Bluttat liegt solgender Tatbestand zu Grunde: Zwischen
Zintel und dem in gleichem Hause wohnenden Goelz
herrschten seit längerer Zeit Zwistigkeiten, die sich zu ei—
ner schlimmen Feindschast entwickelt hatten. Am 8. Au—
gust, einem Sonntag, kam Zintel Mittags in angetrunte⸗
nem Zustande nach Hause, griff nach kurzem Wortwechsel
den Goelz im Hausgang mit einem Messer an und ver—
letzte ihn durch mehrere Stiche in die Schulter so schwer,
daß dieser alsbald starb. Bei der Verhandlung berust sich
der Angeklagte auf Notwehr; er mußte aber schließlich
zugeben, daß er das Messer bereits vorher geöffnet hatte.
Der Angeklagte wird von den Zeugen als ein sehr roher
Mensch geschildert, der in der Trunkenheit zu Gewalttä—
tigkeit neigt. Das Gericht verurteilte den Angeklagten
unter Versagung mildernder Umstände zu 44 Jahren Ge—
ängnis.
Arbeiterbewegung.
— Bauarbeiterstreik. Das Komitee der Pariser Bau—
gewerbearbeiter hielt eine Geheimsitzung ab, worin eine
Tagesordnung angenommen wurde, in der befürwortet
wird, zur Durchführung der Forderung der ausständischen
Baugewerbearbeiter Gewalt anzuwenden. Es wurde fer—⸗
ter beschlossen, einen Massenaufzug nach der Mirbeau—
drücke zu veranstalten und die dort befindlichen Arbeiter
zu zwingen, die Arbeit niederzulegen.
eà ι CI.
Kunst und Wissenschaft.
(1) Die Automobilhupe in der Symphonie. Seit
oem Gustav Mahler der Hofoper den Rücken gekehrt hat,
widmet er sich mit umso größerem Eifer der Komposcion
von Symphonien. Das „Ill. Wiener Extrablatt“ schreibi
darüber: Nummer acht soll bereits in der Skizze fertig
und Nummer neun schon begonnen sein. Der wunderlich
geniale Mann ist übrigens unermüdlich bestrebt, die Tech—
nit des modernen Orchesters mehr und mehr aiszugesial—
en. In seiner zweiten Symphonie verwendete Mahler
die Rute, in der dritten gab es Kuhglocken-⸗Stimmen, in
der vierten Schlitten-glückchen, in der sechsten gar einen
dammer (daher „Hammerschlag-Symphonie“) und in der
iebenten soll, wie ein Spaßvogel herumerzählte, eine —
lutomobilhupe zur Ausnutzung eines thematifschen Einfal-⸗
es verwendet werden. Der Konzerwerein beabsichtigt,
»iese Symphonie heuer zur Aufführung zu bringen. Das
iam auch einem alten Abonnenten des Vereins zu Ohren.
Der setzte sich hin, schrieb an den Konzertverein einen
Brief, in welchem er sich bereit erklärt, wie bisher seine
Pläre für alle Veranstaltungen des Konzertvereins zu be—
tellen, aber er stellte die eine Bedingung. daß ihm bei
der Aufführunz der Mahler-Symphonie — die Automo—
bilhupen-Stimme anvertraut werde. Er wäre ein gelern—
er Chaufseur und auch sonst musikalisch ... So sagt er..
Eine Entscheidung steht noch aus. Töff, töff!
— —
Luftschiffahrt. —
Die Berliner Fliegerwoche. 5*
Der Donnerstag bot auf der Flugbahn Johannistal
venig Sport. Edwards, Sanchez Bena und Modlon
lonnten nicht starten, da ihre durch die Stürze beschadig⸗
sen Maschinen noch nicht wiederhergestellt waren. Nur
Latham, der unermüdliche, leistete wieder Vorzügli⸗
ches; er startete gegen 5 Uhr um den Entfernungs—
pereiis, blieb 1 Stunde 22 Min. in der Luft, legte in
dieser Zeit mit 33 Runden 82,5 Kilometer zurück. Durch
diese Leistung hat Vatham den gestrigen Rekord Rougiers—
geschlagen und ist Anwärter auf den Entfernungspreis
Infolge der völligen Dunkelheit hatte Latham eine wenig
zlatte Landung. Sein Apparat fstieß hart auf und wurde
am Untergestell unbedeutend beschädigt. Rougier unter,
nahm bereits in aller Frühe einen Zweirundenflug mit
zwei Passagieren, konnte jedoch am Tage nichts besonde—
res vor sich bringen. De Caters arbeitete den gan—
zen Tag an feinem Apparat und machte nach Sonnenun—
tergang vier sehr schöne gleichmäßige Runden.
Die, Fliegerwoche in Köln.
Die Kölner Flugwoche wurde Donnerstag Nachmit⸗
tag durch einen Aufstieg Bleriots auf der Merheimer
Rennbahn eröffnet. Er durchflog elegant die 700 Meter
lange Rennbahn, bog dann nach links, nahm die Breite,
lam zurück und flog über die Bahn hinaus, von einet
großen Menschenmenge stürmisch begrüßt. Dann landete
er glatt auf der Abfahrtsstelle. Der Apparat flog ohne
jede Schwankung trotz einer Windstärke von 4 Setunden
metern. Um 4.25 Uhr flog Bleriot nochmals und nahm
denselben Weg. Der Wind war fast ganz abgeflaut. Beim
erstenmal erreichte er eine Höhe von etwa 18 Melern.
Beim zweitenmal flog er neun Runden in einer Hoöhe
oon 10 bis 15 Metern. Er landete um 4.39 Uhr in der
Nähe des Aufstiegplatzes. Um 5.54 machte Paulhan
einen mißglückten Versuch. Er lief eine längere Sirecke
über den Rasen, kam aber nicht hoch. Um 5.58 ging
Bleriot wieder hoch. Um 6.02 machte Paulhan einen
zweiten Versuch, der ebenfalls mißglückte. Um 6 Uhr 5
Min. ging Bleriot nieder und damit beendete er sein
Programm für den ersten Tag. Paulhan machte um
654 Uhr und bald darauf nochmals Versuche, ohne aber
sich vom Boden erheben zu können. Dann trat Duntelheit
ein und die Flüge am ersten Tage der Kölner Flugwoche
waren zu Ende.
Eingesandt.
Wählerversammlung. Am Donnerstag hielt der
jiesige nationale Bezirkeverein im Reftaurant Riedschy eine
zut besuchte Mitgliederversammlung ab. Herr Bergraͤt Neff
eroöffnete die Versammlanz mit einem kurzen politischen
Rüablick und ließ sodann die Wahlen zum Beziiks vorstand
und den übrigen Jastanzen der Partei vornehmen. Das
Resultat war, daß Herr Bergrat Nff zum Vorsitzenden, Herr
Berginspektor Lwowski zum stellvertretender Vorsitzenden,
derr Lehrer Jeunewein zum Schriftführer, Hecr Lehrer Otto
um stellvertretenden Schriftführer, Herr Maschinenwerkmeister
Broße zum Kasstserer und Herr Wilhelm Schulde zum stell⸗
orrtretenden Kassierer einstimmig gewählt wurden. Sodann
hielt Herr Parteisekretär Koester aus Saarbrlicken einen etwa
rinstündigen Vortrag, in dem er zunächst die Gekaltung der
Reichsfinanzreform eingehend erörierte, wober er sich beson—
ders gegen die Ultramontenen und bündlerischen Angriffe
in der Frage der Ecbschafissteuer wandte. Der Redner be⸗
euchtet die durch die Reichsfinanzreform geschaffene politische
dage und die ihrer eigenen Vergangenheit Hohn sprechende
daltung der Zentrumspartei, um zum Schluß der Hoffnung
Ausdrnck zu geben, daß bei reger Werbearbeil der nationalliberalen
Partei auch in unserm Wahlkreise weiterhin blühen
und gedeihen werde. Eine lebhafte Debatte, an der sich die
Zerren Scherer, Lwowski, Bößmann, der Vorsitzende und
der Referent beteiligien, ließ die volle Zustimmung milt den
Aueführungen des Referenten eikennen und beschästigte sich
im übrigen mit der Frage, wie man noch wirksamer die In⸗
leressen der Partei vertreten könne. Esst nach 11 Uhr fund
die anregend verlaufene Versummlung ihren Abschluß.
Lokales
Eotterie. Die Lose zur Klasse der 221. preußischen
klafsenlotterie müssen bis zum nächften Montag erneut wer
»en. Die Ziehung findet am 8. und 9. Oktober slatt.
Die Jagd anf Hasen ist gestern im Regierungsbezirke
TrierZeröͤffnet worden. Auf der Speisekarte und auf den
Märkten hat sich Meister Lampe schon eingestellt, da man
yn in anderen Gegenden früher fur vogelfrei erklärt hat.
Die Beleuchtungskörper⸗Steuer tritt neben andern
Steuern am 1. Oltober in Kraft. Hierzu gehören auch die
Bluhstrümpfe.
in „zeitgemäßer“ Trick. In der „Naumburger
ztg.“ eischien in det vorigen Woche folgende Anzeige
Zundhölzer — Zundhölzer, bestes deutsches Fabrikat, Matke
„Adler“ habe ich vor Eintritt der Steuer noch ohne Preie—
uufschlag abzugeben. Auf sofortige Bektellung gegen Vor—
insendung dese Betrages liefert frankd Ortt des Bsstellers
100 Paketr a 10 Schachteln zu 7einhalb M, 500 Pakeie
mIO Schachteln zu 35 Mark. 1000 Pakete a 10 Schachteln
uu 65 Mark. Bestellungen werden nur gegen Voreinsendung
»es Betrages ausgeführt. Nachnahme und Ziel ausgeschlossen
Barantie für erstklassige Ware. Otto Heinroth. Berlin C
6, Gontardstraße 3, 1.“. Ein Naumburger Geschaftsmann
em die Sache verdächtig vorkam, beauftragte einen Bekann⸗
en in Betlin, fur ihn 100 Pakete zu 7Zeinhalb Mark zu be⸗
orgen. Dieser erfuhr in der Gontardstraße, daß der in der
Anzeige Genannte nur 2 Tage im „Privatlogis“ Gontard⸗
traße 3 gewohnt hatte. Der Geldbriefträger hatte ihm, laut
B. T.“ an einem Tage etwa 700 Mark an Postanweisun⸗
jen ausgehändigt; 800 Mark liegen noch auf der Post, da
ie nicht bestellt werden konnten. Der Schwindler ist jetzt
purlos verschwunden. Zundhölzer hat er überhaupt nich
sesessen.
Warnung vor ungefetzlichen Ausverkäufen! Nach
em 1. Oktober, an welchem Tage das neue deutsche Reichs
zesetz gegen den unlauteren Wettbewerb in Kraft tritt, wirt
verj:nige mit Geldstrafe bis zu 1560 Mark oder mit Haf!
estraft, der es unterläͤßt, in der Aukündigung eines Uus—⸗
yerlaufes den Grund anzugeben, der zu dem Ausverkau
Anlaß gegeben hat. Der Anklindigung eines Ausverkaufel
teht gleich jede sonstige Ankündirung, welche den Verkauf
jon Waren wegen Beendignng des Geschäftsbetriebes, eine
»estimmten Warenvorrates aus dem vorhandenen Bestande
»et ifft. Auf Saison⸗ und Inventur⸗Ausverkaufe, die in der
Anküudigung als solche bezeichnet werden und im ordent⸗
ichen Geschäftsvrerkehr üblich sind, finden die neuen gesetz⸗
ichen Bestimmungen, sofern die Zahl, Zeit und Dauer der⸗
elben nicht besonders gesetzlich festgelegt ist, kene Anwendung
zur Warnung diene auch noch der folgende Paragraph
„Mit Gefäͤngnis bis zu einem Jahre und mit Geldstraft
»ie zu 5000 Mark oder mit einer dieser Strafen wird be—
draft, wer im Falle det Ankündiguag eines Ausverkaufe⸗s
Varen zum Verkaufe stellt, die nut für den Zweck des Aus⸗
jerkaufes herbeigeschafft worden sind (sogenanntes Vorschieben
der Nachschieben von Waren).“ Es ist allen Geweirbtreiden⸗
»en zu empfehlen, sich sehr genan über den Inhalt des neuen
Besetzes wider den unlauteren Wetibewerb zu unterrichten.
ẽks muß eben mit manchen Gepflogenheiten gebrochen werden
zie bisher als erlaubte Geschäftsgewohnheiten galten.
Kgl. Eifenbahndirektion. In Letzterer Zeit sind in
erschiedenen Zeitungen Notizen über eine seitens der Eisen⸗
hahnverwaltung angeblich beabsichtigte Ecrichtung eines Halte⸗
zunktes für Personenverlehr in Altenwald, sowie Einführung
on elektrischen Alkumulator⸗Triebwagen auf der Sttrecke
Saarbrücken⸗Neunkirchen erschienen. Diese Angaben sind un⸗
uutreffend. Es wurden allerdings kürzlich einige Gesuche um
krrichtung des genannten Haltepunktes an uns gerichtet, je⸗
voch nach eingehender Prüfung mit Ruücksicht auf die Nähe
der Bahnhöfe Sulzbach und Friedrichsthal abgelehnt. Der—⸗
leichen wird die Einführung des Akkumulator-Triebverkehrs
auf der Strecke Saarbrücken⸗Reunkirchen vorläufig nicht be—⸗
ibsichtiat
Aus RNah und Fern.
Illingen, 28. Seph. Daß ein Blinder auf einer be⸗
sebten Straße etwas fiadet, darf wohl zu den SEeltenheiten
zerechnet werden. Eia Blinder aus dem Nachbarsorte, der
mit seinem Führer ducch die Hauptstraße ging, trat auf
reinen Gegenstand und sein feines Gefühl sagte ihm, daß dies
was besonderes sein müsse; er bückte sich und zog eine
chöne Uhrkette unter seinem Fuße hervor und zeigte mit
ucht geringem Stolze seinem Führer dieselbe. welcher trotz
eines guten Augenlichtes den Gegenstand auf der Straße
nicht wahrgenommen hatte.
Neunkirchen, 30. Sept. Gistein nachmittog erhängate
ich hier in der Josefstraße ein eiwa 36 Jehre altrr Berg⸗
nann in seiner Schlafsube. Er ist verheiralut und Voter
nehrerer Kinder.
*Ohligs, 1. Olt. (Selbstmord eines Wahnm
innigen.) Der zirta 28jährige Chriftian Koßmaun,
er in der letzten Zeit viel unter Eifersuchtsanfällen litt,
rschien auf der Polizeiwache und gab an, daß er seine
ßraut erschossen habe. Bei seiner sofort erfolgten Ver—
sehmung bewegte er sich in allerhand konfusen Mitreil—
mgen und behauptete schließlich, nicht er, sondern meh⸗
ere andere, deren Ramen er auch nannte, hätten das
Rädchen getötet. Ein Polizeibeamter begab sich nun so—
ort mit dem K. auf die Suche nach der Leiche. Auf die
lujforderung des Beamten, ihm die Veiche zu zeigen,
ehauptete K., das könne er nicht, er könne den Anblicik
er Leiche nicht ertragen, an der Sache sei ja auch nichts
aehr zu aändern. Man fand denn auch keine Spur von
iner Getöteten. K. lief dem Beamten fort und versteckte
ich in dem Schuppen eines hiesigen Fabrilgebäudes, ist
»ort aber herausgeholt und in der Polizeiwache inter⸗
tiert worden. Dann erklärte er, er sei so sfurchibar eifer⸗
äüchtig auf seine Braut, aus diesem Grunde habe er alle
ene Angaben gemacht, es sei jedoch an der ganzen Sache
ein wahres Wort. Der Bedauernswerte hat inawuchen
zelbstmord begangen.
*Mülheim (Ruhr), 1. Olt. EKuderlähmung.)
In Kinderlähmung sind bis jetzt amtlich gemeldet worden
in Kreise Mülheim⸗Ruhr 32 Krantheusfalie, darumers
Todesfälle; im Landkreise Mülheim-Ruhr 24 Krantheits,
alte, darunter 4 Todesfälle und im Stadtkreise Oberhau—
en 34 Krankheitsfälle, darunter 2 Todesfälle.
* Duisburg, 1. Ok. (Genichstarre.) An Genick,
tarre ist der holländische Schiffskapitzn Vanholden im
— V
* Duisburg, 1. Olr. Kinderlähmung.) Die
pinale Kinderlähmung dehnt sich trotz der Gegenmaßre⸗
eln aus. In Mulheim Stadt- und Landkreis und Stadt—
reis Oberhausen wurden bis jetzt 90 Krankheitsfälle an—
jemieldet, darunter 12 Todesfaälte.
* Frankfurt, 1. Okt. Erfolge des Ruthen-—
bergballon.) Der dtuthenbergballon har mit seiner
gestrigen Fahrt den Zeppelinpreis in Höhe von 10000
Mart gewonnen. Der Preis war ausgesetzt für den klein
ten Lenkballon, der mindestens fünf Fahrten von de
dauer einer halben Stunde unternimmt.
Fraukfurt, 1. Ott. Parseval nach Ems.
„P. 3* ist heute mittag 31 Uhr zu seiner Fahrt nad
Ems aufsgestiegen.
* Frankfurt, 1. Ott. Feuerinder ZJla—r.) Kur!
nach 2 Uhr ereignete sich in den Marineschaufpie
lben der Ila“ eine Explosion; ihre Baulichteiter
tehen in Brand. Näheres ist zur Zeit noch nicht bekannit
— Nach einer späteren Meldung ist ein Mann 1t01
Der Brand ist gelöscht.
*Fra kfurt, 1. Oit. ( Won der JUha.) Auf den
Fluggelände hat man mit den letzten Vorbereitungen fuüͤ
»zie aviatische Woche vom 3. bis 10. Ottober begonnen
Lor den großen Tribünen wird eine etwa 100 VWieter
ange Abflugbahn aus Brettern hergestellt. Neben der
zliegerschuppen, in denen die Apparate von Baron de
Taters untergebracht waren, wird eine Reihe neuer Schup
»en errichtet. — Der Ruthenberg-Ballon unternahm an
Donnerstag Nachmittag eine kurze Fahrt, die über Sos.
enheim wieder nach Frankfurt zurückführte. — Am Sonn
ag wird das JIla⸗-Theater wieder eröffnet mit Frank Wede
ind und Frau, die in den beiden Einaktern „Kammer
änger“ und „Zensur“ auftreten. Frau Elsa Läura vor
Wolzogen wird außerdem Lieder zur Laute singen.
* Darmstadt, 1. Olt. Unterschlagung.) Der
21jährige Karl Hartmann aus Mainz, der in Älitenstad
und Hirschhorn als Postgehilfe tätig war, hat über 2000
Mark unterschlagen, die er verjubelte. Er wurde vom
Schwurgericht unter Zubilligung mildernder Umstände zu
Jahr 6 Monaten Gefängnis verurteilt.
*Alsenz (Rheinh.), 1. Ott. (Im Irrsfinn.) Heute
früh erschlug in Lettweiler der 64 Jahre alite Ackerer Ph
May seine 57jährige Ehefrau mit einem Prügel im Ho
ind schleppte die Leiche dann in die Waschküche, um sie
u verbrennen. Das Feuer erlosch jedoch und nur die
daare und die Kleider wurden versengt. Hierauf erhängte
ich der Ehemann. Er hat die Tat, wie angenommen
wird, in einem Anfalle von Geistesstörung verübt. Die
Eheleute lebten in guten Verhältnissen
Tesearamme.
Berlin, 2. Oll. Schon wieder ertegt eine Schlitec⸗
ragödie Aufsehen. Der 17 Jahre alte Realschüler Oite
Schönbeck hat sich aus seinem elterlichen Hause entfernt und
von Tegel aus seinen Eltern geschrieben, daß er aus dem
Leben scheiden müsse, weil er in der Schule nicht vorwärts
komme. Alle Nachforschungen nach dem Schuler sind erfolg⸗
los geblieben. Man nimmt an, daß er seinen Plau Selbst—
mord zu begehen, unmittelbar nach dem Absender des Brie—
fes an einer verborgenen Waldstelle durchgeführt hat.
Frankfurt, 1. Okt. In den letzten Tagen war wieder—
holt die Rede davon, daß 3. 1, der in Metz siationiert ift
nach Frankfutt kommen werde. An maßgebender Stelle ist
davon aber nichts bekannt. Dagegen foll es richtig sein
daß 8. 1 demnächst e ne größere Fahrt unternehmeu will,
auf der er Fiankfurt zu berühren gedenkt. Das Großsche
Luftfchiff joll, wie es heißt, voraussichtlich heute Nacht in
Bitterfeld aussteigen und eine Fahrt nach Metz antreten. Es
ist nicht ausgeschlossen, daß Groß auf dieser Reise in Frank—
furt landet. Die Landung soll aber nur in dem Falle vor
sich gehen, daß das Luftschiff einer Rachfüllung bedarf, die
hier bewerkftelligt werden soll.
Frankfurt a. M., 1. Okt. Der Ruthenberg Ballon hat
mit seiner gestrigen Fahrt den Zeppelin⸗Pceis in Höhe von
10 000 Mark gewonnen. Der Preis war ausgesetzt für den
kleinsten Lenkbballon, der 5 Fahrten von mindeftens einer
halben Stunde unternimmt und an den Ausstiegsplatz zucück⸗
kehrt. Der Parseval⸗-Ballon ist heute Vormittag halb 1 Uhr
zu seiner Fahrt nach Ems aufgestiegen.
Stuttgart, 1. Okt. In der vergangenen Nacht ist in
dem in der Friedrichsstcaße, einer der belebtesten Straßen
decr Stadt gelegen Bisouteriengeschäft von Eugen Kaufmann
ein Juwelendiebstahl begangen worden, bei welchem etwa für
100 000 Mark Juwelen gestohlen worden sind. Ver Dieb⸗
stahl ist offenbar von einer internationalen Bande verübt
worden und wurde mit dem denkbar größten Raffinement
ausgesuührt. Die Diebe haben nicht die geringste Spur hin⸗
erlassen. Sie haben den Geldschrank angebohrt, das Schloß
gesprengt, die Wertgegenstände herausgenommen und dann
die Eiuis wieder hineiugelegt. Der bessoblene Kaufmann
ist gegen Laden- und Geldschrank-Einbruch auf 160 000 M.
versicherl. Bisher hat man nicht die gerinaste Spur der
Gaumer.
München, J1. Okt. Das Schwurgericht Ifällte heute
Abend gegen den Anstreicher Peter Huber und den Taglöhner
Josef Häuser wegen Ecmordung und Beraubung der Witwiä
Obermeler das Urteil. Die Angeklagten wurden zum Tode
und zur Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt
Beide Veratieilte erklärten sofort Revision einzulegen.
Hamburg, 1. Olt. Ein Lustmoid au einem Kinde ist
bei Neumünster entdeckt worden. Ja Böhmebüttel fand ein
senecht des Landmannes Karl Wolf auf der Koppel hintet
einem Brombeerstrauch die entkleidete Leiche eines 3 bis 4
Jahre alten Mädchens. Die Hände waren auf den Räcken
zebunden, der Hals wies mehrere Stiche auf. Der Mord
muß bereits vor einigen Tagen ausgeführt worden sein
denn die Leiche zeigte schon Verwesungsspuren. Da:s Kend
ist völlig unbekanut, Niemand weiß, woher es stammt.
Bromberg, 1. Okt. Nach einer diei Tage langen Ver⸗
jandlung verurteilte das Schwurgericht den Landwirt Josej
Nyla aus Komsdorf zum Tode. Der Augeklagte, gegen
den ein sehr umfangreicher Indizienbeweis geführt worden
ift, hatte am 18. Mai im Forfstbezirk Kiebitzbusch sein
Skᷣwiegermutter. mit der er seit langem in Uafrieden lebte,
erschlagen. Um den Anschein zu erwecken, als habe die Frau
sinoc begangen, hängte er die Leiche an einen Baum
auf.
Braunschweig, 1. Okt. Auf der Zeche Prinz Wilhelm
dem Braunschweiger Kohlenberbwerk gehötig, fand heute Vor⸗
nittag ein Sch vemmsand⸗Einbruch auf der vierten Sohle
statt. Hierbei wurden 5 Arbeiter verschlttet, von denen nur
2 gerettet werden konnten.
Neapel, 1. Okt. Wegen des in der letzter Nacht bei
der Navogaziono generale Italiana stattgefuadenen Kassen⸗
einbruchs' wobei 130 000 Lire geraubt wurden, wurde der
kassirer verhaftet.
Paris, 1. Okt. In Montery spielte sich gestern Abend
in einem Variete eine dramatische Szene ab. Em dort auf—
iretender Löwenbändiger sollte zum Militäc einrücken, wo⸗
cüber sich seine Geliebte, eine junge Frau, so austegte, daß
sie die entblößten Arme und die Biuft durch die Gitterst äbe
steckte. Sie wurde von dem Loöwen furchtbar zeifleischt. Es
dauerte 10 Minuter, bis die Frau von den Beftien befreit
werden konnte