Aus aller Welt. Hiebene Brů
esuch des Kaisers in Brüssel. Verschiedene Brüsi
— verzeichnen unter Vorbehalt das Gerücht,
Kaiser Wilhelm werde anläßlich der im nächsten Jahre
iattsindenden Weltausstellung einen Beiuch in Brül'sel
nachen.
—— schwerer Unglücksfall, bei dem drei Arbeiter
eyr erheblich und der vierte leicht verletzt wurden, er—⸗
eignete sich in Berlin auf dem Pekingplatz am Nordufer.
—0
chütteten NRordhafens befand, werden zur Zeit umfang—
reiche Kanalisationsarbeiten vorgenommen, bei denen viele,
neist polnische Arbeiter beschästigt werden. Einem Ar⸗
heiter fiel ein Spaten in einen kefen Schacht. Er stieg
inab, um ihn zu holen, kehrte aber nicht zurück. Zwei
Arbeiter vermuteten einen Unigll und stiegen ihm nach.
Auch sie kehrceen nicht zurück. Ein vierter Arbeiter klet
erte nun ebenfalls in die Grube. Gleich darauf hörten
eine oben zurückgebliebenen Kollegen Hilfeschreie. Es
vurde rasch ein Tau herabgelassen. Der Mann hatte
aoch die Kraft, sich daran festzubinden, dann wurde er
mporgewunden. Als man ihn aus der Grube heraus—
jzog, hatte er bereiss die Besinnung verloren. Nun wurde
die Feuerwehr alarmiert. Ihr gelang es, die drei Ar—
zeiter herauszuholen. Sie waren durch giftige Gase sehr
chwer betäubt und mußten ins Krankenhaus gebracht wer⸗
den. Der Zustand zweier Arbeiter soll bedenklich sein.
Ein Falschmünzernest. In Hannover wurde ein
Fal schmünzernest aufgehoben. Es handelt sich um die Fa—
nilie eines gewissen Hampe, der vor längerer Zeit we—
zen Münzvergehen zu einer, längeren Freiheitsstrafe ver—
arteilt worden war. Die Frau, ferner die 21jährige Toch—
ter und zwei Söhne, von denen der eine 16 Jahre zählt,
während der andere noch schulpflicheig ist, wurden zusam—
men in ihrer Wohnung verhaftet. Formen und sonstiges
notwendiges Handwerkszeug wurden vorgefunden. Auj
das Treiben der Familie wurde man erst jetzt aufmerksam,
ils der jüngere Sohn bei der Ausgabe eines falichen
zweimarkstückes ertappt wurde.
Viel Lärm um nichts. Auf dem Petersburger Ni—
kolaibahnhof verschwand bei der Abfertigung des Sebasto—
poler Zuges ein großer Ledersack, der die Korresponden⸗
zen an die Kaiserliche Familie enthielt. Die Erregung der
Beamten war unbeschreiblich. Schließlich wurde der Sad
versteckt auf einer entfernten Bahnstrecke gefunden.
Eine Rekordfahrt hat das französische Unterseebou
Papin“ ausgeführt, welches die 200 Meilen betragende
Ztrecke Rochefort-Cherbourg und zurück mit nur einer Un—
erbrechung bei der Insel Douarnenez zurücklegte.
Tödlicher Absturz. Aus Chamounix wird berichtet,
»aß der Lyoner Arch tekt Ribourd bei einem Ausflug in
»inen Abgrund stürzte und sofort tot war
Luftschiffahrt.
Lathams Flüge in Berlin. Nach seinem mißglück
en Probeaufstieg unternahm Latham am Donnerstag au
»em Tempelhofer Felde seinen ersten öffentlichen Ausstieg
Schon um 10 Uhr vormittags wurde der Aeroplan aus—
der Halle genommen, sorgfältig untersucht und um 10.48
Uhr endlich angetrieben. Latham flog etwa 10 Minuten
und stieg über 50 Meter hoch und beschrieb gleichmäßiz
lache Kreise und Schleifen. Da der erste Aufstieg nich
bekannt war, hatte sich nur wenig Publikum eingefunden
Der erste öffentliche Aufstieg erfolgte auf dem Tempelho,
ser Felde, und eine große Menschenmasse hatte sich dazr
eingefunden. Die Tribünen waren dicht beletzt. Latham
tartete nach kurzer Untersuchung des Apparates glücklich
tets rasch und in ruhigem, sicheren Fluge wieder bis zu
iner Höhe von 40 bis 50 Metern; umflog in eleganten
Zurve bald links, bald rechts mehrmals das Tempelhofer
Feld. Nach etwa 20 Minuten hörte man plötzlich ein
dnacken, der Motor versagte einen Augenblick, kam zwar
vieder in Gang, versagte abermals und zwang den Avia
siler zu landen. Die Landung glückte. Nach einer hal
hen Stunde stieg Latham zu seinem dritten Fluge auf,
der ebenso sicher verlief wie die beiden anderen, der je—
»och nur 12 Minuten dauerte. Der Apparat ist im Ge—
jensatz zu Wrights Aeroplan ein Eindecker, aus der Ferne
zesehen gleicht er einem großen Vogel mit zwei welre
—„chwingen und langem Schweif, oder einer riesigen Li—
helle, wenn er mit kaum sichtbaren Schwingungen, von
der Luft getragen, über das weite Feld dahingleitet. La—
hams Aeroplan fliegt ruhiger, sicherer und eleganter wie
der Zweidecker Wrights. Der Zuschauer hat im Gegen
satz zu den Flügen Wrights das Gefühl absoluter Sicher—
jeit und wäre nicht das Geknatter des Motors, dann
wäre die Illusion, als schwebe ein großer Vogel in der
Luft, vollendet. Der Start erfolgte bei Latham rascher,
und schon nach wenigen Augenblicken schwebt der Appa—
tat frei in der Luft. Beim Landen ist es, wie wenn ein
Vogel langsam mit ausgebreiteten Schwingen zur Erde
sliegt und sich mit den ausgebreiteten Schwingen noch
ein- oder zweimal leicht von der Erde erhebt. Weder bein
Start noch beim Landen gerät der Apparat in Schwank
ungen. Latham sitzt ruhig und mit dem Gefühl unbe
dingter Sicherheit am Steuer, läßt bisweilen für einig«
Augenblicke das Struer frei und dankt für den Beifäal
des Publikums. Die Aufstiege werden in den nächster
Tagen wiederholt. Latham beteiligt sich auh an den
Bettflügen, die demnächst stattfinden.
„Zeppelin 3“ in Antwerpen. Für die Luftschiffer—
woche, welche vom 24. Oktober bis 2. November organi—
siert wird, sollen Verhand'ungen mit dem Grafen Zeppe—
ün aemnpii werden. um den Besuch des „Z. 3“ zu be⸗
wirken.
Landwirtschaftliches.
Saatenstand. Nach dem „Reichsanzeiger“ war der
Saatenstand des Reaches Mitte September (wo—
bei 2 gut, 3 mittel bedeutet) Kartoffeln 2,8 (Vorjahr 2,6),
Klee 2,8 (2,6), Luzerne 2,6 (2,4), Bewässerungswiesen
2,3 (2,2), andere Wiesen 2,7 (2,7). Unter den Bemerk—
ungen heißt es: Die Getreideernte war bei der Berichts—
abgabe im ganzen gut eingebracht. Die Herbstbestellüng
ast vielfach noch nicht weit fortgeschritten. Die Kartoffelernte
liefert nicht durchweg befriedigende Erträge, die
Knollen sind vielfach klein geblieben und fast durchgängig
durch die nasse Witterung der letzten Wochen angegriffen.
Aus den meisten Staaten wird stellenweise über begin—
nende Fäulnis der Kartoffeln berichtet. Klee und Luzerne
lieferten bei dem letzten Schnitte im allgemeinen befrie⸗
digende Erträge. Der Stand des jungen Klees wird im
Algemeinen besser beurteilt als der des vorjährigen Klees.
Bei den Wiesen sind die gewonnenen Ermaͤge meist zu
—
Vermischtes.
Ich hatt' einen Kameraden .... Unter dieser Ue—
berschrift erzählt der Nassauische Bote folgende wehmütige
Reschichte aus dem Manöver auf dem Westerwald: Einem
ju einer Reserveübung eingezogenen Dragoner, der sich
uf einem Patrouillenritt dem Dorfe Weroth bei Wall—
merod näherte, fiel plötzlich ein, daß ein alter Regiments—
ollege, mit dem er früher in Hagenau i. C. „beim Kom
niß“ Freud und Leid getreulich geteilt hatte, in Werot
u Haufe sei und sich sicherlich freuen würde, plötzlich sei
ien alten Regimentskollegen wieder einmal in Uniform
or sich zu sehen. Gedacht, getan! Beim Durchreiten des
)orfes fragt unser Dragoner nach dem Hause seines lie—
en Freundes. Kinder weisen ihn dorthin. Doch was isi
»a los? Vor jenem Hause formiert sich ja just ein Lei—
henzug! Auf Befragen wurde der Reitersmann nun zu
einem Schrecken gewahr, daß man sich soeben anschichkte
den gesuchten Freund und Kameraden zur letzten Ruhe
nach dem Kirchhofe hinaus zu geleiten. Welch ein selt
ames und erschütterndes Zusammentreffen! Der humane
S„chwadronschef des Dragoners, welcher von dem erschüt
ernden Begegnis erfuhr, gab unserem Freunde gegen
Abend Urlaub, auf daß er nach Weroth hinüberreite und
seinem so früh dahingerafften Kameraden ein immergrü—
nes Reis des Gedenkens auf den frischen Grabhügel lege
Neue chinesische Briefnarken. Den Briesmarken
ammlern steht eine besondere Freude bevor: die chinesi—
sche Postverwaltung wird drei Spezialmarken ausgeben,
um die Thronbesteigung des kindlichen Kaisers Siuen Tone
su feiern. Die Marlken werden länglich sein und drei ver
schiedene Werte haben: 2 Cents, gelber Rand mit dem
laiserlichen Drachen und in der Mitte der Himmelstempel
n Grün; 3 Cents, ebenso mit b'auer Mitte; 7 Cents, mit
oter Mitte. Oben werden die Worte „Chinesisches Kai
erreich‘' und unten „Erstes Jahr von Siuen Tong“ auf
edruckt. Die Ausgabe erfolgt noch im September unt
bird nur von beschränkter Dauer sein.
—
Was sich das Volk erzählt
Ein altbayerisches Stückl.
Wie unser Herrgott mit Sankt Petrus zusammen di
Welt bereist hat, ist er auch zu einem Bauern gekommen
Bei dem war gerade Dreschenszeit. Die beiden Wan
erer haben ihn um ein Nachtquartier gebeten. „Ich wilt
xuch schon über Nacht behalten“, sagte der, „aber morgen
naller Frühe müßt Ihr ausfstehen und mitdreschen.“
Also, ist gut, der Bauer führte sie hinauf in die
5chlafkammer, wo sie bald in Schlaf versinken.
Der Morgen kam — aber keiner der Wanderer steht
uf. Der Bauer, der unten stand und sie zu wecken suchte,
sat gut rufen, es hört ihn keiner. Da packt ihn der Zorn,
rgeht hinauf und gibt dem, der im zunächststehenden
zette schlief, unter Schelten und Schimpfen eine schal—⸗
ende Ohrfeige, und steigt wieder hinunter.
Das war Petrus. Darüber war auch der Herr Chri—
us aufgewacht. Die beiden Wanderer beschleßen nun
ber doch noch im Bette zu bleiben, weil sich's da gar
»schön liege. Nur meinte Petrus, sie sollten jetzt die
zetten tauschen. Wenn nun der Bauer wiederkäme, so
ekomme der Herrgott die Prügel.
Unser Herr Christus willigte ein — er wußte ia al—
es Zukünfrige.
Als sie nach einiger Zeit noch nicht heruntergekommen
varen, packte den Bauern abermals der Zorn, er stieg
zieder hinauf in die Kammer und sagte zu dem im nächst—
ehenden Bett liegenden Wanderer: „So, du hast deine
zrügel schon gekriegt, jetzt kommt der andere dran.“
So bekam Petrus zum zweitenmale Prügel.
Hans Mapt
5Ojähriges Bühnenjubiläum.
Adeluna Patti, die am meisten gefeierte Ge
aingskünstlerin der Neuzeit, geboren am 2. April 1843
a Madrid, stammt von italienischen Eltern. Sehr früh
eitig entwickelte sich das Talent der Künstlerin und schon
Us Kind wirkte sie in Konzerten mit. Nach ihrer Aus—
ildung durch Moritz Strukosch, den Gatten ihrer Schwe
ter, wagte sie sich im Jahre 1850 auf die Bühne und
rat in New-York als Lucia auf. Dieser Versuch fiel so
länzend aus, daß die Sängerin sich für das dramatische
zach entschied und Tourneen in alle Hauptstädte der neuen
ind alten Welt unternahm. 1861 trat sie in London,
862 in Paris auf; bereits im Jahre 1868 hatten diese
dunstreisen die Form von wahren Triumphzügen ange
tommen, und in der italienischen Stagione in Petersbur—ç
vurde sie gerade in unerhörter Weile gefeiert. Von da
an war ihr Ruf als erste lebende Sänaerin begründet.
furf?fgiahri 4113 —
—
und Rußland blieb auch das Land, in dem sie den größ
lsen Ruhm und die größten Reichtümer sammelte. Ihre
1868 geschlossene Ehe mit dem Marquis de Caur wurd«
vieder gelöst: nach dem Tode ihres zweiten Gatten, des
denoristen Nicolini, ist Adelina Patti in jüngster Zeit ihre
)ritte Ehe mit dem Baron Cederström eingegangen. Nach
»em sie ihre künstlerische Tätigkeit, deren Schauplatz zu
neist Paris, London und Petersburg waren, aufgegeber
jat, lebt fie auf ihrem Schlosse Craigey Nos in Wales
vo sie eine eigene Bühne besitzt und zur Unterhaltungç
hrer Gäste zuweilen ganze Opernvorstellungen veranstal
et. Sie ist in erster Linie Gesangsvirtuosin, besitzt aben
uch ein bedeutendes dramatisches Talent. Ihre wunder
ar schöne Stimme, welche gleichmäßig gebildet ist, ent
ehrte nicht des seelischen Ausdruckes, wenn auch die Be—
»underung der Menge zumeist ihrer phänomenalen Kehl—
ertigkeit gilt.
Lokales.
Treppenbeleuchtung. Ueber die Beleuchtungspflicht
des Hausbesitzers herrscht in manchen Kreisen immer noch
nicht vollige Klarheit. Es ist bekannt, daß der Hausherr
ivilrechtlich von dem Mieter haftbar geneacht werden kann
er wegen unzenügender Beleuchtung des Hauses über
ie Stiege stürzt und sich dabei Verletzungen zuzieht. An—
aüßlich eines Falles, in welchem der Tod einer Person
nfolge Sturzes über die dunkle Treppe eingetreten war
ührte das Reichsgericht seinerzeit in der Urteils—
egründung aus: „Angeklagter war in seiner Eigenschaft
s Hausbesitzer zur Beleuchtung der Treppe verpflichtet.
Venn ein Hausbesitzer in der Ausnützung seines Eigen—
ums Mitbewohner aufnimmt, und dadurch oder auf an—
»ere Weise einen Verkehr im Hause herstellt, so hat er
hie Pflicht, dafür zu sorgen, daß bei dem von ihm her—
zestellten Verkehr andere durch die Anlagen des Hauses
an ihrem Körper nicht Schaden leiden; insbesondere ist er
ruch gehalten, die Fluren und Treppenaufgänge seines
dauses bei eintretender Dunkelheit so lange zu beleuchten,
ils der regelmäßige Verkehr im Hause stattfindet
*Nuhestand, Am 1. Oktober beabsichtigt Herr Stein
Tmil Liebig in den Ruhestand zu treten. Herr Liebig
der älteste Steiger unserer Saargruben und sieht auf er
'ast 30jährige Tätigkeit zuruck. Mit seinen 67 Jahren
derr Liebig noch ein sehr rüstiger Mann, dem es hoffentli
zergönnt ist, einen recht langen Lebensabend im wohlverdier
zen Ruhefstand zu genießen.
Ueberfluß an Technikern. Fuͤt junze Leute, die sie
inem technischen Berufe widmen wollen, dürfte, wie di
Sozlale Techniker-Korrespondenz schteibt, der Hin weis daruu
am Platze fein, daß die Aussichten auf diesem Gebiete zur
zeit recht ungunstig sind. Der gegenwärtige Stillstand ir
allen industriellen Betrieben, in denen sonst viele technisch
DZilfskräfte unterlommen, sodaß zeitweise, zum Beispiel bei
den Staatsbahnen, sich ein Mangel an Techilkern bemerkbar
machte, hat dahin geführt, daß jtzt ein Ueberangebot vorn
Technikern, die bereits ausgebildet und prallisch eätig geweser
ind, eingetreten und Beschäftigung schwer zu erlangen ist
Das Königliche Eisenbahn-Zentralamt hat sich daher veran⸗
laßt gesehen, wegen der großen Zahl der voirgemerkten Be—
werber um die Laufbahn zum bau⸗- und maschinentechnischen
SFisenbahnsekretär und zum Landmesser die Schließung der
Bewerberliste füt die Dienstzweige bis auf weiteres anzuord
nen und die Königlichen Eissenbahndirektionen aufzufordern
die bei ihnen noch eingehenden Bewerbungsgesuche den An—
tragstellern unmittelbat zurückzusenden.
uUnteroffizierschule: Fur die diesjährige Herbstein⸗
tellung bei den Unteroffizierschulen fehlen noch Freiwillige
Wer dort aufgenommeun zu werden wünscht, hat niich sobald
als möglich seinem Bezirkskommando persönlich zu melden.
Die näheren Bestimmungen über den Eintritt in eine Unten
offizierschule können auch in der Redaktion dieses Blattes
eingesehen werden.
Kartoffelliefernung. Die hiesige Grube wird, wie schon
inige Jahre, auch in diesem Jahre die Lieferung von Kar—
loffeln für ihre Bergleute und Beamte übernehmen. Durch
den Massenbezug stellen sich die Preise niedtig. Es werden
die Kartoffeln frei Grubenstation geliefert und zwar fü—
Magnum bonum 2,70 Mèi., suür weiße 2,340 Mt. der Zentner
Die Bezahlung seitens der Bergleute erfolgt durch Lohnab⸗
zuge in den Monaten Noveuber, Dezember und Januar.
dierdurch wird manch kinderreicher Familie dec gewiß nicht
unbeträchtlichen Ausgabe für den Winterbedarf bedeutend
erleichtert.
Ein gutes Hühnerfntter, bei dem die Hühner seh
fleißig legen, ist folgendes: 2 Teile gekochter und zerstampf
ier Kartoffeln werden mit zwei Teilen Kleie (am besten
Weizenkleie) ebenso wie der Brotteich mit Sauerteig einge⸗
äuert, gleich dem Brote geformt und bim Backen mit in
den Dfen gebracht doch so, daß die Stüucke nicht allzu hart
werden. Hiervon reicht man den Huͤhnern neben ihrem ge—
wöhnlichen Futter täglich etwas; auch kann man die Tiere,
wenn die Masse so weit reicht, ausschließlich damit erhalten.
Bekanntlich ftessen die Hühner zeitweise sihr gerne Sauerteig
der ihnen auch teineswegs zu schaden scheint.
Was die Frauen nicht haben. Jede Frau hat den
treueften Maan, die intelligentesten Kinder, den größten
Aerger mit den Dienkboten, die besten Kochrezepte, die
billigften Einkaufsquellen — aber nichts zum Anziehen.
Gebr. Sinn. In dem reuerbauten Geschästshause der
Firma Gebr. Sinn E. m. b. H. Saardrücken, das in den
rächsten Tagen dem Verkehr übergeben werden sodl, sind im
»beren Lichthof zwei Bilder des bekannten Saarbrücker
Vtalers Wohlgemuth untergebracht, von denen eines Industrit
and Bergbau, das andere Handel und Gewerbe versinnbild⸗
ichen soll, Von der sonst UÜblichen allegorischen Darstellung
dieser Motive ist Abstand genommen worden. A's Siunnbild
bon Handel und Vertehr dienen einige Landschaftspartien
an der Saar, denen jedoch einige Dampfer ein verändertes
riussehen verleihen und ein Zukunfisbild vielleicht ein Bilt
des zukünftigen Saarhafens erschauen lassen. Bergbau und
Industrie dagegen sind durch ein ziemlich wahrheitsgetreues
Bild der Grube Dudweiler dargeftellt. Bei diesem Bild ge⸗
fallen ganz besonders die schönen leuchtenden Farben und
vor allem die lebhaften Contraste, die dadurch hervorgerufen
werden. daß die rauchende Grube mit ihren roten Hiegel—
häusern und mit ihren großen Schloten von dem frischer
Grün der Feider und dem dunklen Saum der Wälder um⸗
tahmt wird.
Apollo⸗Theater. Im Apollo⸗Theater wird am Sonn⸗
tag den 26. Sept. neben dem auegezeichneten September—⸗
Programm noch die entzückende komische Operette „ld Mädel
und kein Mann“ von Suppe gegeben, welche die kleinen
Lämmer ablöft
*
P
wr
—
Aus Nah und Fern.
Gers⸗aweiler, 22. Sept. Am Montag mittag sprang
iue Freu von hier mit einem Kinde in der Nähe der Gers⸗
veilet Brücke in die Saar. In der Naähe weilende Arbeiter
jatten den Vorgang bemerkt, und ihrer Bemühungen gelang
s unter Einsetzung ihres eigenen Lebens, die Ftau mu dem
dinde wieder dem uassen Elemente zu entreißen.
Elbiug, 24. Sept. In dem Badeort Kadlberg wurde
zeftern aus Spielerei ein Heißluftballon aufgelassen. Der
Ballon geriet in Brand, fiel herunter und setzte die Wohn—
und Wirtschaftsgebäude des Fischere Liikemann in Brand
die vollständig niederbrannten
* Köln, 24. Sept. (Die Kölner Flugwoche.
An der Kölner Flugwoche vom 30. September bis 6. Ot⸗
tober werden sich außer Bleriot u. a. noch die Aviatiken
Delagrange und Paulhan beteiligen.
* Ketrwig, 24. Sept. (Wermißte Greisin.) Die
76 Jahre alte Witwe Anton Meisters aus Essen wird
seit RDem 1. September vermißt. Sie wollte am genann—
ten Tage ihren hier wohnenden Sohn besuchen, ist aber
hier nicht eingetroffen. Man vermutet, dakß sie verunglückt
sein wird.
* Siegburg, 24. Sept. (Ausgebrochene Ver—
brecher.) In vergangener Nacht sind aus dem hiesi—
gen Zuchthause vier schwere Verbrecher ausgebrochen, von
denen einer noch 15, ein anderer noch 10 Jahre zu ver—
büßen hatte. Die Nachforschungen sind bis jest erfolglos
geblieben.
*Duisburg, 24. Sep. Bierpantscher.) Weger
Bierpantscherei wurde der Restaurateur Holtrichter von
Rheinischen Hof“ hier von der Strafkamnmer zu 200 M
Beldstrafe verurteilt. Das Gericht nahm als erwiesen an,
daß Holtrichter von den Gästen stehengelassene Bierreste
wieder aufsüllte und weiter verkaufte.
* Dortmund, 24. Sept. (Folgenschwere Erxr—
plosion.) Bei der Unterstation des Eleltriziratswer—
tes in der Silberstraße fand gestern abend gegen 39 Uh—
eine folgenschwere Erplosion eines Transformators statt
Der Schaltmeister soll tödlich, mehrere andere schwer ver
letzt sein.
* Mainz, 23. Sept. (EErtrunken.) Beim Bootsah
ren auf dem Rhein schlug ein mit drei Personen be'etzte
Boot um. Zwei Leute konnten gerettet werden, währen
der Dritte, ein 16ähriger Arbeiter, ertran*