Rechte und
Ehre angreifen zu wollen!“
Er hakte sich der Doppelparkiere von schwerem
otem Brokat genaht, die den Raum abschloß; ei
eilte die Gardine — und eine Fülle von Licht und
Hlanz strömte ihm entgegen.
Er befand sich im Boudoir der königlichen Favo—
itin.
Auf einer Chaiselongue von schwarzem Sammek, in
einer gus tropischen Pflanzen gebildeten Nische des
nit fürstlicher Pracht ausgestatteten Raumes, ruhte
ene Frau in naächlässiger Stellung, deren Laune ein
Keich und dessen Herrscher regierse — die Tochter
rmer Leute aus der untersten Schicht des Volkes —
eute Ankoinette Marquise von Pompadour.
„Kommen Sie, Herzog!“ rief sie dem auf der Schwelle
stehenbleibenden entgegen. „Ich habe Sie schon erwarfel
ind viel mit Ihnen zu sprechen, ehe der König eintrifft,
im mich in die Sääle zu geleiten. Was sehen sie
nich so verwundert an ?“ unierbrach sie sich. Furchken
die sich etwa vor mir 7“
„Ich möchte Ihre heitere Frage ernsthaft bejaen,“
intworkekte Richelien, „nie sah ich meine Sreundin so
chön, aber auch nie so königlich wie heure und hul—
digend beuge ich vor ihr mein Haupt.“

die Stadt, die daraushin an lenen Punkten cigelcfter
und demoliert wird, um Platz für die Mine zu machen.
Der abgetragene Teil der Stadt wird an anderer Siell—
wieder aufgebaut, sodaß die Stadt immer Veränderungen
und Wanderungen vornimmt. Die Rubinen von Mogol
änd wertoller als Diamanten und unzerstörbar.
Tolftoi und der Ruhm. Tolsioi macht sich, wenn
nan dem „Cri de Paris“ glauben darf, keine übertriebe
nen Vorstellungen von seinen Verdiensten, und dem Ruhm
bringt er nur eine aufricht.ge Verachtung entgegen. „Der
Ruhm?“ so sagte er kürzlich, „was ift zunächst der Ruhin?
Bei meiner letzten Krankheit, als alle Welit glaubte, daß
ich sterben würde, kamen zaͤhlreiche Abordnungen zu mir.
die mir ihre Sympathie ausdrücken sollten. Große Städte,
literarische und künsil!rische Gesellschaften schickten mir ihre
Vertreter, und unter diesen auch sehr liebenswürdige Da—
men. Eine der letzteren, eine sehr elegante, sehr hübsche
Frau, trat auf mich zu und sagte „dem höchstgeehrten und
lieben Leo Niltolajewitth“ ein paar artige Redensarten,
in denen sie ihrer tiefen Bewunderung Ausdruck gab für
den Mann, dessen Bücher unvergeßliche Erinnerungen ih
hinterlassen hänten. Ich antworiete ihr harnilos: „Ich
danle Ihnen, liebe Dame. Und welches von meinen Bü—
chern ist Ihnen das liebstez?“ Da aber wird die hübsche
Besucherin abwechselnd bleich und rot Ich begreife erfsf
zu spät, daß die liebe Seele auch nicht eine Zeile von
mir gelesen hatte. Unterdessen versuchen liebenswürdige
Leute ihr zu soufslieren: „Kindheit“ und „Jünglingsalter“,
»Krieg und Frieden“, „Anna Karenmina⸗“Und —X
stammelt nach: „Kindheit des Jünglings“, „Der Krieg
im Frieden“, „Andre Cornelis“ (Lebteres ij bekannitich
der Titel eines Romans von Bourget) Ja, mein⸗
Dame“, sage ich, um der Mearter der armen Frau ein
Ende zu machen, „Andree Cornelis ist in der Tat kein
schlechtes Buch ... Und nun sagt mir‘, so schloß Tolftoi
seine Betrachtungen, „was joll ich nun von meinem
Atuhme halten?“
Grüne Haare. In der Nähe der Kupfergruben an
Kuba und in anderen Gegenden, in welchen viel Kupser
zefunden wird, begegnet man auf Schritt und Triutt Leu—
ten mit grünen Haaren. Das ist, so lesen wir im „Cor⸗
tiere della Sera“, nicht etwa eiunue neue Haarmode, son—
dern das Resultat eines merkwürdigen Raturphänomens.
Das rohe Kupfererz wird, bevor es in den Handel ge—
dracht wird, in riesigen Oefsen hon allen fremden Suvb.
‚tanzen befreit Waährend dieses Schmelzprozeses entströ—
men ihm Däampfe, die die Eigenschaft haben. das Haar
o grün zu färben wie Gras. Es handelt sich um eine
hemische Realtion, die durch das in den Daͤmpsen ent
zaltene Arsenik hervorgebracht wird. Die Haare bvleiben
im übrigen so, wie sie waren. und wachsen ganz normal
veiter.
Ein seltener Fall von Gedächtnisschwund ist bei
inem aus dem Norden des Staates Reufüdwales in
Sydney (Australien) eingetroffenen Amerikaner festgestellt
worden. Seine Mitteilungen werden von zwei Aerzten
n Sydney bestätigt, die seinen Fali untersucht haben.
Der Meann verließ einige Tage vor Ostern die Stadi
Parahoe in Kalifornten, um sich zu seiner Familie in
Vos Angeles in demselben Siaat zu vbegeben. Er erin—
nert sich, in Los Angeles eingecrossen zu sein, hat aber
keine Vorstellung mehr davon, was sich danach ereignet
hat. Er erwachte eines Worgens unter einem Baum im
australischen Busch und war sehr verwundert, um sich her—
im allerlei ihm unbekannte Vegetationsformen zu sehen.
Ferner bemerkte er, daß seinne Hände hart und rauh wa—
ren, obgleich er sich nicht besinnen konnte, jemals irgend
welche Handarbeit geleistet zu haben. Ein Viehtreiber,
der bald darauf vorbeitam, war sprachlos vor Verblüff—
ung, als der Amerilaner ihn nach dem nächsten Weg nach
Los Angeles fragte. Schließlich sagte er ihm der Rame
der nächsten Ortichast sei Hill End. Der Mann ohne Ge—
dächtnis fragte darauf nach dem Datum des Tages, wor—
auf ihm der Viehtreiber sagte, es sei Ende Oktober und
das Vand, in dem er sich vesinde, sei Neusüdwales, Der
Amerikaner, der seinen Zustand erkannte, machte sich nun
nach dem mehrere Hundert englische Meilen entfernten
Sydney, wohin er sich durch arbeitete, und jetzt arbeitel
er in Sydney, um sich Geld zur Heimkehr zu seiner Fa—
milte zu schaffen. Wo seine Familie sich gegenwärtig auf—
hält, und was er in den jechs Wonaten von Aprif big
Otlober getan hat, ist ihm vollig unbetonnt. —
Bum Schaden den Spott. „Wenn Sie mich
nicht erhören, Fräulein Rosa, verliere ich noch den Ver—
tand!“ — ‚„Tun Sie das lieber nicht. Gerade Geringfüg—
gkeiten finden sich schwer wieder.“
Grammatik. Sertaner (bei der Lektüre einer
Zeitung): „Vater, wo jehoͤrt der Artikel hin, vors Wort
oder nachs Wort?“ — Vater: „Natürlich vors Wort, mein
Junge.“ — Sertaner: „Denn muß et also heißen: Der
Spargel!“ — Vater: „Jewiß doch, wie denn sonstz?“ —
Sertaner: „Na, hier steht es umgekehrt: Spargeider!“
KFnopflhochplage. Auf ihrer Rückreise waren
Sie auch in Amerika. Wie gefällt es Ihnen da?“
„Jott, wissen ja, primitive Leute, immer noch keene..
Orden.“

Der Herzog halke Recht; es war eine koͤnigliche Er—
scheinung, die sich seinen Blicken darbotnoch geboben
durch das kostbare kürkische Kostum, das die Marqui—
als Maskenkleid gewählt hatte.
Es bestand aus einem Unkergewand von gelbenn,
golb durchwirktem Atlas, darüber eine rote Tunika, so
reich mit Perlen besetzt, daß man kaum den Stoff dar—
unker erkannte. Das schwarze Haar, ungepuderk. war
von einer Ketten von Brillanten und Rubinen durchwunden
 und umrahmten in schweren Flechten das
chmale, geistvolle Anklitz der Favorikin, die bereils das
dreißigste Lebensjahr überschrilten, deren Gestalt und
Anklitz mit den dunklen, fast krankhaft leuchtenden Augen
sich indessen die volle bezaubernde Frische der Jugenv
dewahrt hatte.
Sie streckte dem Herzog die feine, mit funkelnden
Brillanten geschmückte Hand entgegen.
„Meine Freunde sollen mich üeben,“ sagke sie, „und
ihnen zu dienen, sei das Bestreben meines Einflußes
auf meinen königlichen Freund und Gebiekter. Mag
das Volk mir fluchen, der Adel mich hassen, wenn ich
nur auf meine Getreuen zählen darf, vor allem auj
Armand Herzog von Richelieu!“
Der Hofmann zog die Hand der Dame an sein⸗
dippen.
„Könnken Sie nur einen Moment daran zweifeln,
eure Freundin?“ fragke er. „War ich es nicht, der
Sr. Majestät auf die Schönheit der Madame d' Etoiles
aufmerksam machke, war ich es nicht, der die Verbind⸗
ung mit ihren Gattken löste, dessen Reichtum ihm noch
sange nicht das Recht verlieh, Reize sein zu nennen.
die eines Königs würdig sind? Befriedigle ich nicht
alle Wünsche ihres Ehrgeizes? Kann es eine größere
Befriedigung geben, als einen Mann wie Monza zu
stürzen und Frankreichs Adel vor einem gleichen Schick
salzi iternd zu maden?“
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.