Full text : Dudweiler Zeitung

it. 234 22 Jahrs. * W 72 — Freitag 8. Okt 08.
Ersheint —1838 —364. ——8 4 J 4 9 0 —312 416 Angzetgen
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—)ꝰ *

Am⸗
Mit den Spaniern im Felde.
Kon den egerihen Tugenden und untugenden der
m Rifnfetamplenden Spanier, von ihrer sKampfesweise
ind dem Levbven angesichts des Feindes entwirjit in einem
zondoner Blatte ein englischer Wirtamper, dem es nach
nelen Vuühen geiungen ijt, als Kriegsfreiwilte
zer in den Reihen der jspanijchen Armee aufgenommen
u werden, interetsante und anschauliche Bilder. Er steht
n der Vorpostenante, die die Et,enbahn decit, etwa zwei
nglische Veilen von Weiine. Aufs einem maurischen
Nartte, der von niedtigen, fssachen weißen Häusern um—
ahmt ist, lagern die Truppen; die Offiziere und Ser—
seanten in den tleinen dunilen Gelassen der Hauser, die
sannschafsen aus den Marctt. Auj Sand und Stein ra—
tet man hier; in der Mitte des Platzes lodern die Feuer,
mf denen die wintagssuppe gesocht wird; „die Luft ist
ast verdunkelt von nen Fliegenschwaärmen, selbst jetzt
eim Schreiben kriechen Dutzende dieser Feiegen mir über
ßesicht und Händer. Die Truppen tragen eine weiße
einenuntform mit blauen Streisen und eine Art Sand—
andale. Das unangeneumste Ausruüstungsstück ist der
chwere Helin, aber neue leichte Kaktihelne sind bereits
interwegs. Zweimnal taglich erhallen “ꝛe Truppen ihr
ẽ sen, eine Art zuljammengekocheer Suppe aus Bohnen,
xnoblauch, Oel, Fisch oder Fleisch; dazu Brot und ein
Blaschen weißen Weines. An den Geschmack des Celes
ind des Knoblauches gewöhnt man sich erst mit der Zeit.
Ddas Wasser ist schlecht und nur nach Zusatz von Alkohol
zsenießbar. Der Kriegs reiwülige schildert dann den Ver—
aufj einer gewöhnlichen Tagesarbeit. Un 5 Uhr mor—
jens endet der wenig genußreiche Schlaf auf den harten
Zteinen. „Wir erhalten Besehl, dreiviertel Meilen weit
a das Gelände vorzudringen, um es von den Mauren
u saubern, die sich vielleicht in der Nacht herangeschlechen
saben. In Gruppen von 12 Mann bricht man aufl, aber
ald bildet man Schützenschwärme, denn schon auf Ent—
ernungen von 1500 Meter beginnen die Mauren ein
inn, und planloses Feuer. In raschen Sprüngen wird
dann vorgegangen, bis wir auf einige 800 Meter an den
ßegner heran sind. Die Mauren schießen schlecht; bisher
ießen wir iar Feuer unerwidert, nun nehmen wir in
Gruppen das Gefacht auf. Eine halbe Situnde später er—
rönt das Signal zum Rückzug Wir sind etwa ein Kilo—
neter über unsere Vorpostenlinte hinaus und haben das
ßzelände geklärt. Der panische Soldat ist im Felde leicht
u vejehligen, wenngleich er kein guter Schütze ist und we—
liig Gewandt)eit und Meigung zeigt, die Geländedeckungen
uuszunützen. Zweifellos ist er mutig und kühn. Die Le—
tende von den Truppen, die nur ungern und widerwillig
n den Kampf zogen, erscheint dem töricht, der unter ihnen
veilt. Die Haltung des spanischen Soldaten im Feuer
st bewunderuswert. Erst kürztich sah ich während des
stückmarsches, wie ein Sergeant mitten im Feuer geslassen
tehen blieb, um seine Zigarette anzuzüunden und dann
»en Kameraden wieder nachzuellen. Nach dem Gesjsechte
vährend des Vormittags erhalten wir unsere ersie Mahl—
eit. dann Gewehrreinigung. Nachmittags um 4 Uhr sind
zwei Stunden Gefechtsüdungen; dann das Abendessen. Um
28 Uhr werde ich auf Vorposten geschickt. Von 9 bis
ühr in nichts geschehen, ich roile mich in meine Decke, um
ainige Stunden zu schluen.“ In den Augen des engli—
chen Beobachters wird die Disziplin im Lager etwas
ässig gehandhabt, troßdem das Mannschaftsmaterial eitne
twaäs scharsere Behandiung ganz gut vertragen könnte,
»enn der spanische Soldat ist ein sehr fröhlicher, lustiger
und ein wenig übermütiger Geselle. Im Gefechte aber
äßrmer nichts zu wuünschen übrig, es sei denn sein krie—
gerischer Uebereiser, der ihn das Kommando Halt leicht
erhoren läßt Der Offiztier hat übrigens das Recht,
ungusmertsame und nachlässige Leute handgreiflich zu be—
tra en: dagegen werden Schlägereien zwischen den Mann—
chaften unnachsicht ich geahndet. Die Ofsiziere sind tot
ühn, aber zugleich von allen Obliegenheiten ihres Be
ufes vortrefflich unterrichtet; bemerkenswert ist ihre große
Zorge für das Wohlergehen ihrer Untergebenen. Auffätla
ür den Fremden ist die Angriffstakik der Spanier; die
zchützenlinte geht nicht in threr Breite vorwärts. Beim
Zignal „Sprung!“ tkriechen die Gruppen zusammen und
türzen dann in Indianersormaion einer hinter dem an—
dern vorwärts zur nächsten Deckuna. wo schnell wieder

zur Linie aufmarschiert wird. Van vbietet so dem Gegner
in kleineres Ziel. Die verlustreichen Kämpfe haben die
Nannschaften übrigens rasch gelehrt, die natürlichen Deckingen
 beim Vorgehen besser auszunutzen, wie zu Ansang
des Feldzuges

Der Dreibund.
Die „Nordd. Allgem. Zig.“ sagt in einem „Ein Ge
denktag“ überschriebenen Artitel: Am Donnerstag jährte
zum 30. Male der Tag, au dem das Bündnis zwischen
deutschland und OesterreichUngarn unter—
eichnet worden ist. Dreißig Jahre hindurch hat das
undnis volte Wirksamkeit geübt und, durch den Hinzu—
riit Italiens zum Dreibund erweitert, dem europaischen
frieden unschätzoare Dienste geleistet. Allen gegnerischen
ünterstellungen zum Trotz hat die Bundesgenossenschaft zu
einer Zeit die Grundlage einer angreisenden und auf die
zeeintraͤchtigung der Rechte Dritter abzielenden Politil
jebildet; sie ist ein festes Bollwert des Friedens, hinter
dem die verbündeten Mächte ungestört sich der Pflege ihrer
igenen Angelegenheiten widmen konuten. Seinem fried
schen Charatter gemäß hat das Bündnis die Hersteltung
reund chaftlicher Verhältnisse zu den außenstehenden Staa
en nicht nur gefördert, es ist geradezu das fruchtbrin⸗
jende Erdreich geworden, aus dem die Friedensgedantken
teue Nahrung gezogen haben. Der Abschluß des Bündnij—
es zählt zu den vbedeutendsten polittschen Taten des gro—
zen ersten Kanzlers des Deutschen Reiches. Von seiner
erdienstvorlen Mitarbeitern weilt unter uns nur nocht
zer jetzt im Ruhestand lebende Botschafter von Radowitz
das große Werk des Bündnisses aber leot und wirrt sort.
Die „Wrener Abendposst' schreibt: Drei Jahr—
ehnte sind verflossen seit dem Tage, da in Wien zwi
hyen den Bevollmächtigten des Katsjers und Königs Fran—
zosef 1. und des deutschen Kaisers und Königs von Preu
en Wilhelm 1. der Vuündnisvertrag zwischen Oesterreich
uingarn und dem Deutschen Reiche abgeschlossen wurde
erst neun Jahre später, am 3. Februar 1888, wurde der
Bündnisvertrag amtlich verlautbar, und sowohl die Be
zründung dieser Publikation, wie auch der Tert des mit
jeteilten Vertragsinstrumentes ließen keinen Zweisel dar—
iber, daß von vornherein der Zweck und die Absicht des
Bündnisses einzug und allein auf die Erreichung des Frie—
»ens gerichtet war. Der Bündnisvertrag selbst betont in
einer Einleitung den ausschließlich defensiven Charakter
der Allianz. Die dreißigjährige Allianz mit dem Deut—
chen Reiche beweist überzeugend, daß sie den Absichten
reu geblieben ist, die bei dem Abschluß vorgewaltet haben

— — - I
Volitische Rundschau.
Deutsiches Reich. —
»Die Frage, ob eine Berminderung des Be—
imtenstabes bei der Reichsposst und eine anderwei—
ige Regelung der Dienstgeschäste zur Verminderung der
ortdauernden Ausgaben dieses Ressorts tunlich erscheine,
st jetzt anläßlich der Vorarbeiten zum Postetat für 1910
m Reichspostamt erörtert worden. Hauptsächlich handelte
s8 sich darum, ob es angebracht sei, gehobene Umn—
erbeamte als Schalterbeamte für einsfa—
jere Dienstgeschäfte zu verwenden. Man ist aber zu der
leberzeugung gekommen, daß am bestehenden Zustande
zichts geändert werden solle, und die Schalter nur milt
nittleren Beamten zu besetzen sind. Dagegen sollen Ver—
uche mit der Verwendung von Unterbeamten um
delegraphendienst gemacht werden. Auf den
zrößeren Stadtpostämtern loll die Aufstellung von Mar—
enkioslen und von Markenautomaten weiter gefördert wer—
en, da sich durch diese Hilssmittel eine starke Entlastung
es Schalterdienstes bemerlbar gemacht hat. Um die
mmer mehr anwachsende Schreibarbeit auf den Aemtern
esser bewältigen zu können, namentlich die Bearbeitung
er Beschwerdefachen und Anfragen, soll die Zahl der
Bostgehilfinnen mit der Befähigung zur Steno—
ypistin vermehrt werden und vorzugsweise die Schrei b—
nassschi ne Verwendung sinden. Dadurch wird eine
roße Zahl von Beamten zu anderer Dienstverwendung
rei werden.
* Wie eine Berliner Zeitungsnachrichtensielle von mili—
ärischer Seite erführt, geht man an maßgebender Stelle
nit der Absicht In, inen Wriahtschen Flugapparat
zorerst für miltaruche Zwecke ausprobieren zu lassen
im eveniell einen AUnkauf dieses Apparates zu ve—
werkstelligen. Ueber die militärische Brauchbarkeit der
Flugapparate kann erst dann ein Urteil gefällt werden,
venn die kriegsmäßigen Versuche abgeschlossen sind, die
nicht nur in einem Ausstiege in möglichst große Höhen be—
tehen, sondern vor allen Dingen darin, daß zwei Leute
rufj demApparat in die Luft steigen können, und daf
wetens auch militärische Meldungen darauf ohne Stör
ma geschrieben werden können

Luftschiffahrt.
Die Fliegerwoche in Köln.
Der hetzte Tag der Fliegerwoche brachte nicht
e onders interessanee Fluge, da Bleriot bereits nach
zrancfurt aogereist war. Es standen nur zwei Flugma—
chinen zur Versügung, namtich der Eindecker Deha—
zranges und der Zweidecker Bregis. Delagrangeé
erhob sich kuürz nach 4 Uhr, mußie aber bald darauf wie
der niederzehen. Vann flog er auf dem Apparat Bregis
»on 5 Uhr 20 Min. bis 5 Uhr 25 Min. und machte 3
tunden. Gleich darauf machte er einen zweiten Flug und
egte drei Runden in 6 Ninuten zurück. Dann erhob sict
Delagrange auf jeinem Eindecker, kam aber nur eine Bahn
änge weit. Er stieg nochmals auf, kam aber ebenfalls
ucht uber die Bahn hinaus. 6 Uhr 21 Utin. erhob sict
Delagrange auf dem Zweidecker Breais und machte dre
Runden in 5 Winuten.
Köln, 7. Oft. In einer Zuschrift an die Zeitunger
vellagt sich das &omitee der Kölner Flug
woschee, daß die Anfsorderungen, welche die Herren Aviag
ler an sie gesierlt hätten, kaum zu beschreiben seien. Das
romittee sei immer bestrest gewesen, dem Publikum das
zeste zu bieten. Es hätte vesonders bedauert, daß Her—
BßZhertot am Mirttwoch Rachmittag nicht mehr gefloger
ei. Er erklarte, daß er am Dienstag Abend unbeding
wegen Famitienangelegenhe ten nach Paris reisen müsse

England.
* Die Vertagung des Partbaments ist, wie jetzi
ekannt wird, vom Kabineitsrat beschlossen worden, nach
em ihm die Berusung des Premierminister vom
onig vorgelegen hatte. Unter unionistischen Depuier—
en erhält sich das Gerücht, daß die unbefriedigenden Er
gebnisse der Revenuen aus dem Budget die Regierungç
n ihrem Verhalten beeinflußt habe, und daß sie zur
Immodelung eines Teiles der Vorlage in Form von Kon—
essionen an die Opposition bereit sjei. Man ist auf das
Resfultat von Asquichs Beiuch veim Könige äußerit ge
vannt

Spanien.
* Der „Maten“ meldet aus Oran: Die Führer des
Stammes der Beni Buifur haben alle Streitkräfte
zus der Umgebung von Seluan zusammengezogen. Wie
das g!leiche Blatt melner, soll eine spanische Jägerabteib
ing von Marokkanern überrascht und umzingelt worder
ein. Man pricht von ernsten Verlusten.
* General Marina hatie eine längere Konferenz
nit den übrigen spanischen Heerführern. Man schließ
»araus auf die bevorstehende Wiederaujnahme der Ope
aAttionen

Amerika.
*John Pierpont Morgan übernahm das Präsi—
»ium der amerikanischen Ausstellung in Berhin im
Fahre 1910
* Staatssetretar Dernburg hatte mit dem Ackerbau
ekretar eine Besprechung üder die durch den Baumwoll—
amenwurm verursachten Schadiaungen. Der Staaitssetre—
5r reist jetzt nach den Südstaaten

Die Frankfurter Fliegerwoche.
Die Fliegerwoche der „IJlart war am Mittwoch zun
rsten Mal vom Wetlter bvegunstigt. Es wurde wiriuch
zeflogen. Einer der hervorragendsten Aviatitker, der Fran
ose Rougrer, der RMann des Höhenflugs, unternahm
reir Flage von kurzer Dauer. Beim oruten Fluge, bvei
»em schabpungssorise cine Höhe von 250 Meter erreicht
vurde, ieß Roöougier den Parjevalbellon, der ebenfall⸗
ver dem Flugsede kreuzte, unter sich. Dieser imposani
— trang dom errnen trlenbnnensenden Beu
unges Mädchen mit langen, blonden Haaren, war seine
Hilda. Jung und lebensfrisch schien sie ihn anzulachen.
Das andere Bild stellte ein Kind dar, ein lachendes, lieb—
liches Kind von kaum sechs bis acht Jahren, seine Helga,
eine so spät aufgefundene Tochter.
Unbemerkt war Frau Mertens eingetreten. Sie hatte
den Fremden schon lange beobachtet, aber sie sagle kein
Wort und wartete geduldig, bis er mit der Betrachtung
der Bilder fertig war. I
„Sind Sie Frau Mertens?“ fragte er dan, sich plötz—
lich umwendend und sehend, daß er nicht mehr allein im
Zimmer war. 44
„Ja, ich bin es,“ versetzte die Angeredete kühl. —
'Ich muß Ihre Herrin sehen,“ fuhr der Graf fort.
„Bitte, sagen Sie ihr, daß ich in einer wichtigen Angele—
genheit hier bin.“
„Sie ist alt, krank und empfängt keine Gäste.“
„Aber ich muß sie sehen,“ beharrte der Graf. „Ich
darf die Sache nicht länger aufschieben. Sagen Sie ihr,
ich sei inbetreff des Kindes gekommen, das hier vor un—
zefähr zwanzig Jahren Aufnahme gefunden hat.“
Diese Worte brachten eine plötzliche Veränderung in
dem starren Antlitz der Alten hervor; ihre Glieder zitter—
ten heftig.
„Für das Kind ist gut gesorgt,“, stieß sie fast rauh her—⸗
vor. „Welches Recht haben Sie, darnach zu fragen und an
alte, längst vergessene Zeiten zu eringern?“
„Ich habe das größte Recht dazu — ich bin der Vate—
des Kindes.“
Frau Mertens prallte entsetzt zurück. Sie? — Sie
sind der Vater?“ stammelte sie endlich; dann, ohne ein
wenteres Wort abzuwarten, verließ sie eilig das Zimmer.
Es dünkte den Grafen bis zu ihrer Rückkehr eine un—
endlich lange Zeit, wiewohl in der Wirklichkeit kaum zehn
Minuten vergangen waren, bevor Frau Mertens zuriü—⸗
kehrte
„Meine Herrin will mit Ihnen sprechen,“ berichlete sie
„Aber erregen Sie sich nicht; sie ist alt und krank“
Der Graf versprach es. Frau Mertens hatte nicht zu
Ael gesgofte die alte Dome mit dem baoerzebrton ßbleichen

GHefunden

„Nun gut,“ sagte er sinnend, „ich will morgen selbst
Taente Eva aufsuchen.“
So wurde die Einsetzung in Helgas Rechte noch um
einen Tag aufgeschoben, eine Verzögerung, die leider ver—
dängnisvoll werden sollte.
Erst spät am Nachmittage des folgenden Tages schrett
der alte Graf Dornhalt durch den Wald, am Forslqause
norüber, dem kleinen Häuschen der alten Tame zu
Stürmisch und wild drängten sich die Gedanken in sei—
neni Hirn. Hier war die Heimat seiner geliebten ersten
VBatein, dasselbe Haus, in dem später denn auch sein Kind
ein Obdach gefunden hatte. Die Rückerinnerung schineerzte
hei; es war das erste Mal, nach dem frühen Tode Hildas.
daß er den Fuß jenseits des Waldes setzte.
Bald hatte er das kleine Häuschen erreicht. Ein jun—
ges, rotwangiges Hausmädchen öffenete die Tür; sie schien
iberr scht, als er nach der Herrind des Hauses fragte.
„IIch glaube kaum, daß Sie sie sprechhen können, mein
Herr,“ sagte sie. „Sie fieht nie Fremde und sie ist jetzt
uuich zu krank, um eien Besucher anzunehmen.“
Der Graf überlegte; endlich kam ihm ein glüclicher
vedanke. „Lebt Frau Mertens, die Verwalterin, noch?“
ragte er.
„O ja, mein Herr.“
„Dann will ich Frau Mertens sprechen; hier ist meine
darte.“
Das Mädchen öffnete die Tür eines kleinen, freundli—⸗
hen Wohnzimmers: „Treten Sie hier ein.“ bat sie und
zilte davon.
Der Graf sah sich in dem kleinen Gemach um; jeder
Begenstord hatte Interesse für ihn; war es doch derselbe
Raum, in dem seine Gattin und später sein Töchterlein
jewe'lt hatte. An der Wand hingen viele Photographien:
Ute Familienbilder, die ihm frenrd waren, aber dort in
er Fensiernische erresnen zwe Bilder, beide im breiten,
oldenen Rahmen. sine Auimerksamkeit. Das eine, ein

Gin leichter Schatten huschte über Helgas Antlitz. Sie
vidersprach nicht, aber trotz der Liebenswürdigkeit der
ßräfin mißtraute sie ihr. Lange noch plauderten die Lie—
»enden und malten sich die Zukunft in den rosigsten Far—
en aus, als plötzlich die Tür geöffnet wurde, und Graf
Dornholt mit dem alten Baron von Schleucher eintrat.
Beide stutzten bei dem unerwarteten Anblick und der alte
Baron war sichtlich überrascht.
„Helga — mein Kind —“ begann er erstaunt, doch das
unge Mödchen eilte schnell herbei, legte schmeichelnd ihren
Arm um seinen Hals und flüsterte ihm zu:
Sei nicht böse, Onkel. Ich hätte doch niemals' Hugo
»on Berkow heiraten können, denn ich liebe Leo.“
„Geht beide zu den andern zurück,“ sagte der alte Graf
reundlich. „Es tut mir leid, Euer trauliches tete⸗a⸗tete zu
tören, aber ich habe mit meinem Freunde eine sehr wich—
tige Angelegenheit zu besprechen.“
Ehe die beiden das Gemach verließen, zog der alte
Braf Helga an sich und küßte sie. Der Baron wollte sei—
nen Augen kaum trauen, noch mehr erstaunte er aber,
als er das Geheimnis über Helgas Geburt erfuhr.
„Sie müssen mir helfen, lieber Baron, ihre Identität
estzustellen,“ sagte der Graf nach Beendigung seiner Er—
ählung. „Wissen Sie, wie das Kind in den Besitz der
ilten Tante Eva kam?“
„Ich kenne die Einzelheiten nicht genau genug,“ ent⸗
jegnete der Baron. „Der alte General von Mengern, der
Vater meiner Gattin, nahm das Kind zu sich, weil er
ürchtete, daß die Kleine dort keine liebevolle Heimat ge⸗
unden habe. Er wußte genau, daß seine Schwester Eva
n früheren Jahren eine elternlose Verwandte, eine Waise,
jart behandelt hatte, deshalb zürnte er ihr und duldete
aum, daß ihr Name in seiner Gegenwart genannt wurde.
Auch gestattete er in späteren Jahren der Uleinen Helga
ue wieder, die alte Tante zu besuchen.“
Der Graf blickte gedankenvoll vor sich nieder
            
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