beruhenden bürgerlichen Patrizierstolz alles Parvenühafte
zuwider. Ihr Haus war ihre Welt. In weiteren 6 Jahren
schenkte sie noch 3 Kindern das Leben, einer Tochter,
Mathilde, und zwei Söhnen, Rudolf und Heinrich.
Der Haushalt vergrößerte sich immer mehr, neue Räume
wurden nötig, auch für das Dienstpersonal, Denn zu der alten
treuen Kathel, die 36 Jahre lang mit fester Hand und kräftiger
Stimme in der Kinderstube und im Hauswesen
schaltete und waltete, gesellte sich noch ein Hausmädchen
und, solange es nötig war, eine Amme und schließlich
auch noch ein Diener, der des Hausherrn Reitpferd zu versorgen
hatte,
Neue Aufgaben brachte der deutsch-französische
Krieg, den Frau Anna mit glühendem Patriotismus durchlebte.
Gleich am Anfang nahm sie zu ihren 5 Kindern
noch 4 Neffen ins Haus, die ihr Gatte von Saarbrücken geholt
hatte, wo in jenen Tagen die ersten kriegerischen Ereignisse
sich abspielten. Dann und wann nahm man auch
Offiziere, die ins Feld zogen oder von dort kamen, ins
Quartier und beteiligte sich mit größtem Eifer an all den
neu entstandenen Hilfsorganisationen. Die durchziehenden
Truppen wurden verpflegt, Verbandzeug hergestellt
und ein Lazarett wurde errichtet, in dem Frau Anna Röchling
sich mit solch herzlicher Teilnahme und Hilfsbereitschaft
um die Verwundeten annahm, daß sie mit einigen
von ihnen noch 30 Jahre später in Briefwechsel stand, Sie
schreibt im Rückblick auf die Kriegszeit: „Ich glaube, in
jener Zeit hatte man doppelte Kräfte, man konnte leisten,
was von einem verlangt wurde‘ — eine Erfahrung, die unzählige
Frauen in noch gesteigertem Maße während des
Weltkrieges gemacht haben. —
Nachdem die Kinder über die ersten Lebensjahre
hinausgewachsen waren, konnte auch das gesellschaftliche
Leben mehr als früher zu seinem Rechte kommen. Frau
Anna Röchling erzählt: „Von 1870 an bis 1874 versammelten
wir jeden Dienstag einen Kreis von Bekannten mit
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