Full text : Dudweiler Zeitung

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Redaktion, Druck und Verlag von J. Unterkeller, Dudweiler.

Erstes Blaͤtt.
Der erste österreichische Leukballon.
Nun hat auch Oesterreich sein lenkbares Luftschiff.
die Brüder Renner in Graz haben vor einigen Tagen
nit einem selbstkonstruierten, halbstarren sentbaren Ballon
yor einer riesigen Zuschauermenge und vielen hohen Of—
izieren wohlgelungene Probeflüge ausgeführt. Es steht
u ermöyeten. daß die Estarie 19 denn dies ist der Nanle

—

Zeircung zu füllen, denn das politische Leben in Deutsch⸗
land ruht sich noch immer von der heißen Sommerarbeit
mus. Nur in den Reichsämtern soll reges Leben herr—
chen, wenigstens glauben die offiziösen Blätter, die Welt
nit dieser Neuigkeit beglücken zu muüͤssen. Was aber an
zesetzgeberischen Vorlagen in den einzelnen Ressorts aus—
gearbeitet wird, darüber herrscht nach wie vor strengstes
A— Reichs
boten in diesem Jahre sehr spät nach Berlin berufen wer.
den, da bisher nicht einmal der Etat aufgestellt ist. In
wischen beschästigt sich die Presse mit den Fragen, welche
der gesetzgeberischen Lösung resp. Neuregelung harren.
Durch den Sessionsschluß des Reichstages sind bekanntlich
alle unerledigten Vorlagen und die gesamten Kommissions
arbeiten ungültig geworden und der Regierung bleibt
vollsiändig freie Hand, die einzelnen Vorlagen im Ple—
num wieder einzubringen oder nicht. Vorläufig regt man
sich jedoch über solche „Kleinigkeiten“ nicht vv. er auf, da⸗
für bieten vor allem die „Enthüllungen“ über die No—
»ember-Ereignisse, resp. über das Kaiser-Interview des
Londoner „Daily Telegraph“ einen interessanten Stoff. Ob⸗
wohl die „Enthüllungen“ neues Material nicht zu Tage
jörderten, sieht jeder für sich moglichst v'el Kapital dar—
aus zu schlagen. Hinter den Kulissen trägt man sich mi
der Absicht, die ganze Affäre noch einmal ausführlich of
iziss klarzulegen, aber die Verwir lichung stößt au,
Schwierigkeiten, weil über die einzelnen CGespräche des
Kaisers mit dem Fürsten Bülow narürlich keine Akten
angelegt, und weil sie mi unter vier Augen geführt
wurden. Das Hin und Ler auf der Suche nach dem
Sündenbock ist also vollständig zwecklos. Wann dieser
unerqu'ickliche Streit endlich einmal ein Ende nehmen
wird, ist schwer vorauszusagen. Vielleicht wird er ver
gessen, wenn etwas neues Interessanteres die Oeffentlich
cit in Spannung hält. — In der verflossenen Woch
jährte sich jener denkwürdige Tag zum dreißigften Male
an dem in Wien zwischen den Bevollmächtigten des Kai—
jers und Königs Franz Josef 1. und des deut'chen Kai—
sers und Königs von Preußen Wilhelme1. der Bünd.
nis⸗Vertrag zwischen Oesterreich- Ungarn und
dem Deutschen Reiche abgeschlossen wurde Neun
Jahre später schloß sich diesem Vertrage auch JHalien
noch an. Was der Dreibund für den Frieden Europas
bedeutet, ist jedem bekannt. Ersi jüngst hat er mit seinem
Machtwort die Krise im Orient geschlichtet, und einen un—
heilvollon Krieg verhindert. Dadurch hat man sich auch
in Italien auf die Vorteile dieses Bündnisses besonnen
und es scheint, was zu wünschen wäre, daß jetzt eine drei—
bundsreundliche Stimmung in Italien die Vorhand ge—
winnt, sodaß eine Revision des Abkommens geplant ist,
vorüber schon beim demnächstigen Besuch des neuen Reichs
sanzlers in Rom konferiert werden sollie. Im Interesse
der westeren Erhaltung des Weltfriedens ifl diesen Be—
trebungen voller Erfolg zu wünschen. Italiens Interesse
vrree wohl nicht etzzt dadurch gedient sein.
Rußland erregt im Auslande eigentlich nur durch
eine großen Verwaltungsskandale Auffehen. Gegenwärtg
sst man in Vetersburg damit beschäftigt. Unterichlagun
en im Heere aufzudecken, und es heift schon, daß ein
ßerwaltungsstandalprozeß bevorstehe, der seinesagleichen in
»er russischen Geschichte nicht finden werde. Tas besagt
chon mehr als genng. — Die Zarenreije nach Italien,
ꝛie von Frankreich so sehnlichst erwartet wird, wird im—
ner mehr hinausgeschoben, obwool man in Paris dieser
Tage verkündete, daß sie schon in nächster Zeit stattsinde.
dach den neueren Meldungen gewinnt es den Anschein,
üs ob die Reise des Zaren nach Italien und Konstanu—
iopel erst im nächsten Jahre stattfinden werde.
Die politische Situation in England ist durch die
daltung Roseberys unklarer denn je geworden. Weiien
rreisen kommt erst durch das Eingreifen des Königs zum
Zewußtsein, daß eine schwere Verfassungskrise an das
SZchicksal der Budgetbill geknüpft ist. Die konservative
Lresse nimmt zu den Besprechungen des Monarchen mit
den Führern beider Parteien eine abwartende Haltung
in. Auf der rad kalen Seite machen sich hingegen Be—
orgnisse deutlich bemerlbar, daß Herr Asquith zu weit
m Nachgeben gehen könne. Ob das persoͤnliche Eingreifen
des Königs den gewünschten Erfolg haben vwird. bleibt
ibzuwarten.
Spanien, das vor kurzem in Marokko endlich mit
größerem Erfolg gekämpft hat, scheint zu früh gejubelt
u haben, denn die Riffleute daben den spanischen Sol—
aten in den letzten Tagen wieder erhebliche Schlappen
»eigebracht, sodaß General Marina sich veranlaßt sah, in
Madrid schlenniast nene Truppen zu fordern. Die spa
nesche Regierung hat diesem Wunsche nachgegeben, wodurch
inerseits das Mißtrauen Frankreichs vergrößer!
vurde und anderer'eits die Gefahr zugenommen hat, daß
unmehr auch Muley Hafid den Ereignissen im Riff nicht
nehr tatenos zusehen wird. Dann hätten sich allerdings
e Spanier eine böse Suppe eingebrockt, die sie wohl
uch selbst auszuessen hätten, denn Frankreich wird sich
oraussichtlich schwer hüten, seinem spanischen Nachbar
die Kastanien aus dem Feuer zu bolen

—VV genehmigt
daß auch ber den für preußische Rechnung erfolgender
Zahlungen von Diensteinkünften der alktiven Beamten, Hin
terbliebenen- und Ruhegehaltsbezügen in aleicher Weise
oerfahren wird.
*Die Aufhebung der Portofreiheit der bayeri
schen Behörden, die für das Jahr 1908 zum ersten Male
wirksam geworden ist, ergab bei der dortigen Postverwal—
iung 5 Millionen Mar: Mehreinnahme.
* In einer großen Zentrums-Versammlung in Mün—
hen, die einer Rechtfertigung der Steuerpolitik des Zen⸗
trums bei der Reichsfinanzreform gewidmet war, hat der
Reichsstagsabgeordnete, Domkapitular Kohl aus Eichstäu
olgende bemerkenswerte Aeußerung getan: Die Reichs—
Vermögenssteuer hätte nur dazu gedient, den födera—
iven Charalter des deutschen Reiches und damit die
Zelbständizkteit der Bundesstaaten zu gefährden und die
deutschen Staͤmme in den großen vreußischen Schafsstall
zu treiben

H7
Rt

Oesterreich-Ungarn.
* Bürgermeister Lueger benutzie den Anlaß der Bür—
gerbeeidigung in Wien zu energischen Aeußerungen über
den deutschen Charakter der Stadt Wien: Im
Lide werde ausdrücklich und gesetzlich anerkannt, daß
Wien einen deutschen Charakter haͤt. In Wahrung des
deutschen Charakters der Stadt Wien Kege keine Feind⸗
eligkeit gegen irgendeine Nation. Alle, die nach Wien
ommen, seien verpflichtet, die deutsche Sprache zu lernen.
Man werde streng darauf sehen, daß nur deursche Schu⸗
en in Wien existieren und gar keine anderen. „Ich bleibe
ein guter Deutscher uꝝnein auter Oesterreicher“, so schloß
»x seine Rede

—
— —

Rußland.
*Da die Pforte in der Frage der Durchfahrt rufsischer
riegsschiffe durch die Meerenge absolut tkein Entgegen—
ommen zeigt, wird, wie im Miinistertum des Aeußern
nitgeteilt wird, die Reise des Zaren auf dem Land—
vege und zwar über Oesterreich erfolgen. In der Be—
gleitung des Zaren wird sich Fswolsti befinden. Der
taltentiche Hof wurde bereits von den veränderten
steisedisvositionen des Zaren in Kenntnis gesekt
Spanien.
* Der Berichterstatter des „Matin“ in Tanger ist in der
Lage mitzuteilen, welche Antworit der ultan
mj die französischen Vorschläge bezüglich der
Auleihe von 150 Miillionen Frauts gegeben hat. Der
Sultan nimmt die Vorschlage unter folgenden Bedingun—
gen an: Sofortige Räumung des Gebietes vor Schauja
und Casablanca. Er verpjflichtet sich, die Sicherheit in die
sem Gebeet aufrecht zu erhalten und unter Umständen die
Anstellung eines Polizeikorps, bestehend aus maroktani—
schen Truppen, zu gestarten, die unter dem Befehl von
französischen Offizieren stehen so!len, ferner sofortige Räu—
mung Udschas. An der algerischen Grenze wird ein ge—
nischtes Korps aus Franzosen und Marokkanern gebildet.
Ferner verlangt Muley Hafid von den 40 Prozent Zoll⸗
einnahmen, die zur Garantie gestellt sind, 10 VProzen
für sich

es neuesten Lenkballons, vom Kriegsmim'sterium 1
iommen wird. Das Luiftschiff ist erheblich kleiner als die
eutschen Luftkreuzer; es hat eine Länge von 30 WMieter
md einen 25 P. Motor. Ein in dem Motor eingebau—
es Rahmenwert vertriit die Gondel. —
gZum Ableben Tschangtschitungs.
Der Großsekretär des chinesischen Staatsrates Tschang⸗
chttung, ein resormfreundlicher und aufgeklärter Mann,
i im Alter von 75 Jahren einem Herzschlag erlegen. Sein
od bedeutet für China einen großen Verlust. Warer
och nach dem Abgange Zuanschitais der einzige modern
enklende Staatsmann, der sich in Peking in leitender
ʒtellung befand und das Ohr des Prinz⸗Regenten hatte.
ẽer war kein blinder Anbeter der Kultur des Westens, er
erstand es, die Spreu vom Weizen zu sondern und in
einem Lebenswert „‚Chinas einzige Hoffnung“, in dem er
Us wahrer Freund seines durch Japan so tief gedemü—
igten Landes seine Ideen zur Sanierung des kranken
taatstkörpers lar leate wornto er ausdrucklich davor,

— — —r —
Koloniales.
Drahtlose Verbindung mit den Kolonien. Wie
iach dem „LotAnz.“ verlautet, sind die Versuche einer
drahtlosen Verständigung zwischen einem nach Kamerun
ahrenden Woermanndampfer und der Statton Nauen er—
olgreich gewesen, so daß die Msglichkeit einer funtentele—
zraphischen Verbindung mit den Kolonien nun gegeben
erscheint. Angesichts der englischen Monopolisierungsbe—
trebungen auf diesem Gebiete beabsichtigt die Telefunten—
veselischaft, ihr System in weiterem Maäße bei Handels⸗
chiffen einzuführen, was umsoweniger Schwierigkeiten ma—
hen dürfte, als die Reichweite der Telefunken dem Mar—
on⸗System erheblich überlegen ift. Eine Konferenz von
Zchiffsversicherungs⸗Gesellschaften dürfle sich in nächsier
zeit mit dieser ˖ Frage befassen.
— — —
Luftschiffährt. „*
Die Frankfurter Fliegerwoche. —
Die Flüge der Aviakiler am Donnerstag nahmen fol
zenden Verlauf: Euter 5.28 Uhr 4 Min. 34 Sek.; Ner—
⸗ↄve 5.40 Uhr 30 Set.; Latham 5.44 Uhr viermal zwi⸗
schen 20 und 26 Sek.; Rougier 5.55 Uhr (Gewarb sich
um den 5 Kilometer-Preis). Er flog im ganzen 3 Min.
16 Sek., hat aber den Preis nicht gewonnen, da er nur
1354 Runden siatt drei Runden zurücklegte. Rougier ge—
wann aber mit diesem Fluge den täglichen Schnelligkeits⸗
preis (ersten) von 400 M. Rougier 6.10 Uhr außer Kon—
kurrenz 6 Min. 23 Sef

Transatlantischer Luftschiffverkehr.
Obwoh man zweifeln kann, daß innerhalb der näch—
ten Zeit auch der Atlantische Ozean in seiner ganzen
Breite von einem Lustschiff überflogen werden könnte, ist
s jedenfalls nicht uninteressant, wenn die Möglichkeit
iner zukünftigen Einrichtung eines transa lantischen Luft—
chifsperkehrs geprüfst wird, wie es Kapitanleuinant von
Müller-Berneck in der Marine-Rundschau unternimmt.
Wenn es sich darum handelt, das Luftschiff nicht als ein
Beförderungsmittel für Sportsleute und Liebhaber, son—
dern als eigentliches Vertkehrsmittel zu berirachten, so
nuß seine Fähigkeit, mit anderen Verkehrsmitteln in Wett⸗
ewerb zu treten, ohne Voreingenommenheit ins Auge
gefaßt werden. Einen Sieg auf dieser Bahn wird das
Luftschiff nur erkämpfen, wenn es neben völliger Be—
riebssicherheit und Bequemlich'eit eine erheblich größere
ind sichere Vermehrung der Geschwindigkeit gewährleiftet.
Wahrscheinlich wird diese Bedingung zunächst in folchen
Erdgegenden erfüllt werden, wo stetige Winde zu gunsien
der Luftschiffahrt benutzt werden können. In diefser Be—
ziehung ist das Gebiet des Nordostpassats, der mit einer
durchschnistlichen Geschwindigke't von 628 Metern in der
Selunde von Südeuropa und Nordafrika über den At⸗
antischen Ozean hinüberstreicht, am meisten zu beachten.
von Müller rechnet aus, daß bei einer Eigengeschwindie
vit eines Luftschiffes von 14 Metern ein solches Fahrzen
on Madeira nach dem Panama- Kanal in 114 Sunden
zelangen könnte, während ein Schnelldampfer 164 Stun—
den braucht Also eine Ersparnis von mehr als zwei Ta⸗
gen! Wie die Luftschiffe den Rückweg bewirsen sollten
fann freilich vorläufig nicht gesagt werden
S

Tcha H3-Volitische

 Rundschau.
Deutsches Reich.
*Der Schlesische Provinztiatkverband
»es Deutschen Flottenvereins hatte beschlossen, das Am
es Vorsitzenden, das der zum Unterstaatssekretär im Fi—
ianzministerium ernannte Oberpräsidialrat Dr. Michaelis
mnehatte, demn Prinzen Friedrich Wwilhelm
on Preußen anzutragen. Nach Einholung der er—
orderlichen Genehmigung des Kaisers hat der Prinz die
Vahl angenommen.
*Das Reichsschaßzamt ha— Reichshauptkasse
enachrichtigt, daß fortan die Zahln . Gehälier, Hin—
erbliebenen-Bezüge und Pensionen geat Postscheckkonto
rsolgen darf. Da indessen die VBoincheckämter nicht in
leicher Weise wie die Bankhäufer die Verpflichtung über—⸗
iehmen können, der Reichskasse die uberwiesen erhaltenen
beträge wieder zuzuführen, dalls der Bezugsberechtigte
en Fälligkeitstag nicht erlebt hat, wird diese Art der
leberweisung bloß für »e im Dienste befindlichen Be
ugsberechtigten ohne weiteres, für andere aber nur nag
orheriger Einsendung der vorhriftsmäßigen Empfangs.
escheinigung zugelassen. Die Ueberweisung der Beträg«
at durch Zahlkarte zu geschehen. Ter preußische Finanz
ninister hat die Verfügung den koͤnig!ichen Regierungen
ur entsprechenden weiteren Veranlassung wegen der vop
en nachageordneten Kafsen für Rechnung des Reiches zu

ind alle staatlichen Sinrichtungen des Westens auf China
übertragen. Er schilderi die tkolossalen Gegensätze bei
n WVölkern Europas und gibt Anhaltspuntte für ein
eales Regterungssystem, das solche Gegensätze vermei—
t. Der Verstorbene hat in seinen verschiedenen Stellun—
n vielfach Gelegenheit gehabt, mit den europaischen
lächten in Berührung zu tommen. Besondere Beziehun—
n hatte er zu Deutschland, zu dessen Wehrmacht er ein
chegrenztes Vertrauen hatte. Jym ist di⸗ Berufjung so
eler deutscher Instruktions-Offiziere, sowie die Begründ—
chinesischer Valitärschulen nach deutichen Wufier zu
nken

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Her Oktoder ijt kah. Ind hat auch Aabn ziemlich viel
genwetter gebracht, herade so, wie die arte Bauecrnregel
)den zweilen Herbstmonat wanscut. Er entzieyn uns
mer mehr das Licht der unaufhaitsant abwärts geden
Sonne. Bald wird der nde Ofen seine behag—
J)e Wärme wieder ausrem in, und wir lassen die Be—
zlichleit des Lebens innerharo der vier Pfähle, die wir
Sommer draußen in der schönen Naiur allzuleicht ver—
en lernien, wieder auf uns einwirten... . Der ge—
Zeitunismann dat ieine liebe Not. die Spalten der
            
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