einmal eine Türfüllung im Sturmangriff kurzerhand beseitigt
wurde, Es ging recht lebhaft her im Doktorhause,
in dem auch immer wieder verwandtschaftliche Besuche
einkehrten. Frau Charlotte hatte zu sorgen und zu
rechnen, anzuordnen und zu wehren und selbst Hand anzulegen
vom Morgen bis zum Abend, aber ihre zähe Natur,
ihr reger Geist und ihr haushälterischer Sinn bewältigte
alle Aufgaben und überwand alle Schwierigkeiten, vor die
sie sich oft auch durch die Mißgunst anderer Menschen gestellt
sah. Ihr Gatte konnte bei all seiner angestrengten
Tätigkeit sich nur selten der Familie widmen. In seinen
Lebensbedürfnissen war er von der größten Anspruchslosigkeit.
In der letzten Zeit seines Lebens ernährte er
sich meist von Milchsuppe mit Zucker und war der Ansicht,
daß die Röchlings alle ein hohes Alter erreichen
würden, wenn sie mit 40 Jahren anfingen, einfach zu leben.
Er praktizierte noch einen Tag vor seinem Tode. Auf
einem Stuhle sitzend verschied er sanft im Alter von 83
Jahren am 28. April 1855.
Seine Gattin hat ihn um 15 Jahre überlebt. Ihr
Wunsch war es, daß ihre Söhne einmal ein sorgenfreieres
Dasein haben und in gesicherte Lebensstellungen einrücken
sollten. Dieser Wunsch ist in Erfüllung gegangen,
als Carl Schmidtborn, der die von seinem Onkel Friedrich
Röchling gegründete Kohlenhandlung zu neuer Blüte
orachte, nacheinander seine 4 Vettern als Teilhaber in
sein Geschäft aufnahm.
Carl. Schmidtborn war eine vornehme Erscheinung,
der Typ eines wohlhabenden, auf gute Formen und solide
Geschäftsführung haltenden, bedächtigen Handelsherrn.
Da er keinen eigenen Hausstand gründete, zog er im Jahre
1837 zu seinen Verwandten in das Röchlingsche Haus am
Schloßplatz. Er war dort als der „Herr Vetter“ geachtet
und beliebt, die Kinder jubelten ihm entgegen und er ließ
KR