Full text : Das Haus Röchling in Ludwigshafen a. Rh. 1849-1929

feld war, wurde schließlich Pfarrer in Saarbrücken und
zugleich 1. Präsident und Inspektor des Lokalkonsistoriums,
 Über 30 Jahre lang hat dieser wackere Mann, der
in der schweren Zeit der französischen Revolution und
der nachfolgenden französischen Verwaltung des Saargebiets
 mit großer Treue und ungebeugter Kraft sein
Amt versah, in Saarbrücken als Prediger, Seelsorger
und Erzieher gewirkt und sich hohes Ansehen erworben.
 Seine patriarchalische Erscheinung mit der weißgelockten
 Allonge-Perücke, den gütigen Augen und dem
salbungsvollen Munde wurde von dem damals berühmten
Kunstmaler Dryander in einem Ölbilde festgehalten, Aus
seiner "reichgesegneten Ehe mit Klara Wagner, einer
Pfarrerstochter aus Dirmingen, sind 15 Kinder entsprossen,
 von denen bei seinem Tode‘im Jahre 1814 — er wurde
78 Jahre alt — noch 5 Söhne und 2 Töchter lebten. In
dem kindereichen Pfarrhause bei der Ludwigskirche mußte
sparsam gewirtschaftet werden, wenn das Pfarrerseinkommen
 ausreichen sollte. Ja, es waren oft harte und entbehrungsreiche
 Jahre, in denen die Kinder aufwuchsen.
Die Kost war schmal und die Kleidung dürftig; die Knaben
trugen den Winter über ihre von der Mutter gestrickten
Jacken aus selbstgesponnener Wolle, durch die der Wind
blies, Aber sie sind bei der einfachen Lebensweise und in
der Wärme des innigen Familienlebens alle kräftig gediehen;
 die Söhne sind zu tüchtigen Männern geworden,
von denen jeder sich eine solide Lebensstellung zu schaffen
wußte.

Nur der älteste, Christian, hat einen gelehrten Beruf
ergriffen, War es, weil der Vater nicht die Mittel besaß,
um auch die vier anderen Söhne studieren zu lassen oder
war es der Trieb zu wirtschaftlicher Betätigung, der bei
ihnen wieder zum Durchbruch kam, sie wurden Kaufleute
und gründeten sich Handelshäuser, der eine in Löwen, der
andere in Saarbrücken, der dritte in Libau und der vierte

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