Full text : Dudweiler Zeitung (22.1909)

19. 73 — — — 3
str. 219. 23. Jahrg — E — Dienstag 21. Sept. 09
GErscheint — “9— — 5 J JJ 3 — 7 Amnzeügemn
aglich mit Ausnahme A * 3833 — — — 41 — 6 zosten 10 4 pro bspaltia
der Sonn⸗ — —⏑ — 5—3 WMWAM 3 AI itzei
— — s6248 ——— Petitzeile.
— und Feiertage. — — g — — —— Tä auswärtige 15 4
— — — —
Abonnementsprieis
nonatlich 70 4 frei in's
Haus gebracht,
zel der Post bestellt A 2,25
vierteljãhrl. Fernsprech-⸗Anschluß Saarbrüchen Nr. 69. 259 269 u. 1261

Redaktion. Druch und Verlag von J. Unterkeller, Dudweiler.
ging plioßrtich verroren; mezß varauf starb seine Frau, eine
Schwester Lord Randolph Churchill und wenig später ver—
lor Lord Tweedmouth auch seine Mutter durch den Tod.
Zum Schluß eine Aneldote, die zeigt, daß Lord
Tweedmouth auch Sinn für Humor hatte: eines Tages
— Lord Tweedmouth war damals noch Herr Majori—
hanks — stand er in den Gängen des Unterhaules, als
hn zwei Amerikanerinnen ansprachen und ihn böflich
ragten, ob er ihnen wohl das Gebäude zeigen wolle.
Run schätzte Lord Tweedmouth alles Ameritanische sehr
—
damen mitzuteilen, daß er eigentlich nicht der rechte Mann
dazu sei, als Fremdenführer zu dienen. Mit großer Sach—
enntnis machte er sie auf alles Sehenswerte aufmerksam
und als die Damen sich dankend verabschiedeten, ließ er
ich ein Trinkgeld von einer halben Krone in die Hand
drücken! Diese halbe Krone hat Lord Tweedmouth spä—
ler einrahmen und über seinen Schreibtisch aufhängen lassen.
 Darunter steht der Tert: „Ehrlich erworben.“
——r. ——
2122 J 1475
Bolitische Rundschau. 3
Deutsches Reich. ——
*zDie „N. A. Z.“ schreibt: Nach einer Meldung eines
Herliner Blattes soll Staatssekretär Dernburg zweimal
n Hohenfinow beim Reichskanzler gewesen sein,.
ind' zwar soll es sich das eine Mal um einen Brief an
rine Eisenbahnfirma, das andere Mal um Differenzen mit
dem Reichsschatzamt wegen Verstaatlichung der Otawi⸗
»ahn gehandelt haben. Diese Angaben sind vollständig
inbegründet. Dernburg ist nur einmal in Hohenfinow ge—
vesen, um dem Reichskanzler auf dessen Wunsch Vortrag
iber den Stand der Angelegenheiten seines Ressorts zu
alten.
* Vorschläge zur Umgestaltung der Reichstagsdebat⸗
ten macht Dr. Arendt im „Tag“. Im Reichstag läßt
nan bekanntlich die einzelnen Parteien nach der Reihen—
olge und Stärke zu Wort kommen. Die Reden werden
»amit zu Parteierklärungen, und die Liste dieser Partei—
»rklärungen ist so lang, daß unter Hinzurechnung der
steden vom Bundesrat zumeist zwei Sitzungen erforder—
ich sind, um die „erste Garnitur“ zu erledigen. Dr. Arendt
nacht nun den Vorschlag, daß die Rednerliste nach der
Ztärke der Parteien verteilt wird. Die kleinen Gruppen
nüßten sich dann zusammentun und gemeinsam nachein—
der sprechen. Wenn auf je 50 Abgeordnete ein Redner
äme, so würde etwa eine Debatte umfassen: zwei Zen—
rumsredner, einen Sozialdemokraten, einen Nationallibe—
talen, einen Freisinnigen, einen Konservativen, einen
Zruppe der Rechten, einen Gruppe der Polen, Elsässer,
Dänen, Welfen — die Reihenfolge bestimmt der Präsi—
dent, die Reihenfolge innerhalb der Gruppen diese selbst.
* Die Gesamtzahl der Bestrafungen im ganzen deutschen
eiche für militärische Vergehen und Verbrechen be—
rug im Jahre 1908: 8980: 8980 gegen 8648 im Jahre
1907. Davon entsielen auf kriegsgerichtliche Bestrafungen
5764 (6876) und auf standgerichtliche 2260 (2272). We—
gen Mordes oder Totschlags wurden nur Z Mann verur—
eilt, ein Zeichen jür den hohen moralischen Stand unje—
er Soldaten. In Rußland z. B. wurden im vorigen
Jahre 875 Soldaten wegen Mordes oder mordähnlicher
VLerbrechen abgeurteilt und schuldig befunden. Gauz be—
onders bemerkenswert ist noch der Umstand, daß wegen
Feigheit im ganzen deutschen Heere nicht ein einziger
Mann besiraft werden brauchte. Sehr viele Vergehen be—
standen in Gehorsamsverweigerung unterer Miütärperso—
nen, die meist im berauschten Zustande erfolgten. Im all—
zemeinen ist das Bild, das sich aus der genauen Stati—
siit der Urteile in der Armee ergibt, ein hervorragend
günstiges, da die meisten Verurteilungen wegen recht leich—
rer Vergehen soldatischer Natur zu erfolgen hatten.
* In Sachen der Hofgängerei der sieben Schwea—
bein hat der württembergische Landtagsabgeordnete Dr.
Bindemann Etuttgart) an den Vorsitzenden des
Leipziger Parteitages folgende Zuschrift gerichtet: „Aus
der Presse sehe ich, daß von Beteiligten, deren Namen
aus dem Bericht nicht ersichtlich sind, eine Erklärung über
ihre Teilnahme an dem Ausflug des württembergi—
schen VLandtags nach Friedrichshafen auf dem Parteitage
Abgegeben worden ist. Ich hin dieser Ertlärung, sowie

Die Entdecker des Nordpols.
Peary ertlärte wiederholt, er werde seine Berichte
and Beobachtungen zurückhalten, bis Cook die sei—
nen veröffentlicht habe. Uebrigens sei es nicht unmög—
lich, daß eine andere Expedition über eine andere Route
den Nordpol erreichte, ohne daß er, Peary, das erfahren
habe. Mit letzterer Bemerkung verläßt Veary augenschein—
uch ieinen bisherigen Standbunis

daß er schon damals außerlich dem Zusammenbruche nahe
schien. Früher, so erzählt O'Connor, als Tweedmouth
roch im Unterhause war, fiel jedem sein energisches Ge—
icht auf, weil seine klaren Züge aussahen, als seien sie
ne Stein geschnitten; die lange Nase, die dunkle Haut
arbe, die duntlen Augen, der volle Mund, all das schien
auf eine Beimischung jüdischen Blutes hinzundeuten. Aber
im September vorigen Jahres war das kräfige Gesicht
verfallen, überall waren tiese Furchen eingegraben und
die Wangen waren von Hunderten von seinen Rillen
durchzogen, wie die Unterseite eines Blattes. Die Figur
war nicht mehr aufrecht und O'Connor vermißte an Lord
Tweedmouth den jugendlichen elastischen Schritt und die
kräftig⸗gufrechte Haltung früherer Jahre, lkurz, Lord Tweed—
moutte, war ein all müder Mar

Wie läßßt sich der Nordpol wissenschaftlich feststellen?
Was ist der Nordpol? Ist es eine gewisse Fläche,
oder kann man mit dem Finger auf eine Stelle deuten
und sagen: „Hier ist der geographische Nordpol?“ Und
wie weiß man es, daß und wann man ihn erreicht hat?
Zuteressante Fragen, zu denen der bekannte Astronom
und Geologe Prof. Dr. Marcuse die folgenden gemein—
verständlichen Aufklärungen gibt:
Es kommt vor allen Dingen darauf an, ob man sich
im Sommer oder Winter in der Polargegend befindet.
Setzen wir für den Astronomen günsligeren Fall, den der
Polarnacht — also vor dem Monat April — so wird es
dem Forscher verhältnismäßig ein leichtes sein, die Lage
des Nordpols zu bestimmen. Denn der nördliche Polar—⸗
stern steht nahezu 90 Grad über dem Pol. Der Punki
bedeutet aliso den Nordvol. von dem aus alle Geitirne
stets in gleicher Höhe bleiben. Das Entsfernen und das
Näherkommen, das Auf- und Untergehen der Gestirne ent—
sieht durch die Umdrehung der Erde. Dort aber, wo die
Erde sich nur um ihre eigene Axe dreht, alio am Nord—
pol, bleibt die Entfernung zwischen Sternen und Erde
stets dieselbe. Eine Ausnahme macht die Sonne, deren
Stellung sich wegen des Abstandes vom Aequator täglich
um ungefähr 20 Minuten ändert. Nach der Sonne muß
man sich richten, wenn man, wie Peary und Cool, seine
Stdien am Polartage betreibt. Hiersfür gibt es nun
verschiedene Instrumente, von denen der Sextant wohl
zum Transport sich am bequemsten eignet, dafür aber auch
das unsicherste Instrument ist. Cook hatte einen Sertan—
ten und einen Glashorizont mit. Dieser ist eine Glas—
scheibe, die genau wagerecht liegen muß, was durch eine
anzebrachte Wassermage erreicht wird. In dieser Scheibe
spiegelt sich die Sonne wider, und ihr Spiegelbild, durch
den Sertanten gesehen, ergibt die Möglichkeit der Berech
nung der Höhe vom Pol zur Sonne. Behält die Sonne
von einem gegebenen Punkte aus auf einige Stunden die—
selbe Höhe bei, so darf dieser Vunkt als Nordvol anae—
sehen werden.
Ob Peary und Cook gleichzeitig den Nordpol entdech
zaben könnten, ohne einander wahrzunehmen? Es is
aicht unmöglich. Der menschliche Sehkreis beträgt etwa
bis 8 Kilometer. Liegen irgendwo Eishügel dazwischen,
so können sehr gut zwei Menschen am Nordpol sein, ohne
die geringste Ahnung von einander zu haben. Das bringt
uns auf die Frage, ob der Nordpol ein feststehen—
der Punkt ist. Wohl kaum. Sollte unter dem Eise sich
feftes Land befinden — wir haben darüber noch nichts ge
hört — so ist es wahrscheinlich, daß man sagen tönnte:
in diesem Umfang von 16 Meter liegt der Nordpol. Denn
16 Meter beträgt der Unterschied in der Schwankung der
Erdache im Erdkörper. Also, 16 Meter Umfang wird
der Nordpol immer im besten Falle haben müssen. Liegt
unter dem Eise gar kein Land, so wird der Nordpol nie
jestgelegt werden können, da das Eis sich natürlich fort—
während perschiebt

CLoOrd Twee dmoot
Die Zeit, in der er sich im Parlament so ausgezeich—
net hatte, daß er als „Gladstones rechte Hand'“ oder, we—
gen seiner großen Geschicklichkeit im Zusammenbrinzen der
ür eine Abstimmung nötigen Anzahl von Stimmen „the
deal whip“ genannt wurde, liegt weit zurück, in den er
und in den er Jahren. Dem damaligen Mr. Marjori—
»anks war es selbst in den schwierigsten Fällen ein Leich—
es, die widersprechendsten Elemente seiner Parfei zusam—
nenzuhalten und zur einmütigen Abstimmung zu veran
assen. Bezeichnend für diese Fähigkeit ist ein Vorfall
aus dem Jahre 1894. Gliadstone war gerade zurückgetre—
en und unter den Liberalen hatte sich eine Partei gebil—
det. die Lord Rosebery als Premierminister ablehnte und
ain seiner Stelle Sir William Harcourt haben wollte. Der
städelsführer dieser kleinen Revolte war Labouchere. Er
hrachte es fertig, daß sich eine förmliche Deputation bil—⸗
dete, die bei Majoribans deswegen vorstellig wurde. Zu—
fätlig befand sich Herr Majoribanks außerhalb der Ab—
timmungstammer, als die Deputation bei ihm erschien
ind so wurde ein größeres Publikum Zeuge des Vorfal
es und sah, wie er, ohne durch das geringste Zucken sei—
ner Miene seine Ansicht zu verraten, die Rede der Depu—
tation anhörte. Der Sprecher der Deputation redete lange
iuf ihn ein und Herr Majoribanks lächelte nur. Sein Lä—
VYeln nahnr zu und wurde immer behaglicher und zum
Schruß konnte er mit bestem Gewissen sagen, er wolle die
Ansichten der Deputation an geeigneter Stelle vortragen,
»enn der schlaue Fuchs wußte sehr gut, daß inzwischen
ie Entscheidung bereits gefallen sein mußte. Kurz dar—
uf beschloß Lord Tweedmouth seine Tätigkeit im Unter—
ause. Zu derselben Zeit, als Lord Rosebery Premier—
zinister wurde, gerade als man lebhaft erörterte, was für
in Kabinert Herr Majoribanks in dem neuen Ministerium
bernehmen würde, starb sein Vater und er wurde zum
keer.
uebver den Grund des geistigen Zusammenbrechens
Lord Tweedmouth waren in England mancherlei Ge—
tüchte im Umlauf, und eins, das diesen Zusammenbruch
ruf schwere Schicksalsschläge mancherlei Art zurückführt.
dürfte wohl die Wahrheit treffen. Im Herbst 1908 wurde
dord Tweedmouth von schweren Geldverluslen getrofsfen;
ein Einkommen von 30—40 000 Pfund, das ihm seine
Anteile an einem aroßen Aktienunternehmen einbrachte

Zum Tode des Lords Tweedmouth.
Der Name des soeben verstorbenen Lord Tweedmout!h
war im WMärz vergangenen Jahres wegen seines Brief—
wechsels mit dem Deutschen Kaiser in Aller Munde, weil
der Privatkorrespondenz politische Bedeutung beigemessen
wurde. Im selben Jabhre vertauschte Lord Tweedmouth,
als Asquith Premierminister wurde, das Amt des Ersten
Lords der Admiralstät mit dem eines Lord President of
he Council, um im September desselben Jahres krank—
heitshalber vom öffentlichen Leben ganz zurückzutreten.
Damals hat der bekannte englische Parlamentarier O' Con—
nor den alten Lord Tweedmouthinterviewt und erzählt

C
Im Buchenhof
IESeine Augen, die vie Heue gewoynt sino, vermogen
nicht sofort die Dunkelheit zu durchdringen..“ In vdos
Dirndl ist bei dem Ruf plößlich Leben gekommen. Es
entzog sich den stütßenden Armen des Begleiters und woll
te vorwärts hasten. Aber eine sonderbare Schwäche in
den Gliedern machte den Gang der Sephi zu einem tau—
melnden, langfamen. Schluchzende Laute entrangen sich
ihren Lippen? Muatterl! Mer Muatterl!“
Der Alte stietz die Tür weit auf, weiche hinter ihm
zugefallen war. Geh' nur, geh' nur, Sepherl, sonst siehst
es nimmer!“ murmelte er mit schmerzlich zitternder Stim—
me, und dann sah er den jungen Burschen, der in der
Mitte des Flurs sland und der Sephi mil deim Bliae folg⸗
te. Auf seinen Holzpantoffeln schlurfte der Alt⸗ heran;
der auß den Flursteinen aujgestreute Sand knirschte laut.
Ja—, wer ist denn das?“ Und da der alte Mann im sel—
ben Augenblick die flimmernde, flirrende Guirlande er—
dblicte, welche den schwargen weichen irhut des Burschen
boträmigte, ligte er sicht selost vie drage beantnd ne
hinzu, Ilha, dist der Zubräuger von der Haheu
leicht mit der Sepherl hergegangen, daß der arme Hascher
nicht allein gewefen isn⸗ .
e. Der Ferdl nict. „Meil, das Dirndl! Ganz weg
ists auf halbem Weg, und ich hab' sie hertragen müssen
Wie sieht's deun drinnen? Liegt sie denn wirklich im
Sterben, d'Bauerin⸗
Trübselig schaute ihn der alte Mann an. Ja, ja,
unser Herrgolt hat s lieber wie wir und will sie zu ihm
nehmen!. Der Schlag hat sie geiroffen, und dot einer
Stund' hal der Bader gesagt, es gäb' keine Hilf mehr.
Jetzt liegt sie Vnr in den letzten Zügen. Mei', o mei',
so ein gäher Todesfall, der agt einem ins Blut einen
gregen daß 's Herz schier nimmer schlagen mag! Me
ei!⸗
Und seufzend, stöhnend wandte sich der Alte um und
Qlurtte der Stubentür zu; nach wenigen Schritten aber
lieb er wieder stehen und fragte, ohne sich umzusehen:
Behst leicht gleich wieder zurige Ider nnt nen
n die Stuben? Wie Du willst!“
mentschlossen, zögornd versetzte der Ferdl— Möcht
in wenig warten!“ Es war ihm plötzlich, als
ie Sterbende ihn recht nahe an, als wure sie eine
Ate yon inhn &WVe — ota —*

wer Duftzug von der halb offen stehenden Haustür
hob die weißzen Haare des alten Nannes, daß sie wirr
um den Kopf flogen, und trieb mit dem Licht sein Spiel,
als wolle er es auslöschen. Rasch schützte der Alte mit
der Rechten die Flamme. „Wart nur, wart' nurLeicht
erwartest den Geistlichen, um den wir geschidt haben we—⸗
gzen der letzten Oelung. Nachher erhälist den Segen und
lannst mitbeten für die arme Seell Komm nur!“
In der Wohnstube drinnen stellte der Alte das Licht
Ruf den großen, viereckigen Eichentisch, nahm dann einen
Stuhl mit beiden Händen auf und trug densfelben zu
dem mächtig großen, braunen Kachelofen hin. „Da, iß
Dich nieder,“ raunte er. Wenn der geistlich/ Herr kommt,
aachher wird eh' die Sstuben voller NRachbarsleut'. die
nitbeten wollen“

„Muüußt mich schon geraten yeut, sagte er. Ich
'omm' von einer Sterbenden; da mag ich nimmer Tan—⸗
zen heut und geh', lieber heim. So ein Zuschauen, wenn
eins stirbt, das nimmt einem alle Lustigkeit.“
Ja, ist 'leicht gar beim Oberleitner wer im Sterben?
ragten einige, die gesehen hatten, wie die Seyhi gebolt
worden war.
„Freilich, die Bäuerin selber. Der Schlag hat sie
getroffen.“ Und langsam wandte sich der Ferdl ab und
zing zu seinen Eltern hinein in die andere Ide brachte
hnen gleichfalls die trübe Nachricht und bat, heimzusah⸗
en. Daß über des Buchenhofers Gesicht ein merkliches
Zucen lief und die Buchenhoferin völlig blaß geworden
var bei der Anhörung der Botschaft, das bemerkte weder
»er Ferdl, noch sonst ein anderes von den Gästen. Es
atte eben niemand acht auf die beiden, da man von der
chmerzlichen Kunde zu sehr überrascht worden. Und der
Ferdl. der hatte mit sich selber zu schaffen.
Der nächste Tag war beinahe vergangen. Die Bu—
henhoferin saß am Fenster in der Wohnsiübe und mute
ich, trotz der Dämmerung, die sich schon hereinschlich zu
»en kleinen Scheiben, noch recht schöné, kleine Stiche X
nachen an dem Flicen, den sie ca die Achsel eines wei—
zen Linnenhemdes setzte.
Der Bauer aber saß am Tisch und rechnete dobei auf
einer leeren Seite des Kalenders aus, ie viel der Acke
fosten würde, welchen sie demnächst vom Nachbar Hubinger
'aufen wollten, da das Grundstüdk diesem fseil war dus
Beldnot. „Es macht sich schier, daß wir genug haben mit
»ie zweihundert Gulden, die wir im Kasiten drinnen kie—
gen haben, „agte er zuletzt. „Wird sich gerad' ergehen!
da ja, und bis wir wieder Geld brauchen zu was aude—
tem,. derweilen fließt wieder wo eins zu.“
„Derweilen werden die zwei Kalbeln zum Verkaufen,.“
neinte die Franzi kurzhin und nähte eifrig weiter.
Da stampfte eins vor der Türschwelle draußen den
Zchnee oder Schmutz von den Schuhen, und dann kam
er Ferdl herein. Er trug seine Pelzmütze in der Hand,
eine Schneeflöckchen hingen noch daran, die nun weil
imher im Zimmer flogen, als er die Mütze nun kräftig
sin und her schwang. „So ein Wetter!“ * er hervor
nd hblies die Tropfen von eruee Jn —

ODa saß denn der 8 geraume zehn Minuten auf
dem Etuhl, hatte die Hände im Schoß gefaltet und be⸗
tete mit murmelnden Lippen für die Slerbende. Von
er Kammer nebenan drang halb unterdrücktes Schluchzen
yerüber, dve der kämpfenden Brust der Serdendenn
 und das schhete Atmen eines Mannes. Moanmal
erklang auch die Stimme des alten Mannes tiesbewe und
zugleich sanft zuredend: Schau, unser Herrgott hats
halt lieber wie wir — mußt Dir denken!“ Ift eine gute
Seel' von einem Leut' gewesen, eine brave Vuatter; die
kommt ganz gewiß in den Himmel. Sie hat ihn schon
derdient mit ihrer Gutheit und Barmherzigkeit— vrgönn⸗
ihn De Schau, dableiben darf halt leines, unser Herr⸗
Jott mill auch was haben von unsl“
Der Ferdl siand plötzlich auf, er hielt es nicht mehr
aus da; in sein Gemüt war ein Bangen gekommen —
einmal kam ja auch für ihn die Zeit, wo seine Mutter
don ihm ging, seine liebe, gute Mutter! Und das Ban—
gen seines Herzens wurde so groß, so mächtig, zu einer
ihn aufjagenden Angst — er mußte zur Mutter, mußte
ehen, daß sie jetzt noch gesund aussah. Leise, auf den
Fußspitzen schlich er hinaus.
Beim „Löwen“ empfing man ihn mit lautem Zurufen
wo er denn so lange geblieben. Aber die meisten erkann—
en doch gleich an seinem traurig schauenden Gesicht, daß
twas Ernstes hn ferngehalten. Er ging auf den Bräu—
igam zu, der inmitten des Saales stand, einen Arm
im die Braut gelegat. bereit 2um
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.