Full text : Dudweiler Zeitung

über die Haltung Bßearuns zu außern. Seine Instru⸗
mente, die sich in Händen Whitne y s befänden, un
veinlich genaue (deltkate) Daten würden beweisen, de
den Rordpolerreicht habe. Alle Beschuldigun⸗
en basierten nur auf der Unlenntnis feiner Beobachtun⸗
gen und seines Matertals. Er konne nicht ohne weiteres
ein die Arbeit zweser Jobre umiassendes Mamustript ver.
esen.
Rew⸗-öYort, 22. Sept. Die Fahrt Dr. Coots
m Bord des „Grand Republic“ uach Brookhyn war
iin Triumphzug. Von allen Fahrzeugen wurde er mit
kuten der Damp'fpfeifen begrüßt. Riesige Menschenmassen
rwarteten Cook in Brooklyn. Nachdem ihm eine Rosen—
Halskette umgelegt worden, suhr er, begleitet von vielen
Automobilen, nach seinem alten Heim, wo ein Triumph—
bogen errichtet war mit der Inschrift: „Wir glauben an
Dich!“ Abends brachten bei der großen Empfangsjestlich
eit die vereinigten deutichen Sänger Brookluns ein
Ztändchen.
New-York, 22. Sept. Während hier, besonders in
Brooklyn, Cook große Ovationen bereitet wurden, kam
Peary in Sydney Meuschottland) an Land, wo er
zlänzend empfangen wurde. Er ertlärte wieder, er habe
Beweise, daß Cot nicht am Nordpol war.
New-Yorlk, 22. Sept. Peary telegraphiert, er
werde alle öffentlichen Ehrungen, Empfänge und Bankette
1blehnen, bis die Frage der Priorität in der Er—
ceichung des Nordpols endgültig entschieden sei. Coot
enttäuschte zahlre che Freunde, indem er erklärte, er wolle
die Beweise für sein Vordringen zum Nordpol nicht
hier veröffentlichen, sondern werde sie der Kopenhagener
Aniversität schicken. Indessen wird hier ein Brief Harry
Whitneys, eines jungen Sportmannes von Newhaven ver—
zffentlicht, demzufolge dieser, der erste Weiße, den Cook
iach feiner Nordpolfahrt sah, auf Grund von Beweis—
naterial glaubt, daß Cook den Nordpol wirklich erreicht
zat. Der Brief ist datiert vom 5. September aus Etah,
nithin dem Tag, bevor Peary die Erreichung des Nord—
ols meldete

„Z. 3“ Rückfahrt nach Friedrichshafen.
Frankfurt, 22. Sept. Nach einer Mitteilung
des Oberingenieurs Dürr ist die ganze Fahrt überaus
zlänzend verlausen; das Luftschiff hat nicht den geringsten
Schaden erlitten. Während das Luftichiff auf der Rhein⸗
inte nach Düsseldorf 12 Stunden gebraucht hatte, betrug
die Dauer der Rückfahrt nach Frankfurt nur 7 Stunden.
) Uhr 45 WMiin. trat „Z3. 3“ die direkte Fahrt quer über
die Gebirge nach Friedrichshafen an, und passierte 10.25
Uhr Darmstadt, 11.30 Heidelberg.
Stuttgart, 22. Sept. Das Luftschiff „3. 3*
bassierte um 1 Uhr zwischen Mühlacker und Vaihingen
ind um 2 Uhr Flacht in der Richtung auf Weil die Stadt.

Die Motoren des „Z. 3.“ Die Lieferanten der
Motore für „Z. 3“, die Daimlerwerke in Untertürkheim—
Stuttgart, werden nach den wiederholten Beschädigungen
chrer Motore schwer angegriffen. Daraufhin erklären jetzt
die Daimlerwerke, es sei unrichtig, daß für den 8. 3*
150 PS-Motoren bestellt worden seien, die bei der Ab—
aahme nur 130 PS geleistet hätten. Es seien vielmehr
aur 115 PS⸗Motoren bestellt worden, die Maximalleiftingen
 von 137—5138 PS gehabt hätten. Die Tatsache,
daß die Motoren im „8. 2“, die von dem gleichen Typ
vie im „Z. 3“ sind, seinerzeit die 38stündige Fahrt nach
Norddeutschland ausgehalten haben, und daß die Motore
in „Z. 3* außer einem Zylinderdefekt doch die ganze Fahrt
unter den schwierigsten Umständen durchgehalten häuten,
sei Beweis genug dafür, daß die Konstruktion der Mo—
tore vollständig einwandfrei sei. Auch die Luftschiffbauge—
sellschaft Zeppelin hat der Firma eine Erklärung abge—
geben, daß mit Ausnahme des Platzens eines Zylinders
auf der Fahrt nach Berlin an den Motoren keinerlei De—
fekte eingetreten seien; diese hätten vielmehr immer tadel—
los funlk ioniert.
mmmm —
Der Reichskanzler von Bethmann-Hollweg in Wien
Der Reichskanzler von Betymann-Hollweg ist Sonn
ag abend aus Munchen kommend in Wien eingetroffen.
Er wurde auf dem Westbahnhose von dem Botschafter
Tichirsicht y mit den Herren der Botschaft empfangen.
In der Begleitung des deichslanzlers befanden sich der
s8ejandte v. Flotow und Hauptmann von Schwartzkoppen.
Der Reichskanzler begab sich zunächst in sein Absieige—
juartier ins Hotel „Imperial“ und juhr gegen 9 Uhr
Abends anf die deutsche Botschaft, wo der deutsche Bou—
schafster Freiherr von Tschirschty ein Duner gab, an
dem noch die Herren der Boischaft, fserner der Gesandte
von Flotow, Hauptmann von Schwartzkoppen, der Gene
tallonsul in Budapest Prinz zu Schonburg-Waldenburg,
der bayerische Gesandte, der sachsische Geschaͤftsträger, o
me einige Freunde des Herrn teilnahmen.
Wien, 20. Sept. deichslanzier . Bethmani—
Ro U1weng wurde heute vormittag vom Kaiser Fra n z
Josef in der Wiener Hofourg empfangen.

der andere erfährt — und auch ne, o, auch fie sollte es
erfahran, damit ihnen vbeiden aufs neue Leid gesshähe,
wie ihm seither inimer und immer wieder geschehen ist.
Ja, das wäre recht. ganz recht und gut! Vann wür“
die Franzi doch endlich einmal anders dreinschauen, nin
mer so kalt und aleichgültig, so fremd für ihn. In ihren
blitzenden Augen“ wurde der Haß stehen, der Haß über
ein schlechtes Tun gegen sie und jenen andern und
Zas würde ihm wohltume Jo Haß würde sie emnet aden
und D Sqymerz, SEchmerz um ihr verlorenes Leben.
Die Hände des Bauern kraupfen sich mit den Fing—
ern zusammen, es huichte wie ein dämonisches Aufleuch⸗
ten üͤber sein Gesicht hin, und nun, während er dem
Haufe zugeht, kommt ein kurzes, rauhes, häßliches Auf—
lachen aus seiner Kehle.

153.
Unterdessen wandert der Pauli im Schnellschritt wei⸗
cer, den Weg zurück, den er vorhin gekommen. Weanch—-mal
 entfallen einzelne Worte seinen Lippen. Er ärgett
sich, daß er einen so weilen Weg getan — umsonst. VDie
lumpigen paar Gulden, die er nun in der Tasche hatte!
Schämen sollte er sich, der Buchenhofer, daß er einem
einstigen Gehilfen, der ihm so treulich beigestanden, nicht
mehr vergönnt! Wie nun, wenn auch der, zu dem er
jetzt hin will, sich nicht herbeiläßt, etwas Hübsches zu
zahlen? Wenn demselben die Tatsache mit dem Brief da
ein böses Blut macht, fondern ihm jetzt ein Ding ist?ẽ
Er soll ja ein reichet, angesehener Bauer geworden sein,
derfelbige, hat es also gut und richtig getroffen, eine
tüchtig Jange Zeit ist auch vergangen seit dazumal, der
Lenz ist nicht mehr jung geblieben und hat wohl die ei—
ne. die ihm dazumal im Kopf und Herzen lag, vergessen.
Es mag ihm daher nichts daran liegen, daß es unrichtig
zugegangen mit dem bewußten Brief. Leicht moͤglich be⸗
ommt der Wann bloß eine kleine ornesaufwallung über
hn, der ihn betrogen und ihm nun dummerweise in die
dände lief, und dann wird er, anstatt belohnt. einfach
uum Haus herausgeworfen.
Ueber dem Gedanken bleibt der Pauli plötzlich stehe.
Ein Fluch entfährt seinen Lippen. Lange schon haͤtte er
lommen sollen und versuchen, von des Buchenhofers Ern⸗
te etwas einzuheimsen; damals, da der Mann noch jung
gewesen und ihm an seinem Weib noch gelegen war. Ein

Breßstimmen über die Reise des Reichskanzlers
nach Wien.
Aus Anlaß der Antunsft des deutschen Reichskanzlers
on Vethnmann⸗Houweg fuhrt die „ANeue Freie presse
us: Der leichtene Teu jeiner schweren Aujgabe ist, das
zundnis mit Desterreich-Ungarn zu pflegen. BVieses Bund—
us ist ein Erbieil, das er nun schon als vierter üver—
ummt. Es ist fur jeden der veiden Seile ein Kapitai,
EV
nesem eFrühsaur hat sich seine Macht gezetat. Der neue
teicistanalet jindet daher eine vesonders gunstige Ei—
fangsstiumung vor. Er wiro sich dem Freunde seines
taisers vorstellen und wird sich hier in einer Unigebung
inden, die ihn in Herzlichleit und Synpate aufueme
vird. — Das „ARaeue Wieller Tagolatte schreibt: Der Kurs
dethmann-⸗Hollwegs inn derselbe wie der Kurs Bulows
8 ist die Poliul der unvervruchlichen Treue Veuqc
ands gegenuber Desterrcich- Ungarn. Herr von Beihmalus
»oliweg, ein bewußier und inelettuener Eroe dieses Ge
aneis, wird in Wwien die gerzachste und freundschaft
iche Ausnahme finden um deszengen Willen, der 11
endet, um der Ration Willen, deren Augelegenheiten e
4hel, und gewiß auch um seiner selbst Willen. — Da⸗s
Deutsche Bousbiatte sagt: Bei der Innigten der freund
chast.ichen Beziejungen der veiden veroundelen Herrscher,
owie vei der siaallichen Interesengemeinschaft der beiden
teiche in der Besuch etwas ganz naturliches. Gerade in
eser Selbpoerstanduchtkeit liegt auch seine politische Be—
eutung.

— — —
Sparsamkeit
redigt selbst die „Röln. Ito.“ der Reichsregierung in ei—
iem Langen Arcilei, der eine Reihe konrreter Puntte aup
ahlt, bei denen eine vernaunfeige Politit des Sparens ein
etzen kann. Es wird veispielsweise nachgewiesen, daj
ine Reihe von hoͤheren militarischen Sterlen, namentlicW
ei den Gouvernements und Kommandanturen, gestrichen
der durch viel billigere Organisationen ersetzt werden
onnen. Einer ganz vesonderen Prüsung werde die Frage
»er Pferdegelder, namentuich bei der höyeren Generalitat
u unterziehen sein. Auch in militärischen Kreisen jei mar.
ielfach der Ansicht, daß nach dieser Richtung des Guter
uviel getan worden ist, und daß ein übertriebener Luxus
errscht, der ohne jeden Schaden beschnitten werden kann.
Der Artilel spricht sich darauf besonders ausführlich gegen
den Luxus aus, der mit den Dienstwohnungen getrieben
vird. Es heißt da: In der bisherigen Entwicklung un
eres Staatsbauwesens hat die grundsätzliche Reigung vor—
zeherrscht, in die Verwaltungsgebäude der Ministerien und
er hohen und höheren Regierungsämter Privatwohnun—
ien für deren Shess einzufügen. Ramentlich in letzter
zeit sind diese Dienstwohnungen mit außerordentlichem
urus ausgestattet worden, der vielfach über das dienst—
iche Repräsentationsbedürfnis weit hinausging und so—
usagen auf eine Maximalleistung des betreffenden Be—
imten zugeschnitten war. Ohne Uebertreibung darf man
agen, daß diese Dienstwohnungen ihrem Mietwerte nach
n einem großen Mißverhältnis standen zum Einkommen
»es betreffenden Beamten. Nur Beamte mit großem Pri—
patvermögen konnten diese Räume vollsiändig ausnutzen
veil ganz abgesehen von den Kosten der ergänzen
»en Möblierung, die Betriebskosten weit über das
„inausgehen, was ein Beamter sich leisten kann, wenn er
iur auf sein Staatseinkommen angewiesen ist. Es ist ge—
viß, daß vielen gut gestellten Beamten eine sehr große
zreude und Genugtuung bereitet wird, wenn ihnen der
Ztaat prachtvolle Wohnräume zur Verfügung stellt, aber
ioch viel sicherer ist es, daß andere, die sich nicht in glän
ender Vermögenslage befinden, durch die allzu großar—
igen und überreichen Dienstwohnungen in die schwerste
Lerlegenheit versetzt werden. Sie helfen sich dann da—
urch, daß sie einen Teil der Dienstwohnung einfach ab—
chließen und leer stehen lassen, oder aber, daß sie über
hre Mittel leben. .. Man wird daher nicht nur eine
esunde Finanzpolitik treiben, sondern auch den wohlver—
tandenen Interessen der Beamten dienen, wenn man
nit dem System der Dienstwohnung grundsätzlich bricht
ind sie nur in Nusnahmeföllen zuläße?“

Hof und Gesellschaft.
* Der Kaiser traf, von Altenburg kommend, Montag
früh zu den sächsischen Manövern in Hainichen ein
Er wurde am Bahnhofe vom König von Sachsen und den
Prinzen des Königshauses begrüßt. Nach dem Abschrei—
en der Ehrenkompanie begaben sich die Monarchen im
Automobil nach dem Manovergelände. Der Kaiser und
der König wurden von der Bevölkeruna stürmisch begrüßt
Das Wetter ist prachvoll

Die deutschen Kaisermanöver.
Der Mansverlärm ist vorüber. Wie üblich haben die
ociden feindlichen Armeen sich in den Siegesruhm geteilt
ind das erlösende Hurra, mit dem die Mannschaften das
Auffteigen des Fesselballons begrüßten, der das Ende der
UNanöper signalisierte. ist wohl ein Beweis dafür gewe—

vaar Jahre nach der Heirat, wenn er gerommen wäre, da
väre vielleicht für ihn etwas ausgefallen. Aber da dach⸗
e er nicht daran. Im Ansang halte er sich mit dem er⸗
hjaltenen Gelde güthch getan, und er hatte eine Weile
enug damit gehaͤbt; dann verlodte ihn sein angeborener
dang zum Diebstahl, und er kam auf ein paar Jahre an
enen Ort, den er bereits liebgewonnen von einem frühe⸗
en Aufenthalt — ins Zuchthaus; nicht zu seinem Scha⸗
»en, indeß zu jenem anderer. Denn er lernte hier man⸗
»alei zu, da andere eben im Ruhestand befindliche Ge—
nossen seines Vetiers ihn aus Langeweile oder Gutmü—
gleit oder Stolz mit „netten Kunstgriften? vertraut mach⸗
en, so daß er dann laͤngere Zeit hindurch, nachdem éer
vieder süße Freiheit kostete, seinen Mitmenschen die vol—
ien Beutel oder gefüllten Kasten etwas leerer machte, oh—⸗
ne daß man seiner sobald habhaft werden konnte. Als
er wieder jenen „durch seiner Hände Fertigleit“ erworbe⸗
zen Sitz inne haite, da faßte er einmaͤl den Vorsatz, doß
venn er wieder freie Verfügung über sein eigenes Ich⸗
erlangt haben würde, gleich zu versuchen, ob ihm das da⸗
dierene Ueberbleibsel aus längstbergangenen Tagen nicht
ioch etwas einbringen könne. UAber et kam nicht so sehr
veit, diesen Vorsatz auszuführen. Ihn lodte wieder das
Zunächstliegende viel mehr wie das Fernschwebende —
s hatte ihn zuletzt sein Gelüste fünf volle Jahre gekostet
— wegen Gewohnheitsdiebstahl. Und nun, wo er seinen
anggehegten Plan endlich zut Ausführung gebracht hotte
und hierher gewandert war. nun schien es zu allem zu
spät zu sein. Zu dumm! Und er befindet sich nun weit
yon daheim, wo er Weg und Steg kennt und nicht lange
u suchen braucht, um ein hübsches Obiett fuür seine Fin⸗
erfertigkeit zu finden.
Waͤhrend der WMann das denkt in sich verstärkendem
Aerger, faßt er plötzlich mit beiden Händen nach seinen
Ohrläppchen und zieht daran. Dazu lacht er. Na— aber
o einer! Was willst Dich ärgern, Pauli? Zu holen ist
yoch auch hier sicherlich euwas Und hier kennen sie doch
znuch Deine Kunstgriffe noch nicht — da hast doch nen
VKorteil von der Sache, wenn sonst nichts abfällt —
Ja, aber gewiß war es sol Es hieß nur ein wenig aus⸗
undschaften und beobachten, wo etwas zu holen wäre.
Und gleich dann. wenn er in den Oberleitnerhof tam, da

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en, daß die Mannschasten ales hergegeben vattẽen, wa
n ihren Kräften stand. Unser Bild zeigt den neue
Kriegsminister von Heeringen und den alten Graf Haese
er, die an den Manövern teilgenommen haben

122 2* 3
Sozialdemokratischer Parteitag.
Die lebzte Sitzung des sozialdemokratischen Parteita
zges am Sonnabend brachte noch einige interessante Mo
nente. Es sind hiermit die zum Teil persönlicher
ind gehässigen Auseinandersetzungen über Ausschlüfse und
onftige Bestrafungen von ‚sündigen Genossen“, die im—
ner ein so wenig schönes Bild von „sozialdemokratischer
Brüderlichteit“ geben, gemeint. Rief doch Maurer-München
den Delegierten zu, daß selost die Rechtsprechung im „Klaj—
fenstaat“ die Angeklagten gerechter und besser behandele,
vie der sozialdemokratische Parteitag. Die Erregung ging
isweilen so hoch, daß sogar Pfifse im Saale ertönten
Zu einer bemerlenswerten Debatte über den Satz „Reli—
gion ist Privatsache? sührte noch ein Antrag Breslau, de
verlangt, daß der Parteitag, um die Jugend dem „ver
»erblichen Einfluß des Religionsunterrichtes“ zu entziehen.
den Parteigenossen dringend den AUustritlhaus der
Landeskurche empfiehlt. — Abg. Hengsbach
bedauert, daß der Antrag auf dem Parteitag Unterstütz
ung gefunden habe, denn die Annahme des Anttages
väre ein gefundenes Fressen für das Zentrum. Er wünfcht
lebergang zur Tagesordnung, da der Antrag auch dem
brogrammsatz „Religion ist Privatsache“ widerspreche. Na⸗
ürlich meldet sich als Hauptredner zu dieser Frage der
theologische Sachverständige“ der sozialdemokratischen
Partei, der Zehngebote-Ho fsmann. Er kommt au

dem entgegengesetzten Schiusen wie Hengsbach. Der Dort
nunder Klupfsch tritt Hoffmann enigegen. Osam p
SEssen bedauert die Ausführungen Hoffmanns, der ledig—
iich aus seinem Berliner Wilieun herausgesprochen habe
Der Antrag wird abgelehnt.
Bei der Wahl des Parteivorstandes werden Bebel
und Singer zu Parteivorsitzenden, Gerisch zum Kassierer
Vtolkenbuhr, Pfannkuch, Ebert, Müller zu Schriftführern
zewählt. Der nächste Varteitag wird in Magdebur g
abgehalten. Abg. Singer schließt mit einem kurzen
Schlußwort den Parteitag unter Hinweis auf die Aeuße⸗
rung Liebtnechts: Immer in der Offensive, niemals in
der Desensivet Mit dem Absingen der Arbeitermarseillaise
zeht der Varteitag auseinander

Humoristische Ecke.
Btldungsdrang. „Waxe, wie heißt doch man
leich der kleenste Kraftieil, wo man in de Elektrizität mit
cechnetze“ — „Watt, Vater!“ — ‚Teekessel, zweemal sage
icks nicht““

Der rreine Bweifler. Karlchen: „Mama,
heute hat uns der Lehrer erzählt, der liebe Gott hätte die
Menschen aus einem Erdenkloß gemacht; das waren dod
zie Schwarzen, gelt?“ — Mama: „Aber warum denn?
datürlich hat er die Weißen auch geschaffen.“ — Karlchen:
„Aber Mama, so weißen Dreck, wie Du bist, gibt's doch
gJar nicht“

mußte er ein vie en die Nugen aufmachen darausyn.
Eine Weile trottete er nun wieder dahin, blieb aber
auf, einmal wiederum stehen. Ein boshafter Bug tauchte
in seinem Gesicht auf. Weshalb war er denn vordan vom
Buchenhofer Gut gegangen, ohne daß er der Vneriu ein
Licht aufgestedt hatte uber ihren Mannz!Wenn sie es
zrfuhr, was der sich einmal hatte zu schulden kommen las⸗
sen — mochte es ihm, dem Pauli, auch keinen Lohn in
blanker Münze eintragen — dem Buchenhofer trug es si⸗
cherlich tein Dankeswort ein von ihr Sie hatte keine
Freude gewonnen an ihrem Mann, das hatte er ja wohl
aus den Worten desselben erkennen müssen; nun, wenn
sie wußte, wie es damals zugegangen bei ihrer Heirat,
nun begann sie ihn wohl zu hassen, und der Buchenhofet
bekam zu der Freudlosickeil in feiner Ehe sicher noch den
Unfrieden.
„Ein Merkmal. daß ich auf seinem Hof gewesen bir.
muß ich doch dort lassen!“ lachte er. „Wo der Babacher
Pauli noch gewesen ist, da ist halt jedesmal noch ei⸗
Spur von seinem Besuch dagewesen. Soll halt der Bu
chenhofer auch daran denken — der Oberleitner bleibt
mir halt schon immer noch übrig!“
Und in heimlicher, sicherer Erwartung des Kommer.
den schadenfroh grinsend, mnuchnial kurze Worte oder eine
längere Rede voll Hohn und Spott vor sich hinmur—
melnd, hin und wieder auch mit beiden Händen auffaͤlli
ge Gebärden machend, ging er den Weg wieder zurück
Beim Buchenhof fuchte er aber jetzt einen anderen Ein⸗
gang. Im Hofraum sah er den Bauer dei einem Lei⸗
terwagen beschäftigt, hallend klangen die Schläge herüber
die er mit einer Beilhacke tat. Sachte schlich der Pauli
an dem halb offenstehenden Hoftor vorbei und hinüber
um das Haused. Drüben bei der auf den Garten zu
führenden, niederen Haustür drüctte er auf die Klinke
und dieselbe gab nach; denn eben zuvor hatie die Franz
einen Kübel hereingeholt. der auf einem der Gartenpfähl⸗
umgesftülbt gehangen,
            
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