Full text : Das Haus Röchling in Ludwigshafen a. Rh. 1849-1929

so erhalten wir damit ein ungefähres Bild seiner vielseitigen
 öffentlichen und gemeinnützigen Wirksamkeit, die
er neben seiner leitenden Tätigkeit im Handelshause
Schmidtborn & Co. entfaltete.
Im Verkehr hielt er auf gute Formen, in seiner gepflegten
 äußeren Erscheinung mit seinem weltoffenen Blick
und seinem früh ergrauten Vollbarte war er ein Repräsentant
 des gediegenen und selbstbewußten Kaufmannsstandes,
 Gern suchte er auch mit dem ihm befreundeten
Engelbert Klingenburg geselligen Verkehr auf und weilte
in den Abendstunden oft in der damals auch von den Mannheimern
 vielbesuchten Heimschen Wirtschaft (Ecke
Kaiser-Wilhelm- und Maxstraße) mit dem rebenumsponnenen
 Garten, Er war ein leidenschaftlicher Raucher
schwerer Zigarren, Dadurch hat er wohl auch seiner sonst
kräftigen Gesundheit geschadet. Ein Lungenleiden zwang
ihn, den Winter 1876—1877 in Mentone zu verbringen. Im
Neujahrsbrief an seinen Bruder Theodor konnte er von dort
aus melden, der Arzt habe bei seiner letzten Untersuchung
festgestellt, daß die Wunde an seiner rechten Lungenspitze
beinahe ganz vernarbt sei und die Lunge selbst nach und
nach wieder in ihren normalen Zustand gelange, ‚Ich darf
somit hoffen — so fährt er im Briefe fort —, daß durch den
ferneren Aufenthalt im Süden die Sache an der Lunge vollständig
 ausheile und ich im Frühjahr mit einer völlig
wiederhergestellten Gesundheit nach Hause zurückkehre,”
Seine Hoffnung sollte sich nicht erfüllen, er durfte den
Frühling nicht mehr in der Heimat verleben. Am 9. April
1877 verschied er auf der Rückreise in Lugano, 3 Tage
nach Vollendung seines 52, Lebensjahres,
Wir kehren nochmals in das Jahr 1853 zurück, um
auch den Lebensgang von Ernst Röchlings Gattin Anna
geb. Schultz von da an weiter zu verfolgen. Ihr Stolz und
ihre Freude war von Anfang an ihr Haus und ihre Familie,
Die Sorge für ihre Haushaltung, für den Gatten, die Kinder
und Kindeskinder war für sie Lebenszweck und Inhalt,

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