Full text : Dudweiler Zeitung

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Freitag 24. Sept. 0

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unter iegt teinem Zweisel, daß dieser unscheinbare Vor—
zang die auch von seiten des Herzoglich Cumberländischen
Hauses ersolgien Aussöhnungsbestrebungen nicht unwesent—
lich gefördert hat. Auf jeden Fall ist der erste Schritt
reiner offiziellen Annäherung gemacht und hat, was das
wesentlichste ist, ossene Unterstützung seitens des Deutischer
—
*An die in die Heimatreisenden Reser
visten dürfen, der „Weserztg.“ zufolge, die Bahnhofs
gastwirte, wie die Eisenbahnverwaltung auf Ersuchen der
btilitärbehörde bestimmt hat, keinerlei Schnaps und Bier
perabsolgen. Nur Kasfee, Tee, Selterswasser und andere
nichtberauschende Getraänke dürfen den Reservisten verkauft
verden. Bahnhofsgastwerte, die dieses Gebot nicht beach—
ten, laufen Gefahr, daß ihnen die Konzession entzogen
wird. Durch die Maßnahme soll verhütet werden, daß
der Reservist sich betrinkt und in diesem Zustande straf
bare Handlungen begeht. Da Reservisten waährend des Ab—
ransports in die Heimat unter den Kriegsartiteln stehen,
'o ziehen im Rausche begangene Straftaten die schwersten
Strafen nach sich.
*Ein neuer politischer Prozeß steht in der Nor d—
mark bevor. Gegen den dänischen Abgeordneten Hans—
sen hat die Staatsanwaltschaft Klage erhoben wegen öf—
fentlicher Beleidigung des Vorsitzenden des Deutschen Ver—
eins für das noöͤrdliche Schleswig, Landgerichtsrats Dr.
dahn in Flensburg, begangen in einem Artikel über di—
BPerhältnisse in den valnischen Landesteilen

Die Erhöhung des Reichsssbankdiskonts.
Bekanntlich versteht man unter Diskont denjenigen Ab
zug, der seitens einer Bank gemacht wird, wenn sie ei—
nen noch nicht versallenen Wechsel ankaust. Er wird in
prozenten berechnet und zwar dergestalt, daß gleichsam
zie Zinsen für den Nennwert des Wechsels im votaus
ntrichtet werden. Wenn also z. B. ein in drei Monaten
älliger Wechsel aus 500 Mark zu 4 Prozent distkontieri
wvird, so erhält der Wechselinhaber von der diskontieren
»en Bank nur 495 Mark; es werden ihm eben die Zin—
en für drei Monate abgezogen. Der Vorteil, den er
Jierbei hat, liegt darin, daß er drei Monate früher, wenn
auch weniger Geld erhält, das er im Betriebe seines Ge—
schäftes nutzbringend verwenden kann, während die Bank
eben den Diskontgewinn hat, den sie je nach Ueberfluß
oder Mangel an Bargeld niedriger oder höher ansetzi.
ganz ähnlich sieht es mit dem Lombarddiskont, also den
zinsen, die für die Beleihung von Essenn Wertpapieen)
 und Waren seitens der Bank im voraus erhoben
verden. Auch seine Höhe richtet sich nach der Nachsfrage
iach Bargeld, ist aber stets um einen Prozent höher als
ver Wechseldiskont. Hiernach ist es klar, daß der Diskont
in Zeiten hochgehender Konjunktur, wenn von allen Sei—
en Ansprüche an die Banken herantreten und die Gold—
vorräte aufgebraucht werden, höher sein muß als in nor—
malen Zeiten des wirtschastlichen Niederganges. Je nach—
vem die wirtschastliche Konjunktur schwankt. schwankt auch
die Höhe des Diskonts.
In den Jahren 1901 bis 1907 war von einem
Zchwanken der wirtschaftlichen Konjunktur in Deutschland
tuchts zu spüren. Vielmehr befanden wir uns damals
in einem ständigen wirtschaftlichen Aufschwunge, der es
mit sich brachte, daß der Diskont stieg, während der Zins—
suß der Staatspapiere, der in normalen Zeiten höher sein
muß als der Wechseldiskont, fortgesetzt sank. Die An—
prüche aber, die einmal der heimische Markt, dann aber
auch die amerikanische Krise im Jahre 1907 an die Reichs—
hank, die man nicht mit Unrecht den Regulator des ge—
schüft ichen Lebens nennt, stellten, veranlaßten diese, um
das Gond am heimischen Markte zu halten, den Diskont
im 18. Dezember 1907 auf die erstaunliche Höhe von
7 Prozent und am 8. November 1908 sogar auf 74
Prozent zu setzen. Seitdem ist, je mehr sich die Vereinig—
sen Staaten von den jinanziellen Schlägen erhosten, und
je mehr die deutiche Industrie auf die in den Jahren der
Hochkon unktur erfolgie Ueberproduktion durch Einschränk—
ung ihrer Vetriebe Rücksicht nahm, der Diskont andauernd
zefallen. Zwar hielt er sich im Jahre 1908 noch auf der
hööͤhe von 54 Prozent, doch wurde schon in diesem Jahr
die normale Höhe von 34 Prozent für Wechseldiskont
uind von 44 Prozent für Lombarddiskont erreicht.
Es ist dies natürlich ein Zeichen dafür, daß die wirt—
chaftliche Konjunktur eine relativ weniger günstige ist.
Immerhin ermöglichte es dieser billige Zinsfuß dem Han—
del und der Industrie, allmählich ihre Vorkehrungen für
ꝛeine Haussebewegung zu treffen, ohne daß eine solche,
wenn sie sich nur in den durch die Verhältnisse gebotenen
Brenzen hielt, zu wirtschaftlichen Besorgnissen Anlaß ge—
geben haben würde. Leider aber hat die Berliner Börse
die Zeichen der Zeit, die noch immer unter einem gewis—
en wirtschaftlichen Druck steht, nicht zu deuten verstanden.
Es machte sich dort ein Haussetaumel seitens des Kunden—
»ublikums geltend, in dem die Warnungen der berufs—
näßigen Bankwelt überhört wurden, und der hauptsächlich
einen Grund hat in den von Berlin aus versandten Ani—
mierbriefen höchst fragwürdiger Institute. So steht die
setzige Haussebewegung der Börse auf sehr schwankendem
Boden, sie ist in nichts gerechtferügt durch die Gesamtlage
des wirtschaftlichen Lebens, das, wenn sich auch hier und
da eine gewisse Besserung konstatieren läßt. von einem
Aufschwunge noch weit entfernt ist.
Um diesen Auswüchsen der privaten Spekulation an
»er Börse zu begegnen und ihnen eine Warnung zu er—
eilen, trat am 17. d. M. der Zentralausschuß der Reichs—
bank zusammen und beriet über eine Erhöhung des
steichsbankdiskonts, — der Privatdiskont zeigte schon
vährend des ganzen September eine steigende Tendenz.
Fraglich war nur, ob eine Erhöhung des Reichsbankdis—
onts um “VPVrozent, also auf 4 Prozent oder um 1
Proaent. alfo auf 416 Prozent vorgenammen werde—

wuroe, um einen weieren Avsfluß der Goldvorräte zu ver—
hüten. Der Zentralausschuß hat sich für das erstere, also
ür eine Erhöhung auf 4 Prozent entichieden. An diesern
Srhöhung ist diesmal das Ausland nicht schuld. Es han
delt sich dabei in erster Linie um eine der Börsenspeku—
ation zu erteilende Warnung, und dann will die Reichs—
bank anscheinend auch verhindern, daß sie zum Oltober—
termin, speziell auf Lombardkonto. allzusehr in Anspruch
zenommen wird.
Aber es sind nicht diese beiden Gründe allein, die die
Reichsbantk jetzt zu einer Diskonterhöhung nötigten. Viel—
mehr spielt dabei der Bedarf der Reichsfinanzverwaltung
die Hauptrolle. Zeigt es sich doch immer mehr, daß die
etzte Reichsanleihe nur den dringendsten Bedürfnissen des
steiches hätte abhelfen können und zumeist zur Tilgung
alter Schulden verwendet werden mußte. So hat das
Reich zwar von seiner 500 Mitllionenschuld bei der Reichs-»ank
 einen großen Teil tilgen können, es muß aber, um
dei dem fortdauernden ungünstigen Verhältnis zwrchen
Sinnahmen unð Ausgaben auch nur die laufenden Erfor—
dernisse zu bestreiten, jetzt wieder eine große Anzahl von
Reichsschatzscheinen bei der Reichsbank diskontieren. Die
teichsbank ist gemäß ihres Siatuts gehalten, dem Reiche
Zeld zu seinen laufenden Ausgaben vorzuschießen und such
zaher durch die jetzige Erhöhung des Diskonts ihre Gold—
yorräte für die erneuten Bedürinisse des Reiches au reser—
ieren.
Dieses ist das wichtigste, ernsteste und bedenklichste
Moment bei der jetzigen Diskonterhöhung. Denn die
keichsbank hat in erster Linie andere Aufgaben zu lösen,
s immer wieder und wieder dem Reichsschatzamt mil
Beträgen unbeschränkter Höhe unter die Arme zu greifen.
Zie ist vor allem für den deuischen Handel und die deut.
che Industrie da. Und wenn sie dieser in Rücksicht auf
ie Finanzmisere des Reiches das Geld durch die jetzige
diskonterhöhung wieder verteuert und dadurch auch reel
en und gerechtfertigten Bestrebungen unseres Wirtschafts
ebens den Kredit erschwert und verteuert. so erfüllt sie
hre Hauptaufgabe schlecht. Die geschädigte deutsche Ge—
chästswelt wird daher die Erhöhung des Reichsbankdis—
onts mit sehr gemischten Gefühlen begleiten

Oesterreich⸗Ungarn.
* Alle Bemühungen, eine Klärung der ungari—
schen politischenSituation doch noch herbeizu⸗
ühren, sind erfolglos geblieben. Das Gesamtkabinett ha
im Schlusse des Ministerrats, da eine Vereinbarung spe—
iell betreffs der ungaeischen Bankfrage nicht erzielt wor—
»en ist und Ministerpräsident Wekerle über die Er—
olglosigkeit seiner Bemühungen, in Wien Konzessionen zu
erlangen, referierte, seine Demission beschlossen und
wird den Monarchen ersuchen, die Bildung des neuen Ka—
»inetts zu veranlassen. Obwohl die Demission des Ka—
binetts vor dem Zusammentritt des Parlaments eine Vor—
bedingung bei der Wiederbetrauung des gegenwärtigen
abinetts gewesen ist, hat die erfolgte Tatsache dennoch
ehr überrascht, wenl damit eklatant erwiesen ist, daß der
zeit noch unüberbrückbare Differenzen bestehen, die durch
die intransigente Haltung der Bankgruppe, sowie durch
die Unentschlossenheit Kossuths noch verfchärft wurden
leber die weitere Entwicklung läßt sich vorläufige Be—
timmtes nicht sagen.

Bolitische Rundschau.
Deutiches Reich.
* Ueber die Begegnung Kaiser Wilhelms mit dem
Zohndes Cumberländers in München ver
ffentlicht die „Braunschw. Landesztg.“ solgende nähere
Heitteilungen, die ihrem Berliner Vertreter von besonde
ter Seite zugegangen seien: „Die Vorstellung des Her—
zogs Ernst August (einen Prinzen, wie der Her—
og jetzt meist bezeichnet wird, gibt es im Hause Braͤun
chweig⸗Lüneburg nicht, sondern alle Agnaten fuͤhren den
Titel „erzog“) während der Anwesenheit des Kaisers ir
Nünchen war schon seit längerer Zeit bestimmt worden.
Von Berlin war auf die Münchener B Reine über
uus höfliche und entgegenkommende Antwore gegeben wor
den. Für die Vorstellung des Herzogs Ernst war dies
nal eine besonders glückliche Form infofern gefunden wor
»en, als eine militärische Meldung des jungen Ojfiziers
»or dem obersten Kriegsherrn den Bestimmungen und Her—⸗
ömmlichkeiten gemäß notwendig war. Um so mehr sie!
ruf, wie der Kaiser diesem offiziellen Atte durch seine
pontane Liebenswürdigkeit alle Steifheit und Beengung,
»ie wohl manche in diesem Augenblick empfunden haben
nögen, nahm. Er ergriff nicht nur die Rechte des jungen
derzogs und schüttelte sie auf das lebhafteste und begnügte
ich mit einem kurzen Danke für die Präsentierung des
üngsten preußischen Offiziers, sondern sprach dem jungen
derzog auf das freundischaftlichfte zu und entband ihn so
ort des militärischen Saluts. Er plauderte mit ihm noch
eine geraume Zeit, ehe er ihm zum Abschiede noch ein
mal die Hand schüttelte. Der günstige Eindruck, den alle
Teilnehmer dieser interessanten Begegnung empfangen hat
en, verstärkte sich noch bei der zweiten Begegnung des
daisers mit dem Herzog während der Festvorstellung.
luch hier trat der Kaiser an ihn heran und schüttelle
hm zur Begrüßung krästig die Hand. Der Herzog hat
ich später seiner Umgebung gegenüber über den Verlauj
or Rorstossytno in entzüctten Morten aus reinrochon. Es

Schweden.
*Wie die Sanitätsstatistik bekannt gibt, sind die
Sterbefälle im Monat August noch niemals so niedrig
zewesen, wie gerade in diesem Jahre. In der Woche
»om 8. bis zum 15. August starben bloß 8,7 pro Nille
die Aerzte schreiben das der völligen Enthaltung von Al—
ohol zu und dem allgemeinen Aufenthalt in frischer
Luft, statt in den Fabriken, Werkstätten und Cafes. We—
nigstens diese gzute Folhge hat derrGeneralsreif
wezeitiaq“

Amerika.
* Präsident Taft hielt in Des Moines eine
Rede, in der er betonte, daß die Gesetzgebung
die Kommission für den zwischenstaatlichen Han—
zel ermächtigen sollte, nicht nur die Eisenbahnraten an
ich festzusetzen, sondern auch die ungerechte Klassifizierung
»es Frachtgüter zu revidieren, und sprach sich noch ener—
gischer für eine Regulierung der Eisenbahntiarife aus. Die
ommission sollte beauftragt werden, die Vorschriften,
urch welche den Absendern ungerechtfertigte Lasten auf—
rlegt würden, zu revidieren und die miteinander in Ver—
bindung stehenden Linien zu zwingen, durchgehende Rou—
en einzurichten und einen Saßs für durchgehende Frachten
estzu etzen. Ferner empfahl der Präsident die Abschaffung
er Klausel des Antitrustgeseizes, durch welche
karifvereinbarungen zwischen Eisenbahnen verbolen sind,
och sollten solche Abkommen der Genehmigung der Kom—
nisston unterliegen. Auch kündigte der Präsident au, er
verde für die Bildang eines Gerichtshoses für den zwi—
chenstaatlichen Handel eintreten, der die Berufungen, die
zegen die von der Kommission bestinimten Raten erhoben
werden 2u pröfen hätte. Schlie ßlich brachte er in Vor

Im Buchenhbof

aicht umsonst! Ich weiß Dir nämlich was zum Werzd h⸗
len von Deinem jetzigen Mann — weißt, ein Lichtlein
tech ich Dir auf, was Du ihm zu verdauken hast! Na,
»anken wirst ihm gerad' nicht moͤgen dafür, mein ich.
And der Sprecher schlug ein schaltendes, hoͤhnisches La⸗
hen auf. Dann griff er in die Brusttafche seiner Joppe
und zog ein Pädchen hervor, welches er aufwickelte. „Da
schau, selbig's mal hätt“ ich Dir vom Lenz einen Brief
abgeben sollen. Daß ich ihn bei mir behalten hab' bis
auf den heutigen Tag, das war, weil es dem Bergmeyr
Peter lieber gewesen ist, wenn du ihn nicht zu Gesicht
bekamst. Siehst, weil halt was drinnen steht, was Du
nicht zu wissen brauchtest! Jetzt aber hat er's erlaubt,
daß Du 3 wissen kannst, es liegt ihm schon nichts mehr
daran. Mir aber stehen ein paar Gulden ganz gut zu,
uind so verlaub' ich Dir's auch.
Wenn magst —!“ Die schmutzige Rechte des Mannes
tredte sich mit einem alt aussehenden Brief der Bauerin
ꝛntgegen, die Linke hielt er gleichfalls hin, offen. Zahl'
iber erst — na ja, wirst's schon nicht bereuen.“ Da
die Franzi starr, siumm stand und den Brief nicht er⸗
zriff, warf er ihr denselben auf die Bunt n za
e halt nachher; eenh Dir schon das Vertraͤuen, daß
Du mir auch nachher nichts schuldig bleibst.“
Sie war wie betäubt, die Franzi, unfähig, sich zu
rühven, starrte sie eine Weile auf das Papier vor ihr.
Vom Lenz sollte das sein, vom Lenz! Geschrieben hatte
er ihr damals — und den Brief hatte man ihr garnicht
jegeben? Der da — der unsaubere Burschel Nun hatte
der das Schriftstüd wohl hundertmal in feinen Händen
jerumgedreht und jetzt erst sollte fie daran rühren! Sie
dachte einen Augenblid daran, es gar nicht zu nehmen,
zu lesen; im nächsten Augenblick nahm sie es hastig em—
»or. Es gehörte ihr, es hätte längft in ihren Handen
ein sollen So viel Jahre auch vergangen fein mochten
eit ihrer Jugend⸗ und Liebeszeit, heiß wallte das Blu
n ihr auf— es war von ihm, den sie allein in ihrem
Leben lieb gewonnen — der Venz hatte das geschrieben!
Und sie senkle die Augen darauf und ias. Und la
und das Blatt begann in ihren Händen zu zittern, und
das weiße, schmale Antlitz färbte sich purpurn bis in die
Schläfen hinauf. In holperigen Schriftzügen stand da:
Meine liebe Franzu
Ach bin fort von Sir, aus dem Buchenhof — ob ich

ructehren rann, das liegt an Dir. Sanger ronnte ich
es nicht mehr aushalten, es drückt mir soust das Herz
ab — die Schuld, an Sir. Du weißt nicht, daß ine
Schande auf mir liegt, ich kann Dich aber nicht heiraten,
jolang Du es nicht weißt. Oft ist's mir auf der Zunge
gelegen, aber ich hab' Dir doch nichts fagen können, ich
hab' mich gefürchtet davor, daß daun Denme Augen nicht
mehr so lieb auf mich schauen. Ganz kurz sag' ich es
Dir — ich bin im Zuchthaus gewesen und veruͤrteilt als
Totschläger. Aber ich war keiner. Mein Vater war es.
Er hatte sein ganzes Vermögen verloren durch einen An—⸗
stauber. Der Mann war mit uns verwandt, und wegen
dem muß mein Vater gemeint haben, der Mann mene
es ehrlich mit ihm, und er hat sich von ihm Geld gelie—
hen zu billigen 5— Daun, als der Vater nicht zah—
len hat können, hat er ihm schrecklich hohe Zinsen ange⸗
rechnet; und jedesmal, wenn die Frist um war, und der
Vater konnte halt wieder nicht zahlen, jedesmal hat er
die Zinsen gesleigert, bis ihm auf einmal all' unser Hab
und Gut zugefallen ist. Er hat unser Bauerngut ver⸗
teigern lassen und um einen Spottpreis erstanden, daß
dem Vater schier nichts geblieben ist. Die Mutter ist sehr
schwer krand geworden aus Kummer und Sorg' darüber;
und der Doktor hat gemeint, ein jed' klein bissel neue
Aufregung könnt' ihr allsofort den Tod bringen. Da hat
es denn sein müssen, daß der schlechte Mensch, der An—
stauber, bald darauf mit meinem Vater und mir zusam⸗
mengetroffen ist, und der hat sogleich mit spötteln ange—
fangen, wie es uns denn ginge uͤnd wie es uns denn in
anderer Leute Häuser gefalle. Und wie gut es sei, daß
der Dumme so oft von Federn aufs Stroh käme, sonst
könnte es dem Gescheidten niemals umgekehrt ergehen, u.
s. w. Mein Vater ist in die Fir gelommen, sie haben
erst wörtlich miteinander, mein Zureden hat nichts nützen
vnnen, der Vater ist nimmer vom Fleck gegangen, und
der andere, der war der leibhaftig' Teufel und hat sein
Zöhnen und Spotten immer ärger getrieben. Auf ein—
mal gerät auch der Anstauber in Wut, als ihm mein Va⸗
er die ärgsten Schimpfnamen zuschreit; der stürzte los
ruf meinen Vater, der aber geschwinder ist und ihm in
einem Haß und ern einen Schlag mit der Faust gibt,
daß derselbige zu Boden gestürzt war.
Der Anstauber.“ fuhr der Lenz in seinem Berichf

Nun stani sie in der Wohnstube
end wusch Tisch und Bäsle vom Staube rein, als der
zauli die angel hnte Tür aufstieß und mit raschent und

sarden Schritt über die Schwelle trat. Sie kehrke sich
zastig herum bei den ihr fremd erscheinenden Tritten.
den Pault tannie sie nicht mehr, sie hale n ja auch
zinst bloß zweimal gesehen, und fostartie sie ihn fragend
m. Was ist's?“ sa sie in auftauchendem Unwillen,
a er sich breitspurig vor sie hinstellte und mit frechem
— in ihr Gelsicht starrte. s p
Kennst mich nimmer, Buchenhoferin? agte er.
Bin doch einmal der Botschafter einer schweren Sache
Jewesen, die Dir aufs Herz gesallen in Sollt' meinen,
o einen vergißt man sein Lebtag nicht wieder, wenn
an ihn auch dloß ein einziges Nal gesehen häit! Frei⸗
ich lang her ist's halt auch schon. Und da will ich Dich
qutherzigerweise nicht lang auf die Folter spannen und Dir
achhelfen in Deinem Gedachtnis! Meinen Namen hast
amalig nicht Fekannt, it auch jetzt nicht vonnöten, maͤcht
dWer keinen Schaden, wenn TDu ihn weißt! dDer KLaba—
her Pauli heiteich har —inwe Dich erinnern
annst, ich hab· Dir einmal von demselbigen erzählt. der
ꝛei Dir fo gut angeschrieben war, und sich auch meiner
Freundschaft erfreut hat, weil wir mitsammen einen Ort
ennen gelernt haben, den nicht alle Leute kennen lernen,
ondern mur ganz besondere — Ausgesuchtel Na, schau
mich nicht fo an aie tam ich Dir halbwegs närrtisch vor
I 2BZuchthaus mein ich hat; umd da⸗ qgute Freunderi
den aus zwei ist hall seibige mal Euer Großtueate
wesen, der Lenz, der sich jetzt zu einem großen Bauer,
m Ollerleitner, herausgemacht hatt ad nicht alle
Tag einer so einen besonderen Lebensgang! Früher ein⸗
Jal bin ich mit ihm duf gieich gewesen. heut nicht; heut
in ich halt einer, der ein“ paar Suben recht und
hön brauchen könnt, und — und ich mein', Buchenho⸗
Zain, die wirft mir haut Ddu spendieren! Gelt? Isl rei⸗
haein wenig viel fun einen Bettelmann. so eine Gab,
ber sperren wicte h ded not bahegen demt ichhob
alt anch was fiür Dich als eine Geoendobe: tust es ali—
            
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