Um den Nordpol. e
Peary langte in New-Y ork an und begab si—
auf sein Schiff, welches an der Parade im 59 X s
tromaufwärts teilnahm, von den Schlachtschiffen und an—
deren Fahrzeugen geraͤuschvoll begrüßt. Co ok wurde in
Bo st on mit lebhaften Demonstrationen empfangen. Die
Nationale Geographische Gesellschaft beschließt, angesichts
der Kontroverse zwischen Cook und Peary bei Cooks Au
fenthalt in Wafshington von diesem keine Notiz zu
nehmen.
Peary erklärt fseine Bereitschaft, sofort die Beweise,
daß er den Nordpol erreicht habe, der Georgraphi—
sichen Gefellschaft zu unterbreiten.
— —
Gerichtszeitung.
8 Ein merkwürdiges Urteil wurde am 18. Juni
yom Schöffengericht Oppenheim gefällt. Am 15. Mai hat⸗
en sich vier Wormser Kaufleute nach Oppenheim zu ei—
nigen Freunden begeben. Da sie den letzten Zug nach
Worms versäumt hatten, beschlossen sie, zu Fuß zu gehen.
Im nächsten Orte, in Dienheim, kehrten sie in eine Wirt—
chaft ein und unterhielten sich dabei in französischer
Sprache, was das patriotische Empfinden einiger Dien—
zeimer Burschen verletzte. Es kam zu Auseinandersetzun⸗
zen. Zwei Wormser verließen das Lokal, um weirerzu—
zehen. Der vorbestrafte 29jährige Winzer Umstädter 2.
ind ein gewisser Ph. Nauth eilten ihnen nach. U. hatte
ich mit einem dicken Prügel versehen. Die beiden Kauf—
eute flüchieten; in der Dunkelheit fiel der eine in einen
Braben, und nun schlug Umstädter dem Wehrlosen mit
»em Prügel derart auf den Kopf, daß der Mißhandelte
»ewußtlos am Platze liegen blieb. Darauf eilte Umstäd—
ler dem anderen Kaufmann nach und schlug auch diesen
neder. Beide Mißhandelte waren schwer verletzt. Das
Schöffengericht Oppenheim buligte Umstädter mildernde
Amstände zu und verurteilte ihn zu 6 Wochen Gefängnis;
Nauth wurde freigesprochen, da er nichts begangen hatte.
Umslädter hatte noch die Kühnheit, Berufung einzulegen.
der Amtsanwalt tat das gleiche. Die Mainzer Swaf—
ammer war der Ansicht, daß mit Rücksicht auf die bru—
rale Tat Umstädters eine weit höhere Strase am Platze
sei. Unerfindlich sei e8s, warum das Schöffengericht Op—
z»enheim Umstädter auch noch mildernde Umstände zuge—
villigt habe. Die Tat, die beispiellos brutal gewesen sei,
hätte leicht den Tod der beiden Verletzten herbeiführen
können. Die Strafe wurde auf 4 Manote Gefänanis er—
höht.
8175. Der 1877 geborene Baron Werner von
Brandenstein ist wegen Vergehens gegen 8 175
angeklagt, mit ihm der Bautechniler Johann Frank.
Brandenstein war ehedem Leutnant im ersten Garderegi—
ment zu Fuß und ist vor sechs Jahren mit schlichtem Ab—
schied entlassen worden. Seitdem lebe er als Kunstmaler
in Paris. Vor kurzem kam er nach Frankfurt, wo er
den Frank kennen lernte. Am 16. September wurden sie
von einem Kriminalschutzmann im Stadtwald beim Vor—
Nnehmen unzüchtiger Handlungen beobachtet und verhaftet.
Die Franksurter Strafkammer hat sie zu je 1 Monat Ge—
ifängnis verurteilt; die Untersuchungshaft wird angerechnet.
8Zum Tode verurteilt. In viertägiger Verhand—
Nlung hatten sich vor dem Schwurgericht in Mün—
Ich en der Taglöhner Johann Hauser von Mühldorj
und der Anstreicher Peter Huber von Ammerang we—
gen Raubmords zu verantworten. Am 26. Februar
wurde in Grafing die 58jährige Gürtlerswitwe Anna
Abermaier ermordet aufgefunden. Die alte Frau wurde
— grauenhafte Weise zu Tode gemartert. Das im
Hause vorhandene Bargeld fehlte, Obligationen und auch
Pfandbriefe ließen die Täter unberührt. Die Spuren führ—
en nach München. Am 3. März d. J. wurden Hauser
und Huber verhaftet. Die beiden Angeklagten leugneten
hartnäckig die Tat, doch gelang es ihnen nicht, ihr Alibi
sür die kritischen Tage nachzuweisen. Eine Reihe von
Zuchthausinsassen sagte auf Eid aus, daß die Beiden die
Tat schon im Zuchthaus verabredet härtten und ein Teil
der Zeugen aus Grafing hat die Angelklagten, die sich in
der Zeit des Verbrechens in Grasing aufhielten, wieder
ꝛrkannt. Die Geschworenen bejahten die Schuldfirage, wor—⸗
auf die Angeklagten zum Tode und lebenslänglichem
Ehrverlust verurteilt wurden. Die Angeklagten legten Re—
yision gegen das Urteil ein.
Nechtspflege
Kann der Hauswirt dem Mieter den Hof ver—
bieten? Diese für Mieter wichtige Angelegenheit ist kürz⸗
ich zugunsten eines Mieters entschieden worden. Bekannt⸗
äch gibt es Hausbesitzer, die den Mietern alle
nöglichen Vorschristen machen wollen über die Benutzungç
uind den Aufenthalt in Räumen, die von dem Mieter be
Fingehung des Mietvertrages als zur Mitbenutzung ge—
iprochen; noch immer vermied sie seinen Blic, aker er
ah, wie ihre Wangen stark geroͤtet waren.
„Geliebte,“ flüsterte er eindringlicher denn zuvor, „hast
Du meine erste Bitte schon so bald vergessen? kann ich
Dich nicht einen Augenblick für mich allein haben?“
„Ich kann nicht. Bitte, quäien Sie mich nicht!“ ver—
letzte sie tonlos.
Seine Hände ballten sich krampfhalt in das weiche
Polster des Sessels und seine Stimme bebie, als er fast
—D———
„Um Gotteswillen, Helga, spiele nicht mit mesner
Liebe!“
Sie erbebte; alles Blut wich aus ihren Wangen.
Dann blidte sie zu ihm auf, doch die Anwort blieb ihr
in der Kehle steden — sie hatte die finstenen Blicke der
Gräfin Dornholt auf sich gerichtet gesehen.
„Ich darf nicht Hoffnungen in hm erweden, ich —R
s nicht, ehe ich nicht bestinmu weiß, daß er fret ist,“
cief es in ihrem Herzen, ünd obgleich es ihr schwer wur—
de, wandte sie sich scherzend an eine neben ihr sitzende
alte Dame.
Leo biß sich auf die Lippen. War das Gleichgültig—
keit gegen thn, verschmähte sie seine Liebe? Es war ihm
unerträglich, ihre Scherze, ihr silberhelles Lachen zu hören,
und er suchte Schutz in der entferntesten Zimmereckee.
„Ich ertrage es nicht, wenn sie meine Liebe zurüd-—
stößt,“ stöhnte er; „aber ich weiß wohl, diesen Schmerz
habe ich allein der Gräfin zu danken.“
Auch Gräfin Dornholt hatte ihn scharf becbachtet.
Zwet mal versuchte sie, ihn aus seinem Verstedt und un—
cer die Gesellschaft zu bringen, doch endlich mußte sie das
erfoldlose Bemühen aufgeben.
„Ich fürchte, Irma hat seine Eifersucht erregt, sie
muß mehr auf ihrer Hut sein,“ dachte sie bei such selbst
uind ging stirnrunzelnd zu ihrer Tochter.
Das junge Mädchen wandte ihrer Mutter ein freude
irahlendes Antlitz zu.
Oo4 41 IJ α α
—— (GoT. . —-»orig
ohne weiteres betrachtet werden. Eine Hausveisttze
iin hatte, nachdem die Kündigung der Wohnung voraus
zegangen war, der Frau eines Mieters untersagt, sich mu
hren Kindern tagsüber im Hofe aufzuhalten. Die Frau
»es Mieters kam jedoch diesem Verbot nicht nach, weil
ie als ganz selbstverständlich voraussetzte, daß der Hos
»em Mieter zur Mitbenutzung freistehe. Die Hausbesitze—
in strengte Klage an, das Landgericht entschied jedoch
u ihren ungunsten. Im Urteil wird u. a. gesagt, daß
venn ausdrückliche Vereirbarungen bei Eingehung des
Mietvertrages über das Nicht oder Mitbenutzungsrecht
des Hofes nicht getroffen würden, der Mieter ohne wei—
eres voraussetzen müsse, daß nach den üblichen Verkehrs
itten ihm und seinen Angehörigen der Aufenthalt in den—
enigen Grenzen halte, wie sie im allgemeinen Hausver—
ehr üblich sind. Da im vorliegenden Falle keine gegen
ätzliche Bestimmungen getrofsen waren, habe der Beklagte
iach Treu und Glauben angenommen, daß ihm und sei—
ien Angehörigen dieses Recht zustehe, es könne ihm das—
elbe deshalb auch nicht abgesprochen werden
Kunst und Wissenschaft.
(1) Sehen mit einem Auge. Hat das einängig'
Zehen einen schädlichen Einfluß auf das Auge? Es wird
»ft von Laien, zuweilen aber auch von Aerzten, die An
icht vertreten, daß nach Verlust eines Auges dem zweiten
zu viel Arbeit aufgeladen wird, daß es durch Anstreng
ing leidet. Aus einem Material von 1300 Individuen
die ein Auge verloren haben oder einseitig blind wurden
st Dr. Claußnitzer in Tübingen nach Beobachtungen, de—
en Dauer sich bis zu 44 Jahren erstreckt, zur Gewißheit
gelangt, daß eine Verminderung der Sehschärfe auf dem
ioch gebrauchsfähigen Auge nicht zustande kommt. Auch
der grüne Star des einen Auges schädigt das normale
suge nicht, so lange dieses nicht auch erkranlt
Vermijchtes.
Von Jaguaren zerrissen. Der berühmte Naturalist
William Johns, der vor einiger Zeit zur Erforschung
der jungfräulichen Wälder von Costa Rica in jene Ge
ietsteile abreiste, ist mit seinem Begleiter von einem
Rudel von Jaguaren angegrifsen und zerrissen worden.
Von den beiden fand man nur noch einige Knochenreste
Sie schienen jedoch ihr Leben nicht so billig verkauft und
von ihren Waffen gehörig Gebrauch gemacht zu haben
denn neben ihnen fand man die Leichen von drei ericho—
senen Jaguaren.
Stoßsenfzer eines Stadtschreiberleins. Unter die
ser Ueberschrift wird der „Wiesbadener Zeitung“ folgen—
des Poem übersandt:
Drei Tage brüllte die Völkerschlacht,
Ihr Blutrauch hüllte die Sonne in Nacht.
Drei Tage gab man dem Damon Zeit,
Bis er die Schwester dem Gatten gefreit.
Drei Tage war Jesus in Grabes Nacht
Bis er aufs neue zum Licht erwacht.
Drei Tage Loch der Soldat erreicht,
Wenn er einmal fröhlich Zapfen streicht.
Drei Tage war Jonas in Fisches Bauch,
Drei Tage nur hab' ich Urlaub auch.
Ich habe darüber nachgedacht *
Und die drei Tage in Verse gebracht. F
Denn ach zu kurz war diese Zeit,
Drei Tage sind keine Ewigleit.
Vom Münchener Oktoberfest. Aus München wird
erichtet: Trotz der ungünstigen Witterung übertrifft die
Frequenz an den heurigen zwei Oktoberfest-Haupttagen
ie vorjährige um etwa 2000 Personen. Es sind heuer
im Samstag in München-Hauptbahnhof 25 528 und in
Nünchen-Ostbahnhof 2095 Oktoberfestgäste eingetroffen. Am
Zonntag Vormittag trafen noch ein in Müuünchen-Haupt
ahnhof 31 526, in München-Ostbahnhof 5109 Personen
die Gesamtfrequenz beträgt sonach 64 200, gegen 62 100
m Vorjahre. Zum Transport der Massen sind an den
eiden Oktoberfesttagen neben den fahrplanmäßigen Zügen
ioch 56 Sonderzüge aus allen Teilen des Landes nach
Nünchen abgefertigt worden. Ein sehr großer Teil der
Festgäste verließ die Stadt noch am Sonntag abends, teils
nit den Tarifzügen, teils mit den bereitgestellten 20 Son
derzüugen. Das Personal der großen Münchener Bahn
öfe, insbesondere jenes in München-Hauptbahnhof, war
in heiden Tagen vor eine große Aufgabe gestellt wor—
den. Der mächtige Verkehr, der sich namentlich am Sonn
ag Abend in wenigen Stunden zusammendrängte, wurd
edoch ohne wesentliche Störungen abgewickelt. Die ver—
zältnismäßig hohen Frequenzziffern ertlären sich daraus,
daß Unmengen von Oktoberfestgästen sich die für die Heim—
ahrt nötigen Fahrkarten erst bei der Rückteise an den
iesigen Fahrkartenschaltern gelöst haben. Mit den Am—
nerseebooten wurden am Sonntag 1022 Personen be—
ördert.
Totenmasken dienen hauptsächlich dem Zwecke, für
die Herstellung einer lebenstreuen Parträthüste ein Hilis
„Gern Mutter,“ lautete berettwilligst die Antwort,
und als gleich darauf die alte Dame sich befriedigt ent
ernte, flüsterte Leutnant von Berkow dem jungen Mäd—
chen zu:
„Der arme Leo! sollen wir ihm nicht die Wahrheit
lagen?“
„Bis jetzt weiß ich ihm noch nichts zu sagen,“ ver—
etzte Irma schelmisch. PVergessen Sie nicht, was ich
Ihnen heute auf dem Eise sagte — erst morgen um Mit—
ernacht, wenn die Glocken das neue Jahr einläuten, gebe
cch Ihnen meine Antwort; ich muß Zeit zum Ueberlegen
haben und bis ietzt habe ich mich noch nicht entschlos⸗
en.“
„Sei es so, Irma. Ich will bis morgen warten, um
mein Schicksal und das seine entschieden zu sehen. Aber
jetzt gehen Sie zu ihm und machen Sie ihn glüdlich,
venn es in Ihrer Macht steht.“
Als Irma den Saal durchschritt, preßte sie die Lip—
den fest aufeinander und der Ausdrud sicherer Entschlogenheit
malte sich in ihren Zügen.
„Ich liebe ihn über alles in der ganzen Welt,“ flü—
terte sie leise, und so sehr ich auch den Unwillen mei—
ier Mama fürchte, will ich den Kampf doch aufnehmen
ind meiner Liebe treu bleiben.
Des Freiherrn finsteres Antlitz erhellte sich nicht, als
Irma sich an seiner Seite niederließ; er schien ihre Ge—
zenwart nicht eimmal zu wünschen.
„Leo,“ begann sie, warum sind Sie so ernst, so
xaurig?“
Torheit,“ stieß er unwillig hervor, „warum lassen Sie
nich nicht in Ruhe, Irmad?“
Irma sah bestürzt auf, aber sie fühlte mit Gewißheit,
daß Leo sich nicht um ihrentwillen von der Gesellschaft fern
jielt, dennoch wollte sie ganz sicher sein.
„Zürnen Sie mir, Leo, weil Hugo — Leutnant von
Berkow, wollte ich sagen, mir heute ein größeres Interesse
zezeigt hat?“ fragte sie beklommen.
Er lachte rauh und kurz.
Wie kommen nur diese Gedanken in Ihren Sinn. Ir—
mitel zu schaffen. Die Hersteilung einer soichen Maske
ist nicht schwer, vorausgesetzt, daß der Künstler oder For
mer kein Grauen verspurt. Als Materai zum Formern
dient Gips. Nach leichtem Einfetten der Haut und Bart—
saare mit Vaseline wird der aus Gips und Wasser
näßig dick gemengte Brei direkt auf das Antlitz aufgetra—
gen. Das erfordert natürlich große Vorsicht und darÿ ber
den Haaren nicht gegen den Strich geschehen. Ist der Gips
varm geworden, so gilt das als Zeichen seiner genü—
genden Erhärtung — die Form kann alsbald abgenom
nen werden. Das Abheben geht, wofern die Masse nich
zu tief in die Nase eingedrungen ist und keine allzu er—
zeblichen Unterschneidungen in den Augenhöhlen auszu—
üllen hatte, leicht von statten; denn der Gips bleibt an
»er Haut nicht haften, auch nicht an den eingefsette
ten Haupt- und Barthaaren. In den meisten Fällen ver—
rät das Antlitz von dem Abformen keine Spur; von ir—
gendwelcher Entstellung oder Entweihung des Toten kann
Aso nicht die Rede sein. Etwas komplizierter wird das
Abformen, wenn die Maske bis über die Ohren reichen
oll. Bei den Ohren gibt es Unterschneidungen, die das
Abheben der Form erschweren, wenn nicht gar unmöglick
nachen. Der Former hilft sich dann in der Weise, daß
reinen Faden vor dem Auftragen des Gipsbreies der
zänge nach über das Profil des Antlitzes legt und mir
hm den Gipsbrei, nachdem er aufgetragen und ein wenig
rhärtet ist, zerschneidet. Die trocken gewordene Form be
teht nun aus zwei Hälften, deren Abheben mit Leichtig—
keit geschehen kann. Ebenso lassen sich die beiden Teile
wieder zu einem Ganzen verbinden. Die kleine Mühe is
ohnend, denn der Künstler gewinnt bei der Maske die
Ohren, die ja für eine scharse Charakteristik des Kopfes
ehr wesentlich sind. Aus der so gewonnenen Hohlform
assen sich, nachdem sie zuvor in Wasser getaucht oder im
Innern mit Baumöl bepinselt ist, die für den Künstler er—
orderlichen positiven Abgüsse in Gips oder Wachs ge
vinnen. Manche solcher Abaüsse sind im Kunsthandel seh
tark verbreitet
Aus aller vWWelt.
Wieder ein Schülerselbstmord? Anscheinend aus
Jurcht vor Strafe und aus gekränktem Ehrgefühl, ist seit
Nittwoch der 16jährige Obertertianer Miendorf aus der
Zrädtischen Rearschule in Berlin nicht nach Hause gekom—
nen. Er sollie eine Strafse nach den Ferien absitzen, und
nicht nach der Untersekunda verjetzt werden.
Lustmord. Ein Lustmord an einem Kinde ist in
Hamburg entdeckt worden. In Bömebüttel fand ein Knecht
des Landmannes Karl Wolf auf der Koppel hinter einem
Brombeerstrauch die entkleidete Leiche eines 3524 Jahre
alten Mädchens. Die Hände waren auf den Rücken ge—
bunden, der Hals wies mehrere Stiche auf. Der Mord
muß bereits vor einigen Tagen ausgeführt worden sein,
denn die Leiche zeigte schon Verwesungsspuren. Das Kind
ist völlia unbekannt, niemand weiß, woher es stammt.
Vokales.
Die neue Wohnung. „So, nun wären wir end—
ltich halbwegs in Ordnung! O, wie bin ich doch müder,
ind die Frau des Hauses sintt tiefaufatmend ins Sofa
ind dankt dem Himmel, daß der Umsturz in den häus.
ichen Verhältnissen wieder einmal vorüber ist. Zugleich
iber steigt aus des Herzens geheimster Falte der Schwur
dervor: Einmal — aber so bald nicht wieder! Zudem har
ich die Hausfrau bereits überzeugen müssen, daß e man⸗
herlei der neuen Wohnung anhastet, das ihr nicht gefällt.
War im alten Logis zu viel, so ist im neuen sicher vier
zu wenig Sonne. Und handelt sich's um die Wasserleit
ing, den Kohlenteller, Boden, Waschraum, Garten, Haus
wvirt, Nachbar —: etwas davon ist nicht so schön und gut.
vie's in der alten Wohnung anzutrefsen war! Nun gibt's
a allerdings auch wie der manches Schöne. Und jeden—
alls wiegen die Vorzüge der neuen Wohnung die Män—
gel der alten auf. Also war der Umzug immerhin von
Zorteil und man hofft, hoffit, daß es in der neuen
Behaufung ein recht gemütliches und bequemes Wohnen
ein werde. Möchte keinem, der seinen Einzug feiert, diese
hoffnung zuschanden werden! Denn nichts geht über ein
—
er vielen Plätzen gefunden hat!
Sonntags-Rakete. Die Post bezw. deren Angestellté
sind verpflichtet, in denjenigen Orten, wo des Sonntags
eine Paketzustelsung stattfindet, solche am Paketausgabe
chalter zu verabfolgen, vorausgesetzt, daß der Adressar
ine polizeilich bezlaͤubigte Legitimation vorzeigen kann
Da nun viele Empfänger von Paketen nicht im Besitze
ines derartigen Papieres sind, andere dagegen es gerad«
ucht zur Hand haben, so bleibt ihnen nichts anderes üb
ig, als das Palket bis zum folgenden Werktage liegen zu
afsen. Um diesem nun vorzubeugen, kann der Empfänger
des Pakets, wie es den meisten unbekannt ist, am Post
chalter verlangen, daß das betr. Paket dem Adressaten
er Eilboten, also am Sonntage, zugestellt wird. Aller—
dings gehen dann die Kosten der Eilbotenbestellung av
Lasten des Empfängers
mar fragte er schroff. Vann aber, als er vemerkte, daß
seine rauhen Worte sie verletzten, fügte er freundlicher hin⸗
zu: ‚Liebe Irma, ich freue mich, daß Sie glücklich sind,
und hoffe Hugo bald gratulieren zu können, daß er eine
so liebliche kleine Braut gewonnen hau.“
Zürnen Sie mir also nicht?“ fragte sie.
IIIch liebe Sie, so wie Sie mich lieben, nicht mehr
und nicht weniger,“ versetzte er. „Ablt es geht mtrt, wie
es Ihnen geht — auch mein Herz gehört einer anderen.“
Ol ich bin so froh, so unendlich glücklich!“ wubelte
Irma und ihre Augen sprachen noch deutlicher als Worte
es vermögen. Nun sagen Sie mir auch, Leo, ist es
Helga?“
—W *
„Ich hab's geahnt. Leo, ich bin überglüdlich, ganz
besonders, da ich das Herz des Mannes gewonnen habe,
der seit Jahren für Helga bestimmt war; wit haben alio
nur unsere Rollen getauscht.“
Leos Antlitz verfinsterte sich wieder.
Ich bin ihrer Liebe noch nicht sicher, Irma,“ gestand
er, „sie meidet mich absichtlich.“
„Das wird sie nicht mehr tun, sobald sie mein Ge—
heimnis weiß.“
„Darf ich es ihr sagen?“ fragte Leo eifrig.
Irma sann einen Augenblid nach, danm versetzte sie:
„Nein, nicht vor Beginn des nächsten Jahres. Sie kön—
nen doch noch bis morgen warten, Leo?“
„Ich muß schon, obgleich es mir schwer wird, besen—
ders da ich weiß, daß diese Schranke mich ven Helgo
trennt.“
„Helga liebt Sie, Leo, davon bin ich fest- überzeugt.“
nerlicherte Irma und eilte mit hochgeröteten Wangen zu
ihrem Geliebten zuric — — — — — — — — — —
Am nächsten Abend eilte Helga, in schlichte weiße
Seide gekleidet, als einzigen Schmud weiße Rosen um
Gürtel und Haar, leichten Fußes dem Ballsjaale zu. we
die Gäste nch bereits versammelt hatten