Full text : Band 3 (3)

5. So Hegt er lange Jahre
In öder Einsamkeit,
Da hlopft es an die Bahre
Um Mitternächt’ge Zeit. -
Bes klopft und rufet leise:
‚Mach auf, du todter Held!
Es8 kommt nach langer Reise
Bin Gast aus jener Welt !“

7, Da wichen Erd’ und Steine,
Es thut sich auf der Sarg,
Der lange die Gebeine
Des größten Helden barg.
Da strecht des Kaisers Leiche
Die Knochenarme aus,
Und zieht das Kind, das bieiche,
Binab in's Bretterhaus.

6. Es klopft zum zweitenmale;
„Mach’, großer Kaiser, auf!
Es. kommt vom Erdenthale
Ein Bot’ zu dir herauf!“ -
B8 klopft zum drittenmale :
„Mach’, Vater! auf, geschwind,
Es kommt {m Geisterstrable
Zu div dein einzly Kind!"

3. Und ziehet es hernieder:
„So ach’ {ch, theurer Sohn!
Beh’ {ch dich endlich wieder,
Mein Rind, Napoleon !“
Und rücket an die Seite,
Und rücket an die Wand:
„Mein Kind, das ist die Breite
Von meinem ganzen Land.“

9. Da schlingen die Gerippe
Die Rnochen {n einand’
Und UHegen Lipp’ an Lippe
And KHegen Hand in Band,
And zu derselben Stunde
5ehlieBt auch das Grab eich
Das war die letzte Stunde
Yom Baus Napoleon.

schon,

Bet dem 1844 verstorbenen Michael Weiß (Vater von Hnton) wu.
1en wohl kaum Fliegende Blätter mit Napoleonsliedern gedruckt. Dayegen
 erschien 1823 in „Sargemünde, bey Michael Weiß‘ ein 446 Seiten
starkes Buch: „Etwas Gegengift wider den Zeitgeist für den gemeinen
Mann in deutsch Lothringen, durch J. J. Weber, Dastor und Erzriester
 von Wolmünster‘, ein Buch, das sich in der schärfsten Weise
gegen Napoleon äußert, so Seite 377, wo er vom „Antichrist‘“ spricht ;
namentlich aber im 26. Kap. „Die Revolution‘ (S. 336, 338, 339, 342),
wo es u. a. heißt:

„Noch niemal war ein Monarch, der so viel Staat machte, und einen 80 großen
Aufwand. Kein Wunder daher, daß er mußte Spanien, Italien, Deutschland umd Polen
usplündern, und in frankreich die Huflagen vermehren. Alle Gewinnzweige wollte er
an sich ziehen, Er sah sich an für den Eigenthümer der Unterthanen und {brer Güter.
36 achtete er das Leben der Menschen nicht. Viele Millionen Menschen hat er getödtet.
Seitdem die Welt steht, war {hm {m Blutvergießen noch kefner gleich, Nur in Europa hat
or die Erde tausend Stunde in der Länge und bey fünf hundert in der Breite mit Men
schenblut gefärbet., Doch weis {ch nicht ob er nicht noch mehr TChränen als Blut habe
pergieBen lassen. Wer ist, dem er nicht einen Vater, oder Kind, oder Bruder getödtet hat?
30 weit das Blut floß, hat er auch durch sich und die Seinigen alles ausgefressen und
ausgeraubt, Märe er noch länger geblieben, so hätte er noch länger gekrieget. Keinen
Wonarchen, den er nicht gesetzt hätte, hätte er auf’'m Chronen gelassen. Und wenn er am

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