Full text : Dudweiler Zeitung

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NANittmoen, den 6. Annnnunar 1989.

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Mit Beilagen: „elletristische Wochenschrift“ und
„Lustige Blätter“.

Allgemeiner Anzeiger für den Zürgermeislereibezir!
Zudweiler.
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nannementspreis
monatlich 70 Pfs. frei ins Haus gebracht; bei der Pof
bestellt M. 2.75 vierteljährlich.
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Die „Dudweiler Zeirung“ erscheint taglich mit Ausnahme der Sonn⸗
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in Dudweiler.

Serbische Heißsporne
In den Parlamenten ist es gewöhnlich ein sogenann⸗
er „großer Tag“, wenn der Minister des Aeußern ein—
nal den Schleier von der auswärtigen Politik lüftet und
lustunft auf neugierige Fragen der Parlamentarier gibt.
dürzlich erst hat der russische Minister des Aeußern, Herr
Iswolsli, mit vielen Worten die Stellung seiner Regie—
rung zu den schwebenden internationalen Fragen behan⸗
»elt und so geschickt laviert, daß man nach der mehrsflün—
digen Rede doch nicht viel klüger war als vorher. An—⸗
ders ist das bei dem kleinen Serbenland. Milowano—
vitsch, der serbische Minister des Auswärtigen, scheint
gon dieser Diplomatenkunst nichts zu wissen oder nichs
wissen zu wollen, denn in seiner Skupschtinarede hat er
allzu deutlich mit Bezug auf die Annexionsfrage gegen
ODesterreich-Ungarn losgeschlagen. Man ist seit dem Aus⸗
zruche der Valkankrise schon daran gewöhnt, daß serbi—⸗
sche Fanatiker das Serbenvolk gegen Oesierreich -Ungarn
mifhetzen und auch der verrückte Kronprinz hat vurch
manche Kraftausdrücke diesen Haß zu schüren gesucht und
ogar offen zum Kriege aufgefordert. Im Auslande legt
man den Taten des Kronprinzes schon lange keine Be—
deutung mehr bei, und als die sexbische Regierung auf
die Vorstellungen des österreichischen Botschafters auch
eine diesbezügliche Erklärung abgab, hat man sich in
Wien um des lieben Friedens willen zufrieden gegeben.
Anders liegt der Fall jetzt. Milowanowiisch hat sich als
bertreter der Regierung in der Skupschtina in seiner Rede
oweit vorgewagt, zu behaupten, Oesterreich Ungarn habe
das Volk zweier serbischen Länder 43u
Zklavengemacht.
In Wien ist man wegen dieser offenen Herausforde⸗
rung nicht wenig verstimmt, und man muß es der Frie⸗
densliebe der Donau-Monarchie zugutehalten, daß sie die—
en Zwischenfall auf diplomatischem Wege zu regeln
ucht. Der österreichische Botschaster in Belgrad wurde
elegraphisch angewiesen, bei Milowanowitsch vorstellig
u werden und ihn zu fragen, ob der veröffentlichte Text
einer Rede richtig sei, und jalls er dies zugibt, eine
ntschuldigung von ihm zu verlangen. Weigert
Milowanowitsch sich, so wird Oesterreich⸗ Ungarn seinen
botschafter sofort abberufen und die diploma⸗
ischen Beziehungen mit Serben abbrechen.
Wie sich die serbische Regierung zu der Forderung
Desterreich Ungarns siellen wird, ist noch nicht bekannti.
enn sie es ablehnt, sich mit der österreichischen Regie—
eung auf friedlichem Wege zu einigen, so wird Oesier⸗
ceich-Ungarn, wenn alle Ermahnungen fruchtlos bleiben,
wohl am Ende nichts übrig bleiben, als Serbien den
Krieg zu erklären, denn eine derartige Provokation kann
Desterreich- AUngarn nicht ohne Sühne hinnehmen. Man
vürde ihm das in Belgrad als Schwäche auslegen und
den Hetzern würde der Boden zu weiteren Schmähreden
jeebnet. Die Machinationen Serbiens im Verein mit
Nontenegro sind denn auch geradezu unerhört. Man sollie
ich doch endlich einmal darüber tlar werden, daß man
amit nicht wetter kommt. im Gegenteil, daß die mit

hnen sympathisierenden Maächte sich nach und nach ganz⸗
ich zurückziehen. Ob die Forderungen Serbiens und
Nontenegro auf Entschädigung für die Annexion gerecht
ind, wird auf der Konferenz eingehend zu prüfen fein
ind geprüft werden. Die serbischen Heißsporne sollten
ich doch gedulden, bis diese Konferenz zusammengetreten
st, vorläufig ist ja noch völlig unbekannt, ob Oester⸗
eich Ungarn nicht doch einlenken wird. die österreichische
Monarchie wird wohl die allerletzte sein, die berechtigte
Insprüche nicht gelten lafsen wird Aber der Hase läufft
inders, man möchte in Serbien die Annexion überhaupi
»erhindern, und die beiden Provinzen mit Montenegro
ind Serbien zu einem „Großserbien“ vereinigen. Doch
»aß dieser Plan nicht gelingen wird, bedarf keiner wei.
eren Erwägung. Denn wo sollte das hinführen, wenn
er blutbesleckte serbische Thron auf dem Balkan zur Ue⸗
ermacht gelangen fsollte. Es würde wohl überhaupt kei—
ien Frieden zwischen den Ballanlandern' mehr geben

———
vurf leide an Schematismus und Formalismus Eint
seorganisation des Strasprozesses stehe in engstem u
ammenhang mit einer durchgreifenden Reorganisation des
Beamtentums, vor der die Regierung sich scheue. Tie
sichter müßten von den untergeordneten, laͤstig empfun—
denen Schreibarbeiten befreit und die inquisitorischen Mo—
nente des Strafverfahrens beseitigt werden. Die Beruß⸗
ing könnte ausgeschlossen werden. sofern es sich nur un
zie Straszumessung handele

Politische RNundschau
Deutsches Reich.
Wtan will in eingeweihten Kreisen wissen, daß nach
einer Verfügung des Kaisers am Hofe zum
Sparen angehalten worden ist. Diese Sparsamkeit soll
auptsächlich bei den diesjährigen Reisen des Kaisers zur
sSeltung kommen, auch der Aufenthalt des Monarchen in
»em für den kaiserlichen Haushalt viel billigeren Schloß
in Potsdam, desgleichen die beschränkten Hofbälle in
Berlin stehen damit in Zusammenhang. Daß ein Verkauf
der für die kaiserliche Schatulle unrentablen Schlösser in
Erwägung gezogen ist, wird ebensowenig bestritten, wie
es Tatsache ist, daß die Zivilliste des Kaisers für die
Aufwendungen der zahlreichen Familie nicht genügt. Ta
zine Erhöhung der Zivilliste vom Kaiser nicht erstrebt
wird, sollen größere Aufwendungen am Hofe einstweilen
nach Kräften vermieden werden. Auch am kronprinzlichen
Hofe wird augenblicklich demselben Prinzip gehuldigt; der
unterbliebene Schloßneubau in Neu-Babelsberg ist wohl
hierbei die einschneidendste Maßregel gewesen — Wenn
auch die fürsilichen Familien das kun, was alle gutbur—
gerlichen Familien tun müssen — nämlich sich nach der
Decke strecken — so macht das jedenfalls einen besseren
Andruch, als wenn sie die Kunst des Hausheltens nicht
1110 8

Das offizielle Wiener „Fremdenblatt“ veröffentlicht
ereits einen scharfen Artikel gegen die herausfordernde
stede und sagt, Milowanowitsch werde sich darüber auf
iplomatischem Wege zu äußern haben. Das Verlangen,
daß Bosnien und die Herzegowina die volle, oder we—
nigstens die halbe Souveräntät unter der Kontrolle Eu—
epas erhalten, müsse mit größter Entschiedenheit zurück—
ewiesen werden. Die Kabinetle seien bereits davon un—
errichtet, daß die Monarchie eine Erörterung dieses
bunktes weder vor noch auf der Konferenz zugeben werde.
Veitere Enttäuschungen würden den leitenden serbischen
bolitikern noch beschieden sein, und schwere Tage seien
ür Serbien unausbleiblich, wenn in Belgrad nicht bvald
iin aründlicher Umschwung der Geister eintrete

Kriminalistische Vereingung
Oie Internationale kriminalistische Vereinigung tral
n Berlin zu einer außerordentlichen Tagung unter dem
oErsitze des Unterstaatsselretärs z. D. von Mahr zusam⸗
nen. Reichs- und Landesbehörden hatten Vertreter ge—
endt. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden er—
attete der Landgerichtsdireltor a. D. Aschrott das Gene—
alreferat über den Entwurf zur Strasprozeßordnung und
etonte, daß eine Resorm unserer Strafjuftiz im großen
Zztile nur möglich sei, wenn das Strafrecht und der
oceß einheitlich neugeordnet würden.
Prof. von Liszt erkannte als zweiter Generalre—
erent an, daß der Regierungsentwurf große Verbesserun—
zen bringe, insbesondere auf dem Gebiete des Verfah—
ens gegen Jugendliche. Die Zustimmung sei jedoch ab⸗
ängig von der Erfüllung von drei Hauptforderungen:
dinzuziehung von Laien in die Berufungsinftanzen, völ—
ge Selbständigkeit des Hauptverfahrens gegenüber dem
Lorverfahren, Aufrechterhaltung des jetzt geltenden Le—
glitätsprinzips. Die Forderung eines Spezialgesetzes für
Irgendliche sei aufrecht zu erhalten. Die Novelle zum
Atrafgeseßbuch müsse ein Kindergesetz enthalten. Oberbür—
ermeister Adiscke s (Frankfurt a. M.), meinte, der Enut

*Am 10. und 17. VDezember ist üuber die Bildung
on Zwechverbänden für den Ausbau des Fahr⸗
vwossers der Weser und Elbe unter Zuhilfenahme der
Mittel, die durch Erhebung von Schiffahrtsabgaben flüs—
ig gemacht werden könnten, verhandelt worden Die Be—
prechungen, an denen amtliche Stellen und beteiligte
dreise teilgenommen haben, haben zur Klärung der in
Betracht kommenden technischen und wirtschafilschen Fra—
gen wesentlich beigetragen.
* Das württembergische Kultusssministerium
hat in einem Erlaßz sämtliche Behörden und Anstalten
des Königreiches erneut auf möglichst weitgehende Ver—
einfachung des Geschäftsganges und insbesondere
auf, die Verminderung des Schreibwerkes hingewiesen.
Dobei sollen alle nur entbehrlichen Fremdwörter ver
mieden und ebenso überflüssige Höflichkeitsbezeugungen
weggelassen werden. Von den mechanischen Hilfsmitteln
zur Vereinfachung des Schreibwerkes soll möglichst aus⸗
giebiger Gebrauch gemacht werden. Neben gründlicher
und pünktlicher Behandlung der Geschäfte soll namentlin
für rasche Erledigung Sorde getragen werden

24 Der letzte BRest meines Lagers
in Damen-Confektion wird ohne Rücksicht auf Wert in nachstehenden Serien verkauft:

Lilder- Paletots *it Due
HamedPaletots I ge
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Costünn Röchb 3 93

Ein Umtausch der Artjkel kann nicht stattfinden. ⸗
Jossseph Leoy we., PDudweller Markt.

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