Full text : Dudweiler Zeitung

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Dienstaqg 28. Sept. Ot

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—AEEER

Der gar beim Sultan
der Aufenthalt des Zaren im Bospo—
us gelegentlich seiner für nächsten Monat in Aussicht
zenommenen Reise nach Italien gitt jetzt als fest—
tehend. Die Einzelheiten des Programmes unterliegen
war noch einer endgült gen Regelung. Schwierigkeiten
— DDD
her Besuch kaum eine Stunde überschreiten und der Zar
zen Boden Konstantinopels nicht betreten wird. Die kai—
erliche Jacht „Standart“ soll gegenüber der jetzigen Sul—
ansresidenz von Dolmabagtiche vor Anker gehen. Sulcan
hohamed mit seinem Gefolge begrüßt gleich darauf den
zaren an Bord, worauf der Gegenbesuch auf der dicht
im „Ständart“ liegenden Sultansjacht „Ertrogul“ stat—
indet. An weiteren Empfüängen ist nur derjenige des
Dekumenischen Patriarchen vorgesehen, worauf die Reise
ortgesezt wird. Trotz der Kürze des Besuches und der
Amstände, unter welchen er sich abspielt, wäre es ver—
ehlt, ihm nicht die gebührende Wichtigkeit beimessen zu
vollen. Es ist ein historischer Alt von nicht zu unter—
chätzender Bedentung und darf nach vielen Richtungen hin
sohes Interesse beanspruchen. Zum ersten Mal begegnet
ich ein Zar mit einem türkischen Sultan. Die Herrscher
weier ausgedehnter mächtiger Reiche, welche sich im Laufe
»er Jahrhunderte oft in gewaltigen Kriegen gegenüber—
tanden, werden sich zum ersten Mal in friedlicher Begeg⸗
mung die Hände reichen. Der Name „Mostow“, mit dem
zer Türke mit oft verächtlicher Vewegung alles Russische
ezeichnet, hatte bisher in der Türkei keinen guten Klang.
der „Moskow“ gilt dem Türlken ais sein Erbfeind, des—
en einziges po itisches Streben in der Wiederaufrichtung
»es Kreuzes auf der Sosfienmoschee gipfelt. Die Russen
iennen auch von jeher Konstantinopel „Zarigrad“, die
Zztadt des Zaren, und die Macht der Legende ist bei
ihnen so stark, daß kein Zar es wagen darf, den Boden
der Stadt Konstantins anders wie als Sieger, d. h. wenn
ꝛr die Aa Sosfia wieder seiner ursprünglichen Bestimm—
uing zurückgegeben hat, zu betreten. In dieser unumstöß—
lichen Tradition ist auch der Schlüssel zu suchen, weshalb
daiser Nikolaus die Jacht „Standart“ auf seiner Fahrt
ourch die Meerenge nicht verläßt und die Entrevue ohne
SEntfaliung von Pomp und Glanz auf beinahe neutralem
Boden von statten geht. Doch auch so ist die Begegnunz
mehr als ein forme ler Höflichkeitsalt. Er wird sein weit—
sintragendes Echo in der Welt der Orthodoxie und uner
den Muselmanen finden, von denen ja auch viele Millio—
ien unter dem Zepter des „weißen Sultans“ sich befin—
en. Interessant ist es, daß Zar Nikolaus von kener
ẽskadre stiner Marine begleitet sein wird. Man wird
lticht irren, in diesem Vorgehen eine gewollte und in die
luzen springende Absichtlichkeit zu sehen. Die Erlaubnis
ur Durchfahrt durch die Meerengen für ein Begleitge—
chwader des Zaren wäre selbstverständlich sofort erteilt
vorden. Genau wie sie vor elf Jahren der deutschen
sskadre beim letzten Besuch Kaiser Wilhesims zur Fahrt
urch die Dardanellen gegeben wurde. Russischer—
eits sucht man jiedoch mit Geflissenheit auch den Schein
u vermeiden, als dächte man die Dardane lenfrage auf
urollen. Man ist auch nach andern Richtungen ausfal—
end bemüht, der Türkei vor Augen zu führen, daß die
usische Freundschast für die neue Türkei frei von jeglichen
goistischen Interessen sich betätigt. Die Freundschaft be—
teht, seidem die jungtürkische Partei ans Ruder gelangt
st. Mannigsache Beziehungen sühren von ihr in das
istorische Palais der russischen Botschasft und von da zu
hr hinüber. Beziehungen schon älteren Datums und teil—
veise auf die Zeit zurückgehend, als die prominentesten
Nänner des Komittes noch in Paris ein sehr unbestimm—
es und bewegtes Dasein führten. Ob die breiten Majs—
en, denen die Vorgänge der letzten Jahrhunderte nicht
remd sind, dieser Richtung folgen werden, wird sicher
'on der Beständigkeit dieser Richtung abhängen. Wenn
ei der bemerkenswerten russischen Stromung am Goldenen
horn. die zur Zeit obenauf ist, wirtlich die Absicht »⸗
Gesunden.
0
Ddriginal,Navelle von Karl Secerb.

— — — — —
oigt ward, der Turkei in ihvrem grotßen und schwierigen
tereneratfionsurozeß förderlich zur Seite zu stehen, so
önnte dies im Interesse der Türkei, sowie des allge—
neinen Friedens nur Befriedigung erregen. Doch gibl
3 auch ernste weifler, welche mit Misßtrauen diesen Um—
chwung beurtellen. Hossen wir, daß sie Unrecht behal—
en. Jedenfalls liegt in dem Besuch des russischen 8a
en ein kraͤftizes Stück Friedensliebe, sowie eine sichtliche
lnerkennung für das jungtürtische Regime. Deutscher'eits
arf dem Besuche, wenn sich die Voraus etzungen dessel—
en in Zuknunft nicht als irrtümliche herausstellen. mit Ge—
tuatuung entaegengesehen werden.

*Aus Madrid wird weiter verichtet: Drei Männer
ind als Mitschuldige in dem Komplott gegen hochgesiellt
Lersön ichkeiten verhastet worden. Die Frau des einen
Lerhafteten hat der Polizei ihre Dienste angeboten, un
das atsamte Komplatt aufzudecken

Serbien.
* Der im Sommer augekündigte Besuch der russi
schen Dumamitglieder in Belgrad wird für den Mona—
Oklober erwartet. Die unter Fuührung des Dumapräsiden
en Chomjatow in Beigrad eintreffenden russischen
barlamentarier werden Gäste der Stkupschtina sein und als
olche auch das Land bereisen. — Im Auslande verbrei—
ete Gerüchte über die Ermordung Könia Veters entbeb
»en jeglicher Grundloo⸗—

Volitische Rundschan.
Deutsches Reich.
* Wie dem „Lokalanzeiger“ aus liberalen Kreisen ge—
neldet wird, tagte kürzlich in München in der Wohnung
»es Abg. Müller-Meiningen der Vierer-Ausschuß der
inksliberalen Parteien, um über die Einigung und Ver—
hmelzung der drei linksliberalen Parteien zu beraten.
Das Referat hatte Müller-Meiningen übernommen. Er
tellte verschiedene Anträge auf, die eingehend bearündel
vurden.
*In der Antwort des Fürsten Bülow an die „Neue
Sesellschaftliche Korrespondenz“ bezüglich der neuesten
Snthüllungen heißt es am Schluß: „Es entsprich
veder der Wahrheit noch den Interessen der Krone und
des Vandes, meinen Rücktritt auf die November-Ereignisse
uind überhaupt auf Difserenzen mit Seiner Majestät zu—
rückzusühren. Natürlich ist es den Parteien nicht be—
quem, vor dem Lande die Berantwortung fuür
meinen Rücktritt zu tragen, es darf ihnen aber nicht
gestattet werden, dieses Odium von sich auf die Krone
1bzuwãälzen.“
**“, Echo de Paris“ meldet aus Tanger: Deutschland
rllärte, bevor es eine endgültige Antwort auf die Note
Muley Hafids erteile, wolle es den genauen Wortlaut
der Note des Maghzen kennen. Injfolgedessen verlangt die
deutsche Reglerung eine genaue Uebersetzung des Doku—
nentes, weiches nach Berlin gesandt wird. Man hofft
in Tanger, daß es sich nur um eine Verspätung, nicht um
ine Aenderung in den Absichten Deutschlands haudte.
* Die Erhebung des Zollzuschlags beim Tabaerfolgt
 nach einer Verfügung des Reichsschatzsekretärs, wie
die „Südd. Tabakzeitung“ mitteilt, erst bei Uebertritt des
Tabaks in den freien Verkehr, und zwar ist bei der Fest
stellung dieses Betrages weder das in der Rechnung an—
geführte, noch das Einlagerungsgewicht, sondern lediglich
das Auslagerungsgewicht, also das Gewicht, das der Ta—
bhak bei der Verzollung hat, maßgebend

Türkei.
* Angesichts der Beschwerden verschiedener AuUslän—
Resr, welche sich beklagen, daß die Kapitulationen nicht
eobachtet werden, hat die Regierung beschlossen, von den
Vächten die Abschaffsung der Kapitulationen zu verlangen,
da diese mit dem Regime und der Würde der Türkel in
Widerspruch stehen.
* Meldungen aus AlLbanien besagen, daß die
Truppen Dschawid Paschas einen Sieg über die Rebellen
rrungen haben

B—— ——

Titelhandel.
Die Beschaffung von Titeln scheint neuerdings als
lukratives Gewerbe betrieben zu werden. Der „Fr. Zig?
wird folgender Brief eines „Vermittlers“ mitgeteilt, aus
dem sich ergibt. wie ungeniert dabei vorgegangen wird
Berlin, 5. Auaust.
Euer Hochwohlgeboren!
Mit Gegenwärtigem gestatte ich mir ganz ergebenf
Ew. Hochwohlgeboren folgende Zeilen zu unterbreiten, er—
aube mir aber gleichzeitig um äußerit diskrete Beband,
ung dieser Zeilen zu bitten.
Ew. Hochwohlgeboren werden vielleicht erstaunt sein,
nich gerade an Ihre werte Adresse gewandt zu haben,
— D zu er—
lären gestatte, Ihren geschätzten Namen von einem guten
Beschäftsfreund erhalten zu haben, und daß Sie vielleich
bereit wären, diesem Schreiben ein geneigtes Ohr zu leihen.
Es handelt sich um die Beschaffung des Titels eines
döniglich Preußischen o mmerzienrates. Mir iff
selegenheit geboten, an höchster Stelle die Angelegenheit
zu Ihren Gunsten zu erledigen.
Ich will beiläufig erklären, daß irgendwelche Vor
rhußzahlung nicht geleistet werden braucht, dagegen müßte
ich der Reflektant vorher verpflichten, zu einem noch näher
zu bezeichnenden wohltätigen Zweck die Summe von ca
30 000 Mark zu zahlen.
Sollte sich Ew. Hochwohlgeboren für diese grund
reelle Sache interessieren oder auch einen Bekannten ha
den, der eventuell die Ernennung zum Kommerzienra
ucht ungern sehen würde und in der Lage ist, obiger
Betrag zu zahlen, so bitte ich beiderfalls um umgehend—
rütige Benachricht gung.
Mit ausgezeichneter Hochachtung ehrerbiet'gst
Arthur Schlittermanp
Charlottenstr. 220, 3.
Ein Mann namens Schlittermann existiert übrigens
nach eingezogenen Erkundigungen nicht in dem von ihm
angegebenen Hause. Es handelt sich vermutlich um eine
Deckadresse. Vielleicht läßt sich feststellen, ob und in wel
hem Auftrage der Mann gehandelt. Der Adressat des
zitierten Briefes stand, wie noch erwähnt sei, in gar kei
ier Beziehung zu diesem oder sonst einem Vermittler und
hatte sich durchaus nicht um einen Titel bemüht. Das An
gebot ist danach vermutlich auch einer Reihe anderer Per—
sonen, gewissermaßen im Großbetriebe, gemacht worden

Desterreich⸗Ungarn.
* Handelsminister Kossuth äuderte sich dahin, daß er
ein weiteres Verbleiben des derzeitigen Kabi⸗—
netts für ausgeschlossen halte. Von seiner Au—
»ienz erhofft Kossuch wenig Erfolg und glaubt, daß es
zur baldigen Auflösung des Abgeordnetenhauses
sommen werde; im neuen Hause werde die Kossuthpartei
die erdrückende Majorität haben und Wien dann zu weil
hedeutenderen Konzessionen gezwungen sein. Unter der
Leitung Kossuths haben Besprechungen stattgefunden, um
den glatten Verlauf der Parteikonferenz und der
Sitzung des Abgeordnetenhauses zu ermöglichen. Die Be—
nühungen Kossuths sind hauptsächlich darauf gerichtet, zu
verhindern, daß der Bankausschuß die Errichtung einer
selbständigen Bank beschließe und diesen Beschluß
dem Abgeordnetenzaus zur Annahme unterbreite.

Spanien.
* Der „Matin“ meldet aus Madrid: Meldungen aus
Velillha besagen, daß die Generale To var, Mo—
sales und Allan in die Gegend von Nador auf
sjebrochen sind. Die Kolonne umfaßt 5000 Mann, 16
Jehirgasgeschütze und 4 Schneider-Geschütze.

Die Drohung dieser letzten Worte verfehlte micht ihren
Eindruck. Hildegard zudte wie durch einen tötlichen Schlan.
genbiß zusammen, ihr Antlitz wurde geisterbleich, ihr Her—
drohte zu zerfpringen.
„Tante! Tante! höresmich an,“ flehte sie händeringend,
Du tust mir Unrecht. Ich bin vielleicht gedankenlos und
töricht gewesen, aber nicht böse; ich will Dir alles sagen
und würde es schon eher getan haben, wenn — ich mich
nicht gefürchtet hätte. Aber Du bist immer so hart geg!n
mich, so wenig teilnahmsvoll.
Aber Tante Eva zeigte noch immer nach der Tür, ihr
iinsteres Antlitz erhellte sich nicht.
„Geh!“ wiederholte sie tonlos. „Dein Vertrauen komm
zu spät. Ich will nicht, daß das Kind, welches ich erzo⸗
gzen habe, ein falsches Spiel mit mir treibt.“
Hildegard erbebte; flehentlich schaute sie die strenge
Tante an, bittend erhob sie die Arme, doch wie ein ver—
vundetes Vöglein ließ sie dieselben im nächften Augenblick
chlaff herobsinken, als sie bemerkte, daß keine Wimper der
abllen Dame zuckte und sie das harle Wort nicht zurückneh—
nen würde. Dann wandte sie sich langsam der Tür zu
ind wankenden Schrittes verließ sie das Haus, in dem
ie, so lange sie denken konnte, Schutz und Obdach. abe;
ine Liebe gefunden hatte.
Inzwischen war eine dunkle Wolke am Horizont auf⸗
gestiegen, die wachsend größer und immer größer wurde.
SZchwere, große Tropfen fielen hernieder und in der Ferne
zrollte der Tonner. Hildegard schauderte; sie fuhr mit
der Hand über die Stirn, gleichsam als wollte sie die Er—
ꝛignisse der letzten Augenblicke verscheuchen wie einen wü—
ten, schweren Traum — aber alles stand klar vor ihrer
Seele, der Zorn ihrer Tante, sie war aus dem Hause ver—
toßen, ungehört, und nun stand sie allein freunde und
schutzlos in der weiten, öden und erbarmungslosen Welt.
Mittlerweile strömte ein heftiger Gewitterregen hernie—
der, grelle Blitze durchzuckten die dunkeln Wolken und hef—
tige Donnerschläge ließen die Erde erbeben. Das leichie
weiße Sommerkleid des verstoßenen Mädchens war in we—

ruühren, ja, vant raum zu atmen
„Na,“ rief endlich die alte Dame mit schriller schnei—
dender Stimme, „gefällt es Dir endlich zu kommen? Wo
»ist Du gewesen? Du hast mich schmählich betrogen, Hil⸗
egard, und zwar schon seit längerer Zeit!“ fuhr sie dann
ufgeregt fort, als das junge Mädchen kein Wort der Ent—
egnung hervorzustammeln wagte. Ich vertraute Dir. es
var mein Bestreben, Dich nur quf den rechten Weg zu
eiten — ich hielt Dich unschuld'g wie ein neugeborenes
dind, und jetzt häufst Du Schande auf mich, eine Schande,
ie nicht ausgelöscht werden kann!“
Erschöpft hielt die alte Dame inne. In nervöser
hast zupfte sie an den Falten ihres schweren Seidenklei⸗
es, um gleich darauf die mageren Hände krampfhaft in
inander zu schlagen, und blickte dabei mit vernichtendem
zorne das vor ihr stehende, zitternde Mädchen an.
Ich verstehe Dich nicht, Tante Eva“, stammelte Hil—
segard endlich, „ich bin mir keiner Schuld bewußt und
sabe kein Unrecht getan.“
„Keine Schuld! kein Unrecht?“ zischte die alte Dame
nit ihrer schrillen Stimme. Dann sprang sie auf, erfaßte
as Handgelenk ihrer Nichte und zoh sie in die Mitte des
zimmers. „Höre mich an,“ rief sie erregt und wandte
einen Blick von dem hübschen, bleichen Antlitz mit den
udenden Lippen, „ich habe heute gehört, daß Du täglich
m Dornholter Wald einen fremden, jungen Herrn triffstl
Ist es wahr oder nicht — antworte mir, ja oder nein!“
„Ja, es ist wahr, aber — —“
Sie konnte nicht weiter sprechen. Mit einem heftigen
dud hatte die Tante die festumllammerte Hand von sich
estoßen, dann warf sie dem Mädchen einen so zornigen
zlid zu, daß dieses vor Schreck aufschrie.
„Du gibst es also selbst zu?“ zischte sie heiser. „Lieber
nöchte ich Dich tot zu meinen Füßen liegen sehen, als
nit diesem schmählichen Bekenntnis auf Deinen Lippen
or mir stehen. Geh' — geh' mir aus den Augen und
»age nie wieder, Deinen Fuß über meine Schwelle zu
tzen.“

„Fräulein Huldegard! Gnädiges Fräulein! Jhre Tante
erwartet Siel bitte, kemmen Sie schnell; sie hat schon oft
ach Ihnen gefragt — bitte, beeilen Sie sichl“
Die also angeredete junge Dame näherte sich langsam
ind tief gesenkten Hauptes dem Hause, doch kaum fielen
Riese Worte an ihr Ohr, als sie plötzlich und sichtlich er⸗
chroden stehen blieb und fragend ihre großen blauen Au—
jen auf das ernste Antlitz der alten Dienerin heftete.
„Was wünscht Tante Eva von mir, wissen Sie es,
yrau Mertens?“ fragte sie gedehnt, während tiefe Bläffe—
»as letzte Rot von den schmalen Wangen verscheuchte.
Nein, ich weiß nichts, gar nichts,“ lautete die we—⸗
nig ermutigende Antwort, und um weiteren Fragen zu
ntgehen, wandte Frau Mertens sich schnell um und kebrte
u ihrer Arbeit zurück.
SHildegard seufzte, dann nahm sie ihren breitrandigen
Itrohhut ab, glätiete mit der weichen weißen Hand den
ellblonden Scheitel und ordnete sorgsam die widerspensti⸗
en, schweren Flechten, die auf die Schulter herab zu
allen drohten. Die Sonns schien hell und warm vom
jefblauen Himmel, die Vöglein zwitscherten in den
zweigen der dicht belaubten Bäume, muntere Kafer en
alteten ihre grünlich goldenen Flügel und schwirrten sum⸗
nend im Sonnenschein, aber die junge Dame gchtete
icht auf die sie umgebende Schönheil Langfam schritt sie
em Hause zu. In der bangen Ahnung bevorslehenden
Unheils hatte ihr Gang seine frühere Elastizität verloren,
3 dunkelte fast vor ihren Augen, als sie endlich ohne
rausch die Tür des Zimmers ihrer strengen Tante öff⸗
lete. —
Dort saß fie auf ihrem gewohnten Platz in der Fen—
lernische, unnahbar in ihrem steisen schwarren Seidenkleide,
und richtete ihre sinsteren Blide durchbohrend auf das
Ame, geͤngstiate Räadchen. das dacon wogte, ein lied zu
            
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