Full text : Dudweiler Zeitung (22.1909)

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SZweites Blaͤtt.
Wochen⸗Rundschau.
In der verfslossenen Woche hat es bedenklich geherb—
elt. Jeden Morgen kämpft die Sonne mit dem undurch—
ringlichen Nebel einen Kampf und es wird fast immer
MNittag, ehe sich dieses Gesecht zu Gunsten der Sonne ent—
hieden hat. Nur wenige Siunden erfreuen uns ihre er—
Ȋrmenden Strahlen, denn die Tage werden von Tag zu
'ag kürzer: wir gehen halt mit Eilschritten dem Winter
utgegen. In der Politik ist bei uns in Deutschland
ioch alles ruhig. Herr von Bethmann-Hollweg ist von
PLien zurückgekehrt und wird demnächst in Rom seinen
zesuch abstatten, um sich auch dem dritten Herrscher der
)reibundmächte vorzustellen. Von Wien hat der neue
ranzler die besten Eindrücke mitgenommen; ob er von
'om dieselben Empfindungen mitbringen wird, kann bei
er unsicheren Katonistenstelle, die Italien von jeher im
)reibund eingenommen hat, schwerlich vorausgesagt wer—
»en. In Italien sind zu viel franzosen- und england—
reundliche Elemente am Ruder, die es sich zur Aufgabe
estellt haben, den Dreibund zu sprengen. Zwar heißt
s, daß die jüngsten Ereignisse im Orient, aus denen
Jesterreich durch die Nibelungentreue seines deutschen Ver
ündeten siegreich hervorging, in italienischen Regierungs—
reisen und bei einflußreichen Politikern mächtigen Eindruck
sjemacht haben, und durch Revision des Dreibund-Ab—
ommens ein innigeres Verhältnis zwischen den drei Ver—
ündeten hergestellt werden soll. Durch den Besuch des
steichskanzlers sollen diese Bestrebungen gefördert werden.
Ob es sich hierbei nur um ein Geruͤcht handelt, oder o
s ein geschickt ausgestreckter Fühler ist, läßt sich nicht
lontrollizeren, weil der offtziöie Apparat der Merdung ge
genüber weder ja noch nein gesagt hat. Jedenfalls waͤre
eine innigere Harmonie innerhalb des Dreibundes m
Interesse des Weltfriedens zu begrüßen. Wir werden ja
ehen, ob der Reichskanzlerbesuch irgend etwas Positives
n dieser Beziehung im Gefsotge hat. — Die vergangene
voche war eine „fliegender im wahren Sinne des Wor
es. Die Meister der Fliegekunst waren in Berlin vor—
ammelt, um ihre Krästse gegeneinander zu messen. In
Köln und Frantfurt werden diese friedlichen Wettbeweche
in Retche der Vust ihre Fort etzung finden. Noch ist es
vorläufig ein Schauspiel des Sports, das uns die „Flie—
ger“ bieten, aber in naher Zukunft darf man erhofsen, da—
zie Flugmaschine sich im alltaͤglichen Verkehr einen Plas
robern und für praktische zwecke ausgenutzt werden wird
dathams Flug von Tempelhof nach Johannistal in acht
Minuten hat bewiesen, mit welcher Schnelligkeit der Aero—
plan die Bewohner einer Riesenstadt über das Häuserge—
wirr befördern könnte. In Deutichtand ftecken die Flug
naschinen noch in den Kinderschuhen. Es sind fast alles
Franzojen, die uns da etwas vorfliegen. Es geht halt
Fraukreich mit den Flugapparaten, wie es Deutsch
sand mit den Luftschifsen ging: seitdem sie durch eine Reite
rfolgreicher Aufstiege ihre Brauchvarkeit erwiesen, haben
ich die Strategen und die Polititer darüber hergemacht
der sensattonelle Flug Bleriois über den Aermeltkaͤnal und
ie Sportwoche in Reims, die an jedem Tage neue Flu
cekorde brachte, haben das Ineresse der französischen Na—
ion mobil gemacht. Bleriot, Latham, Delagrange, Ro—
gier, Sommer, Paulhan, Farman, Armand Zpfel, ischof
Kochlin, Esnault-Perterin, Kapferer, Dumont, Emile Obte
— das sind Namen, die jedem Franzosen geläufig sind.
Er spricht über Mono-, Bi⸗— und Triplane wie über Dinge,
die er von Jugend auf kennt. Beurteilt sie und lennt die
borzüge und RNachteile jedes Systems. Tas Luftproblem
ist die altuellste Frage der Gegenwart geworden. Und jie
ist zu einer politischen Frage geworden, seitdem die
geschätzten Leitartikkzer den Boden der realen Wirtiichken
ierlassen haven und ihren Gedanken die kühnsten Aufstiege
ndas luftige Reich der Aeroplanlosigkeiten gestatten. Was
aben wir nicht in diesen Wochen alles lesen müssen?
besche Voblieder sind nicht nach jedem Lustuge gerrillert
borden? ... Zeitenwende! ... Konige der Lüstel . ..
krieasge'chitte der Zukunft/?/ . So sitand's vedrürt

gen zwischen Beutschland und Amerzka bilde
seinen Dank aus und endigte mit einem Hoch auf das
Gedeihen der amerikanischen Flotte und ihrer tapjferen
Offiziere. — Bei den Veranstaltungen anläßlich der Hud—
son-Fulton-Feier gewann beim ersten Wettrudern der
amerikanischen und fremden Kriegsschiffboote eine Boots
mannschaft des deutschen Kreuzers ‚Vistoria Luise“

RNe yurnge Wyantaste schmuctte die Ereignisse aus und
eß den Ruhm der Bleriot, Latham und Genossen noch
reller gleißen. Aber diese Ueberschwenglichkeiten sind zu
erstehen. Die französische Nation ist eine stolze Nation
ind nicht gewohnt, im Schatten zu stehen. Sie hat den
suhm einer alten Kultur zu verteidigen, und bangt, daß
indere Nationen es ihr in irgend etwas zuvor tun könn—
en. Als Zeppelin mit seinem gelben Vogel in den Aether
auchte und die Wert mit seinem Ruhm erfüllte, da pochte
has französische Nationalgefühl. Da mischte sich in das
Erstaunen und in die Bewunderung ein Fünkchen Neid.
Nit dem Lenkbaren haben die Franzosen wenig Glück
die „Patrie“ wurde vom Wind entführt, und man weiß
jeute noch nicht, wo sie steckt. „RNepublitk 1“ verfiel dem
elben Schichsal. Und der „Bayard-Clement“ fand in der
lugusttagen sein Ende an einem einsamen Weidenstump
im Seineufer bei der Kommune-Insel. Die „Republik“ er—
tand in neuer Gestalt. Aber eine grauenvolle Katastrophe,
ei der vier Menschen das Leben verloren, hat sie vor
ieuem vernichtet. Weil nun die Franzosen mit dem Lent.
zaren kein Glück haben, suchen sie ihren beleidigten Na—
ionalstolz durch die Aeroplane zu retten. Jetzt heißt es
salt: Deutschland beherrscht die Luft mit seinen Lenkba—
ten und Frankreich durchfliegt sie mit Flugmaschinen ..
Oesterreich-Ungarns Lage ist bedenklicher denn joe.
Wekerles Konferenz mit dem greisen Kaiser Franz Joses
sat ergeben, daß die ungarische Partei bei ihrem Spie
den andern Partner vergessen hat. Der Kaiser läßt sich
nicht drängen, er hat keine Entscheidung gefällt und wird
vahrscheinlich auch in der Audienz Kossuths keine fällen.
In gut informierten Kreisen erwartet man sogar, daß
Kossuth Wien verlassen wird mit der Weisung, neuer—
dings die Koalition herzustellen. Die Krone steht auf
dem Standpunkt, daß beide Entwirrungspläne Vorzüge
und beide den gleichen Mangel haben, salls die Koalition
erfallt. Am wenigsten Aussicht hat der Plan Kossuths,
der nach der konstitutionellen Schablone Auslieferung der
segierung an die Majorität verlangt, als ob Ungarn zum
donstitutionalismus nichts fehle als der Mechanismus des
dabinettswechsels. Weterles Hoffnung ist jedoch noch
nicht geschwunden, und so ist es doch nicht ausge—
chlossen, daß er eine Lösung der ungarischen Krise quf
rgend eine Weise herbeiführen wird

öεενα 2 3 gag ů α
Gerichtszeitung.
SBetrügerischer Bankerott. Unter Hinterlassung von
171 000 Mark Schulden ist der Bäckermeister A. Holzbauer
on Pfaffenhosen a. Ilm im Juni 1908 nach Zürich ge—
lohen, wo er zwei Monate später verhaftet und ausge—
iefert wurde. Die Konkursgläubiger haben auf höchstens
»Prozent zu hoffen. Als der Konkurs eröffnet wurde,
varen für 108 890 Mark Wechsel im Umlauf, für die
Deckung nicht vorhanden warz; sie lauteten teilweise auf
Namen gar nicht existierender Personen, andere auf solche,
die zahlungsunfähig waren oder gar nichts schuldeten.
Diskontiert waren die Wechsel von der Kreditkasse der
handwerker-Innung Pfaffenhofen G. m. b. H., die auch
anderen Personen in gleich leichtfertiger Weise unbeschränk—
ten Kredit eingeräumt hatte und nun den Konkurs au

Lokales.
Kurshücher in den Zügen. Die Handelskammer
zu Bochum gibt in einer Eingabe hierzu folgende Anreg—
ingen: Entweder in jedem Wagen ein Kursbuch an be—
timmter Stelle mittels eines Kettchens zu befestigen, oder
Automaten aufzustellen, welche gegen Einwurf von 10 Pi.
ein Kursbuch für bestimmte Zeit verabfolgen. In den
D-Zügen sollten die Zugführer und Schafsner mit Kurs—
büchern ausgerüstet werden welche gegen eine Gebühr von
10 Pf. den Reisenden leihweise zu überlassen wären. —
Jedenfalls würde die Ausführung dieser Anregungen sei—
lens der Eisenbahnverwaltung in der einen oder anderen
Weise die volle Anerkennung und Würdigaunaga des reisen
den Publikums finden.
meiden mußte, was ein halbes Dutzeñd weitere ZSahl
ungseinstellungen zur Folge hatte und wodurch zahlreiche
Existenzen vernichtet worden sind. Wieviel Geld Holz⸗
bauer der Konkursmasse entzog und in die Schweiz mit⸗
nahm, konnte nicht festgestellt werden, es waren aber über
3000 Mark. Das Schwurgericht in Augsburg verurteilte
qp weagen betrügerischen Bankerotts au drei Jahren Ge—
ananis. — — E—
Wirchtig für Weinyandler. Eine Mainzer Firmä
hatte beim Reichsichatzamte angestagt, ob die in ihren
Brivatkellern unter Zollverschluß lagernden ausländischen
Weine untersuchungspflichtig seien. Unter Hinweis auf 8
34 Abs. 3 des Weingesetzes ist der Firma daraufhin er—
zffnet worden, daß der Verkehr mit Getränken, die bei
der Verkündigung des Gesetzes bereits hergestellt waren,
ac den bisherigen Bestimmungen des Gesetzes zu beur
teilen sei

In ganz Spanten herrsctt große zreude uber die
ẽrfolge der spanischen Waffen auf der Halbinsel von Me—
illa. Die von den Generälen Marina, Tovar und Orozco
internommene konzentrische Bewegung hat ihr Ziel er—
reicht; die Truppen haben sich der Höhen des Gurugu-Ge—
irges, des Zentrums des Widerstandes der Riffleute, be—
nächtigt und die Hauptwohnstatten El Had, Nador, Ze—
uan u. a. besetzt. Bei dieser Bewegung haben die Trup
en viel Eifer und Ausdauer gezeigt, aber der errungenc
Zzieg ist nicht gar groß, denn die Feinde sind fast überal!—
urückgewichen und haben sich zu einem Entscheidungs
ampfe nicht gestellt. Aus diesem Grunde ist der Jubel
iber die erfochtenen Siege etwas überschwänglich und auch
die Hoffnung, daß jetzt der Krieg zu Ende sei und Ruhe
ind Frieden wieder herrschen werde, steht auf schwachen
Füßen. Die Halbinsel Melilla ist erobert, aber nicht pa—
fiziert; die vertriebenen Einwohner werden bei ihren
ztammesgenossen in den übrigen Teilen des Riff keine
obredner der Spanier sein, und wenn sie in ihre zu—
ammengeschlossenen Dör'er und Häuser zurückkehren, da
verden sie auch keine treuen und anhänalichen Untertanen
der spanischen Herrichaft sein.

Gestrandetes Schiff. Der Dampfer „Galata“ der
Deutschen Levantelinie ist in der Bucht von Tanger ge—
sttrandet. Ein Bergungsdampfer ist aur Hilfeleistung ab
gegangen.

— lr— —— α
Humoristische Ecke.
Von Graf Zeppelin. Eine Gesellschaft fragte bei
Zeppelin neulich an, welches seine Lieblingsblume sei. Er
antwortete, die Nelke.
Dieser Vorgang hat Schule gemacht. Die Selekta ei—
ner höheren Töchterschule fragte ihn, welches sein Lieb—
lingsgericht sei. Er antwortete mit liebenswürdigem Lä—
heln: Gänsebraten.
Ein Hundezüchter fragte ihn, welches sein Lieblings—
tier sei. Der Graf antwortete kurz: Kamel! (Anm. d.
Red.: Das Kamel ist dem Grasen vermutlich desharb sym—
pathisch, weil es das Schiff der Wüste ist.)
Der Gesangverein „Tuberkulose“ fragte beim Grafen
an, welcher Mensch sein Liebling sei. Er antwortete: der
VPensch. der mich in Ruhe läßt Gladd.)

Die Hudson-Fulton-Feier.
Zu Ehren der bei der HudsonFultonFeier
anwesenden Offiziere, Vertreter von 28 Nationen, wurde
ein glänzendes Fest bankett veranstaltet. Großadmiral
». Kösterr sprach dem Vize-Präsidenten für die glän—
ende Aufnahme der deutschen Offiziere, sowie für die
reundlichen Worte über die deutsche Marine, die ein
teues Glied in der Kette der freundschaftlichen Beziehun—

— —F 67
Gesunden.
RAiginal⸗Nevelle von Karl Segorb.
Echöon iist gar nicht das richtige Wort für sie; Sekga
st reizend, entzückend. Sie, Heloise und ich, waren in
»emselben Pensionat, daher kenne ich sie so genau. Es
st auch ein Geheimnis mit ihr verbunden, und das mach
ie auch wohl anziehender, als andere junge Mädchen“
„Was für ein Geheimnis?“
Irma cchüttelte das dunkle Lodenköpfchen, dann sah
ie sehr ernse und nachdenklich aus.
Ich kann's nicht erklären,“ gestand sie, „Helga ist ofl
ehr ernst und nachdenklich und meidet die Geselligkeit. —
Niemand weiß auch etwas Genaues von dem Geheimnis;
s ist gewiß nur eine leere Vermutung.“
„Sagten Sie, Fräulein Helga sei die Nichte des al—-en
 Baron von Schleucher?“ sragte der Freiherr, der schon
ein Interesse für die geheimnisvolle junge Dame sich re⸗
gen fühlte.
Jal oder richtiger, die Nichte der Frau Baronin.“
Wohnt sie bei ihnen in Lindenheim?“
„Erst seit wenigen Jahren. Früher lebte sie bei ihrem
Zroßvater, dem alten General von Mengern; erst nach des⸗
en Tode ist sie nach Lindenheim übergesiedelt.“
„Erzählst Du von Deiner Freundin, Irma?“ fragte
der Vater, der sich unbemerlkt genähert und das Gespräch
jehört hatte.
Irma lächelte. Dann legte sie schmeichelnd den Arm
n den Hals des Vaters und flüsterte ihm zu:
Ja, Vater. Aber warte nur, bis Du sie selbst ge⸗
ehen hast, dann wirst Du zugeben, daß ich ein Recht be⸗
ze, sie zu Ueben und zu bewundern. Sie ist so hemgenajut,
 liebenswürdig und bezaubernd schön.“
Du bist eine éñthusiastische Schwärmerin für diese
leine Sirene,““ nedie der Graf und streichelte wohlwollend
die dunkeln Locken seines Lieblings. —

„Ich kann nicht anders, Vater. Ou wirst sie selbst
lieb gewinnen, wenn Du sie kennst.“
Der alte Graf wandte sich schnell ab. Sein scharfes
Dhr hatte im Korridor das Geräusch mehrerer Stimmen
zehört und er wollte seine Gäste gern zuerst empfangen.
Doch inmitten des Saales blieb er wie angewurzelt stehen.
Zein Auge heitete sich auf die schlanke Gestalt eines un⸗

zu dem alten Grasen hingezogen, aber gerade er schten
jede Annäherung ängitlich zu vermeiden, ja schon oft be—
merkte sie jähes Entsetzen, sobald er absichtslos ihr nahr
kam. Gräfin Wilma war ihr vom ersten Tage an wenig
cumpathisch gewesen. Die alte Dame machte kein Hehl
»araus, daß sie der Freundin ihrer Tochter kaum die nö—
tige Hochachtung zollte. Zwar wollte sie selbst sich nicht
eingestehen, daß der schnöde Neid diese feindlichen Gedan—
ken in ihrem Herzen erwedten; denn es war ihr unerträg
lich, durch Helga die Reize ihres eigenen Kindes geschmä—
lert zu sehen. Doch darum kümmerte sich das junge Mäd—
chen wenig; nur das Irmas Vater, dem sie so gern je—
den Wunsch von den Augen abgelesen hätte, ihr so wenie
treundlich zugetan war, schmerzte sie tief.
„Ich habe ihm niemals ein Leid zugefügt,“ dachte
Helga oft, und unwillkürlich verschleierten Tränen ihren
Blick, „warum haßt er mich denn, und warum zeigt mir
auch die Gräffin nicht die geringste Liebe?“
Eines abends besand sie sich allein in der Bibliothek,
um ungestört eine spannende Erzählung zu lesen. Tas
Zimmer war leer. Schnell zog sie einen bequemen Sessel
ahe zum Feuer und vertiefte sich bald in die Seiten ihres
Buches.
Ungehör und ungesehen betrat bald nach ihr auch der
alte Gra, das Gemach. Seine Schritte wurden durch den
weichen Schritt gedämpft und schon hatte er die Mitie des
Zimmers erreicht, als er plötzlich Helga erblickte, erschrak,
und unbemerkt das Zimmer verlassen wollte. Einen Au—
jendlid kämpfte er mit sich selbst und schnell entschlossen
trat er dem lieblichen Mädchen näher.
Helga olidte auf. Wie flüchtiger Sonnenschein huschte
es über das leicht gerötete Antlitz und die großen blauen
Augen strahlten in freudigem Glanze.
.Wie von einem tödlichen Schlangenbiß verwundet,
hrallte der Graf zurück, sein Antlitz wurde aschfahl und
seine Glieder bebten.
„Sie sind krank, Herr Graf,“ rief Helga gleichfalls be—
ttürzt, „soll ich Hilfe holen?“

gen Mädchens, das soeben die Schwelle überschritt. Noch
mmer rührte er sich nicht; wie aus Stein gehauen stand
er unbeweglich da.
Was war nur an der schlichten Mädchengestalt, daß
ein altes Herz so laut und stürmisch pochte und das
Blut ihm siedend heiß durch die Adern strömte?
Im weißen Kleide, mit blühenden frischen Rosen im
Zürtel und in dem blonden Haar stand Helga von Men—
sern an der Seite ihres Oheims und blickte mit ihren
roßen, blauen Kinderaugen flehend zu ihrer Freundin
Irma hinüber.
Irma eilte herbei und zog sie fast willenlos zu ihrem
Pater.
„Hier ist sie, mein lieber Vater, von der ich Dir so
ft erzählt habe — Helga von Mengern,“ stellte Irma die
rreundin vor.
Beide verneigten sich; dann stredte der alte Herr der
jungen Dame seine Hand entgegen.
„Sie sind mir keine Fremde, Fräulein Helga,“ sagte
r freundlich, „meine Tochter hat so viel erzählt. Leo“,
ief er dann, als der junge Freiherr vorüberschritt, „hier
st Fräulein von Mengern, Irmas Freundin.“
Leo verbeugte sich, und ehe er sich umwandte, stand
r allein der jungen Dame gegenüber, da der alte Graf
einen Pflichten als Wirt nachtommen mußte. Irma hatte
richt zu viel gesag Noch niemals in seinem Leben hatte
r ein so edel gesormtes Antlitz, so tief blaue Augen
zesehen, und er hätte nch für ein Lächeln aus diesen
Blicken für den Glücklichsten aller Sterblichen gehalten.
Es war sonderbar, je länger Helga im gaͤstlichen
Schlosse weilte, desto mehr geriet ihr inneres Seelenleben
m Zwiespalt. Mit, unwiderstehlicher Gewalt fühlte sie sich
            
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