Full text : Dudweiler Zeitung

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henbergs umgebung, die der Leyrer Adolf König in dei—
henberg mit den Singweisen zusammengestellt hat. Es
‚andelt sich um eine Sammlung von 200 Liedern, die nach
»en Angaben von Gewährsmännern aufgezeichnet wurden.
VKon den in der genannten Zeitschrist abgedruckten Lie—
dern geben wir eines wieber, das von Anna Herbig in
Ratschendorf beigesteuert wurde. Dort, sowie in Langen⸗
zruck und Ehristophsarund wird es gesungen Es laulet:
oldat binichgewesen
Soldat bin ich gewesen,
Peine Zeit ist jetzt grad aus,
Da lehr ich voller Freuden
Zu meiner NMutter nach Haus

Erstes Blatt.
Volitische Rundschau.
Deutsches Reich.
*Auslandspässe werden von den preußischen Behör
en in dringenden Fällen ausnahmsweise auch Auslän—
ern erteilt. Tie russische Riegterung hat nun aber mil—
elcilt, daß russische Staatsangehörge zum Uebertritt nad
tußland mit russischen Püssen versehen sein müßten. Der
Rinister des Innern hat daher angeordnet, daß für rus.
ische Staatsangehörige und solche Ausländer, bei denen
zer Besitz der russischen Untertanen chaft in Frage kom
nen kann, zur Reise nach Rußland Pänie nicht mehr aus
estelnt werden dürfen.
* Durch einzelne Zeitungen gehen sog. Informationen
ber das Arveitspensum der nächsten Session des
deichstags. Es handelt sich bei diesen Informationen
im Kombinationen, die jeder anstellen kann, der unge⸗
ähr weiß, was an Stoff durch den Schluß der voriger
zession des Reichstags uneriedigt geb.ieben ist. Diese
ßorlagen — es befsnden sich darunter das Arbeits au
tergesetz und die Novelle zum Strafgesetzbuch — werder
Aler Wahrscheinlichteit nach wieder eingebracht werdeir
ind dazu tommen dann der Etat und einige Vorlagen
»ie längst für die neue Session angekündigt sind, wie die
ieue Reichsversicherungsorodnung und das Handelsprovi
orium mit England. Das alles reicht erfahrungsgemaf
ollständig aus, um eine Session des Reichstags auszu
ülden, wenn sie nicht, wozu vermutlich wenig Neiguus
esteht, wieder bis in den Juli ausgedehnt werden Volt
Reue Steuergesetze sind natürlich nicht zu erwar
en, denn zunächst muß abgewartet werden, wie die Ein
iahmen des Reichs sich unter der Wirkung der jüngster
Zteuergesetze gestalten werden. Darüber wird sich abe
erst Klarheit gewinnen lassen, wenn ein Jabr verdfangen
ein wird.
* Wie der „Schwäbische Mertur“ erfährt, übergibt die
Pitwe des früheren wärttembergisschenkriegs
ninisters von Suckow die unter dem Tiel „Rückschau
interlassene GEGrinnerungen Suckows
er Oeffentlichkeit. Die „Rückschau“ war bishe
chon als Manufskript gedruckt worden und einem engeren
rreise anvertraut worden. Jetzt soll die „Rückschau“ den
Allgemeinheit zugängig gemacht werden, und zwar au
Hrund einer aͤlteren und ausführlicheren Ausarbeitung
zrau von Suckow hat die Herausgabe dem Tübinge;
distoriker Profsessor Dr. Bussch übertragen. Die „Rück
chau“ Suckows bildet einen wichtigen Beitrag für di
»eutsche und württembergische Geschichte der Jahre 1860
dis 1874.
* Die Nachricht, daß dem preußischen Landtage in der
iächsten Session der Entwurf eines Gesetzes über das Or.
zanisationsrecht der Beamten zugehen soll, be
tätigt sich nach der Kreuzztg.“ nicht.
Schweden.
*Die Landesorganisation fordert jetzt di
Arbeiter auf, außerhalb gewisser Industriezweige und
blätze die Arbeit aufzunehmen. Die Bedingungen der
Arbeitgeber, daß die Arbeiter ihre Organisation verlassen
und die Streikenden nicht unterstützen, werden von de
Streikleiuung als unhaltbar und als in anderen Laͤndern
gesetzlich ungültig bezeichnet. auch wenn die Arbelier sit
rus Not unterichreiben.
Spanien.
*Die Presse spricht einmütig ihre Genugtuung aus
aß mit der Einnahme des Guruguberges, welche
bei dem Erstürmungsversuche der ersten Kriegstage das
Grab so vieler Spanier wurde, nunmehr das Hauptzie
des Rifskrieges erreicht sei. Der „Imparcial“ sagt:
Spanien, indem es das glückliche Gelingen seiert, betun
ꝛet zugleich den Wiederaufschwung der lange Jahre nie
ꝛergebeugten Volksseele; der Ausschwung muͤsse aber an
auern und fortwirken zum Segen der RNation. Der „Li
ꝛeral“, sowie andere raditale Blätter erwarten, daß po
itische und diplomatische Intrigen die volle Ausnüutzung
s mit Riesenopsern erkauften natsonalen Erfsolges in
nermehr vereiteln dürften

Als ich zuhause tomme
Vor meiner Nutter Tuür,
NMeine Mutter kennt mich nimmer,
Das stell' ich mir schon für!

„Ach Vurter, nebste Mutter,
Kennt ihr mich gar nicht mehr?
Ich komm jetzt grad aus Rußland
Ptit meinem Abschied her“

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Erst seit der Kollettivausstellung von 30 seiner Werkt
n München ist er wie mit einem Schlage populär ge—
vorden. Am meisten gerühmt werden seine sonnigen, far
enprächtigen, deutschen Landschaften, aber von tief inner
icher Kraft sind auch seine VPorträts, seine mythologischen
ind religiösen Figurenbilder. Seit 1892 hat er auch treff
liche „Lithographien geschaffen. In der Dresdener Gale
cie befinden sich sein „Selbstporträt von 1880“, „Hüter des
Tals“ und „Frühlingsbild“, in Leipzig die „Mainland—
schaft', in Stutegart dte „Quellennymphe“, und in Mün
Hen die Ginscamkeit“

„Ach Jojef, liebster Josef,
Deine Marie ist schon tot.“
Sie ist schon längst begraben,
Tröst' dich der liebe Gott!“

„Ach Muter, liebste MNutter,
Ist meine WMarie tot,
Zo nehm' ich meinen Abschied
Ind ziehe wieder fort“

„Ach Jodsef, liebster Jofet,
AUch tu doch das nicht mehr!
Ss gibt ja nicht nur eine,
ESs gibt ihrer noch viel mehr“

Frühh krümmt sich ... Der Bettelschwindel kommi
muier wieder auf neue Tricks und dabei ist leider die
Fugend nicht weniger findig als das Arter: Ueber einen
zelebten Ptatz einer nahen Stadt gehen ein Herr und
ine Dame. Ein gutgeileideter zehn- bis zwölfjähriger
Junge fragt mit klaglichem Gesicht nach der .... straße.
Zort, wohne sein Onkel und habe ihm das Geld gegeben,
„u ihm zu Fahren, und er habe die zehn Pfennig verlo—
en ꝛc.. Zu gleicher Zeit aber taucht ein Herr auf und
agt: „Sie sind der vierte, den der Bursche mit dem
leichen Manöver angeht. Ich war der erste und habe
in seitdem beobachtet.“ Er nimmt das Bürschlein mi,
im ihm nochmals die .... straße zu zeigen. Hoffentlic
zat er's gründlich getan.
Der barfüßige Parlamentarier. Ein Abgeordne—
er des finnländischen Laudtages weigert sich harmäckig,
inders als barfüßig in der Versammlung der Volksver—
reter zu erscheinen. Dieser Abgeordnete, der der agrari
chen Rartei angehört, führt den Namen Puikyala. Ver—
ede jat man ihm bereits eine ganze Anzahl von
SAchh. zum Geschenk gemacht; man hat Strümpfe und
Zocten hinzugefügt, um ihm die Verbesserung seiner Fuß—
zekleidung zu erceichtern. Freigebsge Leute habven ihm
ßeld angeboten, damit er sich eine vollkommene Bekleid—
ing und einen freigebigerecn Gebrauch von Seife gestatten
önne. Aber Puikyala lehnt Rat und Hilfe entischieden
b und erischeint werter bariüsia im Landtado

Humoristische Ecke.
Gastwirtseheleute. „Was tun mir jetzaä
veg'n der Zündhölzelsteuer?“ — „Erschtens setzen mir die
Preis' für Essen und Trinken um zwanzig Prozent 'nauf;
weitens müssen von jetzt ab die Kellnerinnen pro Tag qa
Fufzgerl Zündhölzelgeld zahlen und drittens stellen min
leine Zündhölzel mehr auf den Tischl!“
Im Literaten-Kestaurant. „Wer ist denn
der dort?“ — „Ja, das ist ein merkwürdiger Kerl, — der
ist n icht Dramatura bei Reinhardt!“

Ein „Wunderdoktor“ haust nach der „Lipp. Ta—
geszeitung“ in dem Dorfe Afferde bei Hameln. Er sieht
veder seine Patienten, unter denen die Frauen natürlich
iberwiegen, noch diese iören „Doktor“; ein Briefwechsel
ut es schon. Der Parient stellt, jo gut er es vermag,
eine Krankheit selbst fsest und teilt das Ergebnis dem
Doktor“ mit. Dieser antwortet brieflich folgendermaßen:
„Liebe N...! Ihren Brief erhälten. Ich teile Ihnen
mit, daß ich für Sie eingenommen habe. Wir wollen
mit Gottes Hilfe hoffen, daß es hilft. Es arüßt N. N.“
Mehr kann man nicht verlangen.
Die Bekenntnisse Hedwig Wangels. Hedwig Wan—
gel, die weit und breit bekannte Künstlerin, die bekannt
sich aus religiösen Grüunden der Bühne entsagt hat,
rklärte einem Berliner Interwiever: „Mein Entschluß,
endlich allem Weltlichen zu entsagen, mich ganz Christus
und der vom Heiland gepredigten Liebe zu weihen, ist
durch den Tod und durch das Begräbnis von Alexander
Strakosch herbeigeführt worden. Er ist jäh dahingegan
gen; sein Leben war bis zuletzt reich an irdischen Genüß
en. Er hat die Welt unvorbereitet verlassen müssen. In
der Todesstunde noch hat er die Undankbarteit der Men—
chen erkannt, und König Lears Worte „Undank, Undank“,
zie er stammelte, sie galten einem seiner Schüler, der
etzt ein anerkannter Künstler geworden ist. Und als ich
dann beim Begräbnis alle vereint sah, versöhnt und un—
bersöhnt, in aufrichtiger und in geheuchelter Trauer, als
ch das Getriebe beobachtete, als ich schließlich sah, wie
nan auf dem jüdischen Friedhof den Israeliten Strakosch,
dem die Erkennemis und die Liebe des Heilands versagt
var, ins Grab senkte, da empfand ich den Abscheu vor
»em Treiben der Menschen. Ich hatte den rechten Weg
gefunden, nach dem ich schon lange suchte, den Weg, der
ill das hinter mir liegen läßt, der mich zu den reinen
döhen der Heilandstiebe führt. — Wie ich meinen Weg
zehen muß, das wird mir die Gottheit offenbaren, aber,
aß ich ihn gehen muß, daß ich ihn nimmer verlassen und
niemals zurückkehren werde zu dem, was ich in freudiger
und reuiger Erkenntnis aufgegeben habe, das ist sicher!“

Aus aller WWelt.
Schlafwagen dritter Klasse. Aus Berlin wird ge—
neldet: Aus den Schlafswagen driter Klasse scheint nichts
u werden. Die schwedische Staatsbahnverwaltung hatte
ber die Schlafwagenverhältnesse Rußlands und Finlands
Srhebungen anstellen lassen. Diese veiden Länder sind
nämlich die einzigen, welche Schlafwagen dritter Klasse
ühren; diese sind aber, nach dem erstatteten Bericht, für
unsere Verhältnisse nicht geeignet, weil sich der größere
Teil der Reisenden der dritten Wagentlasse nicht mit so
zeringen Ansprüchen an Liegplätzen begnügen würden.
Die russischen Reisenden pfleagen Kissen und Decken mit sich
zu führen.
Tödlicher Absturz. Von einem Säulenbau, den der
Kolonistenverein Halle-Süd in Halle a. S. errichten läßt,
türzten zwei Arbeiter ab und waren sosort tot.
Kesselexplosion. In der Fabrik von Berger u. Co.
n Mürzzuschlag ereignete sich eine Kesselexplosion, bei wel—
her ein Fabrikarbeiter und ein Mounteur schwer verletzt
vurden.
Mord. Eine bekannte Triester Lebedame wurde in
hrem Zimmer ermordet aufgefunden. Dem Morde scheint
ein hestiger Kampf vorangegangen zu sein. Von dem
Täter fehlt jede Spur.
Vom Zuge überfahren. Beim Bahnübergang von
Fdaghem überrannte ein aus Gent kommender Eisen,
ahnzug einen Wagen, in welchem außer dem Kutscher
zwei Herren und eine Dame saßen. Der Kutscher und
die Dame waren sosort tot, die Herren sind schwer ver
letzt.
Shackletons Südpol-Expedition. Die Pariser Zeit
schrift „Illustration“ veröffentlicht die Fortsetzung des Be—
cichtes Shackletons über seine Südpolar-Er—
pedition. Sdackleton erklärt u. a., daß er und seine
drei Gefährten halb verhungert und krant den Rückzug
antreten mußten, obgleich sie über 170 Kilometer vom
Südpol entsernt gewesen seien.«
Selbstmord eines Senators. In Petersburg ist
der Senator Kowalensli, der Vater jener beiden Offi—
ziere, die vor zwei Jahren bei einer Schießerei auf dem
NRews?i Prospekt einen Schutzmann töteten, leblos in sei—
nem Bette auigefunden. Es liegt Selbstmord vor. Wie
dehauptet wird, ist die Ursache hierzu dre Zerrüttung der
Permögdensverhälitnisie

— ——ZXZR —9—
Hof und Gesellschaft.
Ein neuer Hohengzollernsproßz.
Die Kronprinzesfin ist von einem Prinzen
ntbunden worden. — Zur Prinzengeburt im
tronprinzenhause ist folgendes Buslüein ausgegeber
oorden:
Marmorpalais, 1.Oktober. 12.30 Uhr. Die
ronprinzessin ist gestern abend von einem gesunden
Brinzen alücklich entbunden worden.
Bumm. Keller.
Oer Kronprinz, der von Allenstein über Berlin ge
sen Mitternacht hier erwartet wurde, traf verspätet geger
.30 Uhr im Marmorpalais ein. vie Kaiserin ver
veilte von 10 Uhr abends bis zur Ankunft des Kron
rinzen bei der Kronprinzessin und begab sich geagen 4 Uhr
norgens ins Neue Valais

Vermischtes.

Aus dem Bienenleben macht ein Mitarbeiter der
Vochenschrift English Mechanic eine interessante Mit⸗
leilung. Er erwähnt die Tatsache, daß eine Biene, die
noch teine Blute besucht, also noch leinen Ballast zu tra⸗
len hac, mit einer Geschwindigkeit von ungefähr 65 Kilo—
meter in der Stande zu fliegen, also mit der Durch⸗
chnittsschneligkeit eines mäßigen Eil zuges gleichen Schritt
u harten vermag. Hat sie aber so vier Blutenstaub auf—⸗
ommen, wie sie zu tragen imstande ist, und kehrt m
dieser Ladung nach ihrem Bienenstock zurück, so kann si
ucht schneller als höchstens 20 Kilometer in der Stunde
liegen. Immerhin vollbringt das Insett auch damit
och eine gewaltege Leistung, wenn man sie mit der Tat⸗
ache verglescht, daß schon ein recht tüchtiger Fußgänger
ch mit jechs Kilometern in der Stunde begnügen muß.
„Soldat bin ich gewesen“. Die ausgezeichnete Mo⸗
iatschrist für das geiftige Leben der Deu schen in Bohmen
Deu iche Arbeit“ (Verlag von Karl Bellmann in Prag)
eröfjent icht in ihrem Sttoberbesn Vollzunedeaa dus *48

Thomas 70. Geburtstag.
Am 2. Oktober begeht Hans Thoma, der weltbekannte
Naler und badische Prosessor seinen 70. Geburtstag. Ge—
horen in Bernau im Schwarzwald erdielt er seine Aus—
ildung bei Schirmer und des Coudres in Karlsruhe, so—
vie später in Düsseldorf und Paris. Im Jahre 1874
ah er zum ersten Male Italien und ließ sich 1877 in
Frankfurt a. M. nieder, wo er bis zu seiner im Jahre
899 erfolgten Berufung an die Badische Kunsthalle in
Karlsruhe dauernd tätig war. Wie Böcklin hat er lange
inter der Abneigung des Publikums 2au leiden gehabt.

— —
Gerichtszeitung.
s*Verurteilter Messerheld. Das Schwurgericht — in
Daemistadt verhandelte gegen den 33jährigen Vahnwärten
i. P. Johannes Zintel aus Hosheim ber Lorch, der
daselbst am 8. August den 381ährigen vorheirateten Schrei—
ner Heinrich Goelz ium Streite serstochen bhat. Der
            
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