sehr stark angewachsen. „Wir hatten Wäsche für ein
halbes Jahr und es waren oft 300 Servietten und 70
Herrenhemden mit gefälteten Brusteinsätzen zu bügeln.
Vier Büglerinnen, 2 Dienstmädchen, meine Mutter, die
Großmutter sowie der Kutscher, der die Mange drehte,
hatten 3 Tage feste Arbeit, bis dieses Fest beendet war.”
Hatte die Wäsche am Montag begonnen, so gings am
Donnerstag zur Bleiche auf die Mühlau. Am Freitag kam
die Hausfrau selbst dorthin zum Stärken und Recken der
Wäsche, War die Wäsche gebügelt, so wurde sie in den
Schrank gesetzt, und es war für Anna eine große Ehre,
wenn sie dies besorgen durfte, Aber es gab auch Tadel
von der Großmutter, wenn nicht jedes Stück genau auf
dem anderen saß und das Ganze nicht gut gebunden war,
Im Hause gab es immer wieder Abwechslung durch
Besuche und Pflege der Geselligkeit. Namentlich durch
Anna’s Onkel, Hofrat Dr. Seitz, wurde das Interesse für
die geistigen Bewegungen der Zeit und die Kunst angeregt,
Man hatte eifrigen Verkehr mit den Bassermannschen Familien.
Bei Louis Alexander Bassermann, der selbst ein
Meister auf dem Violoncello war, fanden sich die Musikfreunde
zu musikalischen Abenden zusammen und bei dem
Parlamentarier Friedrich Daniel Bassermann war der
Sammelpunkt der politisch regen Geister. Man traf dort
Männer wie Leopold Ladenburg, Idstein, Professor Welcker
von Heidelberg, Gervinus, Häußer, Mathy und Hecker,
Auch die Frauen nahmen lebhaften Anteil an den freiheitlich
politischen Bestrebungen,
Eine große Rolle im Leben der jungen Anna Schultz
spielte das Theater, das sie, da ihr Großvater eine eigene
Loge besaß, oft besuchen durfte. Da konnte sie in Egmont
ihre Tränen fließen lassen, „Theater war überhaupt unser
Höchstes und unsere Schwärmerei hatte keine Grenzen,“
Den tiefsten Eindruck machte ihr Jenny Lind, die schwedische
Nachtigall, als diese die Agathe im Freischütz
sang, „Die Arie „Und wenn die Wolke sich verhüllet‘‘
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