Full text : Das Haus Röchling in Ludwigshafen a. Rh. 1849-1929

badischen Truppen zu den Alliierten unruhig werden, gab
der damalige Kreisdirektor v. Hinkeldey sein Urteil dahin
 ab, die Mannheimer seien gut badisch, aber schlecht
französisch, Unruhen seien nicht zu befürchten, „denn
hiezu ist der Einwohner in hiesigen Gegenden noch viel zu
weich, voreilig mit dem Maul, aber untätig mit den Händen‘.
 Das Jahr 1818 brachte zur großen Freude der Bevölkerung
 die badische Verfassung, aber als im Jahr darauf
Kotzebue durch den fanatisierten Studenten Karl Ludwig
 Sand ermordet wurde, brach eine Zeit der Reaktion,
der Pressezensur und Polizeischikanen und der Außerkraftsetzung
 der Verfassung an. In diesen Zuständen
konnte sich ein aufrechter und freiheitlich gesinnter Mann
wie Reinhardt nicht mehr wohlfühlen. Er zog sich daher
vom öffentlichen Leben zurück und widmete sich nur noch
seiner Familie. Viele Jahre war er auch Vorstand des
reformierten Kirchenrats, der damals die freisinnige Richtung
 vertrat, Im Alter von 74 Jahren starb er am 27, März
1826. im darauffolgenden Jahre folgte ihm seine Gattin nach.
Drei Tage nach seinem Tode erschien in den „Mannheimer
 Tageblättern‘‘ Nr, 75 folgender herzlich gut gemeinter
 und rührend gereimter Nachruf:

Grabschrift auf den am 27. d. M. verblichenen
HerrnJohann Wilhelm Reinhardt
gewesenem ÖOberbürgermeister und Banquier.,
Wanderer! vernimm die Trauerkunde:
Am Erstehungsfest in ernster Stunde
Starb der nah- und ferngeschätzte Mann.
Welchen Mannheim nie vergessen kann.
Johann Wilhelm Reinhardt, wohlgeboren,
Ward von den Bewohnern einst erkoren
Zu dem Ober-Bürgermeisteramt,
Weil sein Herz von Bürgersinn entflammt.

Wie im Einzeln für das Glück der Seinen.
So auch für das Wohl im Allsemeinen

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