im Dienst der Armen und Bedürftigen,
Viel Dank, auch manchmal Undank, wie’s im Leben geht,
ward eingeheimst; und nicht immer
war dornenlos der Weg, den sie gegangen.
Doch gradaus ging ihr Pfad und Unrecht
kannt nicht ihr treuer edler Sinn.
Wie oftmal galt zu trocknen es
der Witwen und der Waisen Tränen!
Wie oft ist sie zur Stätte großer Not
gepilgert, stets mit offner Hand,
Und wenn am heil’sen Abend dann
im liebgewordnen Raum der Kleinen
des Weihnachtsbaumes hehre Pracht entflammt:
Wie glänzte da ihr Auge stets in Rührung,
wenn in die lieben Kinderaugen sie geblickt!
Glücksgüter warf ein gütiges Geschick ihr in den Schoß,
sie nützte ehrenvoll die ihr gewordnen Pfunde:
im Lindern andrer Nöte war sie groß,
Barmherzigkeit geübt hat sie zu jeder Stunde
und wohl mit Stolz kann ich es frei bekennen:
Daß diese Stadt sie darf die „Unsre’‘ nennen.
Und als am 3. Mai 1911 das vom Frauenverein errichtete
neue Vereinshaus (Ecke Jahn- und Dörrhorststraße)
eingeweiht wurde, da war sie zwar nicht mehr
unter den Lebenden, aber daß das Gedächtnis an ihr
Wesen und Wirken immer noch fortlebte, dafür zeugten
die Worte der damaligen 1, Vorsitzenden, Frau Regierungsrat
Matheus: „Ein Name muß genannt werden in
dieser Weihestunde: Anna Röchling. Dieser unserer verewigten
Wohltäterin verdanken wir das alte Heim, ihr
verdanken wir auch das neue, das in der Hauptsache
durch den Erlös des alten erstellt wurde. In tiefster
Dankbarkeit wollen wir heute ihrer gedenken und es soll
ihr Sinn für Wohltätigkeit, ihr Geist der Menschenliebe
eine dauernde Stätte finden unter diesem Dache.‘
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