trauen, das man in diesen welterfahrenen, energischen und
selbständigen Mann setzte, war derart gewachsen, daß man
ihm im Jahre 1810 die Stelle des Oberbürgermeisters übertrug,
als welcher er ein Gehalt von 1500 Gulden im Jahre erhielt,
Dieses Amt war für ihn in jenen unruhvollen Zeiten mit
sroßen Sorgen und den schwierigsten Aufgaben verbunden,
zumal er bei der schwachen badischen Regierung
nicht nur keine Unterstützung fand, sondern mit ihr in
einen langwierigen Prozeß verwickelt wurde, der schließlich
zu seinen Gunsten entschieden worden ist, Kriegskontributionen,
Kriegssteuern und sonstige Bedrückungen
lagen schwer auf der Stadt, die allein von April bis Dezember
1815 in 8 Monaten 412 000 Mann Einquartierung
hatte, also durchschnittlich im Monat 51500 Mann. Die
Einwohnerzahl war von 1810 bis 1818 von 25 000 auf 18 000
Seelen gesunken. Die Stadtkasse war völlig erschöpft,
aber Reinhardt gelang es, durch Aufbietung seines ganzen
auswärtigen Kredits 120 000 Gulden vorzuschießen, Als
im Jahr 1817 infolge einer Überschwemmung die Ernte
vernichtet war und eine Hungersnot sich einstellte, kaufte
Reinhardt auswärts größere Mengen Getreide, das den
Bäckern zum Einkaufspreis zinsfrei überlassen wurde, Man
hat ihm dann „für sein mühevolles Geschäft und seine
hierbei betätigte Uneigennützigkeit‘“ öffentlich gedankt.
Im Jahr 1820 legte er sein Amt als Oberbürgermeister
nieder.
Die Zeiten haben sich geändert. Seit 1803 gehörte
Mannheim zum Großherzogtum Baden. Napoleons Adoptivtochter
Stephanie Beauharnais war die Gattin des
späteren Großherzogs Karl (1811—18) geworden. Die
Mannheimer hatten ihr im Jahre 1812 das nach ihr benannte
Stephanienschlößchen geschenkt, zu dessen Ankauf
Reinhardt einen größeren Betrag vorschießen mußte.
Der Rheinbund hatte sich im Jahre 1813 aufgelöst, und als
die badische Regierung befürchtete, die Mannheimer
könnten über den Sturz Napoleons und den Übergang der
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