sein mußte, daß es zu Gewalttätigkeiten und Plünderungen
kommen könnte, da flüchteten zuerst die Großeltern mit
den Wertpapieren nach Mainz. Anna blieb mit ihrer
Mutter noch in Mannheim, jedoch bei all dem Tumult und
den Schreckensnachrichten, die sich in der Stadt verbreiteten,
fühlten sie sich dort nicht mehr sicher. Mutter
Babette schreibt am 14. Mai 1849 an ihre Cousine Marie
Michel in Mainz: „Es ist einem zu Muthe, als hätte man
eine tüchtige Ohrfeige gekriegt, von der man noch nicht wieder
zur Besinnung gekommen ist. Lebe wohl, wie und wann
wir uns sehen werden, weiß Gott. Das einzige ist jetzt,
den Muth nicht zu verlieren,‘“ So sind denn auch Mutter
und Tochter über die schlimmste Zeit von Mitte Mai bis
gegen Ende Juni 1849 nach Mainz ausgerückt. Als sie
zurückkamen, war die Revolution niedergeschlagen und in
Mannheim die Ruhe wieder hergestellt, Bald darauf brach
in Mannheim die Cholera aus. Diese Epidemie, die vom
August bis zum Oktober währte, war die Veranlassung
dazu, daß Frau Babette Schultz zusammen mit Frau Luise
Küchler und Fräulein Zeroni, die nachher lange Jahre die
Präsidentinnenstelle versah, den ersten Frauenverein in
Mannheim gründete. Anna Schultz erzählt darüber: „Bei
Hofrat Zeroni wurde täglich Suppe gekocht und Kalbsbraten
gebraten und wir Töchter hatten die Verteilung zu
besorgen. Bei meiner Mutter war täglich um drei Uhr
Sitzung, die Schwestern holten Weißzeug ab, das bei uns
als Geschenk eingelaufen war, wir flickten alte Decken
oder ordneten Kinderzeug u. a. Furcht hatte niemand von
uns, obgleich z, B, Frau Küchler selbst die Kranken besuchte,
Sie war eine ganz hervorragende Frau und starb
nach einem segensreichen Leben in hohem Alter.“
Im Winter 1850—51 lernte Anna Schultz bei einem Ball
ihren künftigen Ehegatten, Ernst Röchling, kennen.
Dieser war durch seinen Onkel Karl Röchling in die Mannheimer
Gesellschaft eingeführt worden. Karl Röchling
war der jüngste Bruder des Geheimen Sanitätsrats Dr.
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