Reich und verschied, als die deutschen Stämme im Kriege
zusammengeschmiedet wurden und das neue Reich erstand.
Durch vier Generationen erstreckte sich ihr Leben.
Sie kannte noch als junge Frau ihren Schwiegervater, den
ehrwürdigen Pfarrherrn von Saarbrücken, und durchwanderte
vier Jahrzehnte der Biedermeierzeit mit ihrem
trefflichen Gatten, dem hochgeachteten Arzt und Geheimrat,
sie sah ihre Söhne als angesehene Handelsherren in
einer neuen, auf wirtschaftlichem Gebiet mächtig aufstrebenden
Zeit. Und auch noch eine blühende Schar von
Enkelkindern konnte sie in ihrem Alter um sich versammeln.
Und sie hat alles mit offenen Augen nicht nur an
sich vorüberziehen lassen, sondern selbst handelnd eingegriffen,
soviel sie vermochte. Sie hat sich dem Fortschritt
der Zeit nicht verschlossen, freilich sich auch nicht
vom bloßen Scheine blenden lassen. Denn sie hatte scharfe
Augen, die alles, Dinge und Menschen, zu durchschauen
vermochten.
So sind die jungen Röchlings nicht in aristokratischkonservativem
Geiste aufgewachsen, wie er etwa in der
Familie Stumm gepflegt wurde, sondern es ging ein freier,
weltoffener Luftzug durch das Patrizierhaus am Schloßplatz,
Sie wurden Vertreter des von einem starken Kulturoptimismus
beseelten, politischen und wirtschaftlichen
Liberalismus, der namentlich von der Mitte des 19, Jahrhunderts
ab jahrzehntelang auch im Saargebiet vorherrschend
war.
Oft wird der Einschlag übersehen oder zu gering eingeschätzt,
den die Frauen zur geistig-körperlichen Wesensart
einer Familie beigesteuert haben. Frau Charlotte
Röchling ist jedenfalls eine Frau gewesen. deren scharf
ausgeprägter Charakter nicht ohne bestimmenden Einfluß
auf das nachkommende Geschlecht bleiben konnte. Beide
Eltern besaßen ein ernstes Pflichtgefühl, das keinen höheren
Genuß kennt, als die treue Erfüllung der Lebensauf-