tr. 233 23. Jahrz. — V Wete a Donnerstag 7. Okt 08
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Politische Rundschau.
Deutsches Reich.
*Der Kriegsminister hat nach der „Neuen Pol.
Korresp.“ die Generalkommandos veranlaßt, darauf hin—
uwirken, daß die landwirtschaftlichen Vereine in den
Begenden, mn denen Mansöver stattfinden, alljährlich
urz vor dem Beginn der Uebungen durch Vermittlung der
Landwirtschaftskammern auf den sreihändigen Ankauf von
Biwaksbedürfnissen aufmerksam gemacht wer—
den. Hierdurch soll, da eine vorherige genaue Bekannt
gabe des Bedarss und der in Frage kommenden Ortschaften
nicht angängig ist, wenigstens eine allgemeine Vor—
bereinung der Beteiligten erreicht werden.
*Der Eisenbahnminister sagt in einem Er.
aß an die Eisenbahndirektionen: „Ich habe Anlaß, er—
neut darauf hinzuweisen, daß es zu den wesentlichsten
Pflichten de Vorgesetzten gehört, Wünsche der
unterstellbten Beamten, Hilfsbeamten und Arbeiter,
die auf dem vorgeschriebenen Dienstwege mündlich oder
chriftlich vorgebracht werden, bereitwillig anzuhören und
auf ihre Erfüllbarkeit zu prüfen. Bei sorgfältiger Beach—
ung dieser Bestimmungen von Seiten der berufenen Stel⸗—
en wird die ordnungsmäßige Geltendmachung berechtig—
er Forderungen sicher gestellt und das Vertrauen
estärkt, welches zwischen der Verwaltung und ihren An—
gestellten bestehen soll. Auch wird dann ein Bedürfnis
ticht hervortreten oder anzuerkennen sein, behufs Erör—
erung von Wünschen der Beamten, deren Verhältnisse
iberall durch Gesetze und allgemeine Anordnungen gere—
zelt sind Beamtenausschüsse zu bilden.“
* Die Regierung teilte auf Anfrage mit, daß die Er—
fatzwahl zum Reichstag für den Wahlkreis Halle a.
». S. in der zweiten Hälife des November itattfinden
vird.
.* Bei den allgemeinen Wahlen zum Meiningoer
2andtag wurden 5 bürgerliche und 9 sozialdemokra—
ische Kandidaten definitiv gewählt. In drei Kreisen fin—
den Stichwahlen statt, in einem zwischen dem bürgerli
hen und dem sozialdemokratischen Kandidaten und in den
eiden anderen zwischen bürgerlichen Kandidaten. Bishesa
saben dem Meininger Landtag 7 Sozialdemokraten ange
»ört. Im ganzen besteht der Meininger Landtag aus 24
Abgeordneten, von denen 16 durch allgemeine Wahlen, 4
zurch die Großgrundbesitzer und 4 durch die Höchstbesteuer⸗
en zu wählen sind
qyeut in der lausenden Woche nur vbosnisch-herzegowinische
Tendenzstücke aufgeführt werden, unterbleibt am 7. Otto—
ber die Vorstellung.
* Großes Aufsehen erregt in Belgrad die Ausweisung
von 40 Mitgliedern des mazedonischen Komi—
tees. Der Grund hierfür soll sein, daß die Ausgewie—
enen angeblich ein Todesurteil gegen Passchitsch ge—
füllt hahen sol'en
Die Arbeiten des Bundesratis.
Die parlamentarische Ferienpause geht ihrem Ende
u. Am 14. Oktober wird der Bundesrat unter dem Vor—
itz des Staatssekretärs des Innern, Herrn Delbrück, seine
Sitzungen wieder aufnehmen, um die neue Reichs—
ragssesssion vorzubereiten. Seine Ferien sind na—
urgemäß immer kürzer als die des Reichsstags. In die—
em Jahre sind sie besonders ktnapp gewesen. Diene uen
zZteuergesetze, deren Ausführung ja in seine Hand
zelegt ist, haben ihn noch lange nach Schluß des Reichs—
ags beschäsftigt und haben, soweit es sich um die am
.Oktober in Kraft tretenden Steuern handelt, die Bun
esratsbeschlüsse auch schon in den letzten Septemberwo—
hen zusammenberufen. Diese Ausführungsbestimmungen
ind o'st schwieriger und umfangreicher als die zugehörigen
Besetze, und das liegt nicht immer in der Natur der
Sache begründet. Es ist zwar im Reichstag oft davon di
stede, daß es nicht angehe, die Vollmachten des Bundes—
rats fortgesetzt zu erweitern, aber in der Praxis wirs
8 meist anders gemacht. Wenn der Reeichstag eine sehr
chwierizge Frage nicht lösen kann oder nicht löfen mag,
o wird eben veschlossen, dem Bundesrat die näheren Be—
timmungen zu überlassen. Das zeugt von großem Ver—
trauen zur Kunst des Bundesrats und dieser wird sich
auch sicher höchst geehrt fühlen, aber man hat doch oft
die Empfindung, ob er auch gerne die Ehre mit dem
Reichstage teilen möchte. Zumal die Ausführung von
Steuergesetzen ist nicht immer eine dankbare Aufgabe.
Mißrät sie, so ist die Kritik schnell bei der Hand.
Die erste Aufgabe des Bundesrats in seiner neuen
Sitzung wird darin bestehen, die von den Ausschüssen
während der Vertagung des Plenums beschlossenen Aus—
ührungsbestimmungen zu den neuen Steuergesetzen nach—
räglich zu genehmigen. Dann wird er den Etat für
das Jahr 1910 zu beraten haben, der doch als erste Vor—
age dem Reichstag zugehen soll, wenn er Ende Novem—
ver oder Ansang Dezember zusammentritt. Das ist wich—
ig, damit die Debatte über die allgemeine Politik, die
mit der ersten Lesung des Etats verbunden wird,
noch vor Weihnachten stattsindet und nach RNeujahr die
Budgetkommission gleich mit der Spezialberatung des
Ftats veginnen kann und Zeit hat, die Grundsätze von
parsamer Wirtschaft in allen Verwaltungszweigen zu ver—
wirklichen, die bei der ersten Lesung im Plenum ücher
techt iachsich verkündet werden
Rußlond.
* Der abgesetze Schah von Persien ist in Odessa
ingekommen. Er äußerte Journalisten gegenüber sein
Freude über den freundlichen Empfang in Rußland und
prach die Hoffnung aus, nach einiger Zeit wieder seir
igenes Land besuchen zu können
England.
* Lord Rosebery hat dem Birminghamer Komitee, das
ihn aufforderte, nach Asquith und Balfsour in der Haupt
tadt der Schutzzollbewegung gegen das Budget zu
prechen, nach einigem Zögern ablehnend geantwor
et. Dies ist ein deutliches Zeichen, daß Rosebery nicht
veiter die Verantwortung für die etwaige Verwerfung
»es Budgets übernehmen will. Sein Rückzug aus der
eενναννι Wird ziemlich allgemein dem persönlichen
finfluß der Krone zugeschrieben, die einer Ver—
assungskrise von weittragenden Folgen begreifticher Weise
nit Bangen entgegensieht. Lord Rofsebery war in der ver—
zjangenen Woche der Gast des Königs in Balmoral und
ürste hier beeinflußt worden sein. Seinem politischen
tufe wird diese schwankende Haltung werter schaden. Die
Times“, die vermutlich gerade durch Roseberys Auftre—
en veranlaßt worden ist, ihre frühere Vorsicht fallen zu
assen und dem Oberhause die Ablehnung zu empfehlen,
virft ihm seine Schwächlichkeit vor. — Man neigt jetz:
»ielfach der Ansicht zu, daß die Lords das Budget dock
assieren lassen, aber durch Verwerfsung der gesamten üb—
igen Gesetzgebung die Regierung doch zu einer baldiger
luflösung zwingen werden, sodaß das Kabinett den
Vahlkampf ohne die Hilfe eines populären Budgets zu
estehen hätte.
* Die in Leicester tagende Versammlung englischer Ei
sen bahnangestellten beschloß eine Resolution
vorin die Verstaatlichung aller Eisenbahnen verlangt
wird, da die Eisenbahngesellschaften nicht in der Lage waͤ—
ren, ihren Angestellten hinreichende Gehälter zu gewäh—
ten und ihnen befriedigende Arheitsbedingungen auzu
ichern
Die preußischen Weinbaugebiete.
Durch die Bekanntmachunz im „Staatsanzeiger“ wer—
zen die Grenzen der am Weinbau beteiligten Ge—
iete des preußischen Staates wie folgt festgesetzt:
1. Das sfüdwesthiche Weinbaugebilet, um—
fassend a) die Kreise Gelnhausen und Hanau des Riegier—
ungsbezirks Kassel, 6) die Kreise Franksurß Stadt und
Land, St. Goarshausen, Höchst, Limburg, Oberlahnkreis,
Dbertaunus, Rheingau, Unterlahnkreis und Wiesbaden—
Stadt und ⸗—!and des Regierungsbezirls Wiesbaden, c)
die Kreise Adenau, Ahrweiler, St. Goar, Koblenz-Stadt
uind -Land, Kochem, Kreuznach, Mayen, Meisenheim, Neu—
vied, Simmern und Zell des Regierungsbezirks Koblenz,
d) die Kreise Bonn-Stadt und -Vand, Rheinbach und
Ziegkreis des Regierungsbezirks Köln, e) die Kreise Bern—
astel, Bitburg, Merzig, Saarbrücken, Saarburg, Saar—
ouis, Trier⸗-Stadt und ⸗-Land, St. Wendel und Wi lich
es Regierungsbezirks Trier, f) den Kreis Düren des
degierungsbezirks Aachen; 2. das mittlere Gäch—
ischtt hüringische) Weinbaugebiet, umfaj—
end die Kreise a) Ertfurt-Stadt und -Land, Langensalza
ind Weißensee des Regierungsbezirks Erfurt, und b)
Eckartsberga, Naumburg, Quertjurt, Schweinitz und Wei—
zenfels-Stadt und -VLand des Regierungsbezirks Merse—
burg; 3. das östhbiche Weinbaugebiet, umfas—
send die Kreise a) Bomst des Regierungsbezirks Posen,
b) Freystadt, Grünberg und Sagan des Regierungsbezir—
les Lieonitz, cy Kalau, Krossen und Züllichau-Schwiebus
des Regierungsbezirks Frankurt.
DOesterreich⸗ Un garn.
* Durch den Beschluß des ungarischen Abgeordne—
enhauses, der Krone sozusagen gnadenweise einen
dermin von neun Tagen zur Klärung der Lage zu be—
villigen, hat sich die Situation entschieden verschlimmert,
ind man glaubt, die Krone werde den Termin nicht ab.
varten, sondern das Kabinett Wekerle ehestens entheben
ind durch die Bildung eines ußerparlamenta—
ischen Kabinetts versuchen, die Koalition zur
durchbildung der im Pakte übernommenen Verpilichtun—
jen, insbesondere de Wahlreform, zu veranlassen,
u welchem Zwecke natürlich die Vertagung des Hauses
nittelst königlichen Handschreibens erfolgen würde. Es
verden als eventuelle Chefs dieses Uebergangskabinetts
zraf Albin Csaty und Baron Burrian genannt,
och wird gerüchtweise auch die Bildung eines Beam—
senministerrums mit dem Staatssekretär Sze—
enyi als möglich bezeichnet.
*Am 19. dss. Mts., dem Tage vor Eröffnung des
teichssrates, beabsichtigen die Wiener Slawen einer
on Prag ausgehenden Parole solgend, einen Demon—
trationsbummel der Slawen über die Ringstraße zu
eranstalten. Sie glauben damit zeigen zu können, daf
Vien keine reindeutsche Stadt sei. Die ischechischen Ab—
eordneten sollen sich an dieser Kundgebung zahlreich be—
eiligen
Schweden.
* Nach amtlicher Auskunft beträgt die Zahl der schwe
dischen Arbeiter, welche Anfang Oktober noch ar—
peitslhos waren, 63 660, von denen 51 480 zu den
nom Arbeitgeberverein beschästgten Arbeitern gehören. —
Wie verautet, wird die schwedische Landesorganisation
den Arbeitstampf jetzt vorwiegend auf die Gruben-—
ind Holzindustrie konzentrieren, um diese so schwer
zu schädigen, daß die Unternehmer den Einfluß der Zel—
ulose ndustriellen im Arbeitgeberverband brechen müssen.
Das Landessckretariat wird die übrigen Streikenden auf—
ordern, unter zeitweiligem Austritt aus der Organisa—
sion und Unterzeichnung der Personalverträge die Ar—
deitaufzunehmen, wodurch die von dem Arbeit
geberverband geplante Erzwingung ungünstiger Kollektiv—
erträge unmöglich wird. Kenner der Verhälmnisse müssen
zugeben, daß diese Taktik im Augenblick für die Arbeiten
zie versprechendste ist.
Montenegro.
* Die Regierung trägt sich mit dem Gedanken der
Lerhängung des Ausnahmezustandes. Die Lage ir
ontenegro wird immer kritischer und es sind alle An
eichen dafür vorhanden, daß sich die entdeckte Verschwör
ung direkt gegen das Leben des Fürsten gerichtet bat.
Spanien.
* Spanien bereitet eine laͤngere Note an die Algeciras
Mächte vor, um darin jein Verhalten in Marokko z31
rechtfertigen und sich gegen die den Riff-Kabylen bishe
auf Umwegen zutoenn gewordene Unterstützung an Gelgs
und Waffen zu bAlagßgen. Nachweisbar würden die au—
europätschen Hasen ommenden, angeblich für die Sultans
Armee berimmten Waössen unter den Augen der scheriß
ichen B0o4-5. qne dDcn Mifi-Kahnplen ausgeliefert
Serbien.
*Der Jahrestag der Annerxion Bosniens
ind der Herzegowina wird in Belgrad als ein Tag na—
ibnaler Trauer begangen. Nach einem am Fürst Mi—
hael⸗Platz abzuhaltenden Protestmeeting werden Umzuge
‚urch die Stadt veranstaltet, während welchen alle Ge—
schäfte geschlossen bleihben. Im Nationaltheater, in wel—
—5
Gefunden
— Nun, meine Gattin glaubte, wenn sie tot sei, ebenso
jas Kind — wenigstens für mich — so würde mein Va—
ser nicht mehr daran denken, mich zu enterben, da er
ann durch nichts an die Vergangenheit erinnert würde.“
„Was willst Du jetzt tund?“ forschte die Gräfin erwar—
unasvoll weiter.
„Ich will zuerst Helga die Wahrheit sagen und ihr
»en rechtmäßigen Platz in meinem Hause einräumen, der
hr zukommt. Sie ist meine älteste Tochter und sie soll
nit Irma gleich gestellt werden.“
Die Gräfin sprang auf. Unruhig durchmaß sie das
iegante Gemach, dann blieb sie vor ihrem Gatten stehen:
Niemals!“ zischte sie heiser. Niemals soll mein Kind
nit diesem Eindringling gleich gestellt werden. Ist es nicht
enug, daß sie Irma die Liebe des Freiherrn geraubt hat,
oll sie nun noch etwa das Vermögen mit ihr teilen?“
„Du hast Dir selbst die Schuld beizumessen, Wilma,“
mtwortete der Graf. Ich hätte ganz gewiß geschwiegen,
»enn an Leos Seite würde sie die Stellung in der Welt
ingenommen haben, die ihr schon in unserem Hause ge—
ührte. Aber durch Dein ungerechtes Benehmen gegen das
chuldlose Kind hast Du mich zum Reden gezwungen.“
Sie soll nicht über mich triumphieren,“ stieß die Grä—
n hervor. „Ich haßte ihre Mutter und suchte sie zu ver—
erben; soll mir jetzt das Kind entgegen treten?“
Der Graf erbleichte. Wast hast Du meiner Hilda ge—
mn?“ fragte er tonlos.
Sie lachte höhnisch auf. „Ich war es, die das idylli⸗
he Leben im Forsthause zuerst entdeckte,“ höhnte sie. Ich
ar nicht blind und merkte bald Dein Geheimnis; von mir
at Dein Vater die Wahrheit erfahren, und als ich von
»em Tode Deiner Gattin hörte — da freute ich mich, denn
nein Wunsch war erfüllt.“
Tödliche Blässe bedeckkte das Antliß des Grafen. —
„Kein Wort weiter, sonst vergesse ich, daß Du ein Weib
bist,“ stieß er rauh hervor.
.„Nun gut; lassen wir die Vergangenheit ruhen; wir
vollen lieter an die Zukunft denken,“ lentte sie ein.
„Das bedarf keiner Ueberlegung. Noch heute will ich
jor all' unseren Gästen Helga als meine rechtmäßige Toch—
er anerkennen, zugleich ihre Verlobung mit Leo v. Hor—
ter veröffentlichen.“
„Schon heute? Warum so eilig? Kannst Du nicht noch
ein oder zwei Tage warten, damit Du ganz sicher vor je—
der Täuschung bist?“
„Du hast Recht. Ich will zuerst mit Leo Rüdsprache
iehmen.“
Ein triumphierendes Lächeln umschwebte die Lippen
der Gräfin, doch sie wandte sich schnell um, damit ihr
Balte diese Veränderung nicht bemerke.
Sage Helga noch nichts davon,“ rat sie leise. * J
) Ich will es ihr sagen, schon um sie zu beruhigen.““
Der Graf verließ das Zimmer. Als seine Schritte auf
»em Korridor verhallt waren, brach die Gräfin in krampf—
jaftes Schluchzen aus.
„Soll ich es ruhig mit ansehen, daß mein Kind aus
einer rechtmäßigen Stellung verdrängt wird?“ stieß ite
heftig hervor. „Ah! jetzt weiß ich, warum ich Helga vom
ersten Augenblick an haßte; ich ahnte, daß sie unserem
ganzen Hause Unheil bhrinagen würde. Was soll ich nur
un?“
Während die Gräfin in ihrem Boudoir finsteren Ge—
danken nachsann und unheilvolle Pläne schmiedete, saß
der Graf an der Seite seines geliebten Kindes und sprach
shonend und liebevoll von dem Geheimnis ihrer Geburt.
delgas Herz drohte fast vor Freude zu zerspringen, als
sie die Bedeutung seiner Worte erst recht verstand. Sie
war sein Kind, dieser Gedanke allein erfüllte sie mit unbe—
schreiblicher Wonne.
„Wir müssen das Geheimnis noch eine kurze Zeit ver⸗
chweigen, mein geliettes Kind,“ bemerkte der glücliche
zater und küßte die rosigen Wangen, die auf seiner Schul—
. ————— 7* 2532 2 * — * —*
— MDZää— —
lnumnen zufrieden, daß wir eng zu etnander gehören, das
genügt aber der Welt nicht, sie will Beweise haben.“
„Ich will gern warten,“ lächelte sie vor Freude strab—
send, „ich bin ja überglücklich, einen Vater und eine Schwe
ster gefunden zu haben, die mich lieben. Wie wird Lea
iich jfreuenl“
„Jal Ohne es selbst zu wissen, hat er meinen Lieb«
lingswunsch erfüllt, denn ich betrachte ihn schon seit sei—
ner Kindheit als meinen Erben in Schloß Dornholt. Nach
meinem Tode erbst Du als älteste Tochter diese schönt
Besitzung.“
„Nicht doch, Vater. Denke an Irma. Ich darf ihr
naicht rauben, was sie seit ihrer Kindheit als ihr Eigen⸗
tum berrachtete.“
„Irma ist die jüngere Tochter. Sie erhalt ein ebenso
ꝛeiches Vermögen, wie der Wert der Besitzung ist. Sie
vird auch auf diese Besitzung gern verzichten, denn als
Battin des Herrn von Berkow erhält sie ein Schloß, nich
ninder stattlich als dieses.
Darf ich es Leo sagen?“
eBewitz, mein liebes Kind.“ Helga wurde nachdenkt—
lich, dann fragte sie mit gedämpfter Sümme; „War das
das Porträt meiner Mutter, das ich gestern im Forsthause
ah? Die Dame im weißen Kleide, mit Rosen im Haar.“
„Ja,“ versetzte er seufzend, „das war Deine liebe Mut—
ter, meine unvergeßliche, friih verlorene Gattin. Du siehst
ihr sehr ähnlich; als ich Dich vor einigen —X
sah, glaubte ich, meine Hilda sei ihrem Grabe entstiegen:
die Ueberraschung war fast zu groß für mich.“ 3.
„Liebtest Du sie sehr?“ —
„Mehr wie mein eigenes Leben. Seit ihrem Tode
bdin ich niemals so glücklich gewesen, wie früher.“
Helga küßte das von Gram durchfurchte Antlitz ihres
Vaters; jetzt war es ihr kein Gehl!imnis mehr, weshalb
er stets so melancholisch und finster war, und sie wollte
ihm so gern die Liebe lohnen, die er ihrer Mutter c
reulich bewahrte.
Sieb blieb allein in ihrem Zimmer hatte sie do—