Full text : Band 3 (3)

RIO ist sich darn das leni
Die durteldaub,
Ss ist sich iner stube
Ss streck sein haut,
Suden morgen durteldaub
Lch dancken gott ich streken mein
haut (bis)

Ko ist sich dann der klausie,
Der silber knap,
Er ist in der khamer er rebt es noch,
Guden morgen sitber knap,
Lch dancken gott ich rappen noch,
Lch dancken gott ich dancken.
Amen.

Dieses Lied, mit seinen zahlreichen Varianten, gilt als eines der
ältesten luxemburgischen Volkslieder. Hußerhalb des luxemburgischen
Dialektgebietes ist es in Deutschlothringen oder sonst in einem deutschsprachigen
 Gebiet, soweit mir bekannt, noch nicht festgestellt. Das will
aber nicht besagen, daß es sich um ein spezifisch landschaftliches luxemburgisches
 Volkslied handelt, denn die Volkslieder sind in der Regel Gemeingut
 des ganzen Bereiches, in dessen Sprache das Volkslied gesungen
wird. Das Luxemburgische ist aber nur eine Dialektform des Deutschen,
wie aus dem vorhergehenden Liede „Der Willem und der Esel‘ und aus
dem nachfolgenden: „,‚Bauerngabe‘ deutlich ersichtlich ist. Als Randgebiet
des deutschen Sprachbereiches und somit als Reliktgebiet dürfte das
luxemburgische Diatektgebiet dieses Lied lediglich treuer bewahrt haben
als das Innere dieses Bereiches. Bekanntlich sind Sprachinseln und Randgebiete
 die besten Erhalter alten Volksliedgutes. Dafür liefert Lothringen
mit dem Licd vom „Vorwirt‘“ einen klassischen Beweis.
Das Lied vom „‚Vorwirt‘“ — so nennt man den Vorgänger des jeweiligen
 Wirtschaftsinhabers — wurde vor nahezu 100 Jahren in Österreichisch-
 Schlesien festgestellt. Da es sich nirgends als nur dort im Osten
porfand, hielt man es für ein ausgeprägt landschaftliches Volkslied des
Ostens, sogar slavischer Derkunft, bis dann die „Verklingenden Weisen‘
(Bd. X, S. 59) dieses Lied auch im äußersten Westen nachwiesen. Ich
babe es in Lothringen seither in fünf Varianten vorgefunden. Die beste,
von Keib, Altripp, sei hier wiedergegeben :

Es wollt ein Berr ausreiten,
Wollt auf einen Kirchhof gehn streiten.
Er reitet über ein'n geweihten Kirchhof,
Br reitet über einen geweihten Kirchhof.

Reit du’s ein wenig hinabe,
Du reitest mir über mein Grabe
Es ist sich heut sieben lange Jahr,
XIo du mich hast tot aeschlag.‘

‚Bab ich dich tot geschlagen,
50 muß {ch deine Kinder haben,
Alle deine Kinder und alle deine Freund
Die vor's deinem Tod gewesen seindt.‘“

Und wie der Berr den Bof herein kame,
Yungfräulein ihm entgegenkame:
WMilkomm, willkomm mein edier Berr,
Nas reiten sie so traurig daher.

‚Klaas soll ich denn nicht trauern?
Die Toten wollen nicht verfauten,
Sie reden mit mir aus dem Grab
And laden mich ein zum jüngsten Tao.“

Er steigt nun ab von dem Gaule
Und schlagt Jungfräuelein {ns Maule;
Ist dir es der erst viel lieber als ich,
Lech hab schon lang Sorg getragen über dich.‘

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