geweiht und im gleichen Jahre lief die erste badische Eisenbahn
von Mannheim nach Heidelberg; auf dem Rheine
bliesen die noch neuen Raddampfer stolz ihre schwarzen
Rauchwolken in die Luft, Im Jahre 1845 wurde die aus
Mitteln der Stadt Mannheim mit einem Bauaufwand von
400 000 Gulden hergestellte Kettenbrücke über den Neckar
dem Verkehr übergeben, Nach dem Neckartor fielen in
den folgenden Jahren auch das Rhein- und das Heidelberger
Tor, aber nur ganz zaghaft setzte die Bautätigkeit
ein und nur sehr langsam hob sich die Zahl der Einwohner,
Sie betrug im Jahre 1845 erst 22310, Mannheim war damals
noch eine recht stille Stadt, In den bereits erwähnten
Erinnerungen einer alten Mannheimerin heißt es im Rückblick
auf die Zeit um 1840: „Die Altstadt Mannheim war
damals noch eng zusammengedrängt. Wer Mannheim jetzt
(1904) sieht, kann sich keine Vorstellung machen, wie eng
und klein alles beisammen war, wie still und menschenleer
die Straßen erschienen. In der Breiten Straße mußte
jeden Monat durch einen Arbeiter das Gras herausgestochen
werden. Gemütlich aber war es doch.“
Freilich die Revolutionsjahre 1848—49 brachten nur
zu viel Leben und Aufregung in die Stadt und kamen den
Mannheimern recht teuer zu stehen. Aber unverdrossen
gingen sie mit geschäftigem Eifer daran, ihre Stadt einer
neuen Blütezeit entgegenzuführen.
Die Zollschranken waren gefallen, der Schiffsverkehr
hatte in kurzer Zeit mächtig zugenommen, im Jahre 1844
verkehrten in Mannheim bereits 5178 Schiffe mit fast 2 Millionen
Zentner Fracht, Die Industrie zog ein, die ersten Anlänge
der chemischen Fabrik Wohlgelegen und die Gasfabrik,
die beide ihre Entstehung hauptsächlich dem genialen,
vielseitigen und unternehmungslustigen früheren
Goldarbeiter Friedrich Engelhorn verdanken. Am 1. Dezember
1851 erstrahlte zum ersten Male das Gaslicht in
Mannheim und die alten, über die Straßen gespannten Öllampen
verschwanden, Es ging allenthalben voran.