Full text : Das Haus Röchling in Ludwigshafen a. Rh. 1849-1929

lernte, imponierte ihr besonders auch Alwine Vopelius —
die spätere Gattin ihres Schwagers Karl Röchling — durch
ihre elegante Erscheinung,
Nach achttägigem Aufenthalt kehrte das Brautpaar
nach Mannheim zurück, „Nachdem nun in den folgenden
Monaten die Ausstattung fertig genäht wurde, konnte man
daran denken, zur Hochzeit zu schreiten. Die Braut mußte
nämlich die Wäsche selbst schneiden helfen, wenn auch
nicht selbst nähen. Alles wurde sechsdutzendweise angeschafft.
 Die Brautwäsche war ein Fest. Der alte
Kutscher fuhr sie mit Schimmeln auf dem bekränzten
Leiterwagen, obenauf die alte Jägern mit den Waschfrauen,
 von der Bleiche nach Hause, Man baute mir das
Reisekleid, einen bunten Wollmousseline, das vorn gleich
den jetzigen Dienstbotenkleidern geschlossen wurde. Zu
meinem Geburtstage hatte mir Ernst einen prachtvollen
Brillantschmuck geschenkt, die Schwiegermutter Brüsseler
Spitzen zum Kleid und das passende Taschentuch mit
Stickereispitzen, Ich hatte nie solche Schätze besessen.
Die Eltern schenkten das Silber und selbstgesponnenes
Tisch- und Bettzeug, Herr Schmidtborn die silbernen
Kannen, Mein Tisch mit all den Geschenken wurde allgemein
 angestaunt, und doch wie bescheiden war alles
gegen jetzt! Ich glaube aber kaum, daß eine Braut jetzt
so entzückt von ihren Schätzen ist, wie ich es damals war.
Denn der Haushalt meiner Mutter war sehr bescheiden,”
Die Trauung wurde am 7, Juni 1853 im großen Saale
des Europäischen Hofes gefeiert. Ein Onkel der Braut,
Kirchenrat und Stadipfarrer Karl Schultz von Wiesbaden,
hielt die Traurede mit der Mahnung, das Haus nicht auf
Sand, sondern auf den Herrn zu bauen.
Nach tränenreichem Abschiede fuhr das junge Hochzeitspaar
 nach Karlsruhe und von dort mit dem Postwagen
nach Stuttgart und Regensburg und dann mit dem Dampfer
in dreitägiger Fahrt nach Wien, Diese Stadt war der
jungen Frau von ihrem Großvater in so herrlichen Farben

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