Full text : Band 3 (3)

Jahrmärkten Sängern, die alles Mögliche singen und besingen und ihre
Lieder verkaufen. So erstand ich mir auf dem „Christkindelsmarkt“ zu
Saargemünd am 10. Dez. 1928 um ı Franc ein Blatt mit Liedern, die von drei
jungen Elsässern aus ‚„Mülbüse‘“ vorgesungen wurden. Dabei spielte
der eine die Ziehharmonika, der andere rührte die Trommel und der
dritte verkaufte Blätter mit folgenden Liedern, die die Umstehenden
mitsangen: Trink, Brüderlein ...; Wolgalied...; ’s Elsaß ...; D’r
Ühremacher vun Colmer...

Nr. 29. — Schinderhannes. Vorgesungen von Frau Derbeth-Forschel
 (1863-1932; S. V. WI. Bd. IT $. 403) in Pambach am 23. Febr.
19273 Melodie aufgenommen von Y. Edel. Die Alten wußten vom
Schinderhannes, Pans Bückler, viel zu erzählen, der in nicht allzu weiter
Ferne, im Hunsrück und namentlich an der Nahe bei Kirn um die Zeit
der großen Revolution sein Unwesen trieb, Er soll auch über die Grenze
nach Lothringen gekommen sein. Hm 21. November 1803 wurde er mit
seinen 19 Spießgesellen in Mainz geköpft. Alte Pappelbäume bezeichnen
noch sein Grab. — Jungen HAbenteurern galt er als Beld. Bei all seinen
Räubereien genoBß er beim Volke eine gewisse Sympathie. So bemerkte
frau DBerbeth, als sie das Lied gesungen hatte: „Er bat numme Yudde
umbraat, un bat de arme Litt noch gehulf.‘“ Man sagte von ibm:
Schinderhannes heiß’ ich
Stehle tu’ ich fleißig
Arme KLitt tu’ ich nix
Riche Litt schad’s nix.

Das Licd war sehr verbreitet. Die Varianten, die ich besitze, unterscheiden
 sich weniger durch den Text, als durch die Melodie; so die von
M. Kany, geb. 1832 zu Bliesgersweiler (Kr. Saargemünd), Peter Gangloff,
Dambach, Udilskättel- (1848-1922), Pambach, Th:;rese Stebler, Walschbronn,
 Job. Keib, Altripp, Anna PBilbert, Remeringen, Frau Post, Roth,
und dann noch solche von Sängern aus Geßlingen und Pilsprich.

Es entstammt, wie Kany und Gangloff angeben, einem Buch über
den Schinderhannes, das verkauft wurde „von einem, der so herumging‘“ ;
‚„‚die Wies macht m’r sich dezu,‘“ oder nimmt sie „vum e annere Lied,
wu gepaßt hat.“ Gangloff konnte sich des Liedes nicht mehr ganz entsinnen.
 Als ich es ihm am 24. Juli 1928 nachschrieb und er dabei nicht
mebr zurecht kam, half er sich so: „Wlenn’s nit ganz e so ufenanner
geht, lasse’s numme. Die wu’s drucke, die mache schun, daß es ufenanner
geht. Die Buchdrucker, das sinn jo Dichter.“ Von den vielen Varianten
sei hier die aus dem Liederheft des Schneiders franz Lang (1814-1884),
Bottweiler, wiedergegeben:

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