hineingezogen. In den Tagen vom 15.—17. Juni 1849
flogen die Kugeln der neun „revolutionären“ badischen Kanonen
von Mannheim nach Ludwigshafen, namentlich auf
die Lagerhäuser und Warenvorräte, und von dort aus zwei
preußischen Geschützen auf die Rheinlust und die Zollhäuser
am Mannheimer Ufer, Die Schiffbrücke wurde teilweise
zerstört. In Mannheim brach im August die Cholera
aus und raffte in kurzer Zeit 352 Menschen dahin. Und
als im Jahre 1850 wieder normale Verhältnisse eintraten
und die Schiffbrücke wieder hergestellt war, hatte Mannheim
an Ludwigshafen für Verluste an Privateigentum und
Lagervorräten 286 000 Gulden zu zahlen. Der Gesamtschaden,
den Ludwigshafen in jenen Tagen teils durch die
Pfälzer Insurgenten, teils durch die Mannheimer Kanonen
erlitten hat, wurde auf 403873 Gulden 57 Kreuzer geschätzt.
Wie es dort aussah, entnehmen wir dem Briefe
einer Mannheimerin (Frau Babette Schultz, der späteren
Schwiegermutter von Ernst Röchling, der wir noch begegnen
werden) vom 29, Juni 1849; „In Ludwigshafen
schwimmt der feinste Wein in den Kellern, auf einem
Comptoir geht man bis an die Knöchel in den Rechnungen
und Wechseln umher, die Hauptbücher fahren auf den
Straßen umher und die kostbaren Stickereien der Frau
von Gurinandt (soll „Gienanth‘“ heißen) werden von den
Soldaten verschenkt, Mehrere Familien flüchteten ihre
Sachen in die Lagerhäuser und ist ihnen alles verbrannt.
Je nach dem der Wind geht, riechen wir hier noch immer
die gebrannte Baumwolle.‘ Das Steuerkapital der Stadt
Mannheim hatte sich in den letzten zwei Jahren um
700 000 Gulden vermindert. Und Ludwigshafen kam immer
mehr voran. Freilich der Ort hatte im Jahr 1850 erst etwa
800 Einwohner, aber als drei Jahre später die eigentliche
Gemeindebildung mit eigenem Bann und eigener Verwaltung
erfolgte, hatte sich die Bevölkerungszahl bereits
verdoppelt.
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