in Mannheim mehr die süddeutsche Gemütlichkeit, die bei
all ihrem regen Geschäftssinnn und ihren vielseitigen
geistigen Bestrebungen sich gern auf das eigene Heim beschränkt
und in ihm sich wohl fühlt, und dort in Saarbrücken
die straffe preußische Zucht, die darauf ausgeht,
durch intensivste Arbeit die Welt auch wirtschaftlich zu
erobern,
„Nachdem nun der notwendige weiße Brauthut, der
Longue Shawl, ein Geschenk des Bräutigams, und ein
neues blaues Kaschmirkleid beschafft waren, dampften
wir ab in uns ganz unbekannte Gegenden, 13 Tunnels
mußten wir durchfahren sowie die Wasserscheide bei
Dudweiler passieren, Wir staunten auf der Fahrt Neunkirchen,
die Werke Stumms, und die Koksöfen von De
Wendel an, die Glashütten von Sulzbach und Friedrichstal,
alles Dinge, die mir fremd waren. In Saarbrücken war ein
Schuppen, der als Bahnhof diente, Dort standen die alten
Eltern, der Vater war 79, sowie der Vetter Theodor, um
uns zu empfangen, Es war rührend, wie sie es taten. Der
einzige Kutscher, Haßler, fuhr uns in die Stadt. Mannheim
war dagegen eine Großstadt, Die Eltern fürchteten,
ich sei dementsprechend erzogen und voller Ansprüche.
Dem war Gott sei Dank nicht so, und ich danke es heute
noch meiner Mutter und Großmutter, daß sie mich einfach
und praktisch erzogen, Ich gewann mir auch rasch die
Zuneigung der Schwiegermutter und fand mich in den
Jahren, die ich das Glück hatte, sie zu besitzen, immer
mehr mit ihr verwandt und lernte unendlich viel von ihr,
da sie sich gerne mit mir besprach. So kam es auch, daß
ich ganz in der Familie Röchling aufsing und die manchen
kleinen Züge in deren Leben aufnahm.“
Es folgten die üblichen Besuche in der weit ausgedehnten
Verwandtschaft der Röchlingschen Familie, wobei
es der Braut auffiel, daß die Saarbrücker Damen sich
nach französischer Mode mit gesteckten Locken und
Bonnetmonte trugen. Von den Damen, die sie kennen
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