Full text : Dudweiler Zeitung

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Lokales
* Schnell kommt der Tod. Beim Tanzen im Lo—
ale Limburg erlitt der ungefähr 24 Jahre alte Ädolf Jung
Sohn von Frau Witwe Schuhmacher Jung einen Herzschlag,
Jelcker den sofortigen Tod zur Folge hatte.
Tödlich verungläcdt ist in der gestrigen Mittagschicht
nihiesiger Ganbe der Pferdeführer Barbisan. Er wurde
hurch einen Kohlenwagen mit dem Kopfe gegen den Strecken⸗
doß gegrückt. Die Verletzungen waren derart, daß Barbian
osort tot war. — In Abteilung 8 verunglückte in der gest⸗
gen Frühschicht der Bergmann Josef Kuhn aus Zusch,
zurch Kohlenfall erlittt er einen Beinbruch. Der Verungiückte
vurde nach dem Sulzbacher Lazarett verbracht.
Wanzen, verschwinden sofort, wenn man die Wände,
getistellen usw., worin sie nisten, mit einer dochenden Alaun⸗
bsung bestreicht. Wenn man die Zimmerdecken mit Kalk
heißt und dem Kall vor dem Gebrauch etwas Alaun zusetzt,
o halten sich die Fliegen ebenfalls nicht in den Zimmern
uf. Dabei kann die Anwendung des Alauss in diesen
zallen der Gesundheit der Menschen nicht den geringsten
zchaden zufügen. Ein anderes erprobies Mittel ist Her—
ellung von Zugluft durch Offenlassen von Turen und Fen⸗
cern usw. Diese können die Fliegen nicht ertragen. Geduld
ehört abet zur Vertreibung und arößte Reinlichkeit

Aus Nab und ZFern.

* Koln, 18. Sept. (Kinderlähmunng.) Die Kin—
erlähmung ist nun auch in den Kreis Bergheim bei röln
zorgedrungen. In Kenten und in Quadrath sind zwei
ezw. drei Kinder von 3 bis 7 Jahren von der Krank—
seit befallen worden. — In Langerfeld im Kreise
zchwelm sind vier Fälle von Kinderlähmung vorgekom—
nen, von denen einer tödlich verlief.
* Köln, 18. Sept. (Tödlicher Abstur z.) Gestern
iachmittag wollte ein Abbrucharbeiter auf dem Dache ei—
lies leerstehenden Hauses an der Kleinen Sandkaul einen
Teil der Zinkdachrinne abreißen, ohne dazu beauftragt zu
ein. Er bekam das Uebergewicht und stürzte rücklings ab.
der Verunglückte hat außer anderen Verletzungen das Ge—
uick gebrochen, was seinen sofortigen Tod zur Folge hatte.
* Köln, 18. Sept. (Die BleriotWoche.) Ge—
genüber den wider prechenden Meldungen über die Kölner
Bleriot⸗-Woche wird von beteiligter Seite mitgeteilt, daß
in Privatkonsortium, dem zwei Franzosen angehören, das
Unternehehmen in Köln sichergestellt und Mittel in erheb—
icher Höhe von Kölner Finanzkreisen gewonnen hat. Ble—
iot wird übrigens weder an der Berliner, noch an der
Frankfurter Veranstaltung teilnezmen und beabsichtiat mur
n Koͤln Aufstiege zu unternehmen.
* Aachen, 18. Sept. Mach 6 Jahrengestellt.)
der frühere Amtsdiener Pesing, der vor sechs Jahren bei
„er Ober-Bahnamtskasse zu Bamberg 50 000 Mark ver—
intreut hatte und dann in der Uniform eines Gendarmen
gzeflüchtet war, stellte sich völlig mittellos den hiesigen
zehörden.
* Elberfeld, 18. Sept. (Unglücksfall.) Ein he—
dauerlicher Unglücksfall, der hätte vermieden werden kön—⸗
ien, wenn die Baupolizei besser ihres Amtes gewaltet
ätte, ereigznete sich in der Bergstraße auf dem Hofe der
zchule für schwach begabte Kinder. Dieses
zchulgebäude wurde im zweiten Jahrzehnt des vorigen
FJahrhunderts von den Jesuiten als Knabenschule errich—
et. Es ist vom Zahn der Zeit arg mitgenommen, —
ür eine Schule für schwachbegabte Kinder hat man es an—
cheinend für genügend befunden. An der nördlichen Seite
des Schulhofes befindet sich ein steiler Aufgang, der ge—
jen den tiesliegenden Schulhof durch ein eisernes Gitter,
»as in Steinfließen verankert ist, abgegrenzt war. Die
Zteinfliesen selber ruhten nicht auf einem Mauerwerk, son—
»ern nur auf verwittertem Gestein. Morgens, nach der
rsten Pause, stürzte das Gistter samt den schweren Sten—
liesen, plötzlich herab und zerschmetterte einen auf dem
SZchulhofe spielenden ZSjährigen Knaben derart, daß der
Lod sofort eintrat. Ein anderer Knabe erlitt einen Bein—
oruch, ein dritter leichtere Verletzungen.
*Altenessen, 18. Sept. (Ue berfall.) Im Hause
eines hiesigen Kaufmannes erschien ein Unbekannter muü
ser Angabe, sich einen Gehrock leihen zu wollen. Nach—
dem er in Erfahrung gebracht hatte, daß sich das Dienst
nädchen allein in der Wohnung befand, wurde das Mäd—
hen von dem Unholde überfallen. Es gelang ihm, sich
mus den Händen des Mienschen zu reißen.
* Recklinghausen, 18. Sept. (Tödlicher Un—
zhüchs fall.) Auf Zeche „Ewald“ stieß der Zimmer-⸗
jauer Gustav Bürtel mit dem Kopfe gegen das Hangende.
er erlitt einen Genickbruch, sodaß der Tod sofort eintrat.
3. war verheiratet und hinterläkkt Frau und sfechs kleine
dinder.
* Saarbrücken, 18. Sept. Anschlag aufeinen
Zug.) Auf einen nach Metz fahrenden Personenzug sind
Zchüsse abgegeben; eine Kugel durchschlug das Fenster ei—
ies Abteiles erster Klasse. Die umherfliegenden Glassplit—
er verletzten mehrere Personen. Der Taͤter verschwand
merkannt im Walde.
*Ludwigshafen, 18. Sept. (Fräulein Zeppe—
ine!) Als „3. 3* über das hiesige Rathaus fuhr, da
vurde ein Buͤrger, der gerade auf dem Standesamt die
Beburt eines Mädchens anmeldete, so von Begeisterung
rfaßt, daß er die junge Weltbürgerin als Luise Zep
Reline einschreiben ließ. (Vorläufig wird die junge
Ddame sich wohl mehr als Zappeline denn als Zeppelune
denehmen. D. Red.)
Montabaur, 20. Sept. Einen Vorgesetzten
r st ochen.) Ein Mann der 10. Kompanie des 16.
Infanterie-Regiments (Garnison Gießen), die hier in der
Begend in Mansverquarueren liegt, hat dem Feldwebel
Ddebus von der 9. Kompanie desselben Regiments einen
ebensgefährlichen Messerstich in die Herzgegend beige—
racht. Der Täter, der in fünf Tagen zur Reserve entlas⸗
en worden ware, soll den Racheakt einem anderen Vor—
gesetzten zugedacht und sich nur in der Person geirrt haben.
* Essen, 20. Sept. Auch eine Feiersh) Bei einer
Retruten-Abschredsfeser des hiesigen Turnvereins kam es
inter den Festteilnehmern zu einer Revolverschießerei.
zwei Teilnehmer wurden tödlich, zwei andere miunder
chwer verletzt.
* Mainz, 20. Sept. (He ylOriola⸗Affäre.) Die
nationalliberale Vertrauensmänner⸗Versammlung des Wahl—
reises Mainz-⸗Oppenheim beschloß zum Falle Heyl-Oriola,
der Reichstags sraktion ihr Vertrauen auszusprechen und
rachte ferner zum Ausdruck, daß der Austritt der beiden
berren aus der Fraktion auch den Austritt aus der Par—
ei zur selbstverstäändlichen Folge habe.
*Frankfurt, 20. Sept. Messferstechere i.) In
der Racht kam es in einer Wirtschaft in der Koblenzer—
traße, Ecke Gutenbergstraße, zu einer großen Messerstecheei.
 Der 32jährige Bretzelvertäuser Franz Heinrich bot
m der dortiagen Wirtichait Bretzel feis. Ein Gaĩt machte
Bemerkungen uber seine Ware, wodurch ein Wortwechsel
entstand, in dessen Verlauf Heinrich sechs Messerstiche in
den Rücken, Brust und Bauch erhiett.“ Die Rettungswache
aus der Münzgasse legte ihm Notverbände an und brachte
ihn nach dem slädtischen Klanteübns

Wrights Höhenflug in Berlin. Bei dem Rekord—
öhenflug Wrights am Freitag wurde eine 172 Meter—
zöhe ofsiziell gemessen, doch wird die tatsächliche Höhe
uf 200 Weeter geschätzt. Der erste Flug Wrights mit
ngelhardt dauerte 47 Mitnuten und 4 Setunden und
icht, wie irrtümlich gemeldet wurde, 55 Minuten. Wright
ind seine Schwester wurden von der Kaiserin, den Prin—
‚en und der Prinzessin wiederholt durch längere Unter—
naltungen ausgeze chnet.
Ein weiterer Weltrekord Wrights. Orville Wright
—
Aeroplane auf. Unerwarteter Weise erschien Wright schon
im *11 Uhr, um wegen der günstigen Witterungsver—
jältnisse einen neuen Rekordflug zu unternehmen. Seine
Naschine erhob sich kurz vor 11 Uhr in die Lüfte, trug
ußerdem noch den Kapitänleumant Engelhardt als Pajf—
agier und flog in geringen Höhen über das zunächst von
iner lleinen Zuschauermenge besetzte Feld. Es wehte
in ganz schwacher Ostwind. Wright steuerte seinen Aero—
lan mit gewohnter Meisterschaft in geringer Höhe ruhig
sunde auf Runde über das Flugfeld. Nach 1 Stunde 35
sinuten 47,5 Sekunden landete Wright glatt bei seinem
Zchuppen. Er hat mit dieser Leistung seinen eigenen bis—
ser eine Stunde 12 Minuten gehaltenen Passaagier⸗Welt⸗
ekord bedeutend überboten.
Mord. Ein geheimnisvoller Mord erregt in Glei—
vitz (Oberschlesien), großes Aufsehen. In einem benach—
zarten Bauernhof wurde ein unbekannter Mann mit schwe—
en Schädelverletzungen aufgefunden, der nach seiner Ein—
ieferung ins Krankenhaus starb.
Parseval in Zürich. Aus Zürich wird berichtet:
Zom Kaiserlich Deutschen Aeroklub in Berlin kommt die
zusage, daß der Parseval zum Gordon-Bennet-Tage in
zürich erscheinen wird. Der Versand des Luftschiffes er—
olgt nächfte Woche.
Felssturz. Am Druidenstein bei Wien fand infolge
zes anhaltenden starken Regens ein Felssturz statt. Meh—
ere Baracken, in denen Bauarbeiter wohnten, wurden un—
er den Felsmassen begraben. Zwei Arbeiter wurden so
chwer verletzt, daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird.
Ziele Arbeiter erlitten leichtere Verletzungen.
Vergiftungserscheinungen. Aus Toulon meldet
das „Hournal“: An Bord des Schulschiffes „Marceau“ sind
zah reiche Kadetten unter Vergistungserscheinungen er—
ankt. 58 wurden ins Lazarett gebracht, während 40
dranken⸗Urlaub erhielten. Als der Schiffssarzt eintraf, da
varen bereits mehrere Leute besinnungslos. Aus der
Untersuchung scheint hervorzugehen, daß die Vergiftungen
ruf den Genuß von Kaninchenfleiich zurückzuführen sind.

Gerichtszeitung.
8 Weinfälscher. Die Strafkammer in Konstanz
erurteilte den früheren Wirt und Weinhändler Johann
Schwarz in Radolszell wegen Weinfälschung zu vier Wo—
hen Gefängnis und Einzug des Weines. Er hatte aus
traubentreber, also gekelterten Traubenresten Wein her—
estellt und echten Wein über Gebühr mit Zucker und
Vasser gestreckt. Der Küfer, der ihm dabei behilflich war,
am mit 50 Mark Geldstrafe davon.
8 Stimmenkauf. Der Vandmann Holtorf-Füsing und
der Knecht Beysen in Flens burg wurden wegen Stm—
menkaufs bei der letzten Reichsstagswahl zu sechs resp.
bier Wochen Geiängnis verurteilt.
Der Propellerhut.
Der Topfhut ist tot, es lebe der Propellerhut! Aus
Amerika über England ist er zu uns „geflogen“ gekom—⸗
men, als neues Hutwunder, der Hutaeroplan a la Ble—
ciot. Ein veritabler Eindecker mit zwei großen Flügeln,
Steuerruder und Höhensteuer versehen und mit zwei Pro—

Eine Mode kuriositaãr. Der Fropeuerhu
oellern schlagend, ist er bestimmt, die Damenhutmode
neroplanmäßig umzugestalten. Mag er auch vorläufig noch
iele Feinde und Neider haben, eines muß man ihm las⸗
en, er übertrifft an Größe keineswegs seine Vorgänger
ind besitzt diesem gegenüber entschieden den Vorzug der
Priainalität und der Kleidsamkeit
Zeppelins große Fernfahrt.
Tros der ungünstigen Witterung, der Regen und un—
ichtiges Werter brachte, hat „3. 3“ feinen Flug ins In
dustriegebiet Sonntag früh 6 Uhr angetreten. Infolge
der tiefgehenden Wollen wurde aber nicht die angesagte
Route über den Westerwald genommen, sondern man
vahlte die Main-Rheinlinie, die eine leichtere Orientier⸗
ung erlaubt. Der Flug nach Düsseldorf ging alatt von—
tatten und dauerte rund 12 Stunden.
Düsseldorf, 19. Sept. Nach der glücklichen Lan⸗
dung des „8. 3“ entstiegen ihm Graf Zeppelin jun., Ober—⸗
ingeneur Dürr, Oberbürgermeister Marx, Fabrikant Berg
und Direltor Colsmann. Alsdann erfolgte die Begrüß—
ungsansprache durch den Beigeordneten Dr. Thelemann,
die in ein Hoch auf den Grafen Zeppelin ausklang. Ober—
oArgermeister Marx verlas ein Telegramm, in dem er dem
Brafen Zeppelin die glückliche Landung des Lufftschiffes
meldet. Sodann sprach Oberingenieur Dürr im Auftrage
des Grafen Zeppelin dessen Bedauern aus, daß der Graf
anicht selbst die Fahrt nach Düsseldorf leiten konnte. Die
Ansprache klang in ein Hoch auf die Stadt Düsseldorf aus.
Nach diesem kurzen Begrüßungsatte solgte die Abfahrt
iach der Stadt. Trotz des strömenden, nie aussetzenden
Regens hatten sich Tausende von Zuschauern auf dem
Vandungsptlatz versammelt, die bei der Landung und der
Ufahrt der Luftschiffer vom Landungsplatz in brausende
zurrarufe aus brachen. Abends fand zu Ehren der Fahrt—
leilnehmer ein großes Festessen statt, bei dem zahlrreiche
Ansprachen gehalten wurden.
Die Weiteriahrt ins Industriegebiet.
Düspeldorf, 20. Sept. „8. 3“ hat 12.40 Uhr
die Fahrt nach Essen angetreten. Dem Aufstieg wohnte
eine ungeheure Menschenmenge bei. Das Lufftschiff erhob
sich schneil von der Erde, veschrieb einen großen Bogen
und stieg zu veträchtlicher Höhe empor. Nachdem es ei—
nige Vanöver über der Stadt ausgeführt hatte, schlug es
die Richting nach Essen ein. Die Sounne hatte gegen 1
Uhr die Resel zerstreut, es wein jedoch ein ziemlich
träctiger Westwind.

Telegramme.
Köln, 20. Sept. Die Fahrt des 8. 3 ins rheinische
zndustriegebiet hat bisher trotz des strömenden Regeas und
eilweise heftigen Windes einen glatten Verlauf genommen.
3. 3 fuhr von Mainz aus rheinabwärts und erreichte Kob⸗
enz um 11 Uhr 10 Minuten. Andernach wurde um 11,46
Ahr, Linz um 12,15 Uht und Bonn um 1,30 Uhr passiert.
Schon bei Froisdorf konnte man die Wahrnehmung machen,
zaß das Lufischiff durch den anhaltenden starken Regen her⸗
intergedruͤckt wurde, es fsuhr niedrig und langsam, sodaß
döln eirst um 3 Uhr 20 Minuten erreicht wurde. Es flog
zuch hier langsam und in geringer Höhe, Überall von den
Ztraßen und Plätzen frendig begrüßt. Um 5 Uhr 30 Min.
am Z 3 bei Düsseldorf in Sicht, der Ballon fubr zunächsi
üͤber die Staht hin und landeite darauf auf der Golzheimer
deide 63 Uhr glatt und sicher. Trotz ds strömenden
Regens, der die Wege zum Landungsplatze fast unpassierbar
zemacht hatte, waren viele Tausende eischienen, die das Er—⸗
cheinen des Ballons mit großer Begeisterung begrüßten.
Der Beigeordnete Thelemann hielt die Begrüßungsanspiacht
n der er die Freude der Dusseldorfer über die glücklicht
Fahrt zum Ausdruck brachte. Doeringenieur Dürr anlwor⸗
ete im Namen des Grafen Zeppelin, der sein Bedauern
zusdrücken ließ, daß es ihm nicht möglich gewesen sei, die
Fahrt selbst zu leiien. In den Straßen Düsseldorss herischte
dis zum späten abend das regste Leben, obwohl das schlechre
Wetter anhielt.
Essen, 20. Sept. Schon am frühen Morgen strömten
ztoße Menschenmassen in die Stadt in Erwartung der heu⸗
igen Ankunft des 8. 3. Die Volksschulen und die höheren
Schulen sind für den heutigen Tag geschlossen. Die Krupp⸗
chen Werke ruhen von 10 Uhr vormittags bis 2 Uhr mittags
Die Witterung hat sich etwas gebessert. der Regen hat auf⸗
ehört.
Munchen, 20. Sept. Gestern tagte in Tuntenhausen
ie Generalveisammlung des batrischen Bauernbundes. Der
Reichstagsabgeordnete Dr. Schädler verteidigte in der Ver—
jandluag in einer läggereu Rede die Stellung des Zentrum—
ur Finanzreform, zu dem Abgange Bülows und besprach das
Berhältnis, das die Partel dem neuen Kanzler gegenüber be⸗
vahren müsse.
Altenburg, 20. Sept. Der Einzug des Kaisecs voll⸗
og sich in feierlicher Form. Obwohl das Wetter gestern
ehr schlecht war nahm bei großer Teilnahme der Bevöl—
erund alles einen würdigen Verlauf. Abends war Hoftafel
m Schlosse. Während des Festmahls wechselte Herzog Ernfi
nit dem Kaiser herzliche Trinksprüche.
Berlin, 20. Sept. Der Unterstaatssekretär im Reichsschatzamt,
 Twelee, scheidet aus seinem Amte aus. Nach—
dem er kürzlich von seinem Sommerurlaub zurückgekehrt
war, ist ihm jetzt von neuem ein Urlaub bewilligt, aus
dem er nicht mehr in seine Stellung zurücktehren wird.
Wenn auch die Gesundheit des Herrn Twele in letzter
tzeit manches zu wünschen üdrig ließ, so geht man doch
nicht sehl in der Annahme, daß die letzte Neubesetzung
des Reichsschatzamtes die eigentliche Ursache des Rück
rittes ift.
Berlin, 20. Sept. Der „Morgenpost“ zufolge hat der
frühere Reichscagsabgeordnete Calrwer seinen Austritt
aus der sozialdemotratischen Partet ertlärt. Der Anlaß
dazu ist die Annahme des neuen Parteistatuts auf dem
Leipziger Partertage.
Wien, 20. Sept. Wie von gut unterrichteter Seite
verlautet, ist die österreichische Regierung von der Ein—
führung einer Zündholzstener nach deutschem Mu—
ster wegen der hohen Erheoungskosten abgekommen. Da—
gegen finden Verhandlungen über die Einführung des
Zündholzmonopols statt, die schon sehr weit gediehen sind.
Madrid, 20. Sept. Die Meidungen vom Kriegs—
schauplatz enthalien noch immer nichts als fieberhaste Er—
wartung der kommenden Dinge und viele Konmentare,
aber nichts Positives. RNiemand weiß, wann die Opera—
tionen endlich beginnen, wohin sie führen und welche Trup—
pen teilnehmen. Die Divisionen Sotomayor und Tovarn
stehen scit einigen Tagen in Maarschbereitschaft.
Belgrad, 20. Sept. Offiziös werden alle Gerüchte
über angebliche Verhandlungen zwecks Aufnayme einer
Staatsanleihe mit dem Bemerken dementiert, daß
hierzu derzeit kein Anlaß vorliege.
Salonik, 20. Sept. Infolge des Bestrebens der
türkischen Frauenwelt, gewisse die Kleidung
im gesellschaftlichen Verkehr betrefsende religiöse Vorschris—
ten zu umgehen, hat die Regierung die Beobachtung der
heiligen Gesetze strengstens in Erinnerung gebracht und
die Polize: beauftragt, die Einhaltung derselben genau
zu überwachen. Der Eindruck dieser Verfügung bei den
türkischen Damen ist deprimierend.
New-York, 20. Sept Ernste politische Unruhen
werden aus Saltillo in Mexiko gemeldet. Der Pö—
bel warf die Fensier des österreichischen Konsulates ein
und versuchte die Haustür zu erorechen, wurde aber durch
das Militär vertrieben. — Banditen sprengten mit
Dynamit den Gepäckwagen eines Schnellzuges der Linie
Chicago —San Franzisko in der Nähe von Malta in Ka—
lifornien. Der Geldschrank blieb unversehrt und die
stäuber zogen ohne Beute ab—

Wien, 20. Sept. Der deutsche Reichskanzler oon Beth—
nann⸗Hollweg ist gestern abend von München kommend hier
eingetroffen. Er wird heute nach einer Konferenz mit
Aehrenthal von Kaiser Franz Joseph in Audienz empfangen
werden.
Stockholm, 21. Sept. Der offiziellen Rechnung zu—
folge umfaßte die Arbeitseinstetlung am' 16.
September 81 961 Personen beim Arvbeitgeberverband und
21 861 außerhalb dieses Bundes. 17 781 Mann haben
beim Arbertzebervervand in letzter Woche die Arbeit auf⸗
genommen. Der internationale Metallarbeiterverband hat
für den schwedischen Metallarbeiterverband eine Streikun—
terstützung von einer halben Milion Mark beschlossen. Die
Verhandlunzen zwischen dem Arbeitgeberverband und der
VLandesorganisation werden wahricheinlich einige Wochen
dauern.
Madrid, 21. Sept. Mit erregter Spannung erwar—
tet man hier die Nachrichten aus Melilla über die
offenbar bereits begonnene, in den Einzelheiten jedoch
noch undekannte großzügige Offensivaktion. DTas
größere Ungestum, mit dem die Riffleute die spanischen
Außenforts bedrängten, ließ erklennen, daß die Feinde
letzthin ansehnliche Verstärkungen seitens der Beni Sikar—
Leute, sowie aus der Gegend von Alhucemas erhalten.
New-York, 21. Sept. In Batile Harbour gewährte
Peanry zwanzig Korrespondenten ein längeres Inter—
v new. Ohne die Einzelheiten seiner Nordpolfahrt dar—
zulegen, wiederholte er, die Möglichkeit, daß ein früherer
Forscher den Pol erreicht habe, sei nicht ausgeschlossen,
ließz aoder dies nicht bezüglich Cooks gelten. Pearys
Erpedition fand Lagerstätten und Niederlagen der Ueber
reste von sieben Expeditionen.
            
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