bleibt mir unvergeßlich. Ich war aus Rand und Band und
opferte aus meiner Sparbüchse 5 Gulden, um Jenny Lind
nochmals zu hören; das erste Billett war mir geschenkt
worden.“
Dieses froh bewegte Leben der Jugendzeit wurde
noch bereichert durch größere Reisen, die sie zu ihrem
Onkel, dem Rentamtmann Bell in Cronberg bei Mainz
unternahm oder zum Kuraufenthalt nach Ostende oder in
die Schweiz nach Mürren oder später im Sommer 1850
nach Frankfurt, von dort mit der Post nach München und
dann in einem sog. Hauderer, einem großen Wagen mit
6 Sitzen, zu 10 Gulden im Tag nach Bad Kreuth, Achensee,
Innsbruck, Landeck, Meran und Bozen. Sie war damals
begleitet von ihrer Mutter und 4 Verwandten, Diese Reise,
für welche die Frauen mit Regenmänteln und großen
Capothüten versehen waren, die zum Schutz gegen die
Sonne ein großes Vordach aus blauer Seide hatten, war in
jener Zeit mit mancherlei Beschwernissen, aber auch mit
lustigen Zwischenfällen verbunden,
Inzwischen hatte in Mannheim die Revolution ihre
hohen und drohenden Wogen geworfen. Mit welch glühendem
Eifer gerade auch die Frauen alle Vorgänge verfolgten,
wie warm ihre Herzen für die Sache der Freiheit
schlugen, wie sehr ihnen aber auch alle Zügellosigkeit verhaßt
war, davon zeugen die Briefe, welche die Frauen des
Hauses Reinhardt — die Großmutter, die Mutter Babette
und die damals 18jährige Anna — unter dem unmittelbaren
Eindruck der Geschehnisse geschrieben haben und die in
den Mannheimer Geschichtsblättern (8. Jahrgang November
1907) veröffentlicht worden sind.
Anfangs nahm man die Dinge nicht so tragisch, Die
Mutter Babette meinte, das Volk wolle eben jeden Tag
sein „Crawallchen‘ haben, aber als dann die Ereignisse
sich überstürzten, als man heute nicht wußte, was morgen
sein, wer die Macht in den Händen haben wird, als die
Unsicherheit immer größer wurde und man darauf gefaßt
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