Full text : Band 3 (3)

Jeseph der römische Kaiser,
König zu Jerusalem,
Berechtthätiger Weiser,
König {m Ungerland,
In Böhmen und Kroatien,
Zalvonien und Dalmatien,
Erzherzog in Österreich
And Toskana zugleich.

Berzog zu Lotheringen,
Zu Barburg {n Brabant,
In Mantua, Schlesingen,
Zu Stetern, Krain, Mailand,
Und Fürst zu Charlevitle,
In Schwaben, S ebenbürgen,
Markgraf zu Nominey,
Cirolburg auch dabef.

Michael Weiß, Saargemünd, gab ein Fliegendes Blatt mit dem
„Testament Ludwig XVII.‘ heraus;

Crauerlied des verstorbenen Königs von frankreich,
Ludwig XVI.

1 Kommt ber, {hr Menschen dieser Erden, Hört an umd steht ein wenig still;
Bört, was wird vorgetragen werden, In Furcht und Trauer steht mein Sinn, Das kann
Ich nicht mehr verschweigen, Und werde es jetzt zeigen an: Ich Ludwig muß i{n Tod verbileichen,.
 Und verlassen meine Kron".

ss. Fünfzehn König’ sind entwichen, Ludwig lebt’ neun und dreißig Jahr’, Dem
Cod muß ich jetzt unterliegen, Huch ein gesalbter König war; Mein’ Urteilsprecher afnd
gekommen, Sprachen mir das Leben ab, Alles wurde mir genommen, Ich es ihnen
willig gab.

s. Ich begehre noch zu sehen, frau und Kind vor meinem Tod’, Eh’ {ch vor Geri{cht
muß stehen, Der ganzen Welt zu einem Spott! Kommet her, {hr Anverwandte, Bietet
mir die Bände an, Verzeihet mir, {hr Bilutesbande, Wenn ich euch was Leidsa gethan.

4. Ste raubten mir mein’ Frau und Kinder, Und sperrten mich {m Tempel ein ;
Verlassen war ich armer Sünder, Gott möchte mir barmberzig seyn; Die Welt muß ich
jetzund verlassen, Und darf nicht mehr bleiben hier, Reisen auf des Todes Straßen,
Bimmel. ach verzeihe mir!

5. Ich befehle meinen Kindern, Meiner Frau und Schwester an, Daß ste, als verstockte
 Sünder, Nicht verlassen Religion; Sollt’ das Unglück sich ereignen, Und betreffen
meinen Sohn, Daß er müßt’ den Chron besteigen, Empfangen diese Marterkron’.

6. Xch bitt', mein Sohn, du möcht'st verzeihen, Den Menschen die mir Leids gethan,
 €s möcht nach meinem Tod sie reuen, Daß ste mir gaben kein Pardon. Christus
hat zum Opfer sich gegeben, Für alle Sünder {nagemein; Ja er Heß für uns sein Leben,
In sein Blutsopfer schließ ich mich ein.

7. Katholische Kirche, die {ch erkenne Als Mutter meiner Religion, N ’emals wollt‘
ich mich von dir trennen, Lieber verlassen meine Kron’. Das Leben kann man mir zwar
rauben, Doch die Seele bleibet Frei; Hpostolisch {st mein Glauben, Standhaft teb’ {ch und
aterb’' dabei.

8. Ich befehle meine Seele, Gott in sein’ Barmherzigkeit; Der Leib wird kommen
zur Grabeshöhle, Ich überlasse ihn meinem Feind; Ich bitt', Gott möchte {hn’n verzeihen,
db sie schon dürsten nach meinem Blut, Und ihre Sünden auch bereuen, Im Frieden
herrschen nach meinem Tod.

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